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Ruhrpott Liebe: Zwei Herzen, Eine Stadt

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In German - write a story about a gay married couple living in Oberhausen consisting of Alex, 31 and Leon, 28. Alex is normal sized and slightly chubby and has a girthy dick and Leon is small and slightly chubby and has a curved dick. Alex prefers to power bottom by riding Leons dick but they both like either person to be the top

Chapter 44: Chapter 44

Der Hochsommer hing schwer über Oberhausen, eine feuchte, drückende Decke aus Hitze, die sich auch nachts nicht löste. Das Haus atmete schwer. Die Fenster standen sperrangelweit offen, doch kaum ein Hauch bewegte die Vorhänge. Lia, jetzt drei, schlief nur in Windel und T-Shirt in ihrem Bettchen, ein kleiner, schweißglänzender Körper. Maja, im achten Monat, wälzte sich wie ein gestrandeter Wal auf der Couch im Wohnzimmer, die Füße auf Kissen gelegt, ein Ventilator surrte nutzlos neben ihr.

„Wo zur Hölle sind die beiden?“ Leon’s Stimme schnitt durch die stickige Stille. Es war nach Mitternacht. Sie hatten vereinbart, dass Jannis und Finn bis elf Uhr zu Hause sein mussten. Ein Kumpel von Jannis hatte Geburtstag. „Feier in einer Garage“, hatte Jannis gesagt, mit einem achselzuckenden Desinteresse, das keinen Widerspruch zuließ.

Alex lehnte in der offenen Terrassentür, ein lauwarmes Bier in der Hand. „Sie haben ihre Handys nicht angemacht.“

„Große Überraschung“, murmelte Maja und rieb sich über den gewaltigen Berg ihres Bauches. Eine Kontraktion, übungsweise, zog sich wie ein stählernes Band um ihre Lende. Sie presste die Lippen zusammen, bis sie vorüber war. Nicht jetzt. Bitte, nicht jetzt.

Die Sorge mischte sich mit der Hitze und schuf ein giftiges Gebräu aus Hilflosigkeit. Die letzten Wochen waren… erträglich gewesen. Ein klappriger Waffenstillstand. Der Fernseher stand in Jannis‘ Zimmer. Das Internet funktionierte. Finn hatte begonnen, seine Zeichnungen – düstere, detailverliebte Comicfiguren – Leon zu zeigen, der beiläufig Tipps gab. Es war keine Familie. Es war eine Kooperative mit strengen Regeln, aber sie funktionierte. Bis jetzt.

Kurz vor eins hörten sie sie. Nicht Schritte. Ein dumpfes Stöhnen, ein Krachen, ein unterdrücktes Kichern, das in würgendem Husten erstickte. Das Geräusch kam von der Seite des Hauses, von der Terrasse her.

Sie fanden Finn zuerst. Er lag im hohen, ungemähten Gras des Gartens auf dem Rücken und starrte in den Himmel. Sein T-Shirt war mit Erbrochenem besprenkelt. „Die Sterne… die drehen sich“, murmelt er feierlich, dann drehte er den Kopf zur Seite und übergab sich wieder, eine dünne, gelbliche Fontäne.

Jannis hatte es bis zur Terrassentür geschafft. Er hing am Türrahmen, sein Gesicht war aschfahl, Schweißperlen standen auf seiner Stirn. Sein Atem roch nach billigem Wodka und etwas Sauerem, Süßlichem. Energy-Drinks. Als er Leon sah, versuchte er sich aufzurichten, stolperte und griff ins Leere. „Alles… alles cool. Wir sind da.“

„Ihr seid absolut besoffen“, stellte Leon fest, seine Stimme war gefährlich ruhig. Die alte Wut, die immer unter der Oberfläche brodelte, blitzte auf. Geld für Alkohol. Bei der Hitze. Sie könnten verdursten, umkippen, ersticken an ihrer eigenen Kotze. „Was habt ihr euch dabei gedacht?“

Jannis‘ Augen, glasig und unscharf, suchten einen Fokus. „Dacht’… dacht’ nich groß. Muss ma’…“

Er brach ab, sein Körper verkrampfte sich. Er beugte sich vor und erbrach sich explosiv über die Terrasse, einen widerlichen Schwall aus halbverdauter Pizza und Alkohol. Der Geruch, scharf und säuerlich, schlug ihnen entgegen. Maja, die hinter Leon stand, drehte sich abrupt um und würgte.

