Chapter 14: Chapter 14
Berlin roch nach nassem Asphalt, gebratenen Falafel und dem ständigen Untergrundrauschen von Zügen und Menschen. Simons WG in Neukölln bestand aus einem ehemaligen Wohnzimmer, durch eine instabile Spanplattenwand von Miriams Schlafbereich getrennt. Miriam, eine Medizinstudentin aus Freiburg, lebte in einer konstanten Wolke aus Kamillentee und Lernstress. Sie hatte ihn ohne viele Fragen aufgenommen, gegen eine Kaution in bar, die den Rest seines Geldes auffraß.
Die ersten Wochen vergingen in einer betäubten Routine. Er jobbte in einem Spätkauf, sortierte Regale für Mindestlohn, aß Döner und trank abends Billigbier auf dem Balkon, während Miriam über ihren Anatomiebüchern brütete. Die Scham aus Oberhausen war zu einem dumpfen, immer präsenten Ton in seinem Inneren verkommen. Manchmal, im Halbschlaf, hörte er noch das Piepen des Monitors, sah Finns weit aufgerissene Augen. Dann wachte er schweißgebadet auf, atmete den fremden Geruch dieses Zimmers ein.
Sex war etwas, das in dieser neuen Leere passierte, ein mechanischer Vorgang zur Bestätigung, dass er noch fühlen konnte. Über eine App traf er sich mit Männern, schweigsame Begegnungen in muffigen Zimmern oder auf zugigen Dachböden. Da war der ältere Mann in Charlottenburg, dessen Hände zitterten, als er Simons Hose aufknöpfte. Der lief mit Schwung über seinen dicken, steifen Schwanz, bevor er sich auf ihn setzte und ihn langsam in sich aufnahm. Simon lag reglos, starrte an die verputzte Decke und dachte an die Risse in Finns Wohnzimmer. Der Mann stöhnte und wichste sich dabei einen, sein Samen spritzte in weichen Bögen auf Simons Bauch. „Du bist kaum da, oder?“ hatte der Mann später gekrächzt, während er sich anzog. Simon antwortete nicht.
Dann war da die selbstbewusste Person namens Kai, die mit „they“ angeredet werden wollte und einen engen Lederrock trug. Sie küßten sich heftig in einem Hinterhof in Kreuzberg, Kais Zunge kämpfte aggressiv mit seiner. Ihre Hand griff hart zwischen seine Beine, packte seinen Schwanz durch den Stoff der Jeans. „Willst du mich ficken?“ flüsterte Kai heiser. Simon nickte, von einer plötzlichen, roboterhaften Lust getrieben. Kai bückte sich, stützte sich mit den Händen an der graffitibeschmierten Mauer ab. „Los, mach mich nass.“ Simon holte seinen schon harten Schwanz raus, spuckte grob in seine Hand und schmierte sich damit ein. Er drängte ohne Vorbereitung in sie hinein, ein trockenes, enges Reißen. Kai stieß einen erstickten Schrei aus, halb Schmerz, halb Triumph. „Ja, so ist richtig, du Arschloch!“ Sie wurden wilder, der Rock hochgeschoben, Simons Hüften schlugen rhythmisch gegen Kais kraftlose Hinterbacken. Es war roh, schnell, entmenschlicht. Als er kam, mit einem dumpfen Stöhnen, spürte er nichts als eine leere Entleerung.
Es war Miriam, die unbeabsichtigt die Wende brachte. Eines Abends, als sie beide betrunken von einem WG-Abend mit ihren Kommilitonen zurückkamen, kippte sie lachend in sein provisorisches Bett. Sie roch nach Wein und Zigi-Rauch. Ihr Haar fiel ihm ins Gesicht. Sie versuchte, sich aufzustützen, und ihre Hand landete versehentlich auf seiner Brust. Für einen Moment war ihr Gesicht ganz nah, ihre Augen, die vor Lachen tränten, ihre vollen Lippen. Eine plötzliche, überwältigende Welle von Zuneigung und schlichter Begierde überrollte ihn. Er zog sie unvermittelt runter und küsste sie.
