Chapter 141: Chapter 141
Der Sommer hing schwer und feucht über Bochum, eine drückende Decke aus Hitze und stillstehender Luft. In der WG roch es nach verschwitzten Socken, altem Kaffeefiltersatz und dem stetigen, süßlichen Dunst von überreifen Bananen auf der Küchenanrichte. Die Hitze ließ die Spannungen zwischen den Wänden schwelen, machte sie aber auch träge, weniger scharfkantig.
Alex lag auf seinem Bett, nur in Boxershorts, der Ventilator auf dem Boden wirbelte die warme Luft wie eine lächerliche Gottheit im Kreis. Sein Handy lag auf seiner Brust. Auf dem Display: ein Foto von Jonah und Tom im heimischen Garten, lachend, die Arme um einander gelegt. Daneben, in einem Plastikpool, das Grinsen eines sechsjährigen Alex, der beiden mit einer sprinklerbefeuerten Wasserpistole nachstellte. Ein Bild perfekten, erkämpften Glücks. Er starrte darauf, während seine andere Hand, fast ohne sein Zutun, über seinen eigenen Bauch strich, die weichen Haare unter seinem Nabel.
Ein leises Klopfen an der Tür. Leon stand im Rahmen, ebenfalls nur in kurzen Shorts, seine Rippen zeichneten sich scharf unter der blassen Haut ab. Schweißperlen glänzten in der Kerbe seines Schlüsselbeins. „Kann nicht schlafen,“ sagte er einfach. Seine Stimme war vom vielen Rauchen draußen auf dem Balkon heiser.
Alex nickte, schob sich zur Seite. Leon schloss die Tür, das Schloss schnappte mit einem entschiedenen Klick. Er stand einen Moment, ließ die kühle Luft des Ventilators über seine Haut wehen. „Deine Eltern?“, fragte er und nickte zum Handy.
„Jonah und Tom“, korrigierte Alex automatisch, wie immer. Er schaltete das Display aus. „Ja.“
„Du vermisst sie.“
„Ich vermisse das Wissen, wer ich da war.“
Leon glitt neben ihn auf die Matratze. Die Hitze ihrer beiden Körper war sofort spürbar, eine feuchte, lebendige Bank. Seine Haut roch nach billigem Kernseifenduft und der leicht säuerlichen Note von trocknendem Schweiß. „Und wer bist du hier?“
Alex drehte den Kopf, sah in diese grünblauen Augen, die im Dämmerlicht des Ventilatorblinks wie die eines Raubtiers leuchteten. „Ich weiß es nicht.“
Leon legte eine Hand auf Alex’ Brust, direkt über dem Herzschlag. Seine Finger waren lang, knochig, die Nägel kurz und nicht ganz sauber. „Fühlst du das?“, fragte er.
Alex nickte. Sein Herz schlug schneller unter dieser berührenden Leichtigkeit.
„Das bist du. Nur das. Ein fucking Herzschlag.“ Leons Hand glitt tiefer, über die Wölbung des Bauches, wo das Haar dunkler und kraus wurde. Seine Finger hielten am Bund von Alex’ Boxershorts inne. „Und das hier. Das ist auch du.“
Seine Berührung war keine Frage mehr, sondern eine langsame, unaufhaltsame Behauptung. Er schob die Hand unter den weichen Stoff, umfasste Alex’ halb steifen Schwanz. Ein tiefer, kehliger Laut entfuhr Alex, halb Überraschung, halb Erleichterung. Es war anders als die vorige, schmerzhafte Begegnung. Hier gab es keine Dunkelheit, keine Scham, nur das schwere, schwüle Einverständnis der Nacht und die offene Frage in Leons Blick.
„Ist das okay?“, murmelte Leon, während er ihn langsam, fast nachdenklich, auf und ab strich.
„Ja.“ Das Wort war nur ein Ausatmen.
