Chapter 20: Chapter 20
Die Zimmertür von Motte stand seit Wochen offen. Das war das eigentliche Zeichen, das stillschweigende Wunder. Er ließ seine Musik laufen, das Dröhnen der Beats wanderte jetzt durch die ganze Wohnung, und manchmal, wenn Finn einen besonders guten Song hörte, rief er ein "Bass ist zu fett!" hinüber, und ein verdutztes "Ja, Mann!" kam zurück. Sie waren keine Familie aus Werbespots. Sie hatten Regeln, die aushandelbar waren, und Grenzen, die unverrückbar. Kein Gras in der Wohnung. Keine unentschuldigten Fehltage in der Schule. Chaos im eigenen Zimmer war okay, aber benutztes Geschirr musste spätestens nach zwei Tagen in die Küche wandern.
Es war ein Freitag, kurz nach halb elf. Simon und Finn lagen auf dem Sofa, ein halb gesehener Film lief vor sich hin. Finn hatte den Kopf in Simons Schoß vergraben, seine Hand lag auf Simons Bauch. So verbrachten sie oft die Abende jetzt, in einer stillen Koexistenz, die sich nach den Jahren des Alleinseins noch immer neu anfühlte.
"Er ist schon spät dran," murmelte Simon, seine Finger spielten in Finns Haar.
"War klar. Ist der erste Freitag nach den Noten. Die haben was zu feiern." Finn gähnte. "Ich hab ihm gesagt, er soll anrufen, wenn er sich verpisst. Nicht, dass er muss, nur... dass er soll."
Simon wusste, dass Finn die ganze Zeit ein Ohr fürs Klingeln des Handys hatte. Auch ihm zuckte jedes Mal, wenn ein Motorroller vorbeifuhr, die Schulter hoch. Pflegschaft hin oder her, das Loslassen war eine Muskel, der sich nur unter Schmerzen dehnte.
Gegen elf hörten sie Schritte auf der Treppe. Schwerfällige, schwankende Schritte. Kein rhythmisches Klackern von Skateboard-Rollen. Dann ein Klopfen – nicht an der Wohnungstür, sondern eine unkontrollierte Serie von dumpfen Schlägen gegen das Treppengeländer. Und ein Stöhnen.
Simon und Finn waren gleichzeitig auf den Beinen. Finn war zuerst an der Tür, riss sie auf.
Motte lehnte am Geländer, kalkweiß im Licht der Flurlampe. Seine Augen waren glasig und konnten sich nicht fixieren. Sein Atem roch süß-sauer nach Bier und etwas Schärferem, wahrscheinlich Wodka aus dem Supermarkt. Sein T-Shirt war vorne feucht und verschmiert.
"Heeeeey," lallte er und versuchte ein Grinsen, das sofort in einer Grimasse der Übelkeit verschwand. "Alles cool. Bin nur... bisschen..."
Er brach ab, presste eine Hand vor den Mund. Sein Körper krampfte. Simon handelte instinktiv, schob ihn sanft, aber bestimmt zur offenstehenden Badezimmertür. Es war keine Sekunde zu früh. Motte stürzte zum Klo, knallte auf die Knie und übergab sich heftig in die Schüssel.
Das Geräusch war rau und widerlich. Simon blieb im Türrahmen, Finn neben ihm. Sie tauschten einen Blick. Kein Vorwurf. Nur eine stille, praktische Absprache.
"Ich hol Wasser," sagte Finn leise und verschwand Richtung Küche.
Simon trat ins Bad, knipste die Abluft an. Er ließ Motte einen Moment, wartete bis die Würgegeräusche in trockenes Keuchen übergingen. Dann beugte er sich vor, zog vorsichtig das T-Shirt über Motte Kopf, das vollgespuckt war. Der Junge zitterte am ganzen Leib.
"Alles raus?" fragte Simon, seine Stimme war ruhig und sachlich.
Motte nickte mühsam, sein Kopf hing über der Schüssel. "Glaube... ja. Scheiße. Tut alles weh."
"Wird es eine Weile." Simon spülte die Toilette, dann drehte er das kalte Wasser im Waschbecken auf. "Komm, Gesicht abkühlen."
Er half Motte hoch, der taumelte und sich an der Armatur festkrallen musste. Simon tauchte ein Handtuch unter den kalten Strahl, wischte ihm vorsichtig über das Gesicht, den Nacken. Die Haut war schweißnass und eiskalt.
