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Ruhrpott Liebe: Zwei Herzen, Eine Stadt

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In German - write a story about a gay married couple living in Oberhausen consisting of Alex, 31 and Leon, 28. Alex is normal sized and slightly chubby and has a girthy dick and Leon is small and slightly chubby and has a curved dick. Alex prefers to power bottom by riding Leons dick but they both like either person to be the top

Chapter 46: Chapter 46

Das Hotelzimmer roch nach chlorhaltigem Reiniger und abgestandenem Rauch. Es war ein billiges Ding in der Nähe des Hauptbahnhofs Hamburg, mit einem orangefarbenen Teppich, der fleckig war, und einem großflächigen Druck eines Segelboots über dem Bett. Janis stand am Fenster, die Hände in den Taschen seiner Jeans vergraben, und starrte auf die gleißenden Lichter der Reeperbahn hinunter. Der Bahnhof, ein Monument aus Glas und rostbraunem Beton, fraß das bleiche Nachmittagslicht.

Finn hatte den Raum betreten und die Tür hinter sich ins Schloss fallen lassen. Jetzt saß er reglos auf der Kante des Doppelbetts, den Rucksack zwischen den Füßen. Seit ihrer wortlosen Umarmung im Flur zehn Minuten zuvor hatten sie kein Wort gewechselt. Die Luft zwischen ihnen war dick von allem, was nicht gesagt worden war: von den fremden Körpern, den einsamen Nächten, dem telefonischen Geständnis, dass das Einzige, was nicht brannte, der andere war.

„Siehst müde aus“, brach Janis das Schweigen, ohne sich umzudrehen. Seine Stimme war rau von der Zugfahrt.

„Du auch“, sagte Finn. Er zog die Kapuze seiner dünnen Jacke aus. Das blaue Haar war verblasst zu einem matten Gräulich, an den Schäfen schon deutlich dunkler nachgewachsen. „Feuer gelöscht?“

„Immer.“ Janis drehte sich endlich um. Sein Gesicht war strenger geworden, die Linien um den Mund härter. Die Grundausbildung und der harte Dienst hatten ihm einen knochenlosen Zug verliehen. „Aber das hier brennt ja weiter.“

Sein Blick traf Finns. Es war keine Frage. Es war eine Anklage und ein Eingeständnis in einem. Finn schluckte. Seine Finger zitterten leicht, als er an den Schnürsenkeln seiner Sneaker herumfummelte.

„Hast du Hunger?“, fragte er, ein blöder, hilfloser Versuch von Normalität.

„Nein.“

„Durst?“

„Finn.“

Die Art, wie er seinen Namen sagte – ein abgehackter, erschöpfter Laut – ließ Finn aufsehen. Janis sah aus wie ein Mann am Ende eines sehr langen Seils. All die angestaute Wut, die disziplinierte Strenge, die harte Schale des Feuerwehrmanns… sie hatte einen winzigen, kaum sichtbaren Riss.

Finn stand auf. Sein Herz hämmerte gegen seinen Brustkorb wie ein gefangener Vogel. Er trat auf Janis zu, langsam, als nähere er sich einem scheuen Tier. Einen Schritt vor ihm blieb er stehen. Er roch nach kaltem Stadtwind, Zigarettenrauch und dem sauberen, metallischen Geruch von Janis’ frisch gewaschenem Hemd.

„Du hast gesagt, wir reden nicht“, flüsterte Finn.

„Hab ich.“

Finn hob eine Hand, legte sie flach auf Janis’ Brust, über das grobe Baumwollhemd. Er konnte den harten Schlag seines Herzens darunter spüren. Janis’ Augen schlossen sich für einen Sekundenbruchteil. Als sie wieder aufgingen, war etwas in ihnen gebrochen, ein Damm, der nachgegeben hatte.

Sie kollidierten nicht. Sie fielen ineinander. Janis’ Arme schlossen sich um Finns Rücken, so brutal fest, dass die Luft aus Finns Lungen entwich. Finns Hände krallten sich in Janis’ Haare, zogen seinen Kopf herab. Ihr erster Kuss war kein Kuss, sondern ein Zusammenprall von Zähnen und Lippen, eine animalische Bestätigung, dass der andere da war, wirklich da, Fleisch und Knochen und nicht nur eine Stimme im Telefon. Es schmeckte nach Salz und verzweifelter Ankunft.

