Cover of Ruhrpott Liebe: Zwei Herzen, Eine Stadt

Ruhrpott Liebe: Zwei Herzen, Eine Stadt

Read the story

70 chapters · 225054 words · Read 0 times

In German - write a story about a gay married couple living in Oberhausen consisting of Alex, 31 and Leon, 28. Alex is normal sized and slightly chubby and has a girthy dick and Leon is small and slightly chubby and has a curved dick. Alex prefers to power bottom by riding Leons dick but they both like either person to be the top

Chapter 52: Chapter 52

Die Überfahrt wurde zur einer ausgedehnten, schlingernden Hölle aus stumpfer Arbeit und lautloser Verzweiflung. Die „Nordwind“ frass sich durch das graue, aufgewühlte Wasser der Nordsee, Richtung Norden, Richtung Nichts. Die Tage verschwammen zu einem eintönigen Rhythmus aus schmerzenden Muskeln, salziger Nahrung und den wechselnden Blicken der Männer – mal gleichgültig, mal durchdringend, immer bedrohlich.

Eine Woche verging. Sie waren Geister geworden, Schatten, die die Decks schrubbten und im Maschinenraum schwitzen. Lukas und Jannis sprachen kaum noch. Worte waren nutzlos geworden. Ihre Kommunikation bestand aus Blicken, aus flüchtigen Berührungen der Hände in der Dunkelheit ihrer oberen Kojen, aus dem gemeinsamen, stummen Ertragen.

Dann, an einem Abend, als die See überraschend ruhig war und ein fahles, frühes Mondlicht auf die Wellen fiel, holte Hein eine neue Kiste hervor. Nicht Schnaps diesmal, sondern norwegischen Aquavit, klar und geschmacklos wie Feuer. „Heute“, krächzte er, während er die Flasche öffnete, „wird der Jungfernfluch abgewaschen. Wir sind weit genug weg von allem. Heute saufen wir, bis der Boden kommt.“

Die Flasche ging herum. Der erste Brand traf Lukas’ Magen wie eine Faust. Der zweite wie ein vertrauter Feind. Jannis trank mit zusammengekniffenen Augen, sein Gesicht verzog sich weniger als beim letzten Mal. Es war, als hätte ihr Körper gelernt, den Schmerz zu absorbieren. Fiete, der immer noch ein besitzergreifendes Glitzern in den Augen hatte, wenn er Jannis ansah, begann eine schmutzige Geschichte über einen Hafen in Gdansk. Olaf, der massive, stille Matrose, fing an, leise ein Seemannslied zu grummeln.

Die Stimmung wurde nicht fröhlich, sondern dumpf und gefährlich aufgeladen. Der Alkohol wirkte nicht als Lustmacher, sondern als Sprengstoff für die letzten Reste von Anstand und Distanz. Hein füllte die Gläser immer wieder nach. Der Aquavit floss. Lukas sah, wie die Gesichter der Männer verschwammen, wie ihre Augen glasig wurden.

Es begann mit einem Würgen. Hein, der Bullige, stand abrupt auf, sein Gesicht verfärbte sich grünlich. Mit zwei großen Schritten erreichte er einen rostigen Eimer in der Ecke des Logis, bückte sich und erbrach sich mit einem gewaltigen, röchelnden Schwall. Das Geräusch war ekelerregend, ein fleischiges, feuchtes Platschen. Der saure Geruch von halbverdautem Fleisch und Aquavit breitete sich sofort im engen Raum aus.

Das schien ein Signal zu sein. Fiete kicherte hysterisch, stand auf, taumelte zur Koje von Jannis und würgte ihm wortlos das Glas nach. „Trink, Landratte. Alles.“ Jannis trank, Augen weit aufgerissen. Minuten später krümmte auch er sich über den selben Eimer, sein Körper schüttete sich in krampfhaften Stößen aus.