Finn kam zurück mit einem großen Glas Wasser und einer Schüssel. "Hier. Kleine Schlucke. Und die Schüssel ist für daneben, falls noch was kommt."
Motte trank gehorsam, schluckte, würgte einmal, aber es blieb unten. Er starrte auf die Schüssel in seinen Händen, als verstünde er nicht, wie sie dort hingekommen war. Dann kamen die Tränen. Lautlos, einfach so. Sie vermischten sich mit dem Wasser auf seinen Wangen.
"Es tut mir leid," schluchzte er, seine Stimme brach. "Es ist so dumm. Es war so scheiße."
Finn setzte sich auf den Rand der Badewanne, um auf Augenhöhe zu sein. "Was war scheiße? Das Saufen oder was davor?"
"Alles." Motte schüttelte den Kopf, Tröpfchen flogen. "Die Feier... war nicht lustig. Hab mich einfach... vollgepumpt. Weil die anderen das auch gemacht haben. Und dann..." Er drückte die Faust gegen seine Stirn. "Dann hab ich wieder gedacht... wer bin ich hier eigentlich. In der richtigen Wohnung mit den richtigen Leuten. Und dann hab ich mehr getrunken."
Simon nahm das leere Glas aus seiner Hand, füllte es neu. Der alte Schmerz, der darunter lag, war ihm vertraut. Das Gefühl, nicht dazuzugehören, selbst wenn die Tür offenstand.
"Du bist hier richtig," sagte Finn, einfach so, ohne Pathos. "Auch besoffen. Auch kotzend. Es gibt kein Richtig oder Falsch dafür, wie man sich fühlt."
Motte sah ihn durch den Alkoholnebel an, unsicher, ob das ein Trick war. "Ihr seid nicht sauer?"
"Wegen dem Alkohol? Bisschen. Du bist fünfzehn, dein Gehirn ist Matschepampe, und du hast es mit Fusel vollgepumpt. Das ist bescheuert." Finn zuckte mit den Schultern. "Aber sauer sein bringt jetzt nix. Jetzt geht's darum, dass du nicht verdurstest oder erstickst."
Simon half Motte, das frische T-Shirt überzustreifen, das Finn geholt hatte. Es war eins von Finns alten Bandshirts, viel zu groß. Motte sah darin aus wie ein kleiner, verlorener Geist.
"Kann ich schlafen?" murmelte er.
"Im Sitzen," sagte Simon. "Für die erste Stunde. Sonst kreist dir alles.Komm."
Sie führten ihn ins Wohnzimmer, ließen ihn in die Ecke des großen Sofas sinken. Simon stellte die Schüssel daneben, Finn legte eine Decke über seine Beine. Motte lehnte den Kopf gegen die Wand, die Augen geschlossen. Sein Atem ging immer noch unregelmäßig.
Finn setzte sich in den Sessel gegenüber, Simon blieb stehen, lehnte sich an den Türrahmen. Ein Wachehalten.
"Ihr müsst nicht..." begann Motte schwach.
"Weil's Filmabend ist," sagte Finn und schaltete den Fernseher wieder ein, ohne Ton. Das flackernde, stumme Bild tauchte den Raum in blaues Licht.
So blieben sie für eine Stunde. Simon holte noch einmal Wasser. Motte schlief ein, wachte kurz auf, trank, schlief wieder ein. Gegen ein Uhr wurde sein Atem gleichmäßiger, tiefer.
"Er schläft," sagte Finn leise. Er stand auf, ging zum Sofa, überprüfte vorsichtig, ob Motte nicht in einer seltsamen Position lag. Dann nahm er die Schüssel weg.
Simon beobachtete, wie Finns Hand für einen Moment auf Mottes wirrem Haar verweilte. Eine so zärtliche Geste, dass es Simon die Kehle zuschnürte. Sie waren hier, in der Mitte der Nacht, in ihrem eigenen Chaos von Verantwortung und Liebe.
Sie trugen Motte gemeinsam ins Bett. Er war schlaff und schwer. Sie legten ihn auf die Seite, die Schüssel noch in Reichweite. Finn schob ihm ein Kissen in den Rücken, damit er nicht umkippen konnte.
"Gute Nacht, Bengel," flüsterte Finn und machte die Tür einen Spalt auf.
Zurück im Wohnzimmer war die Erschöpfung plötzlich wie ein körperliches Gewicht. Sie räumten die Spuren der Nacht weg: das dreckige T-Shirt in die Wäsche, das Glas in die Spüle. Simon ließ Wasser in den Wasserkocher laufen.
