Chapter 168: Chapter 168
Leon’s Griff war eisern. Er schob Alex’ Knie auseinander, seine eigenen Hosen nur notdürftig heruntergezogen. Die Luft roch nach Schweiß, Staub und dem scharfen Beigeschmack ihrer früheren Vereinigung. Keine Zärtlichkeit, keine Frage. Nur die dunkle, zwingende Logik ihrer Verbindung.
„Du willst es doch,“ zischte Leon, mehr Anklage als Frage. Seine freie Hand landete hart auf Alex’ Oberschenkel, ließ ein weißes Abziehbild zurück, das langsam rot anlief.
Alex antwortete nicht mit Worten. Sein Atem ging stoßweise. Er hob seine Hüften, ein trotziges, einladendes Ausholen. Eine stumme Zustimmung, die tiefer ging als Scham. Es war die Wahrheit. In diesem fauligen Loch, in der Hülle ihrer toten Identitäten, war dies die einzige Sprache, die noch einen Sinn ergab. Eine Bestätigung der Existenz durch Schmerz und Empfindung.
Leon spuckte grob in seine Hand, schmierte sich damit ein. Keine Geduld, keine Vorbereitung. Er positionierte sich, die Spitze seines Schwanzes drückte gegen den noch empfindlichen, von ihrem vorigen Akt aufgerauten Eingang. Alex biss die Zähne zusammen. Ein kurzes, helles Aufblitzen von Schmerz, dann der langsame, unnachgiebige Druck, als Leon ihn erneut aufnahm.
Es war enger, rauer. Ein brennendes Strecken, das Alex den Atem raubte. Ein heiseres Keuchen entwich seiner Brust. Leon erstarrte einen Moment, tief in ihm vergraben, seine Muskeln zitterten vor angespannter Kontrolle. Sein Gesicht, in der Dunkelheit nur als Schattenriß erkennbar, war eine Maske konzentrierter Gewalt.
„Siehst du?“ flüsterte Leon, seine Stimme rau. „So fühlt es sich an. Am Leben. Nichts anderes zählt jetzt.“
Dann begann er sich zu bewegen. Kein Rhythmus, kein Ziel außer der Reibung selbst. Kurze, harte Stöße, die Alex über die grobe Plastikplane schoben. Das laute, feuchte Schmatzen ihrer Körper füllte den Raum, ein obscönes Geräusch im Dunkeln. Jeder Stoß jagte eine zweischneidige Welle durch Alex – den beißenden Schmerz der Wiedereintritts und den darunter pulsierenden, zwingenden Strom von Erregung.
Alex’ eigenes Fleisch war steinhart, zwischen ihren Leibern eingequetscht. Er griff danach, begann sich im Takt von Leons brutalen Stößen zu wichsen, seine Bewegung war verzweifelt und abgehackt. Es war ein Rennen zur Vernichtung, ein Weg, den überwältigenden Druck des Tages, der Schuld, der Angst in einem physischen Blitz zu entladen.
Leon beugte sich vor, sein Mund feucht und heiß an Alex’ Hals. Er biss zu, nicht sanft, ein Besitzzeichen. „Alles ist weg,“ stieß er zwischen zusammengebissenen Zähnen hervor, sein Atem brandete gegen Alex’ Haut. „Die Wohnung. Dein altes Leben. Katta. Alles Asche. Nur das hier ist echt. Nur das hier. Mein Schwanz in deinem Arsch. Dein Fleisch in deiner Hand. Verstehst du das?“
„Ja!“ Das Wort war ein abgerissener Schrei, halb Schmerz, halb Befreiung. Alex umklammerte Leon, seine Nägel suchten Halt auf dem verschwitzten, narbigen Rücken. Er hob seine Beine höher, sank noch tiefer in die Decke, gab sich vollkommen dem unerbittlichen Stampfen hin. Der Schmerz verschmolz, verwandelte sich in eine weiße, sengende Hitze in seinem Unterleib. Die Welt schrumpfte auf diesen Punkt der gewaltsamen Verbindung.
Leon’s Bewegungen wurden unregelmäßig, verloren jeden Anschein von Kontrolle. Er stieß ein letztes Mal tief, sein ganzer Körper verkrampfte sich in einer stummen, zuckenden Stille, bevor ein tiefes, kehliges Stöhnen aus seiner Brust brach. Alex spürte die warme Flut in seinem Inneren, ein eigenartig intimes Überfluten, das den finalen Funken in ihm zündete.
