Cover of Ruhrpott Liebe: Zwei Herzen, Eine Stadt

Ruhrpott Liebe: Zwei Herzen, Eine Stadt

Read the story

70 chapters · 225054 words · Read 0 times

In German - write a story about a gay married couple living in Oberhausen consisting of Alex, 31 and Leon, 28. Alex is normal sized and slightly chubby and has a girthy dick and Leon is small and slightly chubby and has a curved dick. Alex prefers to power bottom by riding Leons dick but they both like either person to be the top

Chapter 47: Chapter 47

Der Regen fiel nicht, er stand in grauen Wand vor der Fensterscheibe von Finns Wohnung. Janis stand davor, die Hände in den Jeppstaschen vergraben, und betrachtete die nassen Backsteinfassaden des Hinterhofs. Er war seit zwei Stunden da. Sie hatten Kaffee getrunken, auf dem Bett gesessen, auf dem Boden, hatten sich die peinlich saubere, aber karge Einrichtung angesehen – den Zeichentisch, den Kühlschrank, die zwei Teller. Die Spannung zwischen ihnen war ein lebendiges Ding, ein dritter Körper im Raum, der mit jedem höflichen „Danke für die Möbel“ oder „Die Lampe ist schön“ nur dicker und undurchdringlicher wurde.

„Also“, sagte Finn schließlich, sein Stuhl kratzte über den ungeschliffenen Holzboden. „Du meintest, wir reden.“

Janis drehte sich vom Fenster weg. Sein Gesicht war ein Schild. „Ich meinte, ich komme. Und dann reden wir.“

„Das ist jetzt.“ Finn lächelte schwach, es war eine Grimasse der Anspannung.

„Nein.“ Janis ging zum Tisch, griff nach seiner Jacke. „So nicht. Ich ersticke hier. Wir gehen raus. Wir trinken was.“

„Es ist drei Uhr nachmittags.“

„Egal.“ Janis’ Blick ließ keinen Widerspruch zu. Es war der Blick, mit dem er junge Rekruten anfuhr. „Ich will nicht hier mit dir sitzen und so tun, als wären wir zwei normale Kumpel, die sich was erzählen. Ich will das nicht.“ Er machte eine ausfahrende Handbewegung, die alles umfasste: die saubere Bleibe, die er finanzierte, die respektable Distanz. „Ich will das hier nicht sehen. Ich will dich sehen. So wie du wirklich bist. Und dafür muss ich mich erst mal abschießen.“

Die erste Kneipe war ein verrauchtes Loch in der Nähe des Fischmarkts, mit klebrigen Holztischen und einem Fernseher, auf dem stumm ein Fußballspiel lief. Sie tranken Korn, schnelle, stille Doppelte, die das Eis betäuben sollten. Es funktionierte nicht. Es vertiefte nur das Schweigen, machte es schwer und süßlich.

„Ich war bei ‘nem Typen“, sagte Finn plötzlich, sein drittes Glas fest umklammernd. „Letzte Woche. Er wollte, dass ich ihn würge.“

Janis sah ihn an. Sein Gesicht zeigte keine Regung. „Und? Hast du’s gemacht?“

„Ja.“

„Hat es dir gefallen?“

Finn zuckte mit den Schultern, ein abgehacktes, betrunkenes Gestell. „Es hat ihn geil gemacht. Das musste reichen.“

Janis bestellte zwei weitere. „Mir reicht es nicht“, sagte er dann, das Glas an den Lippen. „Diese ganze Scheiße. Diese fremden Männer. Das muss aufhören.“

„Warum?“ Finns Stimme war herausfordernd, schrill. „Du hast gesagt, wir überleben. Das ist mein Überleben.“

„Nein.“ Janis schüttelte den Kopf. „Das ist dein Langsam-umbringen. So fühl ich mich jedenfalls.“ Er warf den Korn zurück. „Weiter.“

Sie zogen weiter, von Kneipe zu Kneipe, das Viertel immer heruntergekommener, das Licht immer düsterer. In einem türkischen Lokal aßen sie Lahmacun, das Fett tropfte ihnen auf die Hände, und tranken dazu raki, der scharf und nach Anis schmeckte. Die Worte kamen jetzt, durch den Alkohol geölt, gefährlich und ungefiltert.

