Chapter 156: Chapter 156
Die Rückfahrt war ein einziges, vibrierendes Summen. Sie sprachen kaum. Die Luft im Auto war erfüllt von der physischen Erinnerung an den Tag, vom Geruch ihrer Körper, vom Lehm, der von ihren Schuhen auf den Teppich rieselte. Leon fuhr mit einer konzentrierten Ruhe, als transportiere er explosive Fracht.
In Alex’ WG warf Leon seine Jacke über den Stuhl. Die vertraute Unordnung des Zimmers wirkte plötzlich wie eine Kulisse, fremd und klein. Die Decke von der Klippe lag noch immer zusammengeknüllt im Fußraum des Golfs, eine stumme Zeugin.
„Ich habe keinen Zentimeter meines Körpers, der nicht an dich erinnert“, sagte Alex und ließ sich auf die Couch fallen. Die Stoffbezüge rochen nach altem Tabak und dem Mitbewohner, der ständig asiatisch kochte. Es war ein krasser Kontrast zu der offenen Luft.
Leon stand am Fenster, blickte in den dunklen Hinterhof hinab. „Das ist der Punkt. Das ist immer der Punkt.“ Er drehte sich um. Sein Gesicht war im Halbdunkel der Stehlampe ernst. „Heute… das war anders. Das war nicht mehr nur wir.“
„Sie haben uns gesehen. Und wir sie.“ Alex schluckte. Die Erregung war verraucht, zurück blieb eine tiefe, beunruhigende Verwirrung. „Was macht das mit uns?“
Leon kam zu ihm, kniete sich vor die Couch, legte seine Hände auf Alex’ Knie. Seine Hände waren immer noch rau von der Baumrinde. „Es macht uns wahrer. Konkreter. Zwei andere Menschen haben bestätigt, was wir sind. Sie haben es nicht nur gesehen, sie sind davon angesteckt worden. Sie haben es nachgemacht.“ Ein langsames, triumphierendes Lächeln legte sich um seinen Mund. „Wir sind keine Gespenster mehr, Alex. Wir sind eine Tatsache.“
Diese Worte brannten sich ein. Alex zog Leon zu sich auf die Couch. Sie küssten sich, nicht mit der gierigen Wucht von vorher, sondern mit einer neuen Art von Dringlichkeit. Es war ein Kuss der Besiegelung. Kleider wurden weggeworfen, ineinander verhakt, über die Armlehne gezogen. Sie landeten nackt auf dem alten Teppich, der gegen die nackte Haut kratzte.
Leon lag auf ihm, sein Gewicht war eine vertraute, willkommene Last. Sein Schwanz, halbsteif, lag schwer auf Alex’ Bauch. „Ich will dich so“, flüsterte Leon. „Hier. In deinem langweiligen WG-Zimmer. Mit dem ganzen Dreck des Tages noch an uns. Ich will in den Arsch ficken, der diesen Typen auf der Klippe gezeigt hat, wer wir sind.“
Die Worte waren schmutzig und genau richtig. Alex spreizte die Beine, zog die Knie an. Leon spuckte in seine Hand, rieb es sich grob über seinen Schwanz, der unter den Berührungen schnell wieder hart und dick wurde. Er positionierte sich, die Spitze drückte gegen den ringförmigen Muskel, der schon wund und nachgiebig vom langen Tag war.
„Jetzt“, stieß Alex hervor.
Leon stieß zu. Es war ein langsames, unnachgiebiges Eindringen, das einen tiefen, gutturalen Seufzer aus Alex herausholte. Er war ausgeleert und doch so voll. Leon bewegte sich anfangs langsam, jeder Zentimeter seines Schwanzes war spürbar in der engen, überempfindlichen Passage.
„Du gehörst mir“, keuchte Leon, sein Atem war heiß an Alex’ Ohr. „Du gehörst diesem. Dem, was wir heute gemacht haben. Dem, was wir sind. Diesem Arsch. Dieser Schwanz. Alles.“ Seine Stöße wurden härter, gezielter. Jeder Stoß schob Alex über den rauen Teppich. Alex umklammerte ihn, seine Nägel gruben sich in die verschwitzte Haut von Leons Rücken.