Alex handelte. Er war schon bei Finn, zog ihn am Arm hoch. Der Junge war schlaff wie eine Puppe. „Komm, junger Mann. Auf die Füße.“

„Kann nich‘… Boden is so nett…“, lallte Finn.

„Der Boden will dich nicht ertränken in deiner eigenen Sauflache“, sagte Alex grimmig und hob ihn mit einer Kraft, die ihn selbst überraschte, halb hoch. Er schleppte ihn ins Haus, in die Gästetoilette im Erdgeschoss. „Hier. Kopf über die Schüssel. Ich hol Wasser.“

Leon packte Jannis, der jetzt auf den Knien saß und keuchte. „Du kommst ins Bad oben. Und du machst die Scheiße da selbst weg, wenn du wieder bei Sinnen bist.“ Es war keine Frage. Er zerrte Jannis die Treppe hoch, wobei der Junge schwer gegen das Geländer und die Wand schlug.

Das Haus verwandelte sich in ein Feldlazarett. Alex brachte Finn Wasser, hielt ihm den Kopf, als eine weitere Welle hochkam. Der Junge weinte plötzlich, große, heiße Tränen, die sich mit dem Schweiß und dem Erbrochenen vermischten. „Es tut mir leid… es tut mir so leid…“

„Jetzt ist es zu spät dafür“, sagte Alex, aber seine Hand lag fest und nicht unfreundlich auf Finns nacktem, feuchtem Nacken. „Trink. Kleiner Schluck.“

Oben hörte man Leon brüllen: „Nicht auf den Teppich, du Idiot! In die Schüssel! Zielen!“ Gefolgt von einem weiteren würgenden Geräusch und einem erstickten Fluch.

Maja hatte sich gefasst. Sie ging in die Küche, füllte eine Schüssel mit lauwarmem Wasser, nahm Waschlappen und Handtücher. Sie brachte Alex eines. „Für den Kleinen da.“ Dann stapfte sie schwerfällig die Treppe hoch. Sie sah Leon, wie er über einen knieten Jannis gebeugt stand, der mit dem Kopf über das Toilettenbecken hing. Der Gestank war beißend.

„Geh runter“, sagte Leon zu ihr. „Das hier ist nichts für dich.“

„Ach, halt die Klappe“, sagte Maja müde. Sie tauchte einen Waschlappen ins Wasser, wischte Jannis damit über den schweißnassen, kalten Nacken. Der Junge zuckte unter der Berührung zusammen. „So schlimm war ich auch noch nie“, murmelte sie. „Und ich hab‘ einiges ausprobiert.“

Jannis hob den Kopf, sein Blick war eine trübe, leidende Suppe. „Warum… warum seid ihr so nett? Ihr sollt sauer sein.“

„Wir sind sauer“, sagte Leon knapp. „Aber sauer sein bringt dein Hirn jetzt auch nicht aus dem Alkoholkoma.“ Er reichte Jannis einen Zahnputzbecher mit Wasser. „Spül den Scheiß aus dem Mund.“

Die nächste Stunde war ein ekliges, repetitives Prozedere von Erbrechen, Weinen, Wassereinflößen und beschwichtigendem Gemurmel. Sie arbeiteten wie ein ungeschliffenes, aber effizientes Team. Alex brachte Finn schließlich aufs Sofa im Wohnzimmer, eine Schüssel zwischen seinen Beinen, ein nasses Handtuch im Nacken. Der Junge döste vor sich hin, murmelte ab und zu unverständliche Dinge.

Leon und Maja brachten Jannis in sein Zimmer. Sie legten ihn auf die Seite, eine Mülltonne neben dem Bett. „Schlafposition gegen Ersticken“, erklärte Leon mechanisch, als würde er ein Handbuch vorlesen. Dann setzte er sich mit einem schweren Seufzer auf den Boden neben das Bett. Maja ließ sich keuchend in den Schreibtischstuhl sinken.