„Ich hasse es, wenn du mich ‘Janni’ nennst“, sagte Janis und wischte sich den Mund ab. „Niemand nennt mich so. Nur du. Es macht es… klein. Süßlich.“

„Tut mir leid“, sagte Finn, und es klang nicht leidvoll, sondern verletzt.

„Nein, sag nicht sorry. Lass es. Ist doch egal.“ Janis bestellte zwei Bier als Chaser.

In einer nächsten Bar, einer düsteren Höhle mit rotem Samt und jukebox, tranken sie Gin Tonic aus schmuddeligen Gläsern. Janis holte seine Geldbörse heraus, ein dickes Ding aus Leder, und warf einen Geldschein auf den Tresen.

Finn sah es. Ein verblasster Kinderfotoausweis steckte noch im Plastikfach. Zwei Jungen, acht und fünf, mit sommersprossigen Nasen. Maja hatte die gleichen Sprossen.

„Du hast das Foto noch“, sagte Finn, seine Zunge war schon schwer.

Janis folgte seinem Blick, klappte die Börse schnell zu. „Das gehört da rein.“

„Du könntest es rausnehmen.“

„Warum? Damit ich es leichter vergesse?“ Janis’ Lachen war ein kurzer, harter Laut. „Ich will es nicht vergessen. Ich will mich dran erinnern, warum ich so ein beschissener Mensch bin.“

„Hör auf“, flüsterte Finn.

„Warum? Es ist die Wahrheit. Ich liebe meine Kinder. Ich respektiere Maja. Und gleichzeitig…“ Er machte eine Geste in Finns Richtung, eine weite, schwankende Bewegung, die alles einschloss, „…gleichzeitig fahre ich hierher, um mich in meinen jüngeren Bruder zu verknallen und ihn zu ficken, bis er nicht mehr laufen kann. Ich bin eine widerliche Wichsgrube. Nenn es beim Namen.“

Finn stand auf, taumelte. „Ich geh.“

Janis packte sein Handgelenk. Die Berührung war wie ein elektrischer Schlag. Seine Augen waren glasig, aber unglaublich fokussiert. „Du bleibst. Wir sind noch nicht fertig. Wir trinken weiter.“

Sie tranken weiter.

Die letzte Station war ein polnischer Späti an der Reeperbahn, hell erleuchtet und klinisch sauber. Es war nach Mitternacht. Janis stützte sich schwer auf die Kühltruhe mit den Energy-Drinks.

„Noch was“, krächzte er. „Wir kaufen uns was für unterwegs. Ich kann nicht mehr geradeaus sehen. Brauche was für die Hand.“

Der Verkäufer, ein Mann mit traurigen Augen, verkaufte ihnen eine halb leere Flasche klaren Wodkas aus dem Kühlregal und zwei Dosen Red Bull. Sie tranken die Dosen auf der Straße aus, mischten den Wodka grob hinein, und stolperten dann Richtung S-Bahn-Station.

Die Welt war jetzt ein Wirbel aus Neon, eiligen Schatten und einem tieffrequenten Dröhnen in Finns Schädel. Der Alkohol war kein Gefühl mehr, sondern ein physikalischer Zustand, ein gallertartiger Ozean, in dem er schwamm. Janis stieg die Treppe zur Bahn falsch herum hinauf, lachte wie ein Verrückter, bis ihm schlecht wurde und er sich über das Geländer lehnen musste, um zu würgen. Nichts kam außer saurem Gin und Galle.

„Alles okay, Janni?“, kicherte Finn, und er wusste nicht mehr, ob es gestern war oder vor einer Stunde, dass Janis den Namen gehasst hatte.

„Fick dich, Kleiner“, keuchte Janis, grinste durch Tränen des Überdrusses. „So was von okay. Komm.“

Die S-Bahn war fast leer. Sie sanken auf zwei Plastiksitze, ihre Körper schlaff, ihre Köpfe klappten gegen die kalte Scheibe bei jeder Kurve. Janis legte seinen Kopf auf Finns Schulter.

„Weißt du noch“, murmelte er, sein Atem roch nach pfeffrigem Wodka und Erbrochenem, „wie wir als Kinder diesen VW-Bus von Papa angeguckt haben? Der mit dem Rosenholzfurnier am Armaturenbrett?“

„Ja“, sagte Finn, seine Augen fielen zu. Das Rattern der Bahn war eine Wiege.