"Das war der erste," sagte Finn und ließ sich wieder in den Sessel fallen.
"Es wird nicht der letzte sein," erwiderte Simon. Er fühlte keinen Ärger, nur eine tiefe, müde Traurigkeit für den Schmerz, den Motte mit sich herumtrug.
"Mein erster war schlimmer," sagte Finn nach einer Weile. Er zog die Beine an sich. "Hab mich in Wolfgangs teurem Ledersofa erbrochen. Er hat mich drei Tage lang nicht angesehen. Hat nur die Rechnung der Reinigung auf mein Kopfkissen gelegt."
Simon stellte zwei Teetassen auf den Tisch. "Der Preis hier ist etwas anders."
Finn sah ihn an."Ja."
Sie tranken ihren Tee. Draußen war die Stadt endlich still. Die einzigen Geräusche waren das leise Surren des Kühlschranks und der entfernte Atem von Motte, der durch die geöffneten Türen zu ihnen drang.
"Ich hab Angst," gestand Simon, die Worte kamen einfach so heraus. "Dass wir nicht genug sind. Dass sein Kummer größer ist als unser Halt."
"Sein Kummer ist größer. Im Moment." Finn stellte seine Tasse ab. "Aber unser Halt kann wachsen. Das ist der einzige Sinn der ganzen Sache. Dass es wächst."
Simon dachte an all die gewachsenen Dinge: Das Vertrauen zwischen ihnen. Die Stille, die nicht mehr leer war. Die offene Tür.
"Am Montag reden wir mit ihm," sagte er. "Ohne Vorwürfe. Aber er muss wissen, was Fusel mit einem Fifzehnjährigen anstellt. Nicht moralisch.Medizinisch."
Finn nickte. "Ich such mir ein paar gruselige Grafiken zu Hirnschäden raus. Wirkung aufs sich entwickelnde präfrontale Gekrüssel oder so. Visuell wirkt das immer."
Sie gingen schließlich ins Bett, aber der Schlaf wollte nicht kommen. Sie lagen Seite an Seite, hielten sich an den Händen, hörten in die Dunkelheit. Kurz vor vier hörten sie Motte noch einmal auf die Toilette tappen. Das Geräusch des Spülens, dann das Knarren seiner Tür.
"Alles okay?" rief Finn leise hinaus.
Ein kurzes, heiseres "Joa." Dann Stille.
Simon drehte sich zu Finn, schmiegte sich an seinen Rücken. Er fühlte den gleichmäßigen Herzschlag unter der warmen Haut. Dieser rhythmische, lebendige Puls. Da war er. Anker in der unruhigen Nacht.
So blieben sie, bis das erste graue Licht des Samstags sich durch die Jalousien stahl.
Das graue Licht wurde zu einem blassen, mürrischen Morgen. Sie standen auf wie durch einen zähen Sirup gegangen – Simon mit einem dröhnenden Kopf, den kein Alkohol verschuldete, und Finn mit dieser bleiernen Müdigkeit, die von durchwachten Wächternächten übrigblieb. Sie hörten nichts aus Mottes Zimmer. Kein Rascheln, kein Stöhnen. Eine gespannte Stille.
Finn machte Kaffee, stark und schwarz. Der Geruch füllte die Küche, ein vertrauter Anker. "Soll ich ihn wecken?"
"Lass ihn schlafen," sagte Simon, rieb sich die Augen. "Sein Körper repariert gerade selbstgemachte Schäden. Stör ihn nicht."
Aber Motte störte sich selbst. Gegen halb elf hörten sie ein dumpfes Knallen, als fiele etwas Schweres zu Boden. Dann Schritte, die unsicher über den Flur polterten. Die Badezimmertür wurde aufgerissen, wieder das Geräusch von Würgen, diesmal trocken und schmerzhaft.
Simon stand auf, ging zum Bad. Motte kauerte wieder vor der Toilette, sein Gesicht war aschfahl, mit dunklen Rändern unter den Augen. Er sah aus wie ein ausgemergeltes Gespenst in Finns viel zu großem Bandshirt.
"Mein Kopf," stöhnte er. "Der explodiert."
"Das war der Plan des Wodkas," sagte Simon trocken, aber nicht unfreundlich. Er reichte ihm ein frisches Glas Wasser und zwei Ibuprofen. "Kleiner Tipp fürs Leben: Wenn der Alkohol aus dem Kühlregal billiger ist als die Milch, ist es eine schlechte Idee."