Die Hitze in dem kleinen Raum war unerträglich. Jannis‘ Atem ging jetzt regelmäßiger. Plötzlich sprach er, seine Stimme war nur ein Kratzen. „Finn… der hat nich‘… der wollte nich‘ so viel. Ihn überredet. Mein Fehler.“

Leon lehnte den Kopf gegen die Bettkante. „Ja. War es.“

„Machen das… machen das alle so?“

„Was? Ihre Kinder versaufen lassen?“ Leon schüttelte den Kopf, sah aus dem dunklen Fenster. „Nein. Aber alle machen Fehler. Wir auch. Größere.“

Jannis schwieg. Dann: „Der Kleine da drunten… bei euch. Der kommt bald, oder?“

Maja legte eine Hand auf ihren Bauch. „Ja.“

„Dann habt ihr euer echtes Kind. Warum dann…?“ Er beendete den Satz nicht.

„Weil fünf Zimmer zu leer sind“, sagte Maja leise. „Und weil man mehr als ein Ding auf einmal lieben kann.“ Sie stand auf, ein mühsames Manöver. „Ich hol Wasser.“

Als sie draußen war, sagte Jannis ins Dunkel: „Mein Alter… der ist nie da gewesen, wenn ich gekotzt hab‘. Der hat mir danach eine gefahren.“ Er drehte den Kopf zur Seite, gegen die Wand. „Ihr seid komisch.“

Leon antwortete nicht. Das Wort ‚komisch‘ hing im Raum wie ein Geschenk, ein seltsames, aber willkommenes Kompliment.

Unten war Finn wieder wach. Er lag auf dem Sofa, die Augen waren riesig und voller Angst in seinem blassen Gesicht. Alex saß auf dem Boden neben ihm, sortierte gedankens verloren die Bauklötze von Lia in eine Kiste.

„Ich sterb‘, flüsterte Finn.

„Das fühlt sich nur so an“, sagte Alex. „Morgen wirst du wünschen, du wärst tot, aber sterben wirst du nicht.“

„Alex?“

„Hm?“

„Habt ihr… habt ihr auch mal so‘ne Scheiße gebaut? Also, so richtig?“

Alex hielt einen blauen Bauklötze in der Hand. Er drehte ihn um. Er sah die Gasse. Das Öl auf dem Asphalt. Den fremden Körper zwischen ihnen. Die schweigende, giftige Heimfahrt. „Ja“, sagte er schließlich, seine Stimme war rau. „Schlimmere Scheiße. Und dafür gibt’s keine einfache Strafe. Nur das Leben danach. Das ist Strafe und Chance in einem.“

Finn schloss die Augen. Eine Träne rollte über seine Schläfe. „Ich will keine Chance. Ich will nur, dass der Dreckskopf aufhört zu hämmern.“

„Der Dreckskopf ist dein eigener Kreislauf, Junge. Der beruhigt sich schon.“

Gegen drei Uhr morgens war die akute Krise überstanden. Jannis und Finn schliefen einen totenähnlichen, aber stabilen Schlaf. Die Erwachsenen trafen sich in der Küche, ausgelaugt und stumm. Leon holte drei Gläser und eine Flasche kaltes Wasser aus dem Kühlschrank. Sie tranken schweigend.

Die Sexualität, die zwischen ihnen allen brachlag, war an diesem Abend ein fremdes Konzept gewesen. Doch nun, in der bleiernen Erschöpfung, im gemeinsamen Gestank von Schweiß und Säure und überstandener Krise, kehrte etwas von der alten Spannung zwischen Alex und Leon zurück. Nicht sanft. Roher. Ein körperliches Bedürfnis nach Bestätigung, dass sie lebten, dass sie etwas durchstanden hatten.

„Ich bin komplett fertig“, sagte Maja und stellte ihr Glas ab. „Ich geh ins Bett. Weckt mich nicht, bevor die Sonne nicht richtig brennt.“

Als sie weg war, standen Alex und Leon in der dunklen Küche. Das Licht des Kühlschranks, das Leon angelassen hatte, warf einen schmalen weißen Streifen über den Boden und schnitt ihre Körper in Hälften. Alex‘ T-Shirt klebte an seinem Rücken. Leon hatte die Augenringe eines Ghuls.