„Du hast gesagt, wenn du groß bist, fährst du damit nach Paris. Ich hab gesagt, das kann nicht mehr als hundert Sachen fahren.“ Janis schniefte. „Ich wollte immer recht haben. Dir immer zeigen, wie’s richtig geht.“

„Hast du auch meistens.“

„Nein.“ Janis’ Stimme wurde dünn, schluchzend. „Gar nicht. Nichts ist richtig. Alles ist kaputt.“

Sie verpassten ihre Haltestelle, fuhren bis zum Endbahnhastell blank. Ein schwitzender, wütender Bahnmitarbeiter schickte sie in die entgegengesetzte Bahn. Sie lagen jetzt halb übereinander auf den Vierersitzen, Janis’ Beine über Finns Schoß, eine groteske Parodie von Intimität. Jemand musterte sie misstrauisch. Janis hob den Kopf, starrte den Mann mit glasigen, aber gefährlichen Augen an.

„Was guckst du, du Hurensohn?“, knurrte er.

Finn zog ihn herunter. „Janis, um Himmels willen…“

Die Straßen von Altona waren nass und leer. Der Regen hatte aufgehört, aber das Pflaster glänzte schwarz unter den orangefarbenen Straßenlaternen. Sie hielten sich gegenseitig aufrecht, ein vierbeiniges, schwankendes Monster. Finn fummelte minutenlang mit dem Schlüssel an seinem Haustürschloss, während Janis hinter ihm gegen die Mauer lehnte und leise vor sich hin sang – ein Feuerwehrlied, dreckige Worte in einer stumpfen Melodie.

Endlich gab das Schloss nach. Sie stolperten in den Flur, stießen gegen den Fahrradständer, polterten die Treppe hinauf zu Finns Wohnung im zweiten Stock. Beim zweiten Schlüsselversuch ließ Finn das Bund fallen. Janis bückte sich, viel zu schnell, und prallte mit dem Kopf gegen die Tür.

„Scheiße!“

Er lachte, ein glasiges, hysterisches Gelächter, während er auf dem kalten Linoleum des Treppenabsatzes lag. Finn kauerte sich neben ihn, lachte auch, bis ihm Tränen über die Wangen liefen und er nicht mehr wusste, ob er weinte oder lachte. Sie lagen da im dunklen Treppenhaus, zwei betrunkene Männer in einer Pfütze aus Regenwasser und verlorenem Anstand.

„Ich kann nicht mehr“, keuchte Finn. „Ich bin so verdammt voll. Das war bescheuert.“

„Alles ist bescheuert“, sagte Janis und richtete sich mühsam auf. Er griff nach dem Schlüsselbund, steckte ihn mit zitternder Hand ins Schloss. Diesmal ging es auf.

Sie fielen über die Schwelle in die dunkle Wohnung. Der kalte Wodka-RedBull-Mix brodelte in Finns Magen, stieg als saure Welle in seinen Rachen. Er stolperte zum winzigen Bad, knallte gegen den Türrahmen, und erbrach sich heftig in die Toilette. Es brannte in seiner Nase, in seinen Augen. Er spuckte, würgte, spuckte wieder.

Er spürte Janis’ Hand in seinem Nacken, hielt seine Haare aus dem Gesicht. Eine einfache, zärtliche Geste in der absoluten Ekelerfahrung.

„Ist schon gut“, murmelte Janis hinter ihm, seine Stimme klang blechern. „Alles raus. Dann geht’s dir besser.“

Als Finn sich umdrehte, auf den kalten Fliesen sitzend, sah er, dass Janis’ Gesicht totenbleich war. Seine Augen waren verschwommen.

„Mir geht’s auch gleich dreckig“, sagte Janis und stürzte vorbei, um sich über das Waschbecken zu übergeben.

Sie lagen später auf dem harten Holzboden von Finns Wohnzimmer, zu erschöpft, um das Bett zu erreichen. Die Decken vom Bett hatten sie heruntergezerrt. Das billige Gewebe roch nach Staub und ihrem Schweiß. Der Raum drehte sich noch langsam, ein träger Karussell aus Schatten.