Janis wandte sein Gesicht ab, atmete keuchend gegen Finns Schläfe. „Ich hab dich vermisst, du Arschloch. So sehr, dass ich dachte, ich dreh durch.“

„Ich auch“, keuchte Finn, während seine Hände das Hemd aus Janis’ Hose rissen, sich darunter schoben, die warme, feste Haut seines Rückens ertasteten. „Die anderen… es war nichts. Es war wie Luft atmen.“

Janis packte Finns Hüften, drehte ihn herum und schob ihn gegen die kühle Fensterscheibe. Das kalte Glas traf Finns Rücken durch das dünne T-Shirt. Draußen fuhr eine S-Bahn vorüber, ein lautloses Gleiten hinter der Reflexion ihrer beiden Körper.

„Zeig es mir“, knurrte Janis, seine Hände fuhren ruppig an Finns Jeans hinunter, knöpften sie auf, zogen sie mit einem Ruck über seine Hüften. „Zeig mir, dass du meiner bist.“

Finn stieß seine Hüften nach vorne, sein schon halb steifer Schwanz spannte gegen den Stoff seiner Boxershorts. „Bin ich immer. Immer.“

Janis zog ihn vom Fenster weg, warf ihn auf das Bett. Die Federung quietschte laut. Er folgte ihm, knöchelte sich zwischen Finns Beine, seine eigenen Hosen waren schon geöffnet. Es gab keine Zärtlichkeit, keine Geduld. Nur ein nacktes, gieriges Wiedersehen. Janis riss Finns Unterhose zur Seite, packte seinen Schwanz, rieb ihn einmal, zweimal grob mit der Handfläche. Finn stöhnte auf, sein Kopf warf sich nach hinten.

„Nicht… nicht so“, stieß Finn hervor. „Ich will dich drin spüren. Jetzt. Sofort.“

Janis fluchte leise, griff nach der Jeansjacke, die er auf den Stuhl geworfen hatte, und fischte ein kleines Päckchen Gleitgel und Kondome aus der Tasche. Seine Bewegungen waren routiniert, schnell. Er schob Finns Beine auseinander, kniete dazwischen. Das Knacken der Gleitgeltube hallte im stillen Raum.

„Das wird weh tun“, warnte Janis, sein Blick war dunkel und ehrlich.

„Gut.“

Ein kalter Finger, mit zu viel Gel beschmiert, drang ohne Vorbereitung in ihn ein. Finn biss sich auf die Lippe, ein scharfer Schmerzschuss, der sofort in tiefes Brennen überging. Es war genau das, was er wollte. Etwas Reales. Etwas, das die Monate der Trennung auslöschen konnte. Ein zweiter Finger folgte, eine hastige, brutale Dehnung.

„Mehr“, flehte Finn.

Janis zog die Finger heraus, machte sich mit raschen, fahrigen Bewegungen mit einem Kondom fertig. Sein Gesicht war eine Maske konzentrierter Anspannung. Er richtete sich auf, positionierte sich. Die Spitze seines Schwanzes drückte gegen Finns trotzdem Gel noch zu enge Öffnung.

Ihre Blicke trafen sich. In diesem Moment war alles da: die verbrannte Wohnung in Essen, die fremden Männer auf den Ledercouches und in den Bibliothekstoiletten, die endlosen Nächte mit dem Handy in der Hand. Die Schuld, die Sehnsucht, die unmögliche, verfluchte Liebe.

Janis stieß zu.

Finn schrie auf, ein kurzer, abgehackter Laut, der im Kissen erstickte. Der Schmerz war weiß und hell, ein sich ausdehnender Riss. Janis blieb stecken, zitterte, sein ganzer Körper war eine einzige gespannte Sehne.

„Fick, Finn…“, stöhnte er, seine Stirn sank gegen Finns Schulter.