Motte schluckte die Tabletten, trank das Wasser in einem Zug. Seine Hände zitterten. "Ich erinnere mich... nicht wirklich an die Heimfahrt."
"Ich schon. Sie beinhaltete Pfostenboxen mit dem Treppengeländer." Simon setzte sich auf den Rand der Badewanne. "Das klären wir später. Jetzt erstmal überleben. Dusch dich kalt. Danach gibt es fettige Eier und Toast. Das bindet die Restgifte."
Motte sah ihn an, als würde er von alchemistischen Ritualen sprechen. "Ich könnte nichts essen."
"Doch. Du wirst." Simon stand auf. "Zehn Minuten. Dann kommst du in die Küche."
Es war ein Befehl, keine Einladung. In der Küche brutzelten schon Eier in einer Unmenge Butter. Finn schnitt Brot. Sie arbeiteten schweigend, ein eingespieltes Team, das ein bekanntes, wenn auch neuartiges Problem bewältigte.
Motte tauchte auf, nass die Haare, in sauberer Jogginghose. Er roch nach ihrer Duschseife. Er glitt auf einen Stuhl und ließ den Kopf auf die Arme auf dem Küchentisch sinken. "Ich sterbe."
"Du hast nur dein jugendliches Hirngewebe ein bisschen mariniert," sagte Finn und schob einen Teller mit glibbrigen Spiegeleiern und halb verbranntem Toast vor ihn hin. Das ist Teil der Behandlung."
Zögerlich begann Motte zu essen. Erst kleine Bissen, dann, als sein Magen nicht rebellierte, größere. Die Farbe kehrte langsam in sein Gesicht zurück.
Nachdem er den letzten Bissen hinuntergewürgt hatte, musterte er die Tischplatte. "Ihr wollt jetzt ein Gespräch, oder? Das Aufklärungsgespräch."
"Nein," sagte Simon. Er setzte sich ihm gegenüber. Finn lehnte an der Arbeitsplatte, Kaffee in der Hand. "Jetzt musst du zuhören. Weil das hier kein Vortrag über Moral ist. Es ist eine Gebrauchsanweisung für deinen Körper, den du gerade ziemlich grob misshandelt hast."
Und sie redeten. Nicht über Schuld oder Enttäuschung. Finn zeigte ihm tatsächlich Grafiken auf seinem Laptop – MRT-Aufnahmen von Teenagergehirnen, die Unterschiede in der Myelinisierung, die trockene Sprache der Neurowissenschaft. "Dein präfrontaler Cortex ist Matschepampe, Motte. Buchstäblich. Die Bremse. Die Entscheidungszentrale. Alkohol, besonders in dem Alter, löscht da nicht nur temporär die Sicherungen, er kann die Verdrahtung kaputt machen. Dauerhaft."
Simon sprach über den Gruppendruck, über das Gefühl der Fremdheit, das Motte beschrieben hatte. "Es ist okay, das zu fühlen. Auch bei uns. Aber es ist nicht okay, das mit Selbstvergiftung zu beantworten. Es gibt andere Ventile. Weniger dumme."
Motte hörte zu. Wirklich zu. Seine Augen waren wach, fixierten die Bilder auf dem Schirm, dann Simons Gesicht. Es war keine trotzige Abwehr da, nur eine erschöpfte, hungrige Aufnahme.
"Ich wusste das nicht," sagte er leise. "Ich dachte nur... die anderen machen es, also muss es passen. Und wenn ich es mache, gehöre ich dazu. So dumm."
"Ja," sagte Finn einfach. "So dumm. Aber jetzt weißt du's besser. Die nächste dumme Entscheidung ist dann eine informierte dumme Entscheidung. Und die Konsequenzen trägst du dann ganz allein."Es war hart. Es war fair. Und es war, was er brauchte.
Die nächsten Jahre waren kein gerader Weg. Es gab andere Nächte, andere Grenzüberschreitungen – eine verpasste Abschlussprüfung, eine zerstrittene Woche, in der Motte nur in einsilbigen Grunzlauten kommunizierte. Aber es gab keinen Alkohol mehr. Stattdessen gab es lange Skate-Sessions, bis die Schuhe durchgescheuert waren, und endloses Schneiden von Videos in seinem Zimmer, die Atmosphäre für seine Bewerbung an der Filmhochschule.