Leon beugte sich hinunter, verhakte seine Finger im Stoff von Alex’ Shorts und zog sie ihm langsam über die Hüften, bis sie freilagen. Die kühle Luft des Ventilators traf Alex’ nackte Haut, ließ ihn erschauern. Er war vollständig erigiert jetzt, dick und schwer auf seinem Bauch liegend. Leon starrte ihn an, als sähe er ein seltenes Artefakt. „So verdammt groß“, murmelte er, fast ehrfürchtig.
Dann beugte er sich vor und legte seine Lippen auf die Spitze, ein Kuss so sanft, dass Alex zusammenzuckte. Leon lächelte schief, dann öffnete er seinen Mund weiter und nahm ihn auf. Nicht gierig oder fordernd, sondern erforschend, langsam, als würde er einen neuen Geschmack lernen. Seine Zunge strich die Länge entlang, erkundete die empfindliche Stelle unter der Eichel, spielte mit dem Schlitz.
„Scheiße, Leon“, stöhnte Alex und grub seine Finger in das dünne Bettlaken. Dies war Hingabe, nicht Unterwerfung. Es war ein Geschenk.
Leon hörte nicht auf. Er entwickelte einen Rhythmus, tief und langsam, seine schmalen Backhöhlen zogen sich zusammen. Seine Hand wanderte zu Alex’ Hoden, knetete sie sanft, während sein Mund arbeitete. Die Sinnlichkeit war überwältigend, ein heißer, feuchter Druck, der alles andere verdrängte – die Hitze, die Zweifel, das Foto auf dem ausgeschalteten Handy. Es gab nur dieses schmale Gesicht zwischen seinen Beinen, die konzentrierte Stirn, die sich unter einer feuchten Strähne braunen Haares zeigte.
Als Alex zu stammeln begann, ein Vorgefühl wie siedende Lava in seinem Unterleib, zog Leon sich zurück. Sein Kinn glänzte feucht. „Nicht so schnell“, sagte er heiser. „Ich will dich genau so sehen.“
Er stand auf, schlüpfte aus seinen eigenen Shorts. Sein Körper war ein Gespann aus Sehnen und scharfen Knochen, sein eigener Schwanz stand steif und gerade von seinem Körper ab. Er kniete sich über Alex, stützte sich mit den Händen auf dessen breite Brust. Sein Gewicht war unbedeutend, aber seine Präsenz war alles. Er rieb sich gegen Alex’ Oberschenkel, sein Schwanz hinterließ eine feuchte Spur auf der Haut.
„Berühr mich“, befahl Leon, und seine Stimme zitterte vor Verlangen.
Alex gehorchte. Seine großen, unsicheren Hände fuhren über Leons schmale Hüften, griffen seinen muskulösen, kleinen Arsch. Er zog ihn näher, rieb ihren Schwanz aneinander, die empfindlichen Köpfe kollidierten, rutschten aneinander entlang. Der Reibungswiderstand war wild, intensiv. Leon stieß einen erstickten Schrei aus, sein Kopf fiel zurück.
„Ja, genau so, du Ficker, ja!“, keuchte Leon und begann, seine Hüften kreisen zu lassen, suchte den perfekten Druck. Seine Worte, einmal beschämend, waren jetzt nur noch Treibstoff, ein dreckiger, schöner Bestandteil ihrer Vereinigung.
Es war unglaublich erregend, so unmittelbar, so roh. Sie starrten einander in die Augen, während ihre Körper den alten, simplen Rhythmus fanden. Schweiß vermischte sich, ihre Atemzüge wurden zu einem einzigen heißen, schnellen Wirbel. Alex’ Hände glitten nach oben über Leons Rücken, spürten jede Wirbelsäulenvertiefung, jeden spannden Muskel. Er zog Leon zu sich herunter, fing seinen Mund in einem hungrigen, salzigen Kuss. Sie schmeckten sich gegenseitig, ihre eigene Erregung, den Schweiß, die Hitze.