„Beweg dich“, keuchte Finn, seine Nägel gruben sich in Janis’ Rücken. „Hör nicht auf. Bitte.“

Janis begann zu stoßen. Zuerst langsam, steif, dann fanden sie einen Rhythmus, rau und ungeschliffen, aber ihren eigenen. Es war keine Vereinigung der Liebe, sondern eine der Besitzergreifung, eine blutige Rückeroberung. Janis’ Hüften schlugen gegen Finns Gesäß, ein klatschendes Geräusch, das sich mit ihrem schnellen Atem vermischte. Der Schmerz verwandelte sich für Finn in eine überwältigende Fülle, in ein Gefühl von Grenzen, die überschritten wurden, von einer Leere, die endlich gestopft wurde.

„So voll“, murmelte Finn, seine Augen waren geschlossen, sein Gesicht in die verschwitzten Kissen gedrückt. „Du füllst mich so aus, Janni.“

Janis antwortete mit einem tiefen Stoß, der Finn nach vorne schob. Seine Hände gruben sich in Finns Hüften, hielten ihn fest. „Gehörst mir. Nur mir. All die anderen… sie waren nichts. Verstehst du? Nichts.“

„Ja“, schluchzte Finn. Die Bewegung wurde heftiger, unkontrollierter. Janis beugte sich vor, sein Mund suchte Finns Nacken, biss zu, nicht sanft, sondern mit einer animalischen Geste des Markierens. Der Orgasmus baute sich in Finn nicht langsam auf, sondern brach wie eine Welle über ihn herein, unerwartet und gewalttätig. Er kam mit einem erstickten Schrei, sein Körper zuckte und klammerte sich um Janis herum.

Die plötzliche, heftige Enge trieb Janis über den Rand. Sein Stöhnen war ein dumpfes, tierisches Geräusch, das er in Finns Haar erstickte. Er rammte sich noch ein, zweimal, dreimal tief in ihn hinein, zuckend, als er sich im Kondom entleerte.

Dann war nur noch Stille, durchsetzt von ihrem keuchenden Atem. Der Geruch von Schweiß und Sex lag schwer in der Luft. Janis blieb auf ihm liegen, sein Gewicht eine erdrückende, notwendige Last. Finn konnte den schnellen Herzschlag in Janis’ Brust auf seinem Rücken fühlen.

Nach langen Minuten rollte Janis zur Seite. Sie lagen nebeneinander, an den Händen gefesselt, starrten an die gelbe Decke. Die Scham kam langsam, eine giftige Nachlaufwelle.

„Das war…“, begann Finn, aber die Worte fehlten.

„Scheiße“, beendete Janis den Satz mit matter Stimme. „Das war einfach nur Scheiße.“

„Nein.“ Finn drehte den Kopf. „Nicht einfach. Nie einfach.“

Janis wandte ihm sein Gesicht zu. Seine Augen waren nass. „Ich kann nicht mehr. Ich kann nicht da draußen sein und so tun, als wäre alles in Ordnung, und wissen, dass das hier… dass das hier das Einzige ist, was mich am Leben hält.“

„Dann hör auf zu tun, als wär alles in Ordnung.“

„Und was sollen wir machen?“ Janis’ Stimme erhob sich, ein Riss von Verzweiflung. „Sollen wir nach Hause gehen und es allen erzählen? Maja? Den Kindern? Alex und Leon? ‚Hey, übrigens, wir ficken uns seit einem Jahr und sind wahrscheinlich in uns verliebt, aber macht euch nichts draus‘?“

„Ich weiß es nicht!“, schrie Finn zurück, die Emotionen brachen endlich durch. „Aber das hier… das aushalten… das tötet mich, Janis! Dieses Lügen, dieses Verstecken. Ich will mit dir morgens aufwachen. Ich will nicht, dass du gehst.“

Janis setzte sich auf, den Rücken zu Finn gekehrt. Seine Schultern waren angespannt. „Ich habe einen Vertrag bei der Feuerwehr. Du hast dein Studium.“

„Also was? Das ist unser Leben? Geheime Wochenenden in Scheißhotels und Handysex für den Rest unserer Tage?“

Die Frage hing im Raum, giftig und unlösbar. Janis stand auf, ging zur Minibar und holte eine kleine Flasche Wasser heraus. Er trank sie in einem Zug aus. Das Plastik knirschte in seiner Faust.

