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Ruhrpott Liebe: Zwei Herzen, Eine Stadt

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In German - write a story about a gay married couple living in Oberhausen consisting of Alex, 31 and Leon, 28. Alex is normal sized and slightly chubby and has a girthy dick and Leon is small and slightly chubby and has a curved dick. Alex prefers to power bottom by riding Leons dick but they both like either person to be the top

Chapter 10: Chapter 10

Das Erwachen war eine langsame Folter. Ein hämmernder Schmerz hinter den Augen, ein metallischer Geschmack, als hätte er auf Altöl gekaut, und ein flaues Gefühl in der Magengrube, das mit jeder Erinnerung an den vergangenen Abend anschwoll. Simon lag regungslos in seinem verschwitzten Bett, das Fenster verdunkelt, und starrte auf den Riss in der Deckenputz über ihm. Der Geruch war noch da: süßlich-faul, eine Mischung aus Sperma, Schweiß und dem scharfen Nachklang von Desinfektionsmittel aus dem Badezimmer. Er hatte stundenlang geputzt, auf allen vieren, den Kopf schwindelig, bis alles weg war. Bis nur noch dieser unsichtbare Film übrig blieb, der auf seiner Haut klebte.

Er hatte kotzend vor der Toilette gehockt, genau wie mit fünfzehn. Nichts hatte sich geändert. Außer, dass jetzt niemand mehr kam, um nach ihm zu sehen. Das war der Deal, nicht wahr? Eigenes Bad, eigene Verantwortung. Ein deal, den er jetzt hasste.

Sein Handy summte auf dem Nachttisch. Eine Nachricht von Lars aus der Skatercrew: Und, alter Hurensohn, lebst noch? Hast du die blaue Tussi endlich rangekriegt?

Simon drehte den Kopf weg. Das grelle Licht des Displays bohrte sich in seinen Schädel. Die blaue Tussi. Er konnte sich kaum an ihr Gesicht erinnern, nur an ein Kichern, an Druck gegen seine Hüfte, an ein Gefühl von dumpfer, geforderter Männlichkeit, das ihn später, allein, zu der schmutzigen Solo-Nummer getrieben hatte. Hatte es ihn angemacht? Ja. Hatte es ihm gefallen? Er wusste es nicht. Es war etwas, das man tat. So wie man Bier trank, bis man umkippte. Ein Ritual. Ein Beweis.

Aber ein Beweis wofür?

Die Frage lag den ganzen Tag über in ihm wie ein unbekannter Knoten. Beim schweigenden Mittagessen mit Alex, der Gemüse schnippelte und ihn nur mit einem kurzen, wissenden Blick bedachte, der alles sagte. Beim Vorbeigehen an Markus' geschlossener Arbeitstür. Beim Geräusch von Leons Stimme am Telefon, frech und lebhaft, so ganz anders als das nächtliche, boshafte Flüstern, das durch die Tür gedrungen war.

Spät am Nachmittag, als das Haus still war, griff er zum Handy. Nicht zu Instagram oder Snapchat. Er öffnete den App-Store. Seine Finger zögerten einen Moment, dann tippte er Tinder ein. Download. Er richtete ein Profil ein mit gemischten Vorlieben. Die Fotos waren eine sorgfältige Kuratierung: eins, wo er skatete, das zeigte, dass er etwas konnte. eins mit halbwegs lässigem Lächeln, das sein Babyfett kaschierte. eins, das ihn von weiter weg zeigte, in einer Gruppe. Der Bio war knapp: Nett, humorvoll, mag Musik und Spontanes. Eine Lüge, die nach Standard roch.

Die ersten Matches kamen schnell, ein Aufblitzen von belangloser Bestätigung. Meist Mädchen.

Lisa (18): Hey, süßes Profil! Skateboarder, nice.

Simon: Hey, danke. Deins auch. Was machst du so?

Lisa: Chillen meistens. Party, Serien. Du?

Simon: Same. Magst du auf n Kaffee oder so? (Er schickte ein Bier-Emoji nach.)

Lisa: Kaffee ist lame. Kommst du zur Lukas-Party am Samstag?

Simon: Kann sein. Wo genau?