Die Bilder des Tages flackerten vor seinem inneren Auge auf: das Schilfrohr, das morsche Holz des Bootshauses, die erstickende Dunkelheit des Stollens, und dann die beiden silhouettenhaften Figuren auf der Klippe, die sich im Abendrot bewegten. Alles vermischte sich mit dem physischen Gefühl von Leon in ihm, auf ihm, um ihn herum.
„Sag es“, verlangte Leon, sein Tempo nahm zu, wurde zu einem hämmernden Rhythmus. „Sag, wem du gehörst.“
„Dir“, stöhnte Alex, seine Stimme brach. „Dem Tag. Der Sache. Alles.“
Leon kam mit einem erstickten Schrei, sein ganzer Körper spannte sich an, als spritze er sein Sperma tief in Alex’ Körper, als wolle er es dort für immer brandmarken. Die Wärme breitete sich aus, ein letztes, intimes Geschenk. Alex folgte kurz darauf, sein eigener Orgasmus schoss zwischen ihre eng aneinander gepressten Bäuche.
Sie blieben so liegen, atemlos, verschmolzen. Der Geruch von Sex und Schweiß und Waldboden erfüllte das kleine Zimmer.
Erst viel später, als sie sich voneinander gelöst hatten und nebeneinander auf dem Teppich lagen, sprach Alex in die Dunkelheit. „Und morgen?“
Leon drehte den Kopf. Das Lampenlicht fing sich in seinen Augen. „Morgen fahre ich zurück. Semester beginnt.“
Die Worte schienen den Raum kleiner zu machen. Die unmittelbare, atemlose Intensität der letzten Wochen, die sich in diesem einen Tag entladen hatte, traf auf die plumpe Realität von Entfernung und Alltag.
„Und was machen wir mit… dem?“, fragte Alex und meinte alles: den Pavillon, den See, den Stollen, die Klippe.
Leon setzte sich auf, sein nackter Rücken war eine Landschaft aus Schatten und Muskelsträngen. Er zog seine Jeans an, ohne Unterhose. „Wir tragen es mit uns. Wie eine Waffe. Oder einen Schatz.“ Er stand auf, ging zum Fenster. „Das nächste Mal… vielleicht suchen wir uns ein anderes Paar.“
Alex starrte ihn an. Das war keine Poesie. Das war ein Plan. Eine kalte, aufregende Klarheit trat an die Stelle der Verwirrung. Sie waren keine Gespenster. Sie waren eine Tatsache. Und Tatsachen konnten reproduziert werden.
Leon kam zurück, zog Alex hoch. „Komm, wir duschen. Ich muss noch den Lehm aus meinen Haaren kriegen.“
Unter dem lauwarmen Strahl, in der engen, verulkten Kabine, wusch Leon Alex’ Rücken. Seine Hände waren sanft, anders als vorhin. „Es wird nicht einfach“, sagte er, fast unhörbar über dem Rauschen des Wassers.
„Was?“
„Das Warten. Jetzt, wo wir wissen, wie es sein kann.“
Alex lehnte sich gegen ihn, das Wasser strömte über ihre Schultern. „Dann warten wir nicht. Wir machen es einfach. Immer wenn es geht.“
Leon drehte ihn um, küsste ihn, das Wasser lief ihnen in den Mund. „Genau“, sagte er. „Immer wenn es geht.“
Am nächsten Morgen stand der Golf vor der Tür, bereit für die Autobahn. Der Abschied war schnell, hart. Ein Kuss, der nach Kaffee und Entzug schmeckte. Leon stieg ein, warf einen letzten Blick auf Alex, der in der Tür seines Wohnheims stand.
„Bis bald, Tatsache“, rief Leon durch das offene Fenster.
„Bis bald.“
Der Golf bog um die Ecke und verschwand. Alex blieb noch lange stehen, spürte den wunden Schmerz in seinem Körper, ein angenehmes, beständiges Echo. Er ging zurück in sein Zimmer. Die Couch, der Teppich, alles war noch da. Aber nichts fühlte sich mehr langweilig an.