Lukas fühlte die Übelkeit wie eine Flutwelle in sich aufsteigen. Der Raum drehte sich. Das Bild von Hein, der sich über den Eimer beugte, von Jannis, der würgend neben ihm kniete, löste etwas in ihm aus. Er konnte nicht anders. Er stolperte nach vorne, schob Jannis grob zur Seite und spuckte seinen eigenen Rausch in den bereits überfließenden Behälter. Die Mischung aus Alkohol, Erbrochenem und Schweiß roch so widerlich, dass es einen neuen Würgereiz auslöste.

Dann würgte Olaf. Dann der alte Matrose Knut. Dann der Junge, der nie sprach. Einer nach dem anderen, bis der Eimer überlief und eine widerliche Lache auf dem Holzfußboden bildete. Der Gestank war unbeschreiblich. Doch anstatt Abscheu zu zeigen, schien er die Männer zu entfesseln. Es war, als hätte das gemeinsame Erbrechen die letzte Barriere niedergerissen.

Hein richtete sich auf, wischte sich den Mund mit dem Ärmel ab. Seine Augen waren rot, aber hellwach. „So“, keuchte er. „Jetzt sind wir sauber. Jetzt sind wir gleich.“

Er schob den überfüllten Eimer mit dem Fuß beiseite. Dann ging er direkt auf Lukas zu. Seine Hände waren hart und unerbittlich. Ohne ein Wort drehte er Lukas um, drückte ihn mit dem Gesicht gegen die kalte Metallwand des Logis. Lukas spürte, wie seine Hose heruntergerissen wurde. Er war zu schwach, zu betäubt, um Widerstand zu leisten.

„Fiete“, knurrte Hein über die Schulter. „Nimm dir den Kleinen.“

Fiete war schon hinter Jannis, packte ihn an den Haaren und zog ihn auf die schmutzigen, kotzbeschmierten Bodenplanken. Jannis wehrte sich schwach, ein erstickter Laut entfuhr ihm, aber Fietes Griff war eisern. Er riss Jannis’ Hose auf, drehte ihn auf den Bauch.

Hein spuckte in seine Hand, rieb es an seinem eigenen, dicken Schwanz, der halb steif aus seiner Hose ragte. Dann drang er mit einem brutalen Stoß in Lukas ein. Der Schmerz war dumpf, ausgebreitet durch den Alkohol, aber nicht weniger demütigend. Hein stieß in einem gleichmäßigen, mechanischen Rhythmus, sein Bäuchlein schlug gegen Lukas’ Hinterbacken.

Neben ihnen hatte Fiete Jannis’ Beine auseinandergezogen. Er benutzte keine Vorbereitung, spuckte nur einmal in seine Faust und presste sich in Jannis hinein. Jannis schrie auf, ein kurzer, abgerissener Laut, der im Gewirr von Stöhnen und Schritten erstarb.

Dann geschah etwas Unerwartetes. Olaf, der massive Schweiger, stand auf. Sein Gesicht war leer, sein Penis ragte steif und drohend vor seinem Körper. Er ging nicht zu einem der beiden. Er stellte sich vor Hein, der noch immer Lukas nahm. Ohne ein Wort öffnete Olaf seinen Mund und nahm Heins Schwanz, soweit er konnte, während dieser weiter in Lukas stieß. Hein stöhnte guttural auf, packte Olafs Kopf und begann, seinen Schwanz in den Mund des anderen Mannes zu stoßen.

Es war ein grotesker, sich bewegender Organismus aus Fleisch und Lust und Gewalt. Der alte Knut masturbierte sich nun offen, seine Augen glasig auf das Spektakel gerichtet. Der stumme Junge beobachtete mit offenem Mund, seine Hand wanderte in seine eigene Hose.

Lukas’ Blick traf den von Jannis. Sie lagen vielleicht zwei Meter voneinander entfernt, jeder von einem anderen Mann genommen. In Jannis’ Augen war kein Schmerz mehr, keine Angst. Es war eine vollkommene, erschöpfte Leere. Eine Kapitulation. Dieser Blick war schlimmer als alles zuvor.