Lisa: Schick ich dir dann. Komm allein, ist lustiger ;)

Das war einfach. Er verstand die Regeln. Unverbindlich, gruppenorientiert, alles unter dem Deckmantel von "Spaß". Ein Mädchen wie Lisa erwartete einen bestimmten Typ Mann. Einen, der witzig war, der drankam, der irgendwie dominant war. Konnte er das sein? Vielleicht. Wenn er betrunken war.

Aber dann, nachts, wenn die Gespräche mit Matches wie Lisa ins Leere liefen oder in plumpen Flirts erstickten, schob er den Regler. Nur Männer. Eine andere Welt öffnete sich.

Tim (19): Moin. Gefällt dein Bild. Bist du echt so entspannt, wie du aussiehst? ;)

Simon: Kommt drauf an, denk ich. Du?

Tim: Bin eher der direkte Typ. Was suchst du hier so?

Simon: Kein Plan. Mal schauen, was so geht.

Tim: Gefällt mir. Unkompliziert. Ich wohne allein. Wenn du Bock hast, mal was Unkompliziertes zu machen… kannst ja vorbeikommen. Mein Profil ist leer, weil ich Kollegen von der Arbeit kenne. Aber ich schick dir gern mehr, wenn du willst.

Ein Foto folgte. Tim, ohne Oberkörper, in einem Spiegelselfie im Bad. Schlank, trainierte Arme, ein arrogantes Lächeln. Nicht Simons Typ, aber… sein Puls beschleunigte sich. Es war eine andere Art von Aufregung. Heimlicher, gefährlicher. Er schrieb zurück, ein lockeres Nicht schlecht, und forderte damit implizit mehr heraus. Tim schickte ein weiteres. Diesmal deutlicher. Seine Hand im Vordergrund, die den Ansatz einer Erektion in seiner Jogginghose umschloss.

Tim: Das könnte ich mir vorstellen. Oder du. Wenn du mutig bist.

Simon: Bin ich vielleicht.

Tim: Adresse? Komm jetzt. Mein Mitbewohner ist nicht da.

Simon starrte auf die Nachricht. Jetzt? Es war 23 Uhr. Unten hörte er das leise Murmeln des Fernsehers. Er hätte gehen können. Einfach rausschleichen. Das hier war der direkte Weg, die Antwort zu finden. Etwas körperliches, ohne Partygetue, ohne Gruppendruck. Ein Experiment. Aber eine Angst, schwer und kalt, setzte sich in seine Eingeweide. Er antwortete nicht. Nach fünf Minuten kam eine weitere Nachricht.

Tim: Dachte ich's mir. Spielst nur. Viel Spaß noch.

Die Scham war intensiver als jede aus der Nacht zuvor. Er blockierte Tim. Sein Atem ging flach. Warum hatte er Angst? Was, wenn er ging und es tat, und es war… falsch? Oder richtig, aber er konnte es danach nie mehr abschütteln?

Er löschte Tinder. Die nächsten Tage waren ein Wechselbad. Er lud Bumble und OkCupid herunter. Seine Konversationen wurden zu einer seltsamen Befragung seiner selbst.

Mit Mia (19) schrieb er über Musik, und als sie fragte, ob er eine Freundin habe, erwiderte er ausweichend: Bin momentan nicht wirklich auf was Festes aus. Will mich erst mal kennenlernen. Sie schien das zu mögen. Sie vereinbarten ein Treffen im Café. Er saß ihr gegenüber, trank einen Latte, und versuchte, ihren Witzeln zu folgen, während sein Blick immer wieder auf ihre Lippen, ihre Hände, ihren Halsausschnitt fiel. Sie war hübsch. Es war… nett. Aber als sie am Ende zaghaft ihre Hand über seine legte, zuckte er innerlich zusammen. Ein reiner Reflex. Er lächelte verlegen. Sie zog die Hand zurück. Es wurde nichts daraus.

Parallel lief ein Chat mit Jannis (20). Jannis schrieb in langen, literarischen Sätzen über Filme und seine Identitätskrise. Er outete sich als pansexuell. Simon musste das Wort googeln.

Jannis: Ich stehe auf Menschen, nicht auf Geschlechter. Es geht um die Energie, die jemand ausstrahlt.