Janis rollte auf die Seite, sein Gesicht war nur Zentimeter von Finns entfernt. Sein Atem war immer noch sauer, aber der Wahnsinn war aus seinen Augen gewichen, ersetzt durch eine tiefe, betrunkene Traurigkeit.

„Ich weiß nicht, wie ich das machen soll“, flüsterte er. Die Worte waren schwer, langsam geformt. „Ich weiß nicht, wie ich ohne dich leben soll. Und ich weiß nicht, wie ich mit dir leben soll.“

Finn hob eine schwere Hand, berührte Janis’ Wange. Die Haut war heiß. „Du musst dich nicht entscheiden. Nicht jetzt.“

„Doch.“ Janis schloss die Augen. „Ich muss. Jeden Tag. Jeden verdammten Tag, wenn ich nach Hause gehe und Maja küsst. Wenn die Jungs mir zeigen, was sie gemalt haben. Ich entscheide mich jeden Tag gegen dich. Und trotzdem bin ich hier. Was macht das aus mir?“

„Einen Menschen“, sagte Finn, und seine eigene Stimme brach. „Einen verdammten, fehlerhaften Menschen. Wie mich.“

Janis öffnete die Augen. In der Dunkelheit waren sie nur schwarze Löcher. „Ich will dich“, sagte er, und es klang wie eine Todesanzeige.

Sie küssten sich. Es war nicht leidenschaftlich oder gierig. Es war langsam, schwer, verlangsamt durch den Alkohol wie in einem zähen Traum. Ihre Lippen waren trocken, ihre Zungen träge. Sie schmeckten nach Bier und Erbrochenem und einer absoluten, verzweifelten Verlorenheit.

Janis tastete nach Finns Hose, knöpfte sie auf mit fahrigen, ungeschickten Fingern. Finn tat das Gleiche. Es gab keine Eile mehr, nur eine träge, unausweichliche Notwendigkeit. Sie befreiten sich voneinander, stießen Kleidungsstücke zur Seite, die jetzt nur hinderliche Lagen zwischen ihren Körpern waren.

Janis war halb steif, sein Schwanz lag schwer und warm auf seinem Bauch. Finn nahm ihn in die Hand, streichelte ihn langsam, fühlte, wie die Lebensgeister unter seinen Fingern langsam zurückkehrten. Janis stöhnte, eine tiefe, rasselnde Resonanz in seiner Brust.

„Ich kann nicht…“, murmelte Finn, „…nicht so betrunken.“

„Ist egal“, sagte Janis. Seine Hand griff nach Finn, umschloss ihn. Seine Bewegungen waren roh, abgehackt, aber voller einer Art beharrlicher Hingabe. Sie lagen Seite an Seite auf dem Boden, ihre Körper unter der dünnen Decke, und wichsten sich gegenseitig, langsam, fast lethargisch. Es war nicht geil. Es war ein Ritual. Eine Bestätigung, dass sie noch da waren, noch Fleisch und Blut, noch verbunden durch diese perverse, unsag

Es war ein Ritual. Eine Bestätigung, dass sie noch da waren, noch Fleisch und Blut, noch verbunden durch diese perverse, unsagbare Sache. Ihre Hände bewegten sich ineinander, ein verschwitztes, schleifendes Geräusch in der Stille. Sie starrten an die schmutzige Decke, ihre Atemzüge wurden schwerer, synchron.

„Ich habe noch andere gesehen“, murmelte Finn, seine Stimme klang gepresst von der Anstrengung und dem Alkohol. „Nach diesem Typen. Dem, den du hast… vergraulen lassen.“

Janis’ Hand blieb einen Moment stockstill. Dann griff er fester zu, sein Daumen rieb hart über Finns Eichel. „Sag mir, dass du ihnen keine echte Adresse gegeben hast.“

„Nein. Immer Hotel. Oder bei ihnen.“ Finns Hüften bewegten sich nun, schoben seinen Schwanz in Janis’ Faust. „Aber sie fragen. Immer.“

„Was fragen sie?“

„Warum ich so kalt bin.“ Finn schnappte nach Luft. „Warum ich sie nicht ansehe.“

Janis drehte sich plötzlich zu ihm, sein Gesicht war eine wütende Maske in der Dunkelheit. „Und was sagst du?“

„Nichts.“ Finn hielt seinen Blick. „Ich denke an dich.“

Ein growlartiger Laut entwich Janis’ Brust. Er ließ Finn los, drehte sich herum und schob Finn mit brutaler Kraft auf den Bauch. Das kalte Holz drückte gegen Finns Wangen. Janis kniete sich über ihn, seine Knie links und rechts von Finns Hüften.