„Ich habe mir ein Zimmer für zwei Nächte genommen“, sagte er schließlich, seine Stimme war wieder flach, dienstlich. „Nicht reden. Nur sein. Hab ich gesagt.“

Finn lachte bitter. „Du bist so verdammt gut darin, Dinge wegzusperren.“

Janis sah ihn an. In seinen Augen glomm etwas Gefährliches. „Und du bist so verdammt gut darin, mich aufzumachen. Guck mal, wohin das uns geführt hat.“

Er kam zurück zum Bett, zog Finn hoch und küsste ihn. Diesmal war es kein Zusammenprall. Es war langsam, bitter, voller der Asche aller ihrer Kämpfe. Es schmeckte nach Tränen und Verlust.

„Zwei Nächte“, flüsterte Janis gegen seine Lippen. „Dann müssen wir wieder atmen lernen.“

Sie verließen das Zimmer nicht. Sie bestellten Pizza, die vor der Tür abgestellt wurde. Sie aßen sie nackt auf dem Bett, teilten eine Flasche warmes Bier aus der Minibar. Sie redeten nicht über die Zukunft. Sie redeten über den Dachstuhlbrand in Essen, über Finns arroganten Comic-Dozenten, über alles und nichts. Die Worte waren eine Brücke über den Abgrund unter ihnen.

In der Nacht, als die Lichter der Stadt in ihr dunkles Zimmer spiegelten, kamen sie wieder zusammen. Diesmal war es langsamer, fast zärtlich. Janis legte Finn auf den Rücken und nahm ihn stundenlang in den Mund, bis Finn weinte und zitterte und sich nicht mehr erinnern konnte, wie irgendein anderer Mund sich anfühlte.

Er schmeckte nach Salz und dem billigen Duschgel des Hotels und nach etwas, das einzigartig Finn war. Janis ließ ihn nicht los, nicht als Finn stöhnte, nicht als seine Hüften zuckten, nicht als seine Hände sich in Janis’ kurze Haare gruben und ihn fester drückten. Er saugte, leckte, nahm ihn tief, bis Finns Wirbelsäule sich bog und ein heiserer, kaputter Laut aus seiner Kehle brach.

Sein Orgasmus schoss in Janis’ Rachen, bitter und dünn nach zu vielen Zigaretten. Janis schluckte, zog sich zurück, atmete schwer. Schweigend kroch er neben Finn, zog die verdreckte Decke über sie beide. Die Heizung knatterte. Irgendwo auf der Straße schrie jemand.

„Du musst zurück“, flüsterte Finn ins Dunkel. Es war keine Frage.

„Morgen früh. Sechs Uhr vierzehn. ICE nach Essen.“

Finn drehte sich zu ihm, legte eine Hand auf Janis’ nackte Brust. „Und dann?“

Janis sagte lange nichts. Seine Hand fand Finns im Halbdunkel, umklammerte sie mit einer brutalen Intensität. „Dann mache ich Karriere. Und du beendest dein Studium. Und wir…“

„Wir was?“

„Wir überleben.“ Es klang wie ein Urteil.

Die Rückfahrt war eine Qual aus grellen Bahnhofslichtern und geschäftigen Menschen, die alle irgendwohin eilten. Janis sah aus dem Fenster, die Zerstörung des Hotelzimmers noch auf seiner Haut. Er konnte Finns Geruch nicht abschütteln. Der Geruch war in seiner Nase, unter seinen Fingernägeln, eine hartnäckige Erinnerung, die jedes Desinfektionsmittel der Feuerwache überdauern würde.