Simon: Und was strahl ich so aus? 😅

Jannis: Unsicherheit. Aber die ehrliche Sorte. Das ist erfrischend.

Jannis: Ich mag deine Fotos. Du siehst weich aus. Nicht so hart wie die ganzen Fitness-Jungs.

Weich. Das Wort traf Simon unvorbereitet. Es war nicht "muskulös" oder "sportlich". Es war nicht mal "chubby". Es war weich. Und Jannis mochte das. Eine Wärme, die nichts mit Erregung zu tun hatte, breitete sich in seiner Brust aus. Sie schrieben wochenlang. Es war der intensivste Kontakt. Sie trafen sich in einem Park. Jannis trug Ringe an den Fingern und roch nach Sandelholz. Sie sprachen stundenlang, und es fühlte sich an wie atmen. Als sie sich verabschiedeten, umarmte Jannis ihn. Es war eine lange, feste Umarmung. Simon spürte den schlanken Körper des anderen, sein Herzschlag. Es war schön. Aber war es mehr? Er wusste es nicht. Jannis küsste ihn nicht. Vielleicht spürte er Simons Verwirrung.

Die App wurde zum Labor. Er führte die gleichen Gespräche, testete unterschiedliche Versionen von sich selbst. Mit Frauen war er der lockere, vielleicht etwas zu forsche Typ. Mit Männern war er zurückhaltender, neugieriger, verletzlicher. Welches war er wirklich? Nach jedem verabredeten oder geplatzten Treffen fühlte er sich hohler, als sei ein weiteres Stück von ihm abgebrochen und auf seine Unfähigkeit hin untersucht worden.

Dann, an einem regnerischen Donnerstagabend, traf er auf Finn (18). Finns Profil war einfach: ein verschwommenes Foto von seinem Nacken und seiner Schulter, der Benutzername nurmalso_. Seine Bio: Auch nur ein Typ, der bisschen Ablenkung sucht. Nettes Labern geht auch.

Simon schrieb ihn an. Das Gespräch floss mühelos, unprätentiös. Sie redeten über die bescheuerten Jobs, die sie hatten, über die Tristesse Oberhausens an Regentagen. Finn erwähnte, dass er bei seinen Eltern wohnte, aber sie seien übers Wochenende weg. Irgendwann, gegen Mitternacht, schrieb Finn:

Finn: Hier ist so sau ruhig, könnt' dich fast gruseln. Hast du eigentlich Bock, dass wir das Labern mal in echt fortsetzen? Kein Stress. Könn' auch einfach zocken oder so.

Es war keine direkte Aufforderung. Es klang nach Gesellschaft. Nach etwas, das nach mehr klingen konnte, aber auch nicht musste. Genau diese Unverbindlichkeit lockte Simon. Er sagte zu.

Die Wohnung von Finns Eltern war ein Reihenhaus in einer schmucklosen Siedlung. Finn öffnete die Tür, und Simon sah ihn zum ersten Mal richtig: Er war fast so groß wie Simon, ähnlich gebaut, ein bisschen chubby, mit hellblonden, strubbeligen Haaren und einem unsicheren Lächeln. Er trug eine ausgewaschene Jogginghose und ein zu großes Bandshirt. Er sah aus wie Simon. Das war der erste Schock. Nicht wie Tim, nicht wie Jannis. Wie er.

„Komm rein,“ sagte Finn und trat zur Seite. „Ist bissl unordentlich.“

Es war unordentlich. Pizza-Kartons, Konsolen-Controller, eine Duftkerze, die nach Kokosnuss roch und den muffigen Unterton nicht überdecken konnte. Sie setzten sich auf die Couch, zockten eine Runde FIFA. Das Gespräch stockte zunächst, dann fand es wieder in den Gleisen der Chatnachrichten. Es war einfach. Es war normal.

„Und,“ sagte Finn irgendwann und ließ den Controller sinken. „Was suchst du eigentlich hier? Auf den Apps?“

Simon zuckte mit den Schultern. „Weiß nicht. Herausfinden, glaub ich.“

„Ja.“ Finn sah ihn an. „Same.“

Eine Stille breitete sich aus, aber sie war nicht unangenehm. Sie war voller Verständnis. Finn lehnte sich zurück, sein Arm berührte Simons Arm. Eine zufällige Berührung. Sie blieb. Simon spürte die Wärme durch den Stoff seines eigenen Shirts. Sein Herz klopfte, aber nicht vor Panik. Vor Erwartung.