Sein eigener Orgasmus brach über ihn herein, brutal und kurz, ein paar zuckende Striemen heißen Sames, die über seinen Bauch und Leons Schambein spritzten. Er erstarrte, sein Mund war zu einem stummen Schrei geöffnet.
Schwer atmend blieb Leon auf ihm liegen, seine Last ein realer, schweißnasser Anker. Die Stille, die darauf folgte, war dick und voll. Erfüllt vom Gestank ihrer Tat, vom Rascheln der Plastikplane unter ihnen, vom fernten, konstanten Tropfen des undichten Dachs.
Langsam rollte Leon zur Seite, ließ sich neben Alex auf den kalten Boden gleiten. Sie lagen nebeneinander, starrten in die Schwärze der Decke. Ihre Hosen waren halb runter, ihre Körper kühlten schnell ab in der feuchten Kälte des Zimmers. Der Schmerz kehrte zurück, ein dumpfer, ausgedehnter Schmerz in Alex’ Tiefe, vermischt mit der scharfen Empfindlichkeit seiner eigenen abgeschürften Haut.
Minuten vergingen. Draußen auf der Straße fuhr ein spätes Auto vorbei, seine Scheinwerfer strichen flüchtig über die Jalousien.
„Das Laptop,“ sagte Alex schließlich, seine Stimme war heiser und verbraucht. „Die Batterie.“
Leon rührte sich. Er zog seine Kleider hoch, stand mit einer steifen Bewegung auf. Barfuß ging er durch die Dunkelheit zum ausgehobenen Bodenbrett. Alex hörte das mechanische Klicken des Einschaltknopfes, das rattern Scheinwerfer des altes Computers.
Das blaue Licht des Bildschirms erfüllte den Raum mit einem gespenstischen Schein. Leon kniete davor, sein Profil im kalten Licht scharf geschnitten. Alex richtete sich mit einem unterdrückten Stöhnen auf, zog seine Hose rau hoch. Der Stoff rieb schmerzhaft an seinen wunden Stellen. Er schlurfte herüber, ließ sich neben Leon auf die kalten Dielen fallen.
Leon hatte schon den Browser geöffnet. Seine Finger flogen über die tastwater. Er loggte Arylsich in ein altes, verschlüsseltes Postfach ein, das er seit Jahren nicht benutzt hatte. Die Inbox war voller Spam und vergilbter Erinnerungen.
„Suchst du nach dem Kontakt? Dem beim Verfassungs_SHAschutz?“ fragte Alex.
„Nein. Der ist weg. Kalte Spur.“ Leons Stimme war flach, fokussiert. „Ich suche nach dem Kanal, über den die Updates kamen. Ein privates Sicherheitsunternehmen. ‘Sicheres Haus GmbH’. Ein Deckmantel. Frommhold nutzte sie für die diskrete Überwachung, nicht für die Bedrohung.“
Er tippte weiter, kopierte strings von Zahlen und Buchstaben aus alten, verschlüsselten Notizen. „Ich hatte einen Zugang. Einen Blick hinter den Vorhang. Einen Tag bevor alles explodierte, gab es eine routinemäßige Meldung. Der Sohn, Lukas Frommhold. Lebte in Hamburg-Eimsbüttel. Arbeitete als A&R-Assistent bei ‘Klangstrom Records’.“
Auf dem Bildschirm erschien eine neue Seite, schlicht, seriös, eine Unternehmenswebsite für Risikoanalyse und Executive Protection. Leon gab Nutzernamen und ein Passwort ein, das er aus dem Offline-Speicher zog.
FEHLER: ZUGANG NICHT AUTORISIERT.
Er versuchte eine Variante.
FEHLER: NUTZERKONTO DEAKTIVIERT.
„Er hat mich gelöscht,“ murmelte Leon. Keine Überraschung in seiner Stimme, nur Bestätigung.