Hein, angestachelt durch Olafs Mund und die zuschauenden Männer, erhöhte sein Tempo. Seine Stöße wurden heftiger, unkontrollierter. Sein Grunzen war tierisch. Seine Hände kramten sich in Lukas’ Hüften, als würde er sich festklammern. Mit einem letzten, brutalen Ruck kam er in Lukas, sein Körper zitterte in einer heftigen Ekstase. Gleichzeitig stieß Fiete mit einem erstickten Schrei sein Sperma in Jannis.

Hein zog sich erschöpft zurück. Olaf ließ von ihm ab, sein Mund glänzte feucht. Aber es war nicht vorbei. Fiete, noch immer auf Jannis liegend, winkte den stummen Jungen heran. „Komm schon, Bengel. Nimm dir dein Stück.“

Der Junge, nicht älter als vielleicht zwanzig, zögerte nur einen Moment. Dann kniete er sich hinter Jannis, der jetzt regungslos dalag, sein Gesicht in den Dreck gedrückt. Der Junge hatte Schwierigkeiten, ihn einzudringen, sein junger, unerfahrener Schwanz fand kaum Halt in dem bereits benutzten, schlaffen Eingang. Aber er versuchte es, stieß hilflos zu, bis er mit einem leisen Wimmern kam.

Nun stand Olaf auf. Sein Interesse galt Lukas. Hein war zur Seite getaumelt, lehnte atmend an der Wand. Olaf packte Lukas an den Schultern, drehte ihn grob auf den Rücken auf den nassen, stinkenden Boden. Lukas sah das schwere, hängende Glied des Mannes über sich. Olaf knurrte nur ein Wort: „Mund.“

Lukas gehorchte. Er öffnete seine Lippen, ließ die weiche, salzige Spitze passieren. Der Geschmack von Schweiß, von anderen Körpern, von ihm selbst, war überwältigend. Olaf packte seinen Kopf und begann, seine Hüften vor und zurück zu schieben, sich tief in Lukas’ Rachen zu stoßen. Lukas würgte, seine Tränen strömten mit dem Schleim und dem Speichel vermischt über seine Wangen. Er hörte, wie neben ihm Fiete den alten Knut anwies, jetzt Jannis den Mund zu nehmen.

Es war ein Ring aus Fleisch und Erniedrigung. Hein, wieder halbwegs bei Kräften, kam zurück, stellte sich über Jannis’ Gesicht und drückte seinen schlaffen, aber noch feuchten Schwanz auf Jannis’ Lippen. Jannis bewegte sich nicht. Er lag da wie ein Schiffsbrett, ließ alles mit sich geschehen, seine Augen starrten an die Decke.

Olaf kam mit einem tiefen Stöhnen in Lukas’ Mund. Lukas schluckte, würgte, spuckte aus. Die Flüssigkeit war dick und bitter.

Als Olaf zurücktrat, war die Energie aus dem Raum gewichen. Die Männer keuchten, lagen oder lehnten herum, ihre Körper glänzten von Schweiß und anderen Säften. Der Geruch war entsetzlich: Sperma, Erbrochenes, Urin und ein tiefer, animalischer Ausdunst.

Hein lachte, ein müdes, hohles Geräusch. „So. Jetzt gehört ihr dazu. Jetzt seid ihr wirklich Teil der Crew.“

Er wandte sich ab, torkelte zu seiner Koje. Einer nach dem anderen zogen sich die Männer zurück, ließen Lukas und Jannis auf dem schmutzigen Boden liegen. Die Laterne flackerte.

Lukas rollte sich zur Seite, sein ganzer Körper schmerzte. Seine Augen suchten Jannis. Jannis bewegte sich langsam, wie unter Wasser. Er drehte seinen Kopf. Sein Blick war nicht mehr leer. Es war etwas Neues darin. Ein hartes, kaltes Funkeln. Wie das Blinken von Stahl unter trübem Wasser.

Sie krochen, schwach und beschmutzt, zurück in ihre Kojen. Die Hände konnten sie diesmal nicht finden. Die Holzstreben zwischen ihnen waren eine unüberwindbare Mauer. Lukas lag im Dunkeln und lauschte dem Rauschen des Schiffes, das ihn fortführte, immer weiter von allem, was er jemals gekannt hatte. Das Schiff war jetzt ihr Zuhause, ihre Welt, ihr Gefängnis. Und die Männer an Bord waren ihre Familie geworden.