„So war es also“, sagte Janis, seine Stimme war ein fahriges Flüstern direkt an Finns Ohr. „Du lässt dir deinen Arsch von Fremden ficken, und in deinem Kopf bin ich es?“

„Ja.“

Die einfache Antwort schien Janis den letzten Rest Kontrolle zu rauben. Er spuckte grob in seine Hand, kein Gleitgel in Sicht, nur ihr eigener Speichel und Schweiß. Er führte seine fingerspitzen an Finns Lösch, drückte ohne jede Vorbereitung hinein. Es brannte scharf, trocken. Finn biss in das Holz seiner Bodendiele.

„Und fühlst du mich dann?“, zischte Janis, während er einen Finger, dann einen zweiten, gewaltsam in ihn eindrückte. Seine Bewegungen waren roh, verletzend.

„Jetzt schon“, keuchte Finn, sein Gesicht war in Schmerz und Ekstase verzerrt.

Janis zog seine Finger heraus. Finn hörte das Rascheln der Jeans, das Klackern des Gürtels. Dann die kühle, dicke Spitze von Janis’ Schwanz, die gegen sein zuckendes Loch drückte. Es gab kein weiteres Wort der Warnung, kein Innehalten.

Janis drang mit einem einzigen, brutalen Stoß in ihn ein.

Finn schrie auf, ein gefangener, tierischer Laut, der im Holz des Bodens erstarb. Der Riss war feurig und absolut, eine gewollte Grenzüberschreitung. Janis blieb tief in ihm stecken, zitternd, sein ganzer Körper ein gespanntes Brett über Finns Rücken.

„So?“, fauchte Janis, sein Atem war heiß und zornig an Finns Nacken. „Fühlst du mich jetzt besser als die anderen? Fühlt sich das nach mir an, du huriger kleiner Arsch?“

Finn konnte nicht antworten. Der Schmerz verwandelte sich langsam in ein erdrückendes Gefühl von Fülle, von Besitz. Er drückte sein Gesicht fester gegen den Boden, seine Hände krallten sich in die nichts. „Mehr“, würgte er heraus. „Fick mich mehr, Janni.“

Janis zog sich zurück, fast ganz heraus, und rammte sich wieder hinein. Der Aufprall ihrer Körper war ein dumpfes, fleischiges Klatschen. Es war kein Ficken in irgendeinem erotischen Sinne. Es war eine Bestrafung. Eine Wiederherstellung einer Ordnung, die es nie gegeben hatte. Janis’ Griff um Finns Hüften war eisern, seine Stöße waren ungleichmäßig, treibend, getrieben von Wut und Zorn und einer verzweifelten Sehnsucht.

„Mein Name“, stieß Janis zwischen zwei Stoß aus. „Sag meinen Namen.“

„Janis“, stöhnte Finn, sein Körper wurde mit jedem Stoß nach vorne geschoben. „Janis, Janis, Janis.“

„Und wem gehörst du?“

„Dir.“ Es war eine Litanei, ein Gebet, eine Kapitulation. „Dir, nur dir, verdammt noch mal.“

Der Rhythmus brach, wurde zu einem hektischen, unkontrollierten Hämmern. Janis’ Stöhnen war ein ersticktes, keuchendes Geräusch. Finn spürte, wie die eigene Anspannung in ihm kochte, unerwartet, durch den Schmerz und die Erniedrigung genährt. Er kam lautlos, sein Körper krampfte, pulsierte um Janis’ Schaft, während sein Sperma auf die kalten Dielen unter ihm spritzte.

Die plötzliche, pulsierende Enge trieb Janis über den Rand. Er stieß einen letzten, tiefen Stoß zu und blieb dann stocksteif, ein langes, zitterndes Stöhnen entweichend seinen Lippen. Er erfüllte das Kondom, das sie in ihrer Trunkenheit gerade noch so bedacht hatten.

Sie verharrten so, vereint und doch unendlich getrennt durch die Gewalt des Aktes. Janis’ Gewicht lastete schwer auf Finn, sein Schweiß tropfte auf Finns Rücken. Der Geruch von Sex, Bier und Schweiß war überwältigend.

Langsam, als löse er sich aus einer Betonhülle, rollte Janis ab und fiel neben Finn auf den Boden. Sie lagen nebeneinander, atmeten schwer, blickten in die gleiche dunkle Ecke des Zimmers. Die Kälte des Holzes drang jetzt durch, ließ sie frösteln.

„Das war nicht richtig“, sagte Janis nach langer Zeit. Seine Stimme war leer.

„Doch“, flüsterte Finn, sein Gesicht noch immer gegen den Boden gedrückt. Seine Wange war nass, von Speichel oder Tränen, er wusste es nicht. „Das war genau richtig.“

Janis drehte den Kopf. Seine Augen funkelten feucht im schwachen Licht von der Straße. „Ich tu dir weh.“

„Ich will, dass du mir weh tust.“ Finn schloss die Augen. „Weil dann wenigstens etwas echt ist.“

Sie schliefen nicht auf dem Boden ein. Die Kälde trieb sie schließlich, steif und geschundenen, auf die schmale Matratze. Sie lagen Rücken an Rücken, keine Berührung mehr außer dem gelegentlichen versehentlichen Streifen einer Schulter oder eines Fußes. Der Morgen graute, ein fahles, trübes Licht, das die Armseligkeit des Zimmers gnadenlos enthüllte: die leeren Bierdosen, die zerknüllten Kleider, den abgestandenen Geruch ihrer Verzweiflung.

Janis war der erste, der sich bewegte. Er stöhnte leise, als er sich aufsetzte, seine Hand fuhr sich über das Gesicht. Er sah auf Finn herab, der noch mit geschlossenen Augen dalag, die blassen Linien seines Rückens von den Striemen des Bodens gezeichnet.

„Ich fahre heute zurück“, sagte Janis, seine Stimme war rau von Schlaf und Alkohol.

Finn öffnete die Augen nicht. „Ich weiß.“

„Der Zug geht in zwei Stunden.“

„Ich weiß.“

Eine Pause. Dann das Rascheln von Kleidern, Janis’ suchende Bewegungen, um seine Jeans zu finden, sein Hemd. Das Geräusch des Reißverschlusses schnitt durch die Stille wie eine Schere.

„Was machen wir jetzt?“, fragte Finn zur Decke.

Janis stand da, den Blick auf die regennassen Backsteine draußen gerichtet. Sein Profil war hart, ein Schattenriss gegen das graue Licht. „Das Gleiche wie immer. Wir überleben. Du lebst hier. Ich lebe dort.“

„Und zwischendrin?“

Janis zuckte mit den Schultern. Ein müdes, abgehaktes Gesten. „Zwischendrin komme ich her. Und ficke dich gegen die Wand. Oder auf den Boden. Weil ich nicht anders kann.“

Er ging, ohne sich noch einmal umzusehen. Die Tür fiel leise, aber endgültig ins Schloss. Finn blieb liegen, lauschte den Schritten auf der Treppe, die langsam verklangen. Er roch noch Janis auf seinem eigenen Körper, in seinen Laken. Er spürte den dumpfen, tiefen Schmerz zwischen seinen Beinen, eine greifbare Erinnerung.

Sein Handy vibrirte auf dem Boden. Eine neue Nachricht. Langsam, jeder Muskel schmerzte, streckte er den Arm aus und griff danach.

Janis -> Finn // 06:14

[Hab 50€ auf den Tisch gelegt. Kauf dir was Anständiges zu essen.]

Eine Sekunde später:

Janis -> Finn // 06:15

[Und benutz’s nicht für Sperma-Cocktails mit irgendwelchen Arschlöchern.]

Finn ließ das Telefon auf seine Brust sinken und starrte auf den sich auflösenden Wasserschaden an seiner Decke. Es war keine Liebe, was er fühlte. Es war etwas Dichteres, Schwereres. Etwas, das einen Sog erzeugte, einen Orbit, aus dem es kein Entkommen gab. Ein Zuhause, das aussah wie eine Verwüstung. Er schloss die Augen. Der Zug nach Essen würde in genau achtundvierzig Minuten den Hauptbahnhof verlassen.

Read on DreamPress