Essen empfing ihn mit Nieselregen und grauem Beton. Die Wache roch wie immer nach Schweiß, Kaffee und dem scharfen Ozon des gereinigten Bodens. Sein Gruppenführer klopfte ihm auf die Schulter. „Saubere Arbeit bei dem Dachstuhlbrand, Jannis. Der Chef will dich sprechen.“

Die Beförderung zum Oberfeuerwehrmann kam mit einem kleinen Gehaltszuschlag und einer Verantwortung, die ihn bis spät in die Nacht wachhielt. Es waren mehr Papierkram, mehr Einsätze, mehr davon, den jungen Grünschnäbeln das Fürchten zu lehren. Er sagte nichts, nickte nur, unterschrieb die Papiere. Das Geld ging auf sein Konto. Ein Teil davon, ein regelmäßiger, stiller Abfluss, verschwand am ersten jedes Monats auf ein anderes Konto.

Janis -> Finn // 20:43

[Hier ist der erste. Miete für Oktober. Sorg dafür, dass du was Ordentliches findest. Nicht so eine ranzige WG-Bude.]

Finn -> Janis // 20:45

[Danke. Ich hasse es, dass du das tust.]

Janis -> Finn // 20:46

[Hör auf zu heulen. Zeichne einfach deine verdammten Bilder.]

Die Wohnung, die Finn fand, war ein winziger Altbau-Backstein-Schuhkarton in Altona, zweiter Hinterhof, mit knarrenden Dielen und eigenwilliger Heizung. Aber sie war sein. Sein erster eigener Raum seit dem Kinderzimmer in Oberhausen. Er stellte seinen Zeichentisch ans Fenster, klebte Storyboards an die kahlen Wände, ließ die Asche seiner Zigaretten in einer Tasse aus der Mensa daneben liegen.

-> Unnamed Grindr Contact ‘_Tim_78‘ // 22:17

[Hey. Bist du der Typ mit dem Tribal-Tattoo? Kommst du vorbei?]

Finn // 22:18

[Ich passiv. Du?]

_Tim_78 // 22:18

[Aktiv. Scheiß auf Vorspiel. Fick und fertig.]

Finn // 22:19

[Adresse.]

Der Sex war schnell, an einer schmierigen Wohnungstür in Ottensen. Der Typ, Tim, hatte einen Bauch und roch nach Bratfett. Er drückte Finn gegen die Wand, zog ihm die Hose runter, schmierte ihm etwas kaltes Gleitgel zwischen die Pobacken und drang mit einem schnaubenden Seufzer in ihn ein. Finn konzentrierte sich auf das Muster der Tapete, abgeblätterte Blümchen, und starrte auf sein Handy, das auf dem Schuhregal neben ihm lag.

Janis -> Finn // 22:21

[Hab heute eine Frau aus nem brennenden Kiosk geholt. Stinkt nach angebrannten Zeitungen. Könnte kotzen.]

Finns Atem stockte, als Tim härter stieß. Er tippte einhändig.

Finn // 22:22

[Alles gut bei dir?]

_Tim_78: "Junge, bleib doch mal bei der Sache."

Janis -> Finn // 22:22

[Ja. Nur der Geruch. Bleibt in der Nase.]

Tim kam mit einem Grunzen, zog sich raus, klatschte Finn auf den Arsch. "War okay. Kannst dir n Bier nehmen." Er verschwand im Bad. Finn zog seine Hose hoch, ignorierte das klebrige Gefühl in seiner Unterhose, griff nach seinem Telefon.

Finn // 22:24

[Hier riecht es nach ranzigen Pommes und Sperma. Will mit dir tauschen.]

Er ging, ohne das Bier.

Ein anderer Abend in Finns neuer Wohnung. Sein Bildschirm war leer. Sein Kopf war leer. Er lag auf seiner Matratze auf dem Boden und schaltete Grindr ein. Profilbilder zogen vorbei: ein Sixpack, der Ansicht einer Jeans, eine unnötig große Hundeleine.

-> Unnamed Grindr Contact ‘Karsten_Feuer‘ // 23:41

[Hey.]

Finn // 23:42

[Ja?]

_Karsten_Feuer // 23:42

[Profil sagt du stehst auf Feuerwehrleute. 😉]

Finn setzte sich auf. Sein Herz schlug einmal, hart.