„Findest du das auch so seltsam?“ fragte Finn leise. „Dass man da so tut, als wüsste man genau, was man will?“

Simon nickte. „Als ob alle ne Gebrauchsanweisung hätten. Nur ich nicht.“

Finn drehte seinen Kopf. Sein Gesicht war ganz nah. Seine Augen suchten Simons, fragend, unsicher. „Kann ich was ausprobieren?“

Simon erstarrte. „Was?“

„Nur… ein Kuss. Um zu sehen.“

Es war so plump, so ehrlich. Es war genau das, was Simon selbst gedacht, aber nie ausgesprochen hatte. Er nickte kaum merklich.

Finn beugte sich vor. Seine Lippen waren trocken, weich. Sie berührten Simons Lippen, blieben einen Moment lang liegen, ein stiller, sanfter Druck. Es war kein Filmkuss. Keine Leidenschaft. Es war eine Frage. Sie trennten sich. Finn sah ihn an, seine Augen weit aufgerissen.

„Und?“ flüsterte Finn.

„Weiß nicht,“ flüsterte Simon zurück. „Nochmal?“

Der zweite Kuss war weniger steif. Ihre Münder bewegten sich, öffneten sich ein wenig. Simon schloss die Augen. Er konzentrierte sich auf das Gefühl. Die weichen Lippen. Der Geruch nach Kokosnuss und Teenager-Shampoo. Die Wärme von Finns Körper neben sich. Es war… angenehm. Es machte ihn nicht verrückt, aber es roch nicht nach falscher Performance. Es fühlte sich nach Gleichstand an.

Ihre Hände fanden einander, verhakten sich, eine verkrampfte Umklammerung. Der Kuss wurde tiefer, ihre Zungen berührten sich schüchtern. Ein leises Stöhnen entwich Finn, und dieses Geräusch, so verletzlich, traf Simon irgendwo im Bauch. Plötzlich wollte er mehr fühlen. Nicht, weil es „Mann und Frau“ war. Sondern weil es dies war. Diese spezifische, verlegene Verbindung.

Er zog sich zurück, atmete schwer. „Sollen wir… woanders hin?“

Finns Zimmer war eine typische Jugendhöhle. Sie standen unsicher neben dem Bett. „Ich… hab noch nie… mit nem Typen…“, gestand Finn.

„Ich auch nicht,“ sagte Simon. Die Gleichheit war wieder da, beruhigend.

Sie zogen sich aus, hastig, ohne Anmut, und standen sich nackt gegenüber. Zwei junge, weiche Körper, ähnlich genug, um sich nicht zu fremdeln, unterschiedlich genug, um fasziniert zu sein. Simons Schwanz war halb steif, ebenso wie Finns. Es war keine brutale, geforderte Erektion. Es war eine neugierige.

Sie fielen aufs Bett, ein Gewirr von Gliedmaßen, und küssten sich wieder. Ihre Hände erkundeten: die rundlichen Bäuche, die Brustwarzen, die Rücken. Es war tapsig, unbeholfen. Simons Hand glitt zwischen sie, umfasste Finns Schwanz. Er war warm, von gleicher Dicke wie seiner, die Haut weich. Er rieb ihn langsam auf und ab. Finn stöhnte und machte das Gleiche für ihn. Es war ein synchroner Akt der Erkundung.

„Magst du das?“ hauchte Simon.

„Ja. Und du?“

„Ja.“

Sie rieben sich eine Weile, schneller werdend, ihre Stöhnen mischten sich im dunklen Raum. Es war masturbatorisch, aber gemeinsam. Ein geteilter Fokus. Simons Geist war still. Keine Bilder von blauhaarigen Mädchen. Keine Gedanken daran, was es bedeutete. Nur die Hitze, die sich in seinem Unterleib zusammenballte, der feuchte, reibende Griff von Finns Hand, der Geruch ihres gemeinsamen Schweißes.