„Also haben wir nichts.“
„Doch.“ Leon lehnte sich zurück, rieb sich die Augen. Das Laptoplicht warf lange Schatten auf die Wand. „Wir haben einen Namen. Eine Firma. Und wir wissen, dass Frommhold paranoid ist. Er würde die Überwachung nicht einstellen, nur weil sein alter Handlanger verschwunden ist. Er würde sie nur an einen neuen Kanal weiterleiten. Irgendwo, wo er sie kontrollieren kann.“
„Sein Haus?“
„Möglich. Oder sein Büro in Moabit. Aber beides ist jetzt bewacht, offiziell oder inoffiziell.“ Leon drehte den Kopf und sah Alex an. Das blaue Licht ließ seine Augen zu leblosen Flecken erstarren. „Es gibt einen dritten Ort. Ein Landsitz. In Brandenburg, bei Wandlitz. Gehört einem Verein, einer Stiftung. Er ist der Vorstandsvorsitzende. Ein abgeschiedenes Grundstück, umgeben von Wald. Kein offizieller Wohnsitz. Ein Rückzugsort.“
„Wie weißt du das?“
„Ich habe ihn einmal dort hingefahren. Vor Jahren. Es war still. Absolut still.“ Leons Blick wurde weit, erinnernd. „Er hatte einen Safe dort. Nicht für Dokumente. Für Erinnerungsstücke. Fotos von seinem Sohn, als der noch ein Kind war.“
Alex verstand. „Du denkst, wenn er untertaucht, geht er dorthin. Und wenn er dorthin geht, will er die Updates über seinen Sohn in Reichweite haben.“
„Es ist ein Risiko. Aber es ist das einzige, was wir haben.“
Sie schwiegen. Das tropfende Wasser markirrelerte die Sekunden. Das Laptop gab ein warnendes Piepen von sich – die Batterie war im Sterben.
„Wie kommen wir da hin? Wir haben kein Auto. Kein Geld. Wir stinken wie die Pest und sehen aus wie Leichen, die durch einen Sumpf gezogen wurden,“ sagte Alex.
Leon schloss den Laptop. Die Dunkelheit war plötzlich wieder absolut, wie eine schwarze Decke, die über sie geworfen wurde. Seine Stimme kam aus der Schwärze, ruhig und entschlossen.
„Wir gehen zu Fuß. Erstmal aus der Stadt raus. Entlang der alten Güterbahnlinien. Wir klauen, was wir brauchen: Kleidung, Essen, Fahrräder vielleicht. Wir sind jetzt Geister. Geister können das.“
„Und dann? Wir klingeln einfach an der Tür?“
Leon stand auf. Alex hörte ihn durch den Raum tasten, dann das Rascheln der Ölplane. Als Leon wieder sprach, war er näher. Seine Hand fand Alex’ Schulter im Dunkeln, ein fester, unbeugsamer Druck.
„Nein. Wir beobachten. Wir sehen, ob er da ist. Wenn er da ist… dann finden wir einen Weg rein. Und dann nehmen wir, was wir brauchen. Die Zugänge. Oder ihn selbst.“ Die Hand auf Alex’ Schulter zuckte leicht. „Aber zuerst müssen wir hier raus. Vor der Morgendämmerung.“
Alex nickte in der Dunkelheit. Die Müdigkeit war ein bleierner Mantel, aber unter ihr brodelte jetzt etwas Neues. Keine Hoffnung. Eine kalte, zielgerichtete Wut. Eine Richtung.
Sie bewegten sich im Dunkeln, sammelten die wenigen Habseligkeiten: das ausgeschaltete Laptop, die Gaspatrone, den verbeulten Topf. Sie wuschen sich notdürftig mit dem restlichen kalten Wasser aus der Leitung, rieben den schlimmsten Schmutz von Gesicht und Händen. Die Kleider waren unwiederbringlich verdorben, aber sie zogen sie trotzdem an. Der Gestank war jetzt Teil ihrer Tarnung.
Leon bewegte die Dielen wieder an ihren Platz und schob den Schreibtisch darüber. Es sah aus wie zuvor. Eine leere, vergessene Hölle.
An der Tür blieb er stehen, das Ohr an das Holz gelegt. Nichts. Er nahm den Stuhl von der Klinke, öffnete den Riegel langsam, um kein Geräusch zu machen. Die kalte Nachtluft des Hinterhofs strömte herein, fast reinigend nach der stickigen Luft des Zimmers.
Sie schlüpften hinaus, hinunter auf die rostige Feuertreppe. Der Hof war still und leer. Irgendwo in der Ferne heulte eine Sirene auf, ein vertrauter Berliner Soundtrack.