„Ich bin dreckig“, sagte Leon heiser.

„Ich auch“, sagte Alex.

Sie gingen nicht zum Badezimmer. Sie gingen ins Wohnzimmer, wo Finn auf dem Sofa schlief. Sie schlossen leise die Terrassentür und zogen die Vorhänge zu. Der Raum war schwül und dunkel, nur vom fahlen Licht einer Straßenlaterne erhellt, das durch die Ritzen der Vorhänge sickerte.

Kein Wort wurde gesprochen. Leon drückte Alex gegen die Wand neben dem Kamin, sein Mund war heiß und fordernd auf Alex‘ Lippen. Dieser Kuss schmeckte nach Müdigkeit und Adrenalin. Alex gab nach, öffnete seinen Mund, ließ Leon’s Zunge eindringen, die wild und ungeschlacht forschte. Ihre Hände zerrten an Kleidung. Leon riss Alex‘ T-Shirt vom Körper, die Nähte knisterten. Alex fummelte an Leons Shorts, schaffte es, den Knopf aufzupoppen, den Reißverschluss herunterzuzerren.

Sie fielen nicht auf das Sofa. Sie rutschten auf den Teppich, den selben Sisalteppich, auf dem sie sich vor Monaten zerstört hatten. Der Geruch ihrer eigenen alten Tragödie war von Bier und Erbrochenem überlagert.

Leon war wild, unbeherrscht. Er schob Alex auf den Rücken, griff zwischen seine Beine. Alex war halb steif, der Schlaf und die Anstrengung machten seinen Körper schwer. Leon nahm es nicht hin. Er bückte sich, nahm Alex‘ dicken, schlaffen Schwanz in den Mund. Er lutschte nicht. Er saugte, rauh und gierig, bis das Blut hineinströmte und Alex mit einem erstickten Stöhnen steif wurde. Speichel rann ihm übers Kinn.

„Fick mich“, flüsterte Alex, seine Stimme war heiser vor Erschöpfung und Lust. „Hart. Bitte.“

Leon brauchte kein Gleitmittel. Er spuckte in seine Hand, schmierte sich seinen gekrümmten, steifen Schwanz ein, dann spuckte er direkt auf Alex’ Loch. Die Feuchtigkeit war minimal, primitiv. Er positionierte sich, stieß mit der stumpfen Spitze an. Es ging nicht. Zu trocken. Zu verkrampft.

„Scheiße“, knurrte Leon, sein ganzer Körper zitterte vor Frustration. Er spuckte noch einmal, direkt auf die zusammengekniffene Rosette, rieb mit dem Daumen hinein. Alex zuckte unter der groben Behandlung, aber er drückte dagegen. „Jetzt. Komm schon.“

Mit einem entschlossenen, brutalen Ruck rammte Leon sich hinein. Die Muskeln gaben brutal nach, ein brennender, sich ausdehnender Schmerz, der Alex den Atem raubte. Er kralte seine Hände in den Sisal, biss sich auf die Unterlippe. Es brannte wie Hölle. Und doch war es eine reinigende, lebendige Agonie.

Leon stieß zu, ein tiefer, volllastiger Stoß, der seine Hoden gegen Alex‘ Arsch schlagen ließ. Er blieb tief in ihm, sein ganzer Körper war eine einzige, angespannte Sehne. „Gott, Alex“, stöhnte er. „So voll. Du nimmst mich so verdammt gut.“

Dann begann er zu ficken. Keine Romantik. Kein Zögern. Ein reiner, animalischer Akt der Behauptung und des Trostes. Jeder Stoß war ein Schlag gegen die Ohnmacht des Abends, gegen die Angst um die betrunkenen Jungs, gegen die bleierne Müdigkeit in ihren Knochen. Der Teppich rieb Alex‘ Rücken wund. Der Schweiß mischte sich auf ihrer Haut. Das klatschende Geräusch ihrer Körper war dumpf und rhythmisch.