Finn kam zuerst. Mit einem erstickten Schrei spritzte er über Simons Hand und seinen eigenen Bauch. Die Kontraktionen seines Körpers, sein entspanntes Stöhnen danach, lösten in Simon etwas aus. Seine eigene Ejakulation folgte Sekunden später, ein heißer Strahl, der auf seinen Bauch und die schon verschmierte Haut zwischen ihnen spritzte.

Dann lagen sie da, atmeten keuchend. Die Stille kehrte zurück, aber sie war anders als vorher

Dann lagen sie da, atmeten keuchend. Die Stille kehrte zurück, aber sie war anders als vorher. Sie war warm und klebrig, erfüllt von einem zarten Knacken in der Luft, dem Geräusch zweier Körper, die sich gerade neu vermessen hatten. Simon starrte auf den schäbigen Popstar-Poster an Finns Decke, seine Gedanken rasten nicht. Sie krochen. Das war es also. Weder Schrecken noch Ekstase. Nur eine vertraute Befremdlichkeit, als hätte er in einen Spiegel geküsst.

„Okay?“ murmelte Finn. Seine Stimme war belegt.„Ja. Okay.“ Simon spürte die getrocknete Schicht zwischen ihren Bäuchen anfangen zu jucken. „Und bei dir?“

„Komisch. Aber gut komisch, glaub ich.“ Finn drehte sich auf die Seite, sein Atem strich über Simons Schulter. „Willst du… duschen oder so?“

Sie standen unter der engen Brause zusammen, wichen einander aus, dann nicht. Sie seiften sich ab, die Hände glitten über Rücken und Arme, eine praktische, fast klinische Säuberung. Keine Erregung mehr, nur eine seltsame Intimität. Als Simon sein Hemd überzog, bemerkte er, wie Finn sein Handy checkte.

„Sollen wir… das nochmal machen?“ fragte Finn, ohne aufzusehen. „Nur so. Kein Stress.“

„Klar,“ sagte Simon, und ihm fiel ein Stein vom Herzen, weil er es nicht selbst vorschlagen musste.

Der Heimweg im Nachtbus war ein Schleier aus Sinneseindrücken. Der Geruch nach Kokosnuss hing noch in seinen Haaren. Der Geschmack von Finns Mund – nach Cola und salziger Haut – war ein schwacher Nachgeschmack. Sein Körper fühlte sich nicht benutzt oder triumphal an. Er fühlte sich benutzt worden, aber auf eine Weise, die eine Frage beantwortet, nicht aufgeworfen hatte. Zu Hause schlich er die Treppe hoch. Aus dem Wohnzimmer drang das gedämpfte Grollen eines Kriegsfilms. Alex und Leon waren wach.

Er ging an seine Tür, blieb stehen. Er legte das Ohr an das kühle Holz. Nichts. Kein Stöhnen, kein Schlag an die Wand.Nur der Film. Eine normale Nacht. Diese Normalität fühlte sich plötzlich an wie eine andere Art von Lüge. Er zog sein Handy heraus. Ein neuer Match auf Bumble. Ein Mädchen namens Selina. Ihr Profilbild zeigte sie lachend auf einem Musikfestival.

Selina (19): Hey Simon! Du siehst aus, als könntest du ein Bier vertragen 😉

Er antwortete nicht sofort. Er öffnete stattdessen sein Gespräch mit Finn. Die letzte Nachricht war sein eigenes Bin gut heimgekommen. Finn hatte mit einem Daumen-hoch-Emoji geantwortet.Es war nichts. Es war alles. Er schrieb an Selina.

Simon: Hey. Könnte ich gebrauchen, ehrlich gesagt. Hartnäckiger Kater.

Das war die Rolle. Der lockere Typ mit dem Kater. Er konnte das. Er wusste, was von ihm erwartet wurde. Es war anstrengend, aber es war ein Skript, während das mit Finn… ein Improvisation war. Unmöglich zu sagen, wie das enden würde. Ein paar Tage später traf er sich mit Selina. Sie tranken tatsächlich Bier an der Turbinenhalle, während seine Skaterfreunde lärmend Tricks übten. Sie war laut, sie lachte schrill, sie tippte ihm ständig gegen den Arm. Er küsste sie gegen Ende des Abends, drückte sie an die graffitibeschmierte Wand, und sie erwiderte den Kuss gierig, ihre Zunge drang sofort in seinen Mund. Es war anders. Ein Wettkampf.