Miriam erstarrte. Dann löste sie sich sanft von ihm. „Simon… nein,“ sagte sie leise, ihr Lachen war verschwunden. „So nicht. Das ist keine gute Idee.“ Sie rollte sich von ihm weg und schlüpfte durch den Vorhang in ihren Bereich. Die Ablehnung brannte, aber nicht wie bei Lina. Es war klar, sauber. Und in ihr Wohnrecht verschob es etwas. Er wollte sie. Nicht sie als Person, aber ihr Frausein. Die Weichheit ihrer Kurven unter dem dünnen Stoff ihres Shirts, den Geruch ihrer Haut, der nichts von Testosteron oder billigem Parfüm hatte.
Er löschte die App. Die nächsten Begegnungen suchte er auf anderen Wegen. Eine Kellnerin aus seiner Stammkneipe, Mitte zwanzig, mit zerzausten Haaren und einem traurigen Mund. Sie ging mit ihm in seine Kammer, während Miriam auf einer Lernnacht war. Sie war still, ließ sich ausziehen, erwiderte seine Küsse mit einer zurückhaltenden Leidenschaft. Als er ihren nackten Körper sah, die vollen Brüste mit den blassen Brustwarzen, die Kurven ihrer Hüften, überkam ihn eine so tiefe, beinahe verzweifelte Sehnsucht, dass ihm fast die Tränen kamen. Er berührte sie ehrfürchtig, leckte sie zwischen den Beinen, wo sie schon feucht und warm war, und trank ihren Geschmack, der anders war als alles, was er kannte – muskatartig, komplex. Sie stöhnte leise, ihre Finger krallten sich in sein Haar. „Komm in mich,“ flüsterte sie irgendwann. Er gehorchte, schob sich in sie hinein, und diese Umhüllung fühlte sich nicht wie eine Eroberung oder ein Akt der Zerstörung an, sondern wie eine Heimkehr. Er bewegte sich langsam, sah zu, wie ihr Gesicht sich in Ekstase verzog, und als er kam, geschah es mit einem langen, zitternden Seufzer, der von irgendwo tief aus seiner Brust kam. Danach blieb sie neben ihm liegen, ihr Atem beruhigte sich. „Du bist anders,“ murmelte sie, bevor sie ging. Er wusste nicht, was das hieß, aber er spürte, es war wahr.
Die Erkenntnis wuchs nicht als plötzlicher Blitz, sondern wie ein dämmerndes Licht. Die Männer, die Androgynen – sie ließen ihn kalt oder erregten ihn auf eine Weise, die immer von Selbstzerstörung und Dominanz geprägt war. Bei Frauen war es anders. Es war ein Begehren, das von Zärtlichkeit und Faszination kam, von einem echten Wunsch nach Verbindung, auch wenn sie nur flüchtig war. Die rohe Gier war noch da, aber sie hatte einen anderen Geschmack. Es war der Hunger nach Leben, nicht nach Vergessen.
Einen Monat nach seiner Ankunft in Berlin, an einem regnerischen Donnerstagnachmittag, als er erschöpft von der Spätschicht zurückkam, blinkte eine Benachrichtigung auf seinem alten Handy auf. Er hatte es behalten, abgeschaltet, nur manchmal, wie eine Selbstgeißelung, lud er es auf und schaltete es ein. Meistens war es still. Diesmal nicht.
Eine neue Nachricht. Von Lina.
Sein Herz setzte aus. Er stellte die Einkaufstüten ab, setzte sich auf den Boden neben seine Luftmatratze. Seine Finger zitterten, als er das Passwort eingab.
Die Nachricht war kurz, zeitlich vor Stunden gesendet.
Lina: Hey Simon. Bin für ein Wochenende in Berlin. Hab von deinem Bruder gehört, was passiert ist. Scheiße. Wenn du Lust hast, kannst du mir sagen, ob es dir okay geht. Wohne bei einer Freundin in Prenzlauer Berg.
Eine Adresse folgte.
Er starrte auf die Worte, bis sie verschwammen. Sein Bruder. Alex musste es ihr erzählt haben. Aber wie? Warum? Die Tatsache, dass sie wusste, dass er hier war, löste Panik aus. Doch unter der Panik brodelte etwas anderes, Heißes, Unmögliches. Die Erinnerung an ihren Mund, ihre Stimme, den Geruch ihres Haares an diesem einzigen Abend. Der Schmerz, der danach kam, war ein bekannter, fast ein tröstender Gefährte. Die dümmste, gefährlichste Idee seines Lebens nahm in ihm Gestalt an. Aber dieses Leben war schon ruiniert. Was konnte noch schlimmer werden?
Er atmete tief durch. Dann tippte er eine Antwort, bevor er es sich anders überlegen konnte.
Simon: Mir geht es. Ja. Würde dich sehen. Heute Abend?
Die Antwort kam innerhalb von Minuten.
Lina: Ja. Komm vorbei. Hier ist ruhig.
Die Adresse. Ein Apartment. Allein. Sein Mund war trocken. Er stand auf, ging ins winzige Bad, starrte in den Spiegel. Die Augen, die ihn ansahen, waren fremd, von Schlaflosigkeit und schlechtem Essen gezeichnet. Er duschte, wusch den Geruch von gekühlten Waren und billigem Putzmittel ab. Zog die saubersten Jeans an, das einzige halbwegs ansehnliche Hemd. Er sagte Miriam nichts.
Die U-Bahn-Fahrt nach Prenzlauer Berg kam ihm vor wie eine Reise in eine andere Welt. Die Straßen waren sauberer, die Menschen anders gekleidet, die Bars teurer. Er fand das Haus, ein altes, saniertes Gebäude mit hohen Decken. Er drückte die Klingel. Sein Herz hämmerte bis in seinen Hals.
Die Türsummer ertönte. Er drückte die schwere Holztür auf, stieg die Treppe zum dritten Stock hoch. Die Tür dort stand schon einen Spalt offen. Er trat ein.
Sie stand im Wohnzimmer vor einem großen Fenster, den Rücken zu ihm gewandt, und betrachtete die Lichter der Stadt. Sie trug einen weiten, dunkelgrünen Pullover und enge Jeans. Ihr Haar war kürzer als damals, schulterlang, und leicht gewellt.
„Simon,“ sagte sie, ohne sich umzudrehen.
„Lina.“
Sie drehte sich langsam um. Ihr Gesicht war ernster, reifer. Die jugendliche Weichheit war härteren Konturen gewichen. Ihre Augen musterten ihn, nahmen den abgemagerten Körper, die gehetzte Haltung in sich auf. „Du siehst… anders aus.“
„Du auch.“
Ein langes Schweigen. Die Wohnung war stilvoll, minimalistisch, fühlte sich nach Leihmöbeln an. Ein teurer Duft hing in der Luft.
„Danke, dass du gekommen bist,“ sagte sie schließlich.
„Ich wusste nicht, dass du in Berlin bist.“
„Spontaner Trip. Brauchte Abstand.“ Sie lehnte sich gegen die Fensterbank. „Dein Bruder hat mich angerufen. Vor ein paar Wochen. Er war… verzweifelt. Weiß nicht, wie er meine Nummer hatte. Wollte wissen, ob ich von dir wusste. Ob du Kontakt zu mir hätte.“ Sie zuckte mit den Schultern. „Hab ihm gesagt, nein. Aber er hat mir erzählt… von dem anderen Jungen. Dem Krankenhaus.“
Simon senkte den Blick. „Ich habe ihn fast getötet.“
„Du hast fast dich selbst getötet,“ korrigierte sie ihn, und ihre Stimme hatte einen harten Unterton. „Das war immer dein Problem, Simon. Du denkst, du richtest Schaden nur bei anderen an. Aber das meiste richtest du bei dir an. Und das ist fast noch schlimmer.“
Die Direktheit traf ihn wie ein Schlag. „Warum bist du hier?“ fragte er rau.
Sie schaute ihn an, ihre Miene wechselte zwischen Mitgefühl und Abscheu. „Weil ich dachte, ich würde dir vielleicht was schulden. Für den Abend damals. Und weil Alex so klang, als würde er sich langsam auflösen. Du hast sie wirklich in Stücke gerissen, weißt du das?“
„Ich weiß.“
Sie schien auf seine einfache Antwort zu warten. Dann seufzte sie. „Willst du was trinken? Ich hab Wein.“
Er nickte. Sie ging in die Küche, kam mit zwei Gläsern Rotwein zurück. Sie tranken schweigend. Der Alkohol verbreitete eine warme Welle in seinem leeren Magen.
„Und du?“ fragte er. „Wie geht es dir?“
„Ich studiere jetzt. Sozialarbeit. In Köln.“ Ein kleiner, bitterer Lacher. „Vielleicht um Leute wie dich zu verstehen. Oder um Leute wie mich zu retten.“
Sie setzten sich auf das große Sofa, ließen eine halbe Armlänge Abstand zwischen sich. Die Spannung war greifbar, eine Mischung aus unerledigter Geschichte und gefährlicher Neugier.
„Du warst mein erstes Mal,“ sagte Lina plötzlich, ihr Blick auf das Weinglas gerichtet. „Weißt du das?“
Ein elektrischer Schlag durchfuhr ihn. „Nein. Das… wusste ich nicht.“
„Ja. Und dann warst du weg. Hattest dich auf dein Handy zurückgezogen, warst unerreichbar. Und dann kam deine Nachricht. Diese hässliche, widerliche Nachricht.“ Sie sah ihn an. „Das hat sehr wehgetan.“
„Es tut mir leid.“ Die Worte waren wieder da, und wieder waren sie wertlos.
„Ich glaube dir,“ sagte sie überraschend. „Das ist das Seltsame. Ich glaube, dass es dir leidtut. Aber das ändert nichts an dem, was passiert ist.“
Er trank einen großen Schluck Wein. Eine wilde, ungezügelte Energie stieg in ihm auf. Die Nähe zu ihr, die Erinnerung an ihre Haut, der Wein, die schiere Verzweiflung seiner letzten Wochen. „Und wenn ich es jetzt wiedergutmachen wollte?“ Die Frage kam heraus, bevor er sie denken konnte.
Lina lachte kurz und hart auf. „Wiedergutmachen? Mit was? Mit einem anderen, besseren Fick?“
Das Wort war brutal, aber es entfachte etwas in ihm. „Vielleicht,“ sagte er, seine Stimme jetzt rauer. Er schob sich näher zu ihr. Der Duft ihres Parfüms mischte sich mit dem eigenen Geruch ihres Körpers unter dem Pullover, ein vertrauter, betörender Cocktail. „Vielleicht ist es das Einzige, was ich halbwegs kann. Vielleicht wäre es für uns beide besser als dieses Reden.“
Sie starrte ihn an, ihre Augen weiteten sich vor Unglauben, dann verengten sie sich zu wissenden Schlitzen. Sie sah die Verwüstung in ihm, die hoffnungslose Lust. „Du
bist wirklich noch genauso verloren.“ Sie stellte ihr Glas ab, das klirrte scharf gegen die Tischplatte. Ihre Hand zögerte, dann legte sie sie gegen seine Wange. Ihre Handfläche war kühl. „Das ist nur Schmerz, Simon. Und du willst, dass ich ihn dir wegficke.“
„Ja,“ gab er zu, sein Mund war trocken. Er presste seine Lippen gegen ihre Handfläche. „Bitte.“
Sie seufzte, ein Laut voller Resignation und eigener, dunkler Neugier. Dann zog sie ihn zu sich, ihr Mund traf seinen mit einer wilden, beißenden Wut. Es war kein Kuss der Zärtlichkeit, sondern einer der Vergeltung und des gegenseitigen Aufbrauchens. Ihre Zunge drang gewaltsam in seinen Mund ein, schmeckte nach Wein und bitterer Einsicht. Seine Hände griffen unter ihren Pullover, fuhren über den weichen, warmen Rücken, spürten den Druck ihres BHs.
Sie schob ihn zurück, stand auf. Ohne ein Wort zog sie den Pullover über den Kopf. Ihr BH war schwarz, Spitze. Ihre Brüste waren voller als in seiner Erinnerung. Sie ließ ihn starren, ihre Atmung wurde flach. „Du bekommst keinen zweiten ersten Mal,“ sagte sie, während sie den BH öffnete und ihn wegwarf. Ihre Brustwarzen waren dunkel, erigiert. „Du bekommst nur das hier.“
Er kniete vor ihr auf dem Boden, nahm eine ihrer Brüste in den Mund, saugte hart, ließ seine Zähne über die zarte Haut schleifen. Sie stieß einen keuchenden Laut aus, ihre Finger gruben sich in sein Haar und zogen ihn enger an sich. Seine Hände fummelten an ihrem Jeansknopf, rissen ihn auf. Er schob die Jeans und den Slip in einem ruckartigen Bewegungen über ihre Hüften, ließ sie zu ihren Knöcheln fallen. Sie trat aus ihnen heraus.
„Leck mich,“ befahl sie, ihre Stimme war heiser. Sie stützte sich mit einer Hand auf die Sofalehne, spreizte sich vor ihm. Er sah die feuchten, gefalteten Lippen, den dunklen Haarfleck. Der Anblick ließ ihn schwindlig werden vor Begierde. Er lehnte sich vor, fuhr mit der Zunge von unten nach oben durch ihre ganze Spalte. Sie schmeckte salzig, süß, nach Weiblichkeit und Verzweiflung. Er konzentrierte sich auf ihren Kitzler, saugte ihn zwischen die Lippen, ließ die Zunge vibrierend dagegen schlagen.
Sie zitterte, ein hochfrequentes Beben ging durch ihre Oberschenkel. „Nicht so sanft, du Scheißkerl,“ keuchte sie. „Mach es richtig.“ Er gehorchte, wurde härter, schneller, drückte sein ganzes Gesicht gegen sie, bis sie wimmerte. Ihre Hüften begannen, gegen seinen Mund zu stoßen, unkontrolliert, gierig. Er spürte, wie ihr Körper sich verkrampfte, wie sich ihr Inneres um seine Zunge zusammenzog. Sie kam mit einem gellenden Schrei, ihr Saft floss ihm über das Kinn.
Sie rutschte zu ihm auf den Boden, ihre Hände waren wild an seiner Hose. „Jetzt du,“ knurrte sie. Sie zog seine Hose und Boxershorts runter, packte seinen schon steifen, dicken Schwanz. Er stöhnte auf. Ihre Hand war heiß, fest. Sie rieb seine Vorhaut auf und ab, dann spuckte sie großzügig auf seine Eichel. „So.“ Sie schwang ein Bein über ihn, kniete sich über seine Hüften. Mit einer Hand führte sie ihn sich. Er fühlte die feuchte, heiße Öffnung sich auf die Spitze seines Schwanzes senken. Dann drückte sie sich mit einem tiefen, röchelnden Stöhnen ganz auf ihn herab.
Die Enge war atemberaubend, heiß, pulsierend von ihrem eigenen Orgasmus. Sie war so nass, dass er mühelos bis zum Anschlag in sie glitt. „Fick,“ flüsterte sie, ihr Kopf hing nach hinten. Sie begann sich zu bewegen, ritt ihn mit langsamen, tiefen, gierigen Stößen. Jeder Bewegungsablauf ließ ihn ihren ganzen, weichen Körper spüren. Ihre Brüste wippten vor seinem Gesicht. Er packte sie, drückte zu fest, aber sie stöhnte nur noch lauter. „Ja, genau so. Nimm's dir.“
Er verlor alle Kontrolle. Seine Hände klatschten gegen ihre prallen Arschbacken, einmal, zweimal, ließen rote Abdrücke zurück. Sie schrie auf, nicht vor Schmerz, sondern in wilder Zustimmung. Ihr Tempo wurde rasanter, schlampiger. Das Klatschen ihrer Körper, ihre keuchenden Atemzüge, das leise Quietschen des Ledersofas füllten den Raum. Ihr Gesicht war eine Maske ekstatischer Zerstörung.
„Ich komme gleich,“ knirschte sie, ihre Bewegungen wurden abgehackt, unkoordiniert. „Spritz in mich, du Drecksack. Mach mich schmutzig für alles, was war.“
Diese Worte, dieser dunkle Befehl, trieben ihn über den Rand. Sein Körper spannte sich wie ein Bogen, er drang so tief wie möglich in sie ein, als eine heiße, weiße Welle aus seinem Schwanz schoss. Er stieß ein tierisches Stöhnen aus, sein Samen pulsierte in sie hinein. Sie zuckte über ihm, ihr Inneres zog sich in kurzen, krampfhaften Stößen um ihn zusammen, als sie ihren zweiten Orgasmus hatte.
Sie kollabierte auf ihm, ihr Schweiß vermischte sich mit seinem. Ihr gemeinsamer Atem war schwer, laut. Sein Schwanz glitt langsam aus ihr heraus, eine Mischung aus ihren Säften und seinem Sperma lief warm auf seine Oberschenkel. Sie blieb still liegen, ihr Gesicht in der Vertiefung seines Halses. Minuten vergingen.
Dann rollte sie von ihm, zog ihre Sachen wortlos an. Sie ging zur Küche, holte zwei Flaschen Wasser, warf ihm eine zu. „Zieh dich an,“ sagte sie, ihre Stimme war jetzt flach, erschöpft.
Er stand auf, fühlte sich leer, körperlich ausgelaugt und seelisch noch abgrundtiefer. Er zog sich an. Sie stand am Fenster und rauchte eine Zigarette, den Rücken zu ihm gedreht.
„Ich glaube, das hat gerade alles nur noch schlimmer gemacht,“ sagte sie, ohne sich umzudrehen.
„Wahrscheinlich.“
„Du solltest gehen.“
Er nickte, obwohl sie es nicht sehen konnte. „Ja.“ Er ging zur Tür. Seine Beine fühlten sich an wie Gummi.
„Simon.“ Sie drehte sich doch um. Ihr Gesicht war tränenlos, aber zerknittert. „Finde Hilfe. Echte Hilfe. Nicht das.“
Er verließ die Wohnung. Die Nachtluft war eisig. Die U-Bahn-Fahrt zurück nach Neukölln war ein weißes Rauschen. Miriam war noch wach, büffelte unter einer Tischlampe. Sie sah sein zerstörtes Gesicht. „Simon? Alles gut?“
„Nein,“ sagte er einfach und verschwand hinter seinem Vorhang. Er schlief wie betäubt ein.
Der nächste Tag war ein grauer Schleier. Er arbeitete seine Schicht ab, reagierte automatisch. Lina schickte keine Nachricht. Er erwartete keine. Diese Tür war jetzt endgültig zugeschlagen, mit einer Brutalität, die beinahe Erlösung war. Drei Tage später klopfte es an der WG-Tür. Es war abends, und Miriam war in der Uni-Bibliothek.
Simon öffnete. Vor ihm stand Finn.
Er war schlanker, sein Gesicht war bleich und von dunklen Ringen unter den Augen gezeichnet. Er wirkte zerbrechlich, aber hellwach. Er trug eine lose Jeansjacke und lächelte vorsichtig.
Simon erstarrte. Sein Herzschlag raste, Schweiß brach ihm auf der Stirn aus. Er trat instinktiv zurück, als erwarte er einen Schlag. „Finn.“ Der Name war ein Hauch.
„Hey,“ sagte Finn. Seine Stimme klang etwas heiser, aber klar. „Darf ich reinkommen? Nur für ‘ne Minute. Ich verspreche, es wird nicht… wie damals.“
Simon öffnete die Tür weiter, seine Bewegungen waren steif. Finn trat in den kleinen Flur, sah sich kurz um. „Coole Bude. Ist laut hier.“
„Ja.“
Sie standen sich unbeholfen gegenüber. Simon wartete auf die Anschuldigungen, den Zorn des Vaters, den Gestank des Krankenhauses.
Finn schluckte. „Ich hab dich gesucht. Über deinen Bruder. Alex. Hab ihn angerufen, ein paar Wochen her. Hat mir deine Adresse nicht gegeben, erstmal nicht. Aber ich hab ihm… ich hab ihm gesagt, was wirklich passiert ist. Und dass ich mich entschuldigen muss.“ Seine Augen suchten Simons. „Ich hab auf dich eingeredet an dem Abend, Simon. Ich hab dir den ganzen Scheiß aufgedrängt. Die Pilze, das G, das Zeug… das war alles von mir. Das war meine beschissene Idee. Ich war in so einem Loch und wollte, dass jemand mit reinspringt.“
Simon starrte ihn an. „Du lagst im Koma. Dein Vater sagte… Nierenschäden.“
„Bin wieder okay,“ sagte Finn schnell. „Die Nieren sind ein bisschen anfällig, muss aufpassen. Aber das Gehirn, alles andere… ist heil. Nach der Reha. Hat ewig gedauert.“ Er trat einen Schritt näher. „Es tut mir so leid, Simon. Nicht nur für mich. Dafür, was ich dir angetan hab. Dafür, was zwischen uns passiert ist. Das war alles… falsch.“
Diese Worte trafen Simon auf eine Weise, auf die er nicht vorbereitet war. Er hatte sich auf Hass eingestellt, nicht auf Reue. Die Erinnerung an Finn über ihm, dieser stumpfe, nachgebende Akt in der halluzinogenen Hölle, vermischte sich mit dem Bild des zerbrechlichen Jungen vor ihm. Die Körper, die er seitdem berührt hatte – die Männer, Kai, die Kellnerin, Lina – zogen vor seinem inneren Auge vorbei. Alles hatte sich scharf, beinahe schmerzhaft angefühlt. Nur dieser eine Akt mit Finn war dumpf, betäubt, eine reine Aufgabe von Verantwortung gewesen. War das sein eigentliches Verlangen? Nach einer Leere, die so tief war, dass sie jedes Begehren auslöschte?
„Ich…,“ setzte Simon an, fand aber keine Worte.
„Ich bin nicht hier, um was wieder anzufangen,“ sagte Finn schnell, als fürchte er Simons Gedanken. „Das ist vorbei. Das war krank. Für uns beide.“ Er zog eine Zigarette aus der Jacke, drehte sie nur in den Fingern. „Ich bin in Therapie. Seit dem Krankenhaus. Arbeite vieles auf. Dachte mir… wenn ich bei dir anfange, wäre das vielleicht gut. Für dich auch.“
Simon lehnte sich an die Wand. Die Kraft verließ ihn. „Mein Vater hat mich bedroht.“
Finn sah zu Boden. „Mein Dad… der ist außer sich vor Sorge. Der meint, du wärst der große Verführer gewesen.“ Ein müdes Lächeln. „Weiß nicht, wer da wen verführt hat. War wohl gegenseitige Zerstörung.“ Er hob den Blick. „Ich wohne jetzt auch hier. In Friedrichshain. Hab ‘ne Ausbildung angefangen. Bürokaufmann. Langweilig, aber sauber.“ Er zögerte. „Wir könnten… vielleicht mal Kaffee trinken. So ganz nüchtern. Um zu sehen, dass der andere noch lebt. Ohne den ganzen Dreck.“
Das Angebot war so unerwartet, so normal, dass es Simon den Atem raubte. Ein Teil von ihm schrie, er solle die Tür zuschlagen. Ein anderer, müderer Teil sah in Finns Gesicht etwas, das er wiedererkannte: den gleichen Schatten, die gleiche Versuche, aus der Asche zu kriechen.
„Kaffee,“ wiederholte Simon tonlos.„Ja. Nur Kaffee.“
Simon atmete tief durch, rieb sich über die Stirn. „Okay,“ sagte er leise.„Ja. Okay.“
Finns Gesicht hellte sich sichtbar auf, eine Last schien von ihm zu fallen.„Cool. Gib mir deine Nummer. Ich schick dir ‘ne Nachricht.“ Sie tauschten Nummern aus, eine absurde Formaltität nach allem, was gewesen war.
„Ich geh dann,“ sagte Finn, als die Stille zu lange wurde. „Pass auf dich auf, Simon.“
„Du auch.“
Finn ging. Simon schloss die Tür, blieb davor stehen. Der Geruch von Finns Jacke, ein neutraler Geruch nach frisch gewaschener Baumwolle und einer Spur von etwas Medizinischem, hing noch in der Luft. Es war kein aufdringlicher Geruch, nichts Lockendes oder Abstoßendes.
Er ging in sein Zimmer, setzte sich auf die Luftmatratze. Sein Handy vibierte.
Finn: Danke. Wirklich.
Simon antwortete nicht. Er legte das Handy weg, zog sein Hemd aus. Er lief eine Hand über seine Brust, seine Hüften. Die Erinnerung an Linas Körper unter seinen Händen, weich und nachgiebig, war noch frisch. Die Erinnerung an Finns Körper über ihm, schwer und bestimmend, war nun nicht mehr nur mit Angst und Ekel behaftet, sondern auch mit diesem neuen, unbequemen Mitleid.
Wer oder was begehrte er wirklich? Die klare, leuchtende Begierde für die Kellnerin, die verzweifelte Wut mit Lina, oder diese tiefe, dunkle Sehnsucht nach Auflösung, die Finn verkörpert hatte? War das eine Seite seiner Sexualität, oder war es einfach nur der Wunsch, aufzuhören zu existieren? Die Fragen drehten sich in ihm, ohne Antwort.
Er stand auf, zog sich aus und ging unter die kalte Dusche. Das Wasser schoss über seinen Körper, über seinen Schwanz, der schlaff und gleichgültig hing. Er versuchte, an Frauen zu denken, an ihre Kurven. Dann an Männer, ihre kantigeren Formen. Nichts rührte sich in ihm außer einer tiefen, erschöpfenden Leere.
Unten schloss Miriam die Wohnungstür auf, rief einen müden Gruß. Die Alltäglichkeit ihres Lebens drang zu ihm durch. Er drehte das Wasser ab. Er würde mit Finn Kaffee trinken. Das war ein nächster Schritt, so simpel und unvorstellbar wie alles andere in diesem neuen, zerstörten Leben. Er wusste nur, dass weder der Anblick eines Mannes noch einer Frau in ihm jetzt etwas auslöste außer einer dumpfen, schmerzenden Verwirrung.