Unten angehalten, im Schutz der Müllcontainer, sah Leon Alex an. Sein Gesicht war in der nächtlichen Schatten nur eine Andeutung.
„Alles hinter uns lassen,“ sagte er leise. „Alles. Der Alex, der du warst, ist in diesem Feuer verbrannt. Der Leon auch. Was jetzt weitergeht, ist etwas anderes. Verstehst du?“
Alex atmete die kalte, nach Urin und Abfall riechende Luft ein. Er dachte an den brennenden Sprinter. An Kattas letztes Lächeln, bevor der Stream endete. An das Gefühl von Leons Zähnen in seiner Schulter. Er fühlte die wunden Stellen an seinem Körper, jedes ein Siegel dieser neuen, schrecklichen Wahrheit.
„Ich verstehe,“ sagte er.
Sie verschmolzen mit den Schatten und bewegten sich auf die Straße zu, zwei schemenhafte Gestalten, die sich ostwärts bewegten, Richtung der dunklen Linie der Güterzugschienen, die aus der Stadt hinaus in die noch dunklere Wildnis Brandenburgs führten.
Sie verschmolzen mit den Schalten und bewegten sich auf die Straße zu, zwei schemenhafte Gestalten, die sich ostwärts bewegten, Richtung der dunklen Linie der Güterzugschienen, die aus der Stadt hinaus in die noch dunklere Wildnis Brandenburgs führten.
Die Stadt schien sie nicht loslassen zu wollen. Asphalt wich Kopfsteinpflaster, dann wieder Asphalt, gesäumt von geschlossenen Läden und grellen, vereinzelten Straßenlaternen, die ihre verschmierten Schatten lang und grotesk über die Fassaden warfen. Sie mieden das Licht, blieben im Dunkel der Hauseingänge und Hofdurchfahrten. Der Geruch ihres eigenen Körpers war ein wandelnder Sarg: Rauch, Sperma, Schweiß und der süßliche Unterton ihrer angestrengten, ungewaschenen Haut.
„Da vorne,“ murmelte Leon und nickte auf eine niedrige Betonbrücke zu, unter der das mattschwarze Band der Schienen verschwand. Ein kühler, metallischer Hauch strömte ihnen entgegen. Das Rattern eines entfernten Zuges vibrierte durch die Luft.
Sie kletterten den grasbewachsenen Damm hinunter, ihre Schuhe rutschten auf den schmierigen Schottersteinen. Die Schienen lagen kalt und glänzend da. Hier, in der künstlichen Schlucht, war die Nacht absoluter, der Sound der Stadt gedämpft. Nur das ferne Summen des Stroms in den Oberleitungen. Alex’ Seite schmerzte mit jedem Schritt, ein dumpfes, rhythmisches Hämmern, das sich mit dem Pochen in seinem Unterleib vermischte, der erinnernden Wundheit von Leons Invasion.
Sie hatten keine Uhr. Die Zeit maßen sie in Wegstrecken und sich verändernden Geräuschen. Die monotone Berlinnische Architektur wurde seltener, wich endlosen Lagerhallen, Zäunen, abgewrackten Autofriedhöfen. Die Luft roch plötzlich nach nassem Gras und Erde, weniger nach Abgas.
„Halt,“ sagte Leon plötzlich und blieb wie ein Jagdhund stehen. Seine Hand schnappte nach Alex’ Arm.
Vor ihnen, kaum fünfzig Meter entfernt, verschob sich ein Schatten neben einem signalroten Ladecontainer. Eine orangene Glut erblühte kurz, erlosch wieder. Eine Zigarette.
„Security,“ flüsterte Leon. „Oder ein Penner.“ Er ließ Alex’ Arm los. „Langsam weiter. Guck sie nicht an.“
Sie gingen weiter, ihre Schritte absichtlich laut auf dem Schotter. Alex spürte den Blick im Nacken. Die orange Glut leuchtete wieder auf, bewegte sich nicht. Dann ein leises, feuchtes Husten. Sie passierten die Stelle. Der Wächter oder Obdachlose sagte nichts, stellte keine Fragen. Irgendwann, als Alex sich umdrehte, war die Glut verschwunden.
„Hier raus,“ sagte Leon nach einer weiteren halben Stunde. Er zeigte auf eine Stelle, wo der Zaun neben den Schienen zerrissen war. Dahinter lag ein Feld, umgeben von jungen Kiefern. Am Rand stand eine rußgeschwärzte, halb verfallene Baracke, vielleicht ein ehemaliger Bauwagen für Gleisarbeiter.