Selina (am nächsten Tag): Das gestern war hot. Wann seh ich dich wieder, Skaterboy? 😉

Er schrieb zurück, machte vage Pläne. Sein Telefon vibrierte. Eine andere Nachricht.Finn.

Finn: Zock grad. Ist mega langweilig allein. Bock auf Runde FIFA und… was auch immer?

Das „was auch immer“ hing da, unspezifisch und verheißungsvoll. Simon fühlte einen kleinen Stich, etwas wie Aufregung, vermischt mit einer tiefen Müdigkeit. Er log Selina an, schrieb Kann heute nicht, Familiensache, und fuhr zu Finn. Es wiederholte sich. FIFA. Dummes Gelaber. Dann Schweigen. Dann das unausgesprochene Einverständnis, sich auf Finns Bett fallen zu lassen.

Diesmal war es weniger schüchtern. Ihre Küsse hatten eine gewisse Dringlichkeit. Finns Hand griff direkt in Simons Jogginghose, umschloss seinen Schwanz, der sofort hart wurde. „Scheiße, du reagierst schnell,“ murmelte Finn gegen seinen Mund.

„Du auch,“ keuchte Simon und wühlte seinerseits in Finns Hose, fand ihn schon steif und feucht an der Spitze. Es war ein gegenseitiges Wichsen, atemlos und effizient. Keine Romantik, nur ein knopfdrücken. Ihre Stirnen berührten sich, ihre Augen waren geschlossen, ihre Atemzüge synchronisierten sich zu einem heißen, schnellen Rhythmus.

„Ich will…“, sagte Finn abgehackt, „ich will dich mal richtig blasen. Geht das?“

Simon konnte nur nicken. Finn rutschte den Körper hinab, nahm Simons gesamte Länge in den Mund, mit einer unbeholfenen Gier, die fast schmerzhaft war. Seine Zunge wirbelte um die Eichel, seine Lippen schoben sich am Schaft rauf und runter. Simon stöhnte, grub seine Finger in Finns strubbeliges Haar. Der Blick nach unten, zu sehen, wie sein eigener dicker Schwanz in eines anderen Jungs Mund verschwand, ließ seine Hüfte unwillkürlich nach oben stoßen. „Nicht so tief,“ japste Finn und würgte ein bisschen.

Es war ungeschickt, aber gnadenlos ehrlich. Nach einer Weile wechselten sie. Simon tat es Finn an. Der Geschmack war salzig, spezifisch. Es war nicht eklig. Es war nur… neu. Er konzentrierte sich auf die Geräusche, die Finn von sich gab, kleine, hohe Stöhnlaute, die ihm sagten, was funktionierte.

„Ich komm gleich,“ warnte Finn, seine Stimme ein hohes Kreischen. Simon hörte nicht auf. Finns Hände krampften sich in die Bettwäsche, sein Körper spannte sich an, und dann schoss ihm heiß und dünnflüssig in den Mund. Simon schluckte, überrascht von seinem eigenen Mangel an Widerwillen. Er zog sich zurück, spuckte den Rest in eine Faust. Finn lag da, erschöpft, und sah ihn an. „Dein Ernst? Du hast’s…?“

Simon zuckte mit den Schultern. Er spürte seine eigene, unerledigte Spannung. „Kannst du… ich bin noch…“

Finn setzte sich auf, noch immer atemlos. „Dreh dich um.“ Es war keine Frage. Eine Anweisung, aber ohne Leons bösartige Note. Simon gehorchte, drehte sich auf alle viere. Er hörte Finn nach etwas kramen, dann das Knacken einer Tube. Kalte, glibbrige Finger fuhren zwischen seine Pobacken, schmierten sein Loch grob ein. Es war nicht genug. Finn spuckte drauf, ein nasses, kaltes Spritzer zusätzlich.