Finn // 23:43

[Fantasie. Nix ernstes.]

_Karsten_Feuer // 23:44

[Meins auch. Schonmal mit einem Feuerwehmann?]

Janis -> Finn // 23:44

[Sind zurück von nem Fehlalarm. Alles nass. Langweilig. Was machst du?]

Finn starrte auf die zwei Nachrichten nebeneinander. Seine Hand zitterte. Er schrieb Janis zuerst.

Finn // 23:45

[Auch nix. Zeichne. Denk an dich.]

Dann, zu Karsten_Feuer.

Finn // 23:46

[Nein. Erzähl.]

Janis‘ Promotion bedeutete mehr Nachtschichten. Mehr Stunden in der Bereitschaft. Mehr Zeit, allein in seinem kantigen Dienstzimmer, auf einer schmalen Pritsche liegend, die austauschbaren City-Lights von Essen vor dem Fenster. Das Vibrieren des Handys war manchmal das Einzige, was ihn daran erinnerte, dass er noch ein Mensch war, kein Roboter in gelber Schutzkleidung.

Janis -> Finn // 03:11

[Wach?]

Finn -> Janis // 03:11

[Ja. Thors Hörspiele sind laut. Kann nicht schlafen.]

Janis -> Finn // 03:12

[Ich auch nicht. Anspannung. Adrenalinabfall.]

Finn -> Janis // 03:12

[Lust?]

Janis drehte sich auf den Bauch, seine Hüften drückten sich in die harte Matratze. Er schob eine Hand in seine Boxershorts.

Janis -> Finn // 03:13

[Immer. Zeig mir.]

Ein Foto von Finn kam. Nur sein nackter Unterbauch, die Linie der Hüftknochen, seine harte, aufrechte Länge in einer lässigen Hand. Der Hintergrund war das Kahleweiß seiner neuen Wohnungswand.

Janis stöhnte leise. Er schickte ein Gegenfoto zurück: den Blick nach unten, seine breite Hand um seinen eigenen, dicken Schaft gewickelt, schwer und voll in der gedämpften Beleuchtung der Wache.

Finn -> Janis // 03:14

[Fick. Will ihn im Mund. Will dein Gewicht auf mir.]

Janis -> Finn // 03:14

[Will deine Enge. Will dass du schreist.]

Sie schrieben sich durch, ihren Atem synchron über die Distanz, ihre Hände bewegten sich im Takt zu ihren eiskalten Fantasien. Janis stellte sich vor, wie Finn auf ihn herabsah, mit diesem verheißungsvoll halboffenen Mund. Finn stellte sich vor, wie Janis ihn aufhob und gegen die Wand drückte, seine Oberschenkel um Janis’ Hüften geschlungen.

Janis -> Finn // 03:18

[Komme.]

Finn -> Janis // 03:18

[Ich auch.]

Es war ein einsamer, digitaler Höhepunkt. Samen spritzte auf Janis’ flachen Bauch und auf Finns knochige Hand. Das Verschmieren danach war in beiden Zimmern gleich: ein schweigsames Wegwischen mit einem Papiertaschentuch, eine schale Leere, die sofort die warme Welle der Befriedigung ersetzte.

Am nächsten Tag, während der Mittagspause, tippte Janis.

Janis -> Finn // 12:05

[Miete ist drauf. Kauf dir richtige Möbel. Keine Kartons.]

Finn -> Janis // 12:07

[Mach ich. Danke.]

Es war nie ein ‘Gern geschehen’. Es war ein Ritual. Eine Transaktion. Ein stiller Pakt, der besiegelte, dass Finns Unabhängigkeit auf Janis’ Entbehrung gebaut war. Und sie akzeptierten es. Der Schmerz war ein Gefühl, das sie zuordnen konnten.

Am Wochenende war Grindr wieder da.

_Alexander64 // 21:30

[Du siehst einsam aus auf dem Bild.]

Der Typ war vielleicht fünfzig, mit glatt rasiertem Kopf und einem Anflug von teurem Parfüm durch das Telefon. Seine Wohnung in Rüttenscheid war steril, mit Designermöbeln und einem riesigen Fernseher.