Leon beugte sich vor, seine Hände neben Alex’ Kopf auf dem Boden. Ihre Atemzüge mischten sich, heiß und schnell. „Du gehörst mir“, keuchte Leon, jedes Wort ein Stoß. „Diese ganze… beschissene Situation… und du… gehörst… mir…“

„Ja“, zischte Alex und hob seine Hüften, um jedem Stoß entgegenzukommen. Der Schmerz war jetzt ein tiefes, sättigendes Glühen, das seinen Unterleib durchflutete. „Nimm es dir. Alles.“

Die Lust baute sich langsam auf, schwer und unaufhaltsam wie eine Sommergewitterfront. Alex’ eigener Schwanz, der zwischen ihren Leibern eingeklemmt war, prellte mit jedem Stoß gegen Leons Bauch, tropfte schon vorzeitig Feuchtigkeit. Er wusste, er würde nicht lange durchhalten. Diese rohe, verzweifelte Fickerei war zu grundlegend, zu wahr.

Leon’s Tempo wurde unregelmäßig, r

Diese rohe, verzweifelte Fickerei war zu grundlegend, zu wahr.

Leon’s Tempo wurde unregelmäßig, ruckartig. Seine Hüften zuckten in kurzen, tiefen Stößen. "Ich komm", stieß er heraus, die Worte ein heißes Stolpern gegen Alex' Hals. "Gleich... ich..."

"Lass gehen", keuchte Alex und umklammerte Leons schweißnassen Rücken. Seine eigene Erlösung war nah, ein knallheller Druck an der Basis seiner Wirbelsäule.

Leon drang ein letztes Mal mit voller Wucht in ihn ein und blieb dann stecken, sein ganzer Körper verkrampfte sich in einer stummen, zitternden Starre. Alex spürte den heißen Schwall im eigenen Inneren, ein pulsierendes Strömen, das ihn füllte. Dieser intime Überschwemmungsakt riss ihn über die Kante. Sein Orgasmus schoss aus ihm heraus, weiß und dick, beschmierte beide Bäuche in einem schlaffen, zuckenden Finale.

Sie blieben liegen, verschmolzen und atemlos. Der Geruch von Sex und Schweiß war jetzt der dominante Duft im Raum. Irgendwann glitt Leon aus ihm heraus, ein nasses, leises Geräusch. Sie lagen Seite an Seite auf dem Sisal, der an ihren wunden Rücken kratzte.

"Die Terrasse", murmelte Alex nach einer langen Minute. "Die ist immer noch voller Kotze."

"Jannis macht das morgen früh", sagte Leon, die Augen geschlossen. "Oder er isst sie."

Ein müdes, krasses Lachen entwich Alex. Es fühlte sich fremd an in seiner Kehle. Sie standen auf, wacklig, und sammelten ihre Kleider. Sie wuschen sich schweigend im Gästebad unten, ein kurzes, funktionales Abspülen des Schlamms. Oben, in ihrem eigenen Zimmer, fielen sie ins Bett, ohne noch ein Wort. Der Schlaf, als er endlich kam, war tief und traumlos wie ein Sturz in ein tiefes, schwarzes Loch.

Die Geburt kam zwei Wochen später, mitten in einer Gewitternacht. Sie war schnell und brutal. Maja schrie das Haus zusammen, ihr Gebrüll ein Echo des Donners, der über Oberhausen hinwegzog. Alex hielt ihre Hand, bis er fürchtete, sie würden sich die Knochen brechen. Leon stand am Fußende, bleich und fassungslos, und sagte immer wieder: "Du schaffst das, du schaffst das."

Jannis und Finn hielten sich mit Lia, die vor Angst weinte, im Wohnzimmer versteckt. Das Kreischen und das Donnern vermischten sich zu einer Symphonie des puren Schreckens. Dann, um drei Uhr siebzehn, war es vorbei. Ein schriller, empörter Schrei übertönte den letzten Donnerrollen.

Tim. Zweiundfünfzig Zentimeter, drei Kilogramm, zehn winzige Finger, die sich um Alex’ Zeigefinger krallten, als er ihn zum ersten Mal hielt. Die Welt schrumpfte auf dieses rote, zornige Gesichtchen. Jannis und Finn schlichen heran, ihre Augen groß wie Untertassen. "Der ist... ganz schön laut", sagte Finn ehrfürchtig.