„Sag, wenn’s wehtut,“ sagte Finn, aber seine Stimme zitterte vor Aufregung. Simon hörte, wie Finn sich selbst mit dem Gleitmittel einschmierte. Dann spürte er den stumpfen, feuchten Druck von Finns Schwanzspitze an seinem Eingang. Er hatte nicht darüber nachgedacht, dass es so weit gehen würde. Die Luft blieb ihm weg. Finn drängte sich hinein. Ein scharfer, brennender Riss.

„Scheiße, halt,“ stieß Simon hervor. Finn erstarrte, halb drin. Der Schmerz pulsierte. Dann verwandelte er sich langsam in ein Gefühl unerträglicher Fülle. „Okay. Geh langsam.“

Finn bewegte sich. Vorsichtig zuerst, dann ungeduldiger. Seine kleinen, weichen Hüften klatschten gegen Simons Hinterbacken. „Fühlst du dich… enger an als…?“ Finn konnte den Satz nicht beenden. Er stieß härter zu. Simon vergrub sein Gesicht in der Matratze, die wie alte Milch roch. Jeder Stoß verschob ihn auf dem Bett. Es war kein rauschhafter Akt der Vergeltung wie bei den Männern unten. Es war unbeholfen, neugierig, manchmal schmerzhaft. Seine eigene Erregung, die nachgelassen hatte, kehrte wieder, getrieben von der puren, mechanischen Reibung.

„Du hast so einen fetten Arsch,“ keuchte Finn, seine Hände packten Simons Hüften, die Daumen gruben sich in das weiche Fleisch. „Willst du, dass ich schneller mache?“

„Ja,“ knurrte Simon. Er war überrascht von sich selbst. Finn beschleunigte seinen Rhythmus, seine Stöße wurden ungleichmäßig, unkontrolliert. Das Bett quietschte in einem trostlosen, einsamen Beat. Simon erreichte unter sich, packte seinen eigenen schweren Schwanz und begann, sich im Takt von Finns Vorstößen zu wichsen. Es war ein doppeltes Gefühl von Ausgefüllt-Werden und eigenem Druck.

„Ich komm! Ich komm!“ schrie Finn, und seine Bewegung erstarrte zu einem langen, zitternden Stoß. Simon spürte die warme Pulsierung tief in sich. Es trieb ihn über den Rand. Sein eigener Orgasmus schoss heraus, streifte die Unterkante der Matratze und tropfte auf den Boden.

Finn zog sich mit einem schmatzenden Geräusch zurück und fiel neben ihn. Sie lagen wieder in Schweigen gehüllt, aber diesmal war die Klebrigkeit zwischen Simons Beinen nicht nur sein eigenes Sperma. Er fühlte es auslaufen. Das war noch neuer.

„Alter,“ sagte Finn nach einer ewigen Minute. Das war alles.

„Ja,“ sagte Simon.

Sein Telefon leuchtete in der Dunkelheit auf. Eine Nachricht von Selina.

Selina: Hey, du bist ja wieder ghost! Unsere Pläne für morgen stehen, oder? Ich hab richtig Bock auf dich.

Er löschte die Benachrichtigung. Eine andere Nachricht kam herein. Alex.

Alex: Bist du unterwegs? Möchtest du morgens gemeinsam frühstücken?

Das war der Code. Die Einladung, über das zu reden, worüber sie nie redeten. Simon sah von seinem Handy auf zu Finn, der schon halb schlief. Hier war eine Wahrheit, roh und unelegant. Aber sie war seine. Unten wartete ein Frühstück, das nach einer anderen, komplizierteren Wahrheit schmeckte, einer, die durch Schweigen und laute Ablenkungen erstickt wurde.

Er antwortete Alex.

Simon: Bin bei nem Kumpel. Frühstück klingt gut. Bräuchte eh was Solides.

Er würde hingehen. Er würde wahrscheinlich wenig sagen. Aber er würde mit dem neuen Wissen an jenem Küchentisch sitzen, dem klebrigen Gefühl zwischen seinen Beinen, und zum ersten Mal in drei Jahren spürte er etwas wie einen winzigen Vorsprung. Er wusste etwas über sich, das sie nicht wussten. Und während das nicht viel war, war es mehr, als sie je von ihm preisgegeben hatten. Es fühlte sich nach dem Anfang einer Waffe an, oder vielleicht einem Schild.

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