Die Tür blieb offen. Manchmal stand sie sogar sperrangelweit offen, und dann diskutierte er mit Finn über Schnitttechniken oder ließ sich von Simon Passagen aus seinem persönlichen Statement vorlesen.
Und dann war er plötzlich achtzehn. Der offizielle Tag kam und ging mit einer kleinen Feier im Hof – Grillen, eine neue, professionelle Kamera als Geschenk, und das unvermeidliche Bier, das er nun legal trinken durfte, aber mit einer gewissen, respektvollen Vorsicht, die Simon und Finn schweigend zur Kenntnis nahmen.
Ein paar Tage nach seinem achtzehnten Geburtstag kam Motte spät nach Hause. Es war eine andere Art von Spät. Nicht die schwankende, lallende Spät, sondern eine ruhige, fast schwebende. Simon saß im Wohnzimmer und las, als er hereinkam.
"Alles gut?" fragte Simon, ohne aufzusehen.
"Ja. Alles gut." Mottes Stimme klang belegt, aber klar. "Sehr gut sogar."
Simon blickte hoch. Motte stand da, ein leichtes, ungewohntes Lächeln auf den Lippen, die Kleidung ein wenig zerzaust. Seine Augen glänzten mit einer ruhigen Gewissheit, die Simon seit langem nicht mehr bei ihm gesehen hatte. Er wartete. Es lag etwas in der Luft.
"War mit Leo vom Skateclub," sagte Motte nach einem Moment, lehnte sich gegen den Türrahmen. "Wir waren bei ihm. In seiner WG."
Ah.
Simon legte das Buch zur Seite."Und?"
"Und... es war anders." Motte schien nach Worten zu suchen, ein neues Terrain zu betreten. "Nicht wie in den dümmlichen Videos. Nicht so gehetzt. Irgendwie... ernst.Aber auch locker. Ich weiß nicht."
"Das klingt nach einem guten ersten Mal," sagte Simon vorsichtig. Er spürte die immense Verletzlichkeit in diesem Moment, eingewickelt in eine seltsame Stille.
Motte nickte. "War es." Er drückte sich vom Rahmen ab. "Geh' dann mal pennen. Bin platt."
Er verschwand in sein Zimmer. Die Tür blieb, wie immer, einen Spalt offen.
A FEW DAYS AFTER HIS 18TH BIRTHDAY, MOTTE HAS HIS FIRST TIME WITH A MEMBER OF THE SKATE CLUB- DESCRIBE THE SEX IN DETAIL
Es war nicht auf einer kalten Betonrampe oder in einer dreckigen Toilettenkabine. Das hatte er sich immer ausgemalt, wenn er überhaupt dachte, dass es jemals passieren würde. Es war in Leos WG-Zimmer, das nach alten Comics, Nagellackentferner und dem süßen Rauch von Graß roch, der jetzt, mit achtzehn, auch dazugehörte, aber heute keine Rolle spielte. Die Musik war leise, etwas Elektronisches mit vielen Schichten, das die Stille füllte, ohne sie zu zertrampeln.
Sie saßen auf der Matratze auf dem Boden, sprachen erst über alles andere – den neuen Spot, der von der Polizei geknüppelt wurde, eine absurde Szene aus einem Film. Dann war das Gespräch versiegt, und Leo hatte ihn einfach angeguckt, dieses ruhige, direkte Gucken, das Motte den Atem nahm. "Willst du?"
"Ja." Die Antwort kam sofort und überraschte ihn selbst.
Leo küsste ihn. Es war weich und forschend, keine Zungenattacke. Seine Hände hoben Mottes T-Shirt an, und Motte half dabei, zog es über den Kopf, ließ es fallen. Die kühle Luft auf seiner Haut ließ ihn frösteln, dann wärmten Leos Hände ihn. Er spürte die rauen Fingerkuppen, die von Boardgriffen und Stiftarbeiten schwielig waren, wie sie über seine Rippen strichen, über seinen Bauch, der trotz Skaten immer noch eine weiche Jugendlichkeit hatte.
Er machte mit. Er zog Leo das Hemd aus, knöpfte die Jeans auf. Es war ein gemeinsames Arbeiten, ein gegenseitiges Freilegen. Keiner dominierte, keiner unterwarf sich. Sie lagen nebeneinander auf der Matratze, und Leo beugte sich über ihn, sein Körper war schlanker, muskulöser, und er küsste seinen Hals, seine Brust, ließ seine Lippen über Mottes Brustwarze kreisen, bis Motte einen überraschten Laut von sich gab."Okay?" murmelte Leo gegen seine Haut.
"Mehr als okay."
Dann ging eine Hand nach unten, öffnete Mottes Hose, schob sie über seine Hüften. Die kalte Luft traf seinen harten Schwanz, und er zuckte zusammen. Leo umschloss ihn mit der Hand, nicht fest, nur haltend. Der Daumen strich über die empfindliche Spitze, wo schon Lustperlen austraten. Motte stöhnte, warf den Kopf zurück. Das Gefühl war intensiver, konzentrierter als alles, was er sich selbst angetan hatte.
"Ich hab Gleitgel," sagte Leo, seine Stimme war heiser. "Wenn du willst. Kein Muss."
Motte atmete tief ein. Er hatte sich nie etwas dahinten reingemacht. Hatte es sich manchmal in einsamen, neugierigen Momenten ausgemalt, aber Angst gehabt. Jetzt war die Angst weg, ersetzt durch ein pochendes, alles verlangendes Verlangen. "Ja. Probieren wir."
Die Flasche knisterte, dann war es kühl und glitschig. Leo bereitete ihn langsam vor, mit einem Finger, behutsam, drehte ihn, stieß ihn ein kleines Stück hinein. Es war ein seltsamer, füllender Druck, nicht schmerzhaft, einfach nur neu. Motte spannte sich an.
"Entspann dich," flüsterte Leo. "Lass es einfach zu."
Motte versuchte es. Er atmete aus, ließ die Anspannung in seinen Schultern, in seinem Becken los. Und dann, als Leo den Finger etwas bewegte, traf es etwas. Ein Blitz, ein heißer Schauer, der von seinem After bis zur Schwanzspitze zuckte. Er fuhr hoch. "Scheiße! Was war das?"
Leo grinste. "Deine Prostata, du Glücklicher. Kommt wieder."
Und er machte es wieder. Diesmal suchte er gezielt danach, strich mit dem Finger darüber, drückte sanft. Die Wellen der Empfindung wurden stärker, überschwemmten Motte. Er war hoffnungslos hart, ein weiterer Tropfen quoll aus ihm hervor.
"Komm," stieß Motte hervor. Er konnte keine klaren Sätze mehr bilden. "Mach.Bitte."
Leo zog den Finger zurück. Er strich sich selbst mehr von dem Gleitgel auf seinen längeren, schlanken Schwanz. Er positionierte sich zwischen Mottes Beine, die dieser jetzt weit geöffnet hatte. Die Spitze drückte an.
Es war ein anderes Gefühl als der Finger. Mehr.Viel mehr. Ein langsames, unaufhaltsames Eindringen, das ihn dehnte, füllte. Motte schnappte nach Luft, seine Nägel gruben sich in Leos Arme. Es war nicht sanft, es war groß. Und dann war Leo ganz drin, regungslos, sein Bauch lag auf Mottes Bauch, ihr gemeinsames Keuchen vermischte sich.
"Du okay?" Leo schien angespannt, ein Schweißperlchen stand auf seiner Stirn.
Motte nickte, konnte nur nicken. Der ursprüngliche Druck verwandelte sich in eine tiefe, sengende Wärme. Und dann begann Leo sich zu bewegen. Nicht wild, kein wütendes Hämmern, sondern tiefe, gezielte Stöße, bei denen er jedes Mal leicht den Winkel veränderte. Manchmal schürfte er nur an dieser unvorstellbaren Stelle innen drin vorbei, und Motte zuckte, ein unterdrückter Schrei brach aus ihm heraus.
Es dauerte nicht lange. Die Kombination aus der intensiven Reibung in seinem Inneren, dem Gewicht von Leos Körper auf ihm und der Hand, die jetzt wieder seinen nassen, heißen Schwanz umschloss, war zu viel. Motte kam explosionsartig, sein Rücken bog sich durch, er vergrub sein Gesicht in Leos Schulter und stieß einen kehligen Schrei aus. Die Kontraktionen zogen seinen Körper krampfhaft zusammen, und er spürte, wie Leo in ihm zum Stillstand kam, ihn dann fest an sich drückte und mit einem langen, zittrigen Stöhnen ebenfalls losließ.
Sie blieben so liegen, verschwitzt, verklebt, völlig atemlos. Leo rollt