„Auf dem Bauch“, befahl Alexander64. Finn gehorchte. Das Leder des Sofas war kalt unter seiner Haut.

Der Sex war distanziert, präzise. Alexander64 benutzte viel Gleitgel, bewegte sich mit der gleichmäßigen, technischen Effizienz eines Menschen, der eine Aufgabe erledigt. Es tat nicht weh. Es fühlte sich nach gar nichts an. Als der Mann kam, mit einem unterdrückten Stöhnen, lehnte er sich vor und flüsterte Finn ins Ohr.

„Sag mal, hab ich dich nicht letztes Jahr schon gesehen? Mit einem anderen Typen? Größer? Kurze Haare?“

Eis lief Finn den Rücken hinunter. Er erstarrte.

„Nein“, presste er hervor.

„Doch, sicher. War in der Nähe vom Hauptbahnhof. Ihr wart… intensiv.“

Finn sagte nichts. Er zog seine Klamotten an, seine Finger zitterten so stark, dass er den Reißverschluss kaum schließen konnte.

Finn -> Janis // 22:15

[Ein Typ. Er sagt, er hätte uns gesehen. Damals im Hotel.]

Eine Pause von fast zehn Minuten. Dann:

Janis -> Finn // 22:25

[Name?]

Finn -> Janis // 22:26

[Alexander64. In Rüttenscheid.]

Janis -> Finn // 22:27

[Mach dir keine Sorgen.]

Was auch immer Janis tat, er tat es still. Alexander64 blockierte Finn wenige Stunden später auf Grindr. Sein Profil verschwand. Finn bekam nie eine Erklärung. Er brauchte keine. Ein Teil von ihm war zufrieden. Ein anderer, tieferer Teil zitterte vor einer archaischen, dunklen Freude. Janis schützte sein Revier. Es war krank. Es war ihr einziges funktionierendes Liebesgeständnis.

Und so begann der Kreislauf. Die SMS mit der verschickten Miete. Die spätabendlichen Foto- und Videoaustausche, digitales Fleisch für ihre Einsamkeit. Die körperlosen, transaktionalen Grindr-Treffen, die nur die Aschen der Leere zurückließen. Finns Wände füllten sich mit düsteren, brillanten Zeichnungen. Janis bekam einen Lobbrief vom Stadtdirektor.

Sie sprachen nie über ein nächstes Treffen. Es war immer da, ein schwelender Kern in ihrer Mitte, zu gefährlich, um berührt zu werden. Bis eines Abends, Monate später, Finns Handy klingelte, anstatt zu vibrieren. Janis’ Name blinkte auf dem Display. Er hob ab.

„Ich habe nächste Woche vier Tage frei“, sagte Janis, ohne Gruß. Seine Stimme klang abgehackt, verschlafen. „Dienstplanänderung.“

Finn hielt den Atem an. Seine Hand umklammerte den Stift, mit dem er gerade einen Schattenstrich auf sein Blatt gesetzt hatte.

„Und?“, fragte er.

„Ich buche nichts. Du hast jetzt eine Wohnung.“

Es war keine Frage. Es war eine Anordnung.

„Okay“, sagte Finn, und sein ganzes Wesen schrie vor etwas, das wie Hoffnung oder reinen, ungefilterten Schrecken klang.

„Ich werde kommen. Wir werden reden.“ Janis machte eine Pause. Das Rauschen der Leitung füllte den Raum. „Und dann werde ich dich so ficken, dass du deinen Namen vergisst.“

Die Verbindung brach ab. Finn saß da, das tote Telefon in der Hand, und spürte, wie sich ein dunkler, bekannter Schmerz in seinem Unterleib regte. Das Zimmer um ihn herum, das von seinem monatlichen Geld bezahlt wurde, kam ihm plötzlich vor wie eine Zelle, die auf einen Schlüssel wartete.

Ein Schlüssel, der jetzt, 72 Kilometer entfernt, seinen Mantel anzog und den Motor seines Dienstwagens startete, bereit, zurück in die Hölle zu fahren, die er am besten kannte.

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