Eine eisige Gewissheit kristallisierte sich in ihm, so klar wie der Aquavit, der ihn vergiftet hatte. Es gab kein Zurück mehr. Es gab nur noch das Vorwärts. Und irgendwo auf diesem rostigen Frachter, in diesem widerlichen Dunkel, hatte Jannis etwas in seinem Blick verloren, das Lukas nie wieder zurückholen konnte.

Und irgendwo auf diesem rostigen Frachter, in diesem widerlichen Dunkel, hatte Jannis etwas in seinem Blick verloren, das Lukas nie wieder zurückholen konnte. Die Tage danach waren aus Stahl und grauem Licht geschmiedet. Sie funktionierten. Sie schrubbten, schufteten, aßen. Sie vermieden die Blicke der anderen Männer, die nun eine neue, selbstverständliche Grenzüberschreitung in ihren Augen trugen.

Ihre Körper berührten sich nachts nur noch zufällig, ein abgeschlaffter Ellenbogen, ein schlaffer Fuß. Die Hand, die durch die Kojenstrebe griff, blieb aus.

Die „Nordwind“ lief Bergen an, ein Nest aus Regen und schroffen Felsen. Hein rief sie zu sich, sein Atem roch nach Zwiebeln und Karies. „Ihr habt nicht komplett versagt“, sagte er, ohne ihnen in die Augen zu sehen. Er drückte jedem zwei knitternde Hundert-Kronen-Scheine in die Hand. „Das Schiff bleibt. Ihr geht.“

Sie stiegen von der Gangway auf den nassen Kai. Die Luft roch nach Fisch und Diesel, aber auch nach Freiheit. Sie war kalt und scharf in ihren Lungen. Lukas atmete tief ein. Jannis stand einfach da, die abgewetzte Tasche über der Schulter, und starrte auf das Pflaster.

„Wir brauchen ein anderes Schiff“, sagte Lukas. Seine eigene Stimme klang ihm fremd, geriffelt von Stille.

Jannis nickte langsam. Seine Augen scannten die Kaimauer, die Schiffsnamen: „Arcturus“, „Seeadler“, „Nordstern“. „Ein größeres“, sagte er schließlich. Seine Stimme war flach, wie poliertes Metall. „Weiter weg.“

Sie fanden die „Polaris“ am Ende eines langen Piers. Ein schwedischer Kühlfrachter, der nach Santos bestimmt war. Brasilien. Die Mannschaft war gemischt: Schweden, Filipinos, ein paar Deutsche. Der Kapitän, ein blonder Riese namens Larsson, musterte sie in einer schmucklosen Kajüte.

„Erfahrung?“ Seine blauen Augen waren wie Gletschereis.

„Nordsee“, sagte Lukas.

Larsson sah ihre blassen Gesichter, ihre abgenutzten Hände. „Zwei Mann fehlen. Malaria in Hamburg.“ Er schob einen Vertrag über den Tisch. „Dreimonatsreise. Schweres Gut. Schlimmes Wetter. Bezahlung in Dollar am Ziel. Unterschreibt.“

Sie unterschrieben. Ihre neuen Papiere waren Fälschungen, erstellt von einem Schreibwarenhändler in Cuxhaven für ihre letzten Kronen. Jan Berger. Lukas Weber. Die Namen schmeckten nach Asche.

Die „Polaris“ war ein anderes Tier als die „Nordwind“. Sauberer, lauter, effizienter. Die Gewalt hier war nicht körperlich, sie war strukturell. Die Arbeit war ein gnadenloser, zwölfstündiger Rhythmus von Wachen und Schlafen, gebläht von Kaffee und Amphetaminen, die der chilenische Koch wie Süßigkeiten verteilte. Die Mannschaft teilte sich in Cliquen, sprach in gebrochenem Englisch oder gar nicht.

Die Einsamkeit war eine andere Qualität. Sie war weit und tief wie der Ozean, den sie jetzt durchquerten.

Einmal, in der Biscaya, als das Schiff in ein monstroses Tief geriet, wurden sie in den Laderaum befohlen, um losgerissene Stahlseile zu sichern. Das Schiff warf und kreischte. Bei jeder Schiffsbewegung schwang ein Seilbündel wie eine gigantische Peitsche durch den halbdunklen Raum.

Sie arbeiteten zusammen, wortlos, ihre Bewegungen durch wochenlange Routine synchronisiert. Plötzlich rutschte Jannis auf einer öligen Platte aus. Das wogende Seil traf ihn an der Schulter, warf ihn gegen einen Container. Lukas hörte das dumpfe, knirschende Aufschlagen.

Er kroch zu ihm. Jannis lag keuchend, sein Gesicht war eine Maske aus Schmerz. „Scheiße“, zischte er. Seine linke Schulter hing schief, verdreht.

„Ruhig“, sagte Lukas und berührte vorsichtig das Gelenk. Die Berührung war die erste zielgerichtete seit Wochen. Jannis zuckte zurück, dann presste er seine Zähne zusammen und nickte.

Oben, in der Krankenstation, verpasste ihnen der schwedische Schiffsarzt eine morphiumhaltige Spritze. „Ausgerenkt“, sagte er knapp, während er das Gelenk mit einem brutalen Ruck einrichtete. Jannis schrie kurz auf, dann ließen ihn die Drogen in einen stumpfen, weißen Nebel abdriften.

Lukas blieb an seiner Koje sitzen. Die anderen Männer gingen zu ihren Wachen. In der schummerigen Krankenstation lag Jannis da, sein Atem ging schwer, seine Stirn war schweißnass. Lukas beobachtete die rise und fall of his chest.

Irgendwann in der Nacht wachte Jannis auf. Das Morphium ließ nach, ließ die Schmerzen zurückkehren. Er stöhnte leise, seine Hand tastete im Halbschlaf.

Lukas griff danach. Jannis’ Finger schlossen sich krampfhaft um seine. Sie waren heiß und trocken. Lukas strich mit dem Daumen über seine Knöchel. Eine simple, zarte Bewegung in der surrenden Stille des Schiffs.

Jannis öffnete die Augen. Sie waren nicht mehr leer. Sie waren voll von einem schmerzerfüllten, fassungslosen Kummer. Er sagte kein Wort. Er zog Lukas’ Hand zu sich heran, presste sie gegen sein eigenes, nasses Gesicht. Seine Lippen bewegten sich gegen Lukas’ Handfläche, ein stummer Schrei, eine stumme Dankbarkeit.

Es war zu viel und nicht genug. Lukas stand auf, löste sich sanft. Er schloss die Tür der Krankenstation ab, ein leises, entscheidendes Klicken. Er kehrte zum Bett zurück, zu Jannis’ suchendem Blick.

Sie waren allein. Sie waren verletzt. Sie waren verdammt weit weg von jeder Küste.

Lukas beugte sich vor. Sein Kuss war kein Kuss der Leidenschaft. Es war ein Akt der Notwendigkeit, des Wiedererkennens. Ihre Lippen trafen sich, salzig von Schweiß und Tränen. Jannis erwiderte ihn mit einer wilden, verzweifelten Gier, seine gesunde Hand griff in Lukas’ Haar, zerrte ihn näher.

Lukas tastete sich unter die dünne Decke, fand die Schnalle von Jannis’ Hose. Seine Finger waren steif, ungeschickt. Er öffnete sie, schob das grobe Baumwollzeug hinunter. Jannis’ Schwanz lag halb steif auf seinem Bauch. Lukas beugte den Kopf und nahm ihn in den Mund.