"Der hat gerade den schlimmsten Tag seines Lebens hinter sich", sagte Maja erschöpft und lächelte zum ersten Mal seit Stunden. "Da darf man laut sein."

Es ist jetzt ein paar Jahre später.

Der Garten ist kein verwilderter Dschungel mehr. Alex hat ihn in kleine Parzellen unterteilt: ein Gemüsebeet, eine Kräuterspirale, einen Rasen zum Toben. An diesem späten Nachmittag im September liegt ein sanftes, goldenes Licht über allem. Tim, jetzt vier, mit strohblonden Haaren und den wachen Augen seiner Mutter, jagt einen Fußball über den Rasen. Lia, sieben und schon mit Majas entschlossenem Blick, spielt Schiedsrichter. "Aus! Das war Aus, Timmi!"

Im Haus, in der jetzt ständig unordentlichen und lebendigen Küche, sitzen Alex (42) und Leon (40) mit Jannis (20) und Finn (18) am großen Eichentisch. Die Luft riecht nach frisch gebrühtem Kaffee und dem Apfelkuchen, den Maja (38) heute Morgen gebacken hat. Sie ist gerade mit Tims Sporttasche beschäftigt, wirft aber immer wieder Blicke zum Tisch.

Die Stille ist nicht unbehaglich, aber sie ist geladen. Jannis, der Junge von damals, ist zum Mann geworden, breit in den Schultern, mit einem ruhigeren, bedachteren Blick. Er dreht seine Tasse zwischen den Händen. Finn, immer noch schlaksig, hat sich die Haare in einem unnatürlichen Blau gefärbt. Unter dem Ärmel seines Hoodies lugt der Anfang einer Tätowierung hervor – eine von Leons frühen Zeichnungen.

"Also", beginnt Jannis und setzt die Tasse ab. Der Ton ist sachlich. "Wir müssen über die Zukunft reden. Meine und Finns."

Alex lehnt sich zurück, spürt die alte Schutzmauer in sich hochfahren. "Ihr habt die Ausbildung. Finn nächstes Jahr die Fachhochschulreife. Das ist doch Zukunft."

"Das ist ein Plan", korrigiert Leon leise. Seine Augen fixieren Jannis. "Was ist los?"

Finn zuckt mit den Schultern, ein Echo seiner jugendlichen Geste, aber weniger trotzig. "Ist halt... komisch. Wir wohnen jetzt länger hier als irgendwo anders, weißte?"

"Und?", fragt Alex.

"Und es ist nicht unser Haus", sagt Jannis direkt. Seine Worte sind nicht böse, sondern klar. "Es ist eures. Und Majas. Und von Lia und Tim. Wir sind... Gäste, die sich eingerichtet haben."

"Du hast hier die Tür eingetreten", wirft Leon ein, ein fast unmerkliches Lächeln um seine Lippen. "Gäste machen das nicht."

"Das war damals", sagt Jannis und winkt ab. "Jetzt sind wir erwachsen. Fast. Finn wird volljährig. Ich bin es schon." Er atmet tief ein. "Ich hab' die Zusage. Von der Feuerwehr in Essen. Die Grundausbildung beginnt im Januar. Das ist ein Job mit Dienstwohnung."

Ein Schlag der Stille. Alex spürt, wie sich etwas in seiner Brust löst und neu zusammenfügt. Stolz. Und ein sofortiger, beißender Schmerz des Verlustes.

"Feuerwehr", wiederholt Leon, als würde er das Wort schmecken. "Das... das passt zu dir."

Jannis nickt. "Hab' das Praktikum gemacht. Hat gestimmt." Er sieht zu Finn. "Und er..."

"Ich will nach Hamburg", platzt Finn heraus. Sein Blick geht schnell zwischen Alex und Leon hin und her, als erwarte er einen Schlag. "Es gibt da 'nen Studiengang. Illustration und Comic. Hab' die Mappe hingeschickt. Die haben ja gesagt."