Leon brach den Kuss ab, sein Atem war ein heiseres Pfeifen. „Ich komme gleich“, warnte er, seine Bewegungen wurden unkoordiniert, stolpernd. „Wo…?“
„Hier“, keuchte Alex und deutete auf seinen eigenen Bauch, die weiche Matte aus Haaren. „Mach mich dreckig.“
Dieses Eingeständnis, diese Bitte, entfesselte etwas in Leon. Sein ganzer Körper verkrampfte sich, ein langes, zitterndes Beben durchlief ihn. Mit einem heiseren, rohen Schrei spritzte sein Sperma in dicken, weißen Streifen über Alex’ Bauch und Brust, heiß und klebrig. Das Gefühl, diese Hingabe auf seiner Haut zu spüren, triefend von Leons körperlicher Erschöpfung, war so intim, dass es Alex über den Rand riss. Ein paar Sekunden später folgte er, sein eigenes Kommen schoss zwischen ihren pressenden Körpern hervor, vermischte sich mit Leons Ladung zu einer warmen, glitschigen Masse auf seinem eigenen Fleisch.
Leon kollabierte auf ihn, sein schmales Gesicht vergrub sich in Alex’ Hals. Sie lagen so da, keuchend, verschmolzen unter der Decke aus Hitze und Sperma und Schweiß. Der Ventilator blies träge über ihre nackten Körper.
Nach einer langen Weile rollte Leon zur Seite. Sein Atem beruhigte sich langsam. Ohne ein Wort stand er auf, holte ein Handtuch vom Stuhl, kam zurück und begann, Alex’ Bauch und Brust langsam, gründlich abzuwischen. Die Geste war so zärtlich, so unerwartet pflegend, dass Alex’ Kehle sich zuschnürte.
Als er fertig war, warf Leon das Handtuch in eine Ecke und legte sich wieder neben Alex, diesmal Rücke an Rücke, ihre Haut klebte an den Kontaktstellen. Die Nacht war still, nur das Brummen des Ventilators und das ferne Geräusch einer Straßenbahn waren zu hören.
„Bin ich jetzt schwul?“, flüsterte Alex in die Dunkelheit. Die Frage lag schon wochenlang wie ein Stein in seinem Magen.
Leon zögerte. Seine Stimme klang müde, ehrlich. „Das weißt nur du. Ich weiß nur, dass ich dich anfassen will. Dass ich deinen Geschmack mag. Das ist alles.“
„Und wenn es nicht alles ist?“
„Dann ist es mehr. Oder weniger. Wer weiß das schon?“ Leon drehte sich um, seine Lippen berührten kurz Alex’ Schulterblatt, ein Kuss so leicht wie ein Schmetterlingsflügel. „Schlaf jetzt, du überdenkst wieder alles.“
Alex schloss die Augen. Der klebrige Film auf seiner Haut trocknete langsam. Der Geruch von Sex war süß und animalisch in der heißen Luft. Er dachte an das Foto, an das Lachen von Tom und Jonah. Daran, wie Tom Jonah manchmal ansah, wenn er dachte, niemand würde es bemerken – mit einer solchen unverhohlenen Zärtlichkeit, dass es wehtat. Er hatte diesen Blick nie verstanden. Vielleicht verstand er ihn jetzt. Vielleicht auch nicht. Vielleicht war es wie Leon sagte: nur ein Herzschlag. Nur eine Berührung in der schwülen Dunkelheit.
Draußen begann es zu regnen, ein plötzlicher, trommelnder Sommerguss, der die Hitze für einen Moment brach. Alex lauschte dem Prasseln auf dem Dach und spürte die Wärme von Leons Rücken gegen seinen eigenen. Er war nicht sicher, was er war. Aber in diesem Zimmer, mit diesem Jungen, der jetzt leise neben ihm schlief, war die Ungewissheit kein Alptraum mehr. Sie war nur ein weiterer Atemzug in der Dunkelheit, ein weiterer Herzschlag, der wartete, gehört zu werden.