Der Geschmack war vertraut, salzig und menschlich. Es war der erste Geschmack von etwas, das ihnen gehörte, seit sie diesen Kai verlassen hatten. Jannis stöhnte auf, ein langes, zitterndes Ausatmen. Seine Hüften hoben sich. Lukas arbeitete ihn mit seinem Mund, langsam, konzentriert, mit einer Hingabe, die ausschließlich diesem Moment galt. Seine Zunge umspielte die Eichel, seine Lippen umschlossen den Schaft. Jannis fluchte leise, endlose, erlösende Kaskaden von „Scheiße“ und „ja“ und „bitte“.

Als Lukas spürte, wie Jannis’ Muskeln sich verkrampften, zog er sich zurück. Er wollte es hinauszögern. Er schob Jannis’ Hose ganz herunter, drehte ihn vorsichtig auf die Seite, der verletzten Schulter abgewandt. Er spuckte in seine Hand, benetzte sich selbst, benetzte Jannis’ Loch.

Er drang von hinten in ihn ein, so langsam er konnte. Jannis’ Körper war warm und eng, trotz der Monate der Gewalt. Es war anders. Es war gewollt. Jannis schob sich zurück gegen ihn, stieß sein Gesicht ins Kissen, um seinen Schmerz und sein Verlangen zu ersticken.

Ihr Rhythmus war kein Sturm. Es war ein tiefer, bedächtiger, wiederherstellender Puls. Lukas’ Hände hielten Jannis’ Hüften, nicht um zu dominieren, sondern um zu verankern. Sein Gesicht war in Jannis’ Nacken vergraben, er atmete seinen Geruch ein – Schweiß, Desinfektion, Jannis.

Sie kamen fast gleichzeitig, stumm, ihre Körper von einer einzigen, zuckenden Welle durchlaufen. Es war kein triumphaler Höhepunkt. Es war eine heftige Entleerung von Angst und Einsamkeit, ein verzweifelter Tausch von Wärme in der eisigen Weite des Ozeans.

Sie blieben so verbunden, bis ihre Atmung sich beruhigte. Das Schiff durchschnitt die Wellen. Irgendwo schrie ein Seevogel.

Eine Woche später, die Schulter noch immer in einer Schlinge, stand Jannis mit Lukas an der Reling. Die Luft war anders geworden, schwer und warm. Vor ihnen lag, unter einem schmutzigweißen Himmel, die Mündung des Rio de la Plata. Buenos Aires.

„Santos ist noch weiter“, sagte Lukas, sein Blick auf das trübe Wasser gerichtet.

Jannis schüttelte den Kopf. Sein Gesicht war entschlossen, die verlorene Härte aus der „Nordwind“-Zeit zu einem scharfen Werkzeug geschmiedet. „Nicht weit genug“, sagte er. „Siehst du den da?“

Er deutete auf einen älteren, hochbordigen RoRo-Frachter, der vor der „Polaris“ ankerte. Die „Longevity“. Unter dem Namen stand der Heimathafen: Monrovia. Das Schiff sah abgenutzt aus, mit rostigen Flanken und abgeblätterter Farbe. Ein Geisterschiff.

„Liberia“, murmelte Lukas. „Das ist Afrika.“

„Und weiter“, sagte Jannis. „Singapur. Shanghai. Wo auch immer.“ Er drehte sich zu Lukas um. Seine Augen waren kalt und klar. „Ich kann nicht zurück. Ich kann nicht bleiben. Ich muss so weit weg, bis ich vergesse, wie mein eigener Name klingt.“

Die Bars am Hafen von Buenos Aires waren dunkel und lärmend. Der Geruch von gegrilltem Fleisch, Schweiß und billigem Parfüm hing dick in der Luft. Sie fanden die Männer von der „Longevity“ in einem Hinterzimmer, um einen wackeligen Holztisch versammelt. Es waren nicht viele. Ein älterer Deutscher mit Stoppelbart und wässrigen Augen, der als Erster Offizier fungierte. Zwei burmesische Brüder, die wie Schatten wirkten. Ein riesiger, stummer Nigerianer. Und der Kapitän, ein Brite namens Caldwell mit einer Whiskeynase und einem durchdringenden Blick.

„Ihr seht aus wie Scheiße“, sagte Caldwell auf Englisch, sein Tonfall war rau, aber nicht unfreundlich. „Warum sollte ich euch nehmen?“

„Wir arbeiten“, sagte Jannis. Seine Stimme übertönte das Klirren von Gläsern. „Wir fragen nicht. Wir trinken mit.“

Caldwell musterte sie, sein Blick blieb an Jannis’ Schlinge hängen. „Der da ist verletzt.“

„Heilt“, sagte Lukas. Es war das erste Wort, das er in dieser Bar sagte.

Caldwell nippte an seinem Rum, sein Blick wanderte zwischen ihnen hin und her. Dann grinste er, ein abscheulicher Anblick mit verfaulten Zähnen. „Der Trip ist lang. Sehr lang. Die Bezahlung ist Scheißdreck. Das Essen ist Scheißdreck. Die Unterkünfte sind Scheißdreck.“ Er leerte sein Glas. „Aber der Schnaps ist gut. Und wir trinken jeden verdammten Abend. Versteht ihr? Jeden. Abend.“

Jannis hob sein eigenes Glas, das mit klarem, lokalen Aguardiente gefüllt war. Er trank es in einem Zug hinunter, ohne mit der Wimper zu zucken. Lukas folgte ihm. Das Feuer bahnte sich einen Weg bis in seinen leeren Magen.

Caldwells Grinsen wurde breiter. „Gut. Heute Nacht geht es los. Der Zahltag ist in sechs Monaten. Falls ihr lebt.“

Die „Longevity“ war eine schwimmende Scheune, ein rostiger Alptraum, der tief im Wasser lag. Die Mannschaftsquartiere waren ein einziger, langer Raum mit Hängematten, die über schimmelnden Holzlatten aufgespannt waren. Es roch nach Schimmel, Benzin und verfaulendem Gemüse.

Das Ritual begann bei Sonnenuntergang. Caldwell holte einen gelben Kanister hervor. Hausgebranntes Zeug, aus Paraguay, wie er sagte. Er schenkte blecherne Tassen voll. Es schmeckte nach Treibstoff und Verwesung.

„Auf die verlorenen Seelen!“ rief er und hob seine Tasse.

Die Männer tranken. Lukas und Jannis tranken mit. Der erste Schluck brannte Löcher in Lukas’ Rachen. Der zweite betäubte ihn schon ein wenig. Der Nigerianer, den sie nur „Big Joe“ nannten, begann ein monotones Brummen. Die burmesischen Brüder tauschten flüsternd Witze in ihrer Sprache. Der deutsche Erste Offizier, Manfred, starrte vor sich hin, sein Gesicht eine Maske aus altem Gramm.

Sie tranken weiter. Das Gift schoss durch ihre Adern, machte ihre Gliedmaßen schwer, ihren Geist schlaff. Lukas beobachtete, wie Jannis sein fünftes Glas hinunterkippte, wie seine Augen glasig wurden, aber seine Haltung stramm blieb. Eine absichtliche Trunkenheit. Eine Entscheidung.

Big Joe stand auf, seine Hängematte schwankte wie ein Schiff im Sturm. Er kam auf Jannis zu, ein riesiger, wankender Schatten. Er sagte kein Wort. Er legte einfach eine Hand, groß wie ein Schaufelblatt, auf Jannis’ Kopf, fast zärtlich. Dann drehte er Jannis’ Gesicht zu sich.

Lukas wollte aufspringen, aber sein Körper gehorchte nicht. Die Betrunkenheit hatte ihn an den schmuddeligen Holzboden genagelt.

Big Joe schob seine anderen Hand in Jannis’ Hose. Jannis reagierte nicht. Er saß einfach da, ließ es geschehen, seine Augen waren auf Lukas gerichtet, leer wie Spiegel. Joe wichste ihn grob, seine großen Finger umschlossen Jannis’ Schwanz. Es dauerte keine Minute. Jannis kam mit einem kurzen, scharfen Ausatmen, sein Samen spritzte auf den dreckigen Boden.

Joe

Read on DreamPress