Alex schließt für eine Sekunde die Augen. Er sieht den betrunkenen Jungen auf dem Sofa, der sich in sein Erbrochenes weinte. Jetzt dieser entschlossene junge Mann mit Berufsplan. Er sieht Finns düstere Zeichnungen auf Leon’s Tablet. Jetzt die Fachhochschulreife und eine Bewerbungsmappe. Die Zeit hat sich verknotet und ist dann weiter gerast.

"Das sind gute Nachrichten", sagt Alex, und seine Stimme klingt belegt. "Großartige Nachrichten."

"Ja", sagt Leon. Er steht auf, geht zum Fenster, schaut in den Garten, wo Tim lachend Lia den Ball abjagt. "Das sind sie."

"Es fühlt sich nur an wie Verrat", sagt Finn leise. Er starrt auf seine Hände. "Nach all dem. Das ihr uns... ihr habt uns aufgefangen. Jetzt lauf ich einfach davon."

Maja stellt sich neben Leon, legt ihren Arm um seine Taille. "So funktioniert das nicht", sagt sie in den Raum. "Man fängt Kinder nicht auf, um sie einzumauern. Man fängt sie auf, damit sie heile genug sind, um wegzulaufen. Und vielleicht... vielleicht auch, damit sie wiederkommen wollen."

Jannis’ stoische Mauer bricht einen Millimeter. Ein schnelles Zucken um seinen Mund. "Die Zimmer... ihr könnt sie anderweitig nutzen. Oder... wir zahlen Miete, wenn wir in den Ferien..."

"Halts Maul, Jannis", unterbricht Leon ihn, ohne sich umzudrehen. Seine Stimme ist rau. "Ihr zahlt gar nichts. Ihr kommt, wann ihr wollt. Das ist euer Zuhause. Punkt."

Die Endgültigkeit in seiner Stimme lässt keinen Raum für Diskussion. Alex steht auf, geht zur Kaffeemaschine, braucht etwas zu tun. Er füllt seine Tasse nach, obwohl sie noch halb voll ist. "Im Januar. Und im Sommer dann Hamburg. Das ist...schnell."

"Wir sind noch da", sagt Finn. "Bis dahin."

Draußen schreit Tim vor Lachen. Lia hat ihn gekitzelt, und sie rollen beide über den Rasen. Das goldene Licht wird langsam dunkler, streift Orangetöne. Ein normales Chaos. Ein normales Glück, das sie sich mühsam aus dem Dreck und der Scham und der kotzbesudelten Verzweiflung von damals zusammengeklaubt haben.

Jannis steht auf. "Dann... ja. Wollt’s nur gesagt haben." Er wirkt unsicher, was er mit seinem Körper anfangen soll. Eine Umarmung? Ein Händedruck?

Alex überbrückt den Moment. Er geht um den Tisch, zieht Jannis, der überrascht dasteht, in eine kurze, feste Umarmung. Er riecht nach Waschpulver und jungem Mann. "Feuerwehrmann", murmelt Alex an seiner Schulter. "Pass auf dich auf."

Als er sich löst, sieht er, dass Leons Augen glänzen. Leon schnaubt einmal, dreht sich ganz vom Fenster weg und geht wortlos aus der Küche. Sie hören, wie die Terrassentür aufgeht.

"Der ist sauer", sagt Finn und wirkt beunruhigt.

"Nein", sagt Maja und lächelt ein wehmütiges, wissendes Lächeln. "Der ist nur Leon. Geht raus zu ihm. Aber nicht alle auf einmal."

Jannis und Finn gehen nach draußen. Alex bleibt mit Maja in der Küche stehen. Durch das Fenster sieht er, wie Leon, die Arme verschränkt, am Rand des Gemüsebeets steht. Die beiden jungen Männer nähern sich ihm langsam, wie man sich einem scheuen Tier nähert.

"Unsere Jungs", sagt Maja leise und lehnt ihren Kopf an Alex’ Schulter.

"Ja", sagt Alex, und das Wort trägt das Gewicht aller leeren Zimmer, aller zerbrochenen Türen, aller schmutzigen Teppiche und aller zweiten Chancen, die sie sich gegenseitig geschenkt haben. "Unsere Jungs."

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