Die Tür hing schief in den Angeln. Drinnen war es eng, erfüllt vom modrigen Geruch von nassem Holz und verbranntem Plastik. Der Boden war mit leeren Energydrink-Dosen und zerfetzten Decken übersät. Aber es war ein Dach. Es war windstill.
Leon schob die Tür so weit wie möglich zu. Die Dunkelheit war fast handgreiflich. Alex lehnte sich an die verwitterte Holzwand und ließ sich zu Boden gleiten. Die Erschöpfung schlug wie eine Welle über ihm zusammen. Sein Körper zitterte, ein feines, unkontrollierbares Beben, das von innen kam.
„Das Zittern kommt vom Adrenalin-Absturz,“ sagte Leons Stimme aus der Dunkelheit. Er bewegte sich, kauerte sich neben Alex. „Und von der Kälte.“
„Ich weiß, was es ist,“ schnappte Alex. Sein eigenes Zittern machte ihn wütend. Es fühlte sich an wie Schwäche.
Plötzlich war Leons Hand da, flach auf seiner Brust, durch das dünne, zerrissene Hemd gefühlt. Die Hand war überraschend warm. „Hör auf, dagegen anzukämpfen.“
„Fass mich nicht an.“ Doch die Worte hatten keine Kraft. Die Wärme der Hand war ein Verrat seines eigenen Körpers, der sich danach sehnte.
„Wovor hast du Angst?“ Leons Stimme war ruhig, analytisch, doch direkt neben seinem Ohr. Seine Finger bewegten sich, öffneten einen Knopf von Alex’ Hemd. „Dass es dir gefällt? Dass du hier, in dieser Scheiße, nur dadurch funktionierst?“
Alex erwiderte nichts. Sein Atem ging schneller. Die Hand glitt unter den Stoff, fand seine Brustwarze, zwickte sie grob zwischen Daumen und Zeigefinger. Ein scharfer, klarer Schmerz, der direkt in seinen Schwanz fuhr. Er stieß eine Luft aus, die wie ein ersticktes Stöhnen klang.
„Da. Siehst du?“ Leon knöpfte das Hemd weiter auf, beugte sich vor. Sein Mund, heiß und feucht, umschloss die andere Brustwarze. Er saugte, biss dann leicht zu, und Alex’ Hüften schnellten nach vorne, ein unwillkürlicher, schamloser Ruck.
Alles, was sie in den letzten vierundzwanzig Stunden getan und erlitten hatten, schien sich in diesem engen, stinkenden Raum zu verdichten. Die Gewalt, der Verlust, der brutale Fick auf dem kalten Beton – es war keine Lust, die hier tobte, sondern ein mechanismus Reinigung durch Erniedrigung. Alex’ Hände fuhren in Leons Haar, nicht um ihn wegzuziehen, sondern um ihn fester an sich zu pressen. „Hör nicht auf,“ keuchte er.
Leon hörte nicht auf. Seine Hände rissen Alex’ Hose auf, zogen sie über die Hüften. Die kalte Luft traf Alex’ nackte Haut, dann Leons heißer Atem. Er streifte seine eigene nasse, schmutzige Jeans notdürftig ab, sein Schwanz stand schon hart und dunkel gegen das schwache Licht, das durch die Ritzen der Bretert drang.
Es gab keine Diskussion über Position, über Gleitmittel. Leon drehte Alex grob um, schob ihn mit einer Hand zwischen die Schulterblätter, sodass sein Gesicht gegen die feuchte Holzwand gedrückt wurde. Die Rinde riss an seiner Wange. Alex spürte, wie Leon mit seinem Daumen nicht eindrang, sondern nur grob und trocken über seinen Arsch rieb, sich konzentrierte auf den bereits wunden, geschundenen Eingang.
„Ist noch wund von vorhin,“ stellte Leon fest, seine Stimme war heiser.
„Und?“
In Antwort spuckte Leon, genau dorthin. Das Kalte des Speichels ließ Alex zusammenzucken. Dann der Druck. Die breite, harte Spitze von Leons Schwanz, die gegen den Widerstand von Muskeln und wundem Fleisch drängte. Es war enger, schmerzhafter als im Lagerhaus, ein brennendes Aufreißen, das Alex die Luft aus der Lunge presste. Sein Schreɪ erstickte im fauligen Holz.