Er setzte sich an den Computer. Auf dem Bildschirmschoner zogen Wolken über eine alberne Berglandschaft. Er öffnete ein neues Dokument. Der Cursor blinkte.
Zuerst schrieb er nur ein Wort, groß und in Fettschrift: TATSACHE.
Dann begann er, alles aufzuschreiben. Jedes Detail. Den Geruch des Schilfs. Das Gefühl von morschem Holz unter den Handflächen. Die absolute Schwärze des Stollens. Und das Gesicht des Mannes auf der Klippe, Ben, im Moment der Ekstase, als ihre Blicke sich trafen.
Er schrieb, als könne er damit die Zeit einfrieren, bis zum nächsten „immer wenn es geht“.
Er schrieb, als könne er damit die Zeit einfrieren, bis zum nächsten „immer wenn es geht“. Die Tastatur klackerte unter seinen Fingern, ein nervöses Gegenstück zur Stille des Zimmers. Er beschrieb die Art, wie Leons Zähne in seiner Schulter gegraben hatten, als sie auf der Klippe standen und beobachtet wurden.
Zwei Wochen vergingen. Zwei Wochen aus Funkstille und dann plötzlich, um drei Uhr morgens, eine SMS: Kann nicht schlafen. Denke an den Lehm. Alex antwortete sofort: Ich auch. Und an das Gitter. Das war das Ritual. Kurz, intensiv, ein Aufflammen. Dann wieder nichts.
Der nächste Besuch wurde nicht geplant, er wurde befohlen. Ein Freitag, Leon rief an, seine Stimme war rau von zu wenig Schlaf und zu viel Kaffee. „Ich fahre jetzt los. Ich parke bei Kaufland. Du kommst runter. Wir haben vier Stunden.“
„Was ist mit deiner Seminararbeit?“
„Die kann mich mal. Ich brauch dich in meinem Mund.“
Alex zitterte, als er das Wohnheim verließ. Es war ein warmer Septembertag, aber ihm war kalt vor Erwartung. Leon stand neben dem Golf, eine Zigarette in der Hand, die Augen dunkel umringt. Sie sagten nichts. Sie stiegen ein. Leon fuhr nicht Richtung See. Er schlängelte sich durch die Innenstadt, hinaus in ein Gewerbegebiet am Stadtrand, voller flacher Lagerhallen und verlassener Grundstücke.
„Wo fahren wir hin?“
„Irgendwo neu.“
Sie fanden es zwischen einer stillgelegten Spedition und einem Schrottplatz: einen alten, verwilderten Friedhof. Die meisten Gräber waren aufgelassen, die Steine schief, das Eisen des Tores war verrostet und stand einen Spalt offen. Hohe Birken warfen bewegliche Schatten über das Unkraut. Leon stellte den Wagen hinter einer Mauer ab, außer Sichtweite der Straße.
„Hier ist es still“, sagte er einfach. Sie stiegen aus. Die Luft roch nach nassem Laub und verrottendem Holz. Leon ging voran, zwischen den Gräbern hindurch, zu einer großen, bogenförmigen Gruft aus dunklem Stein. Die Tür war eingeworfen, im Innern war es nur noch eine kleine, leere Kammer, gefüllt mit leeren Schnapsflaschen und Laub.
„In einer Gruft?“, fragte Alex. Seine Stimme hallte leise von den nassen Wänden wider.
„Warum nicht? Es ist privat. Und es ist öffentlich. Perfekt.“ Leon drehte sich um. Seine Hände waren schon an Alex’ Gürtel. Er knöpfte die Jeans auf, zog sie samt Boxershorts in einem ruckartigen Bewegungen hinunter. Die kühle Grabsteinluft traf Alex’ nackte Haut und ließ ihn erschauern. „Du hast gesagt, immer wenn es geht. Jetzt geht es.“
Leon ging in die Hocke, sein Gesicht auf Höhe von Alex’ Schwanz, der schon halbsteif war von der brutalen Direktheit. Er leckte einmal, langsam, die gesamte Länge von den Eiern bis zur Spitze. Alex stützte sich mit den Händen gegen den kalten Stein der Gruftwand, sein Kopf fiel nach hinten. Er sah die verwelkten Blätter, die in einer Ecke des Gewölbes lagen.
Dann nahm Leon ihn komplett in den Mund. Kein Vorspiel, keine Schonung. Sein Mund war heiß und fordernd, sein Rachen eng und unwiderstehlich. Seine Hände gruben sich in Alex’ Arschbacken, spreizten sie, während er weiter blies. Alex stöhnte, ein lautes, ungeschütztes Geräusch, das in der steinernen Kammer widerhallte. Irgendwo draußen rauschte ein Auto vorbei.
„Leon…“ keuchte Alex.
Leon ließ ihn mit einem nassen, gurgelnden Geräusch los. Sein Kinn glänzte. „Ruhig. Du weckst die Toten auf.“ Er stand auf, drehte Alex mit brutaler Effizienz herum, beugte ihn über den abgerundeten Rand eines zerbrochenen Grabsteins, der in der Gruft lehnte. Der Stein war eiskalt und nass unter Alex’ flachen Händen. Er hörte, wie Leon seinen Reißverschluss öffnete, hörte das spuckende Geräusch.
„Ich habe keine Geduld heute“, knurrte Leon. Die eiskalte, mit Spucke benetzte Spitze seines Schwanzes drückte gegen Alex’ Loch. „Ich muss einfach nur rein.“ Er stieß zu, ein einziger, rücksichtsloser Stoß, der Alex’ ganzen Körper nach vorne warf. Es brannte, dieser vertraute, sengende Schmerz der unzureichenden Vorbereitung, der sie beide irgendwie immer noch mehr anfeuerte.
Leon fickte ihn mit einem gleichmäßigen, tiefen Rhythmus, jeder Stoß ein abgehacktes, nasses Geräusch in der Stille des Friedhofs. Seine Hände umklammerten Alex’ Hüften so fest, dass es am nächsten Tag blaue Flecken geben würde. Alex presste seine Stirn gegen den kalten Stein, jeder Atemzug formte eine kleine Wolke in der kühlen Luft. Sein eigener Schwanz schlug hart gegen die raue Steinkante unter ihm.
„Sag mir, wem dieser Arsch gehört“, forderte Leon, seine Stimme ein heiseres Flüstern direkt an Alex’ Ohr. Seine Bewegungen wurden unregelmäßiger, härter.
„Dir… nur dir, du Arschloch…“, stöhnte Alex zurück, die Worte zerbrachen in seinem Mund.
„Und was bin ich?“
„Eine Tatsache.“ Das Wort entfuhr ihm als erstickter Schrei, als Leon genau in diesem Moment noch tiefer stieß. Es war zu viel. Die Kälte des Steins, die Wärme von Leons Körper, der Tabak- und Schweißgeruch in seiner Kleidung, der zugige Modergeruch der Gruft. Alex kam mit einem heulenden Stöhnen, sein Sperma spritzte gegen den alten Grabstein und tropfte auf das moosbewachsene Steinpflaster unter ihnen.
Das löste Leon aus. Er drückte Alex noch fester gegen den Stein, sein ganzes Gewicht dahinter, und kam mit einem langen, brutalen Stöhnen. Alex spürte, wie die heiße Flut ihn von innen füllte, ein intensiver Kontrast zur kühlen Luft auf seiner Haut. Sie blieben so, keuchend, verbunden, für einen langen Moment.
Dann ein Geräusch. Ein Knacken. Ein Zweig, der draußen brach.
Leon erstarrte in ihm. Alex riss die Augen auf. Durch den eingeworfenen Eingang der Gruft, zwischen den herabhängenden Ranken von Efeu, sah er eine Bewegung. Zwei Schatten. Menschen. Sie standen vielleicht zehn Meter entfernt zwischen den Gräbern, starrten direkt in die dunkle Öffnung.
„Scheiße“, flüsterte Leon. Er zog sich langsam aus Alex heraus. Eine Mischung aus Sperma und Spucke lief Alex an seinen Innenseiten herunter. Keiner von ihnen bewegte sich. Die beiden Schatten bewegten sich auch nicht. Es war ein Mann und eine Frau, mittleren Alters, vielleicht auf einem Spaziergang. Sie waren nicht anstößig, nicht wütend. Sie sahen einfach nur. Genau wie Tom und Ben auf der Klippe. Ihre Gesichter waren im Schatten unlesbar.
Leon, noch mit seinem hängenden Schwanz draußen, hob langsam eine Hand. Eine Geste. Keine Verteidigung, keine Entschuldigung. Ein einfaches Heben der Hand. Der Mann draußen zögerte. Dann, fast unmerklich, nickte er. Kein Lächeln. Ein einfaches, anerkennendes Nicken. Er legte einen Arm um die Schultern der Frau, drehte sie sanft weg und führte sie zwischen den Gräbern davon.
Atemlose Stille füllte die Gruft. Alex zitterte am ganzen Körper, eine Mischung aus Adrenalin, Kälte und ekstatischer Scham.
„Sie haben… sie haben wieder…“, brachte Alex hervor.
Leon zog seine Hose hoch, sein Atem ging immer noch stoßweise. „Ja.“ Er sagte es mit einer endgültigen Ruhe. „Sie haben gesehen. Und sie sind weitergegangen.“ Er half Alex, sich aufzurichten, wischte mit einem Papiertaschentuch grob über seinen Bauch. „Es ändert nichts. Es bestätigt alles.“
Alex zog seine Kleider mit zitternden Fingern hoch. Die Begegnung hatte keine erotische Ladung wie auf der Klippe. Sie war nüchterner, direkter. Und in ihrer Art vielleicht noch bestätigender. Es gab keinen gemeinsam geteilten Orgasmus, nur einen gemeinsamen, stillen Blick. Eine reine, unverschämte Wahrnehmung.
Sie verließen die Gruft, gingen langsam zwischen den Gräbern zurück zum Auto. Die Welt draußen war genau gleich geblieben. Die Sonne schien immer noch. Irgendwo hämmerte jemand.
Im Auto drehte Leon die Heizung auf hoch. „Frierst du?“
„Ja. Nein. Ich weiß nicht.“ Alex biss die Zähne zusammen, um ihr Klappern zu stoppen. „Das war… anders.“
Leon startete den Motor. „Nächstes Mal ein Museum. Oder eine Bibliothek.“ Er sagte es sachlich, wie die Planung eines Geschäftstermins.
Alex sah ihn an. In Leons Profil lag eine ruhige Entschlossenheit, die die ganze surreale Absurdität des Erlebten in etwas Normales, Machbares verwandelte. Die Tatsache war unterwegs. Sie suchte sich neue Räume. Es gab kein Zurück mehr davon.
„Bibliothek“, stimmte Alex leise zu. Er lehnte den Kopf an die kalte Scheibe und schloss die Augen, während Leon aus dem Gewerbegebiet zurück auf die Umgehungsstraße fuhr, Richtung Alltag, Richtung vier Stunden, die schon fast um waren.
Er lehnte den Kopf an die kalte Scheibe und schloss die Augen, während Leon aus dem Gewerbegebiet zurück auf die Umgehungsstraße fuhr, Richtung Alltag, Richtung vier Stunden, die schon fast um waren. „Nächsten Samstag“, sagte Leon. Die Worte waren kein Vorschlag. Sie waren ein Befehl, der im Rhythmus der Scheibenwischer hing. „Ganzer Tag. Ich hole dich um sieben ab.“
„Wohin?“
„Wo ich will.“
Die kommende Woche zerrann in einem trüben Strom aus Vorlesungen und leeren Kaffeetassen. Alex ging durch seine Routine, sein Körper ein fremdes, gespanntes Instrument. Jedes Klingeln des Handys ließ ihn zusammenfahren. Die Texte waren knapp, bildhaft. Denk an den Grabstein. Denk an mein Come in deinem Arsch. Er schrieb zurück: Meine Bettwäsche riecht immer noch nach dem Moor von dem See. Diese ausgetauschten Fragmente waren die eigentliche Realität; alles andere war Warten.
Samstagmorgen, sieben Uhr. Der Golf war da. Alex stieg ein. Leon reichte ihm einen eiskalten Energy-Drink. „Trink. Wir fahren weit.“ Sie fuhren nach Süden, das Ruhrgebiet hinter sich lassend, hinein in das bergige, waldreiche Sauerland. Die Fahrt dauerte fast zwei Stunden. Sie sprachen über Belangloses, während die Spannung zwischen ihnen wie eine unsichtbare Folie auf dem Armaturenbrett vibrierte.
Leon verließ die Autobahn, folgte kleinen, kurvigen Straßen, bis sie zu einem Forstweg abbogen, der mit einem groben „Zufahrt Verboten“-Schild versehen war. Er fuhr hundert Meter hinein, bis der Weg an einem umgestürzten Baum endete. „Ab hier zu Fuß.“ Die Luft roch nach feuchtem Farn und Fichtenharz. Es war still, nur das Rascheln von Eichhörnchen im Laub.
Sie wanderten zwanzig Minuten einen steilen Pfad hinauf. Alex’ Atem ging keuchend, sein Schweiß klebte unter dem Rucksack. Dann öffnete sich der Wald zu einer felsigen Kuppe. Unter ihnen breitete sich ein kleines, smaragdgrünes Tal aus, durchzogen von einem Bach. Direkt an ihrem Aussichtspunkt, halb vom Gebüsch verdeckt, stand die verrostete Hülle eines alten Forstarbeiterwagens, ohne Räder, die Fenster eingeschlagen.
„Willkommen im Büro“, grinste Leon und warf seinen Rucksack auf den moosbedeckten Boden vor dem Wrack. Die Szenerie war perfekt: abgeschieden, mit dem unberechenbaren Publikum der Natur. Sie aßen belegte Brote, tranken Wasser, sagten kaum etwas. Die Vorbereitung war rituell. Dann stand Leon auf, öffnete seinen Hosenstall. Sein Schwanz war bereits steif. „Komm her.“
Alex kniete sich vor ihn auf das feuchte Moos. Er nahm ihn sofort tief in den Mund, würgte bewusst am dicken Kopf, spürte, wie die Adern unter seiner Zunge pulsierten. Leons Hände fuhren in sein Haar, nicht führend, nur haltend. „Langsamer“, stöhnte Leon. „Genau so. Deine verdammte Zunge.“ Alex gehorchte, ließ ihn flach auf der Zunge liegen, leckte präzise den empfindlichen Strang unter der Eichel, bis Leon zitterte.
Dann schob Leon ihn weg. „Jetzt du. Gegen den Wagen.“ Er drehte Alex um, beugte ihn über die heiße, verbeulte Motorhaube des alten Wagens. Das Metall brannte durch das dünne T-Shirt. Leon zog Alex’ Hosen und Boxershorts bis zu den Knien hinunter, spuckte ihm großzügig zwischen die Backen. Seine Finger, rau und forsch, fuhren sofort in ihn hinein, dehnten ihn nur flüchtig. „Brauchst du mittlerweile eh nicht mehr, oder? Dein Arschloch kennt den Weg.“
Der erste Stoß raubte Alex den Atem. Leon drang mit einer brutalen Geradlinigkeit ein und füllte ihn komplett aus. Alex schrie auf, ein kurzer, scharfer Laut, den die Bäume verschluckten. Leon begann sofort zu ficken, ein heftiger, gleichmäßiger Rhythmus, der den alten Wagen zum Wackeln brachte. Das Klirren von losem Glas in den Scheibenrahmen begleitete jedes tiefe, nasse Eindringen. „So gehört sich das“, keuchte Leon, sein Griff um Alex’ Hüften eisern. „Mitten im Nirgendwo. Nur für mich.“
Sie wechselten den Ort, nicht die Gier. Eine halbe Stunde später, weiter talwärts am Bach, wo das Wasser über flache Steine rauschte. Leon saß auf einem großen, glatten Felsen, zog Alex rittlings auf seinen Schoß. Alex sank auf ihn herab, nahm seinen Schwanz in einer langsamen, qualvollen Bewegung in sich auf, die beide stöhnen ließ. „Beweg dich, du Schlampe“, knurrte Leon, seine Hände packten Alex’ Arschbacken, zerrissen sie förmlich auseinander, während Alex auf und ab ging. Das Plätschern des Bachs übertönte ihre atmosphärischen Flüche nicht.
Der dritte Ort war eine kleine, dunkle Holzunterstand, vielleicht für Jagdaufseher, voll mit modrigen Decken und leeren Flaschen. Hier hatte Leon Alex auf allen Vieren, sein Gesicht in eine der muffligen Decken gedrückt, und nahm ihn vom Hund, so tief und so hart, dass Alex’ Schreie im Stoff erstickten. Jedes Mal, wenn Leon ihn mit seinem vollen Gewicht traf, rutschte Alex auf den alten Dielenböden vorwärts. Es war roh, mechanisch, ein reiner Akt des Besitzens.
Spätnachmittag fanden sie eine Lichtung, die von hohem Adlerfarn umgeben war. Die Sonne stand tief und warf lange, warme Streifen. Sie waren beide wund, erschöpft, aber der Drang war ungestillt. Leon schob Alex auf den weichen Teppich aus vergangenem Herbstlaub. „Auf den Rücken.“ Er kroch zwischen Alex’ Beine, seine eigene Hose nur noch um die Knöchel, sein Schwanz glänzte feucht von ihren vorherigen Runden. Er schob Alex’ Knie weit auseinander, so dass alles offen lag, rot und gebraucht. Dann, ohne Vorwarnung, beugte er sich vor und leckte ihn, einen langsamen, groben Streich mit der flachen Zunge über das wunde, zuckende Loch.
Alex bog sich unter der Berührung. „Leon… bitte…“
„Bitte was?“
„Fick mich. Einfach nur. Beende es.“
Leon richtete sich auf, positionierte sich. In diesem Moment, als seine Spitze gerade wieder an Alex’ Eingang pressete, knackte ein dicker Ast am Rand der Lichtung. Nicht das leichte Rascheln eines Tieres. Dies war schwer, absichtlich.
Beide erstarrten. Ihre Blicke fuhren zur Quelle des Geräusches. Zwischen den Farnwedeln standen zwei Personen. Ein Mann, eine Frau. vielleicht Ende zwanzig. Outdoor-Jacken, Wanderstöcke. Sie standen einfach da und starrten. Ihre Gesichter waren nicht entsetzt. Sie waren fasziniert. Der Mann hatte seinen Arm um die Frau gelegt, seine Hand lag fest auf ihrer Hüfte.
Zeit schien stillzustehen. Der Mann tauschte einen Blick mit seiner Frau, ein kurzes, intensives, wortloses Gespräch. Dann, statt sich abzuwenden, schob der Mann seine Hand unter den Saum ihrer Jacke, unter ihr T-Shirt. Seine Finger krümmten sich um ihre Brust. Die Frau ließ ihren Wanderstock fallen. Ihre Hand tastete nach vorne, umschloss den offensichtlichen Wulst in der Wanderhose des Mannes.
Leon, dessen Blick noch immer auf ihnen ruhte, bewegte sich. Er stieß zu. Ein tiefer, vollständiger Stoß, der Alex’ Blick wieder auf ihn zog. „Sieh hin“, befahl Leon, sein Atem ein heißes Geflüster. Alex drehte den Kopf zur Seite, sah, wie der Fremde jetzt die Hose seiner Frau öffnete, wie seine Hand in ihren Bund verschwand. Die Frau stützte sich mit einer Hand an einem Baumstamm ab, ihr Kopf fiel zurück.
Leon begann zu ficken, einen langsamