Cover of Ruhrpott Liebe: Zwei Herzen, Eine Stadt

Ruhrpott Liebe: Zwei Herzen, Eine Stadt

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In German - write a story about a gay married couple living in Oberhausen consisting of Alex, 31 and Leon, 28. Alex is normal sized and slightly chubby and has a girthy dick and Leon is small and slightly chubby and has a curved dick. Alex prefers to power bottom by riding Leons dick but they both like either person to be the top

Chapter 51: Chapter 51

Das Motelzimmer roch noch nach ihren Körpern und der schalen Heiratsnachtluft. Lukas wachte zuerst auf, das graue Licht des neuen Tages schnitt sich durch die Ritzen der Jalousie. Für einen Herzschlag war er orientierungslos. Dann fiel der Blick auf Jannis’ schlafendes Profil auf dem Kissen neben sich, auf die beiden schmutzigen Metallringe auf dem Nachttisch. Lukas Vogt. Verheiratet. Auf der Flucht.

Er stand leise auf, sein nackter Körper schmerzte an ungewohnten Stellen. Sie hatten keine Klamotten mehr zum Wechseln, nur die vom See durchtränkten und dann notdürftig getrockneten. Er zog sie an, das Denim war steif und kalt an den Beinen. Die Papiere steckte er ein. Sein gesamtes Leben in einer Plastikhülle.

Als er sich umdrehte, sah er Jannis’ wache Augen. Er hatte ihn beobachtet.

„Wir können nicht bleiben“, sagte Lukas, seine Stimme klang fremd in seinen eigenen Ohren. Es war die Stimme eines Mannes, der keine Vergangenheit hatte.

„Wohin?“, fragte Jannis. Seine Stimme war rau vom Schlafen, vom Schreien.

„Weiter. Solange das Benzin reicht. An die Küste vielleicht. Wo es voll ist von Touristen. Wo man untertauchen kann.“

Jannis nickte, schwang die Beine aus dem Bett. Sie teilten das letzte trockene Brötchen, tranken Wasser aus dem Hahn. Kein Wort über die Nacht. Sie war zu nah, zu roh. Die Erinnerung daran, Jannis unter sich zerren zu sehen, sich in ihn hineinzuwehren, war wie ein Brandmal. Eine neue Grenze, die überschritten war.

Sie fuhren stundenlang nach Norden. Die Landschaft wurde flach, der Himmel weit. Das Auto war eine schwimmende, stinkende Insel. Die Heirat lag zwischen ihnen wie ein sonderbarer Schatz – real und doch unwirklich. Irgendwann, kurz vor Hannover, sagte Jannis, das Radio aus: „Wir brauchen Geld.“

Lukas blickte aus dem Seitenfenster. „Ich habe keins mehr. Du?“

„Die letzten zwanzig Euro vom Motorrad.“ Jannis klopfte mit den Fingern auf das Lenkrad. „Die müssen reichen, bis wir irgendwo ankommen. Und dann?“

Dann nichts. Kein Plan. Die heroische Flucht schrumpfte zur banilen Existenzangst.

Gegen Abend erreichten sie die flache, salzige Luft der Nordsee. Cuxhaven. Ein Fährhafen, geschäftig und anonym. Jannis parkte das Auto in einer Seitenstraße. Sie stiegen aus, dehnten ihre steifen Glieder. Der Wind blies kalt und unwirtlich.

„Eine Fähre“, sagte Lukas und sah zu den großen, gelben Schiffen hinüber. „Nach Helgoland. Oder nach England. Irgendwohin, wo kein Telefon Empfang hat.“

Jannis lachte kurz auf. „Mit zwanzig Euro? Die nimmt uns nicht mal das Klo-Publikum mit.“

Sie standen da, zwei entwurzelte Männer in verdreckten Klamotten, und blickten auf das schmutzige Wasser des Hafens. Die Verzweiflung war eine physische Last. Die Kühnheit ihres Plans, die erlösende Brutalität der letzten Nacht – alles zerlief in der nüchternen Kälte dieser Realität.

Dann sah Lukas den Frachter. Älter, rostig an den Flanken, mit einer ausländischen Flagge, die er nicht identifizieren konnte. Eine kleine Gruppe von Männern trug Säcke über eine klapprige Laufbrücke an Bord. Hafenarbeiter, Tagelöhner. Ein Schild war an einem Bauzaun befestigt: „Aushilfen gesucht. Sofort. Barzahlung.“

Ihr Blick traf sich. Es war kein heldenhafter Blick. Es war der Blick von Männern, die vor einer Wahl standen: Verhungern oder sich verkaufen.

Eine halbe Stunde später standen sie vor einem bulligen Vorarbeiter in einer windschiefen Hafenbaracke. Der Mann musterte sie mit müden, misstrauischen Augen. „Papiere?“

Lukas zog seinen gefälschten Pass hervor. Jannis reichte seinen echten. Der Vorarbeiter sah hin und her, verglich die Gesichter mit den Fotos. Sein Blick verriet nichts. „Könnt ihr schwere Sachen schleppen? Kein Gejammer, kein Bücken vor Dreck?“

„Können wir“, sagte Jannis, seine Stimme war hart wie Stahl.

„Eine Nachtarbeit. Das Schiff muss vor der Flut klar sein. Fünf Stunden. Fünfzig Euro pro Nase. Bar. Einverstanden?“

Fünfzig Euro. Ein Königreich.

Sie nickten.

Die Arbeit war eine Hölle aus Lärm, Schweiß und Fischnelken. Sie schleppten Kisten mit gefrorenem Fang durch enge, glitschige Laderäume. Der Frost brannte auf der Haut, dann vermischte er sich mit dem Schweiß zu einer eiskalten Schicht. Die Hafenarbeiter waren ein verschlossener, abgehärteter Haufen. Keine Fragen, kein Smalltalk. Nur das dumpfe Dröhnen der Maschinen und das Knarren der Kisten.

In einer kurzen Pause, auf dem windsweiten Deck, lehnte Jannis neben Lukas gegen die Reling. Ihr Atem bildete weiße Wolken im kalten Licht der Docklaternen. Jannis’ Hand berührte kurz die seinen, eine sekundenlange, verborgene Berührung.

„Lukas Vogt“, murmelte Jannis, sein Blick auf den trüben Wellen. „Schleppt Fisch im Hafen von Cuxhaven. Hättest du dir das träumen lassen?“

„Ich träume gar nicht mehr“, sagte Lukas, und es war die Wahrheit. Er war zu müde für Träume. Zu voll von der Gegenwart.

Als die fünf Stunden um waren, bekamen sie einen schmutzigen Hundert-Euro-Schein in die Hand gedrückt. Der Vorarbeiter gab ihnen noch einen Schluck Korn aus einer Flasche, die er aus seiner Jacke zog. „Ihr seid keine Schlechtesten“, grunzte er. „Kommt morgen wieder, wenn ihr wollt.“

Sie stolperten vom Schiff, ihre Knochen schmerzten, ihre Hände waren aufgescheuert und rochen nach Fisch und Maschinenöl. Das Geld fühlte sich in Lukas’ Tasche schwer an, realer als jede Eheurkunde.

Sie fanden ein düsteres Seemannshotel in einer Nebenstraße, ein Betonklotz mit fluoreszierend beleuchtetem Empfang. Das Zimmer war klein, sauber und erbärmlich traurig. Eine Lampe mit kaltem Licht, zwei schmale Betten, ein gemeinsames Duschkabuff.

Sie schwieren, als sie die Tür hinter sich schlossen. Die Stille war erdrückend. Sie waren zu erschöpft für Worte, zu wach für Schlaf. Der Gestank ihrer eigenen Körper hing zwischen ihnen.

Jannis ging zuerst unter die Dusche. Lukas hörte das Wasser rauschen, sah das trübe Licht unter der Badezimmertür. Er saß auf der Bettkante, starrte auf seine rissigen, schmutzigen Hände. Lukas Vogts Hände, dachte er.

Als Jannis herauskam, ein dünnes Handtuch um die Hüften geschlungen, war die Luft anders. Nicht angespannt, nicht verzweifelt. Nur voller einer stumpfen, klaren Erschöpfung. Er stand vor Lukas, tropfte noch auf den abgewetzten Teppich.

„Du stinkst“, sagte er einfach.

Lukas blickte hoch. Jannis’ Körper war rotgerieben von der heißen Dusche, sein Haar klebte ihm nass an der Stirn. Er sah jung aus. Verletzlich. Und unendlich vertraut.

„Du auch“, sagte Lukas, obwohl Jannis nach billigem Hotel-Seifenschaum roch. Nach Sauberkeit.

Jannis ließ das Handtuch fallen. Sein Körper, mollig, mit einer Narbe an der Hüfte von einem alten Sturz, war völlig entspannt. Keine Pose, keine Herausforderung. Nur eine bloße Präsentation seiner selbst.

„Komm duschen“, sagte er. Es war keine Aufforderung, es war eine Notwendigkeit.

Lukas stand auf, zog sich langsam die stinkenden Klamotten vom Leib. Jannis wartete, lehnte sich gegen den Türrahmen. Sein Blick war wachsam, aber friedlich.

Unter dem heißen Strahl wusch Lukas den Fischgeruch, den Schweiß, den Staub des Tages ab. Das Wasser brannte auf den aufgeschürften Stellen. Als er sich einseifte, öffnete sich die Kabinentür. Jannis trat wieder ein, nackt. Der Raum war so klein, dass ihre Körper sich fast berührten. Der Dampf hüllte sie ein.

Jannis nahm den Seifenschaum aus Lukas’ Händen. Ohne ein Wort begann er, Lukas’ Rücken abzuseifen. Seine Hände waren grob von der Arbeit, aber die Berührung war zärtlich, bedacht. Sie wanderten über die Schultern, den Nacken, hinunter zur Wirbelsäule.

Lukas lehnte den Kopf gegen die kalten Fliesen, schloss die Augen. Eine Woge von etwas, das stärker war als Müdigkeit oder Verlangen, schwemmte durch ihn. Dankbarkeit. Schuld. Eine unerträgliche Zuneigung.

Jannis’ Hände glitten um seine Hüften, nach vorne, umfassten seinen Schwanz, der unter der Berührung sofort hart wurde. Er seifte ihn langsam ein, wusch ihn mit einer fast rituellen Gründlichkeit.

„Du hast mich heute gerettet“, sagte Jannis leise, sein Mund war dicht an Lukas’ Ohr, über dem Brausen des Wassers. „Mit diesem Job. Nicht ich dich. Du uns.“

Lukas wollte widersprechen, aber Jannis’ Hand verstärkte ihren Druck, ließ ihn ersticken.

„Dreh dich um“, sagte Jannis.

Lukas gehorchte. Sie standen sich gegenüber, nass, dampfend, unter dem sprudelnden Wasser. Jannis’ Augen waren grau und ernst. „Ich will es nochmal. So wie letzte Nacht. Aber… langsamer. Ich will es fühlen.“

Es gab keinen Kuss. Jannis drehte sich um, legte die Hände gegen die Fliese, beugte sich vor. Die Kurve seines Rückens, die Fülle seines Pos, das nasses Haar im Nacken – es war eine stumme, erschütternd intime Einladung.

Lukas trat näher. Seine Hände fuhren über Jannis’ nassen Rücken, hinunter zu seinen Pobacken. Er öffnete sie, sah das enge, vom letzten Mal noch leicht gerötete Loch. Er spuckte in seine Hand, rieb den Speichel dort hin, fühlte, wie Jannis unter seiner Berührung zuckte.

Er positionierte sich, seine dicke, bereits steife Spitze fand den Eingang. Er drückte nicht sofort zu. Er rieb nur hin und her, benetzte sie beide mit dem Wasser und seinem Speichel. Jannis stöhnte leise, eine Mischung aus Ungeduld und Vorfreude.

„Bitte“, keuchte Jannis, sein Gesicht gegen die kühlen Fliesen gedrückt. „Nicht warten.“

Lukas drang ein. Langsam diesmal, ein unendlich vorsichtiges, unendlich bestimmtes Vordringen. Der Widerstand war immer noch da, die ungewohnte Enge, aber es war kein Riss, kein Schock. Es war ein allmähliches, unausweichliches Besitzen. Jannis’ Atem ging stossweise, er presste seine Hände fester gegen die Wand.

Als Lukas vollständig in ihm war, blieben sie so, atmeten gemeinsam im Rhythmus des herabprasselnden Wassers. Es war stiller, tiefer als die Nacht zuvor. Keine Wut, keine Verzweiflung. Nur zwei Körper, die eine neue Art von Nähe fanden, eine, die aus der völligen Abwesenheit von Wahl geboren war.

Lukas begann sich zu bewegen. Ein sanftes, tiefes Gleiten, das den engen Muskel forderte und nachgab. Jannis’ Stöhnen vermischte sich mit dem Rauschen der Dusche. Seine Hände rutschten auf den nassen Fliesen ab, er suchte Halt.

Lukas packte ihn fester an den Hüften, zog ihn mit jedem Stoß tiefer auf sich. Das Klatschen ihrer Körper war gedämpft durch das Wasser, ein intimer, feuchter Rhythmus. Er beugte sich vor, biss Jannis sanft in die Schulter, nicht um zu verletzen, sondern um ihn zu verankern.

„So gut“, murmelte Jannis, seine Stimme war zu einem heiseren Flüstern verkommen. „Fick mich, Lukas. Zeig mir, dass ich dir gehöre. Dass nur du das machen kannst.“

Die Worte trieben Lukas an. Er beschleunigte seinen Rhythmus, seine Hüften schlugen nun kraftvoller gegen Jannis’ festes Gesäß. Jeder Stoß trieb ein gutturales Keuchen aus Jannis’ Lunge. Seine eigene Lust baute sich zu einem weißen Feuer in seinem Becken auf, heißer und konzentrierter als je zuvor.

Er griff mit einer Hand nach vorne, umfasste Jannis’ schweren, gekrümmten Schwanz. Er war steinhart und pulsierte in seiner Hand. Lukas begann, ihn im Takt seiner eigenen Stöße zu bearbeiten, grob und bestimmt.

„Ja, genau da!“, schrie Jannis auf, sein Körper zuckte zusammen. „Oh Gott, Lukas, ich… ich komm!“

Sein Orgasmus traf ihn wie eine Welle. Warme Ströme schossen aus ihm heraus, spritzten gegen die gläserne Duschwand, vermischten sich mit dem herabfließenden Wasser. Das Gefühl von Jannis’ inneren Muskeln, die sich um ihn zusammenzogen, reißend und pulsierend, jagte Lukas über den Rand. Er stieß ein letztes, tiefes Mal zu, presste sich bis zum Anschlag hinein und entlud sich mit einem langen, zitternden Stöhnen. Die Hitze seiner Ejakulation vermischte sich mit der Wärme des Wassers und der innigen Umarmung von Jannis’ Körper.

Sie blieben so stehen, unter dem jetzt lauwarmen Wasser, atemlos und aneinandergeschmiegt. Lukas’ Kopf ruhte auf Jannis’ nassem Rücken. Langsam, vorsichtig, löste er sich aus ihm.

Jannis drehte sich um, sein Gesicht

Langsam, vorsichtig, löste er sich aus ihm.

Jannis drehte sich um, sein Gesicht war mit Wasser und Erschöpfung verschmiert, aber seine Augen leuchteten matt. Er sagte kein Wort, küsste Lukas einfach, eine langsame, salzige Verschmelzung unter dem auslaufenden Strahl. Das Wasser wurde kalt. Sie schalteten es ab.

Am nächsten Morgen kehrten sie zum Kai zurück. Der Vorarbeiter, ein Mann mit zerfurchtem Gesicht und einem Namen, den sie nur als „Kapitän“ hörten, musterte sie neu. „Die Nacht war lang. Ihr seht zerschlagen aus“, sagte er und zündete sich eine Zigarette an. Der Rauch mischte sich mit dem Fischdunst.

„Wir können weitermachen“, sagte Jannis. Seine Stimme war klar.

Der Kapitän lachte, ein raues Bellen. „Ihr habt keinen Fischgeruch in der Nase? Gut. Das Schiff da“ – er deutete mit dem Kinn zum rostigen Frachter – „lädt nicht mehr. Sie sucht aber zwei Hände für die Überfahrt. Kurze Tour. Nordsee, vielleicht bis nach Bergen. Zwei Wochen. Zahlt besser.“

Lukas spürte, wie sein Herz einen Schlag aussetzte. Ein Schiff. Das Wasser. Kein Land in Sicht.

„Was für Hände?“, fragte Lukas.

Der Kapitän zuckte mit den Schultern. „Alles. Putzen, kochen, Decks schrubben. Schlafen mit der Mannschaft im Logis. Alles Jungs. Keine Zimperlichkeit.“ Sein Blick glitt abschätzig über sie. „Probleme mit engem Raum? Mit Männern?“

„Nein“, sagte Jannis, schneller als Lukas antworten konnte.

„Dann geht an Bord. Fragt nach Hein. Der sagt euch Bescheid. Bezahlung gibt’s am Ende, in bar. Vorher nix.“ Er drehte sich um, das Gespräch war beendet.

Sie standen vor der schwankenden Laufbrücke. Der Frachter „Nordwind“ sah aus wie ein überdimensionales, rostiges Tier. Aus einem Lukenring drang der schwere Geruch von Öl, altem Kohl und Männern.

„Es ist ein Weg von hier“, flüsterte Jannis.

„Es ist ein Weg ins Nichts“, korrigierte Lukas.

Sie gingen an Bord.

Hein, der Bootsmann, war ein breiter Mann mit verschwommenen Tätowierungen an den Unterarmen. Sein Logis war ein beengtes Loch tief im Rumpf, mit sehnigen Kojen übereinander an den Wänden, sechs an der Zahl. Fünf waren bereits mit schmutzigen Decken und Habseligkeiten belegt. Die Luft war stickig und roch nach Schweiß, Salz und abgestandener Angst.

„Da“, knurrte Hein und zeigte auf zwei freie Kojen oben, direkt unter der niedrigen Decke. „Gepäck bleibt unten. Arbeit fängt in zwei Stunden an. Abendessen gibt’s in der Messe. Regel Nummer eins: Streit gibt Prügel. Regel zwei: Alles teilen. Alles.“

Er verließ sie. Das leise, ständige Vibrieren der Maschinen kroch durch ihre Füße in die Knochen. Die „Nordwind“ war bereits lebendig.

Die ersten Tage waren eine Abstumpfung in Monotonie und Schmerz. Sie schrubbten Decks, bis ihre Knie wund waren. Sie schälten Berge von Kartoffeln in einer schwül-heißen Kombüse. Sie schliefen in dem engen, schnarchenden Raum, wo jeder Furz, jeder Seufzer Gemeingut war. Die Mannschaft, sechs andere Männer, waren ein abgeschlossener, von der See geformter Haufen. Worte waren rar, Blicke waren berechnend.

Am dritten Abend servierte Hein eine Flasche klaren, selbstgebrannten Schnaps nach dem fettigen Essen. „Klarmachen“, sagte er nur. „Wir sind jetzt auf See. Da trinkt man.“

Es war kein Vorschlag. Der erste Schluck brannte Lukas die Speiseröhre wie Feuer. Der zweite schon weniger. Jannis, neben ihm auf der harten Bank, würgte seinen hinunter, sein Gesicht verzog sich. Hein lachte. „Muss rein, Junge. Alles muss rein.“

Die Flasche ging rund. Geschichten wurden laut, grob, lasterhaft. Ein Matrose namens Fiete, jung und mit irre blauen Augen, erzählte von einer Hure in Hamburg. Er beschrieb ihren Arsch, ihre Titten, was sie für zehn Mark gemacht hatte, mit expliziten, dreckigen Worten, die im Raum hingen wie ein Gestank. Die anderen grunzten Beifall. Hein schenkte nach.

Lukas trank. Jannis trank. Die Enge des Logis verwandelte sich, die Wände schienen zu schwingen. Die Vibration der Maschinen verwandelte sich in einen dumpfen Puls in Lukas’ Schläfen. Die Blicke der Männer wurden schwerer, länger, nicht mehr nur abwertend, sondern interessiert. Fiete starrte Jannis an, während er einen obszönen Gag über das Blasen auf einem sinkenden Schiff riss. Alle lachten. Jannis lachte mit, ein bisschen zu laut.

Lukas spürte eine Welle von Übelkeit. Der Schnaps, das fette Essen, das ständige Schlingern des Schiffs. Er stand auf, taumelte zur engen Treppe. „Wo willst du hin, Landratte?“, rief Hein.

„Luft“, würgte Lukas.

An der Reling, im eiskalten, peitschenden Wind, erbrach er sich heftig. Es war eine eruption von Kartoffeln, Schnaps und Angst. Er klammerte sich an das kalte Metall, sein Körper schüttete alles aus. Er hörte Schritte hinter sich.

Es war Jannis. Nicht um zu helfen. Er taumelte, sein Gesicht war aschfahl im Licht der Positionslaternen. Er beugte sich über die Reling und spuckte gleichfalls einen Strom von halbverdautem Essen und Alkohol ins schwarze Wasser. Sie standen nebeneinander, krank, erbärmlich, angewidert von sich selbst und dieser schwankenden Welt.

Jannis wischte sich mit dem Ärmel den Mund ab. Sein Atem roch sauer. „Alles teilen“, keuchte er, ein abgehacktes, hysterisches Lachen im Hals. „Sogar das Kotzen.“

Zurück im Logis war die Atmosphäre geschmolzen, verdickt zu etwas Tierischem. Die Laterne schwankte und warf tanzende Schatten. Die meisten Männer lagen bereits in ihren Kojen, aber nicht schlafend. Hein saß auf einer unteren Pritsche, den Overall offen, seine dicken Finger um eine neue Flasche Schnaps. Fiete war nackt bis zur Taille, sein schmaler, trainierter Oberkörper glänzte schweißnass im fahlen Licht.

„Da sind sie ja, unsere Speibecken“, grunzte Hein. Seine Augen waren rot unterlaufen, fixierten Lukas. „Fühlst du dich jetzt besser? Reiner?“

Lukas nickte, setzte sich auf seine Koje. Jannis kletterte schwerfällig in die seine, direkt neben Lukas. Nur eine schmale Holzleiste trennte sie.

„Auf einem Schiff“, sagte Hein und trank einen langen Zug, „gibt es kein dein und mein. Das Schiff ist alles. Und wir sind das Schiff.“ Er reichte die Flasche zu Fiete, der sie nahm, aber nicht trank. Er stand auf.

Seine Bewegungen waren geschmeidig, die eines Raubtieres in einem engen Käfig. Er ging zu Jannis’ Koje. „Du“, sagte Fiete, seine Stimme war ein schleimiges Flüstern. „Du lachst über meine Geschichten. Magst du Geschichten?“

Jannis lag auf dem Rücken, erstarrt. „Sie waren lustig.“

„Ich zeig dir eine bessere.“ Ohne weitere Warnung griff Fiete hinauf, packte Jannis an der Hüfte und zerrte ihn von der Koje. Jannis landete mit einem dumpfen Aufschlag auf dem schmutzigen Fußboden. Fiete kniete sich über ihn, hielt ihn mit einem Knie auf der Brust fixiert. Seine Hände rissen an Jannis’ Gürtel, an dem verschwitzten Stoff seiner Hose.

Lukas bewegte sich. Ein wilder, blinder Impuls trieb ihn von seiner Koje. Hein war plötzlich da, eine eiserne Faust packte Lukas’ Arm und drückte ihn zurück auf das schmale Brett. „Zuschauen“, befahl Hein, sein Atem roch nach Fusel und Karies. „Alles teilen. Regel zwei.“

Unten, auf dem Boden, hatte Fiete Jannis’ Hose und Unterhose bis zu den Knien gezogen. Jannis’ halb schlaffer Schwanz lag bloß, verwundbar gegen die kühle, schmutzige Luft. Fiete spuckte grob in seine Hand und packte ihn, rieb ihn auf und ab, ohne Zärtlichkeit, nur mit brutaler Effizienz. Jannis stieß einen erstickten Laut aus, seine Hände krallten sich in den Boden.

„Sieht aus wie meiner“, kicherte Fiete, während er wichste. „Gekrümmt. Schön zum Arschficken.“

Heins Griff lockerte sich für einen Moment. Lukas sah, wie ein anderer Matrose, ein älterer, stummer Mann namens Olaf, sich von seiner Koje schob. Olaf ging nicht zu Jannis. Er kam zu Lukas’ Koje. Seine Hände, groß und mit Schwielen übersät, packten Lukas’ Beine, zogen ihn an den Kanten der Koje nach unten, bis sein Hintern frei hing.

Lukas wollte kämpfen, aber sein Körper war schwer von Alkohol und einer lähmenden, schrecklichen Faszination. Er sah zu Jannis hinunter, sah, wie dessen Augen, weit aufgerissen, ihn suchten und fanden. In diesem Blick lag kein Hilferuf. Es war eine grausame, erkennende Solidarität. Wir teilen alles.

Olaf knöpfte seine eigene schmutzige Arbeitshose auf. Sein Schwanz, dick und unpräpariert, drückte gegen Lukas’ Eingang. Olaf spuckte hin, ein dicker Tropfen, der an Lukas’ Haar und Haut herunterlief. Dann drückte er mit dem ganzen Gewicht seines Oberkörpers zu.

Der Schmerz war ein weißglühender Riß, brutal und ohne Gnade. Lukas biss die Zähne zusammen, ein tierisches Keuchen entwich ihm. Unter ihm hörte er Jannis stöhnen, während Fiete ihn weiter wichste, schneller jetzt, seine freie Hand knetete Jannis’ Brustwarzen durch das dünne Hemd.

Olaf begann zu stößen, kurze, harte Stöße, die Lukas’ Körper auf dem schmalen Kojenrand hin und her schoben. Das Holz scheuerte sich an seiner Haut wund. Über dem Schnarchen der Maschinen hörte er das nasse, klatschende Geräusch von Fleisch auf Fleisch, von Olafs Bäuchen, die gegen sein Gesäß schlugen, von Fietes Hand, die über Jannis’ Schaft fegte.

Hein beobachtete, die Flasche in der Hand, sein Gesicht eine Maske trüber Befriedigung. Die anderen Männer in ihren Kojen bewegten sich, ihre Schatten tanzten. Einer masturbierte offen, sein Atem ging schwer.

Fiete beugte sich vor, sein Mund war dicht an Jannis’ Ohr. „Komm schon, Landratte“, zischte er. „Spritz mir in die Hand. Zeig’s allen.“

Jannis’ Stöhnen wurde zu einem durchdringenden, gepressten Heulen. Sein Körper spannte sich an, sein Schwanz pulsierte in Fietes Faust und ejakulierte in einem dünnen, zuckenden Strahl über seinen eigenen Bauch und Brust. Fiete rieb das Sperma mit einer verächtlichen Geste in Jannis’ Haut.

Das sah Olaf. Sein Rhythmus wurde ruckartig, unkontrolliert. Mit einem gutturalen Grunzen, das nach fauligem At roch, rammte er sich ein letztes Mal tief in Lukas und entlud sich. Die plötzliche, fremde Wärme in seinem Inneren ließ Lukas würgen. Olaf zog sich sofort zurück, sein Schwanz glitschig und schlaff, und trollte sich zurück in seine Koje.

Fiete ließ von Jannis ab, stand auf, putzte seine Hand an seiner Hose ab. Der Raum war erfüllt von Keuchen, von dem süßlich-metallischen Geruch von Sperma und Schweiß.

Jannis lag regungslos auf dem Boden. Lukas blieb in seiner Koje liegen, der brennende, ausgeschwitzte Schmerz in seinem Arsch war das Einzige, was sich in diesem Moment real anfühlte. Die Laterne schwankte. Hein trank einen letzten Schluck.

„Gute Nacht, Jungs“, sagte er und blies die Lampe aus.

Die Dunkelheit war absolut, erdrückend. Lukas hörte das Schlingern des Schiffs, das Stöhnen der Konstruktion, das regelmäßige Schnarchen eines Mannes. Dann hörte er ein Kratzen, ein Rascheln. Eine Hand, kalt und zittrig, griff von der Seite her nach seiner, suchte seine Finger zwischen den hölzernen Streben der Kojenwand hindurch.

Es war Jannis’ Hand. Sie umklammerten sich, ihre Handflächen schweißnass, ihre Griffe so verzweifelt, dass die Knöchel schmerzten. Kein Wort. Nur dieses klammernde Festhalten in der brutalen, gemeinsam geteilten Dunkelheit, während die „Nordwind“ sie weiter in die schwarze See trug.

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