Leon drang langsam ein, Zentimeter um Zentimeter, ein unerbittliches, gefühlloses Vordringen. Sein Körper preßte sich von hinten auf Alex, gnadenlos. Seine Zähne fanden Alex’ Nacken. „Du gehörst dazu,“ knurrte er gegen die Haut. „Dieser Schmerz. Dieser Dreck. Das ist, was du jetzt bist.“
Als er ganz in ihm war, blieb er stehen. Atmete schwer. Alex war vollständig ausgefüllt, aufgespießt, jeder Muskel spannte sich gegen die Invasion. Der Schmerz war ein klar umrissenes Feuer in seiner Mitte. Dann bewegte Leon sich. Ein langsamer, tiefer Zug, gefolgt von einem noch langsameren, brutalen Stoß zurück. Es war kein schnelles, hämmerndes Ende wie zuvor. Dies war messbar, grausam absichtlich.
Jeder Stoß schob Alex gegen die Wand. Sein eigener, aufreizenger Schwanz wurde zwischen seiner Bauchdecke und dem rohen Holz zerrieben, eine zweite Quelle roher, schmerzhafter Reibung. Er konnte nicht anders, als sich im Takt zu bewegen, den schwanz vor und zurück zu reiben, um wenigstens diese Empfindung zu steigern, den alptraumhaften Kreislauf aus Schmerz und Erregung zu vervollständigen.
„Sag’s,“ forderte Leon, sein Atem kam in heißen Stößen. „Sag, was du bist.“
„Ich… ich weiß es nicht mehr,“ gestand Alex, seine Stimme brach gegen das Holz.
„Doch.“ Leon stieß besonders hart zu. „Du bist leer. Du bist ein Gefäß. Und ich fülle dich mit der einzigen verdammten Wahrheit, die wir noch haben.“
Die Demütigung traf tiefer als der physische Schmerz. Und sie entfachte etwas. Eine unterwürfige, alles verzehrende Flamme. Alex gab endgültig nach, ließ seinen Körper schlaff werden, ein willenloses Objekt für Leons Gebrauch. Diese vollkommene Aufgabe trieb Leon über den Rand. Seine Bewegungen verloren die Kontrolle, wurden zu einem hastigen, stolpernden Stampfen. Ein erstickter Fluch, dann das heiße, pulsierende Füllen tief in Alex’ Innerem.
Der abrupte innere Warmreiz jagte Alex über seine eigene Kante. Sein Orgasmus war wortlos, eine stumme Konvulsion, die ihn gegen die Wand hämmerte, während sein Samen über das morsches Holz und seine eigenen Finger spritzte.
Leon blieb in ihm, sein Gewicht hielt Alex gefangen. Sie blieben so, bis ihre Atmung sich nur mühsam beruhigte. Dann zog Leon sich zurück. Das Geräusch war nass, intim, erniedrigend. Alex rutschte die Wand hinab auf den schmutzigen Boden.
Lange Zeit war nur das Rascheln von Kleidung zu hören, als sie sich notdürftig wieder bekleideten. Der Gestank ihrer Vereinigung hing neu in der schon verbrauchten Luft.
„In einer Stunde gehen wir weiter,“ sagte Leon, seine Stimme war jetzt wieder völlig sachlich, als hätte er gerade eine Maschine gewartet. „Wir brauchen Wasser. Und etwas zu essen, das nicht aus einem Mülleimer stammt.“
Alex, noch immer auf dem Boden, richtete den Blick auf die dunkle Silhouette des anderen. Die Kälte kroch wieder in seine Knochen, aber das innere Zittern hatte aufgehört. Es war eine leere, stumpfe Ruhe eingekehrt. „Und dann? Zur Villa bei Wandlitz?“
„Ja. Wir finden heraus, ob er dort ist.“ Leon bewegte sich zur Tür, spähte durch einen Spalt nach draußen. „Und wenn er es ist, machen wir ein Ende. Nicht nur für Katta. Für alles.“
Draußen begann der östliche Himmel hinter den Kiefern ein schwaches, drohendes Grau anzunehmen. Nicht die Hoffnung eines neuen Tages, sondern die bloße Tatsache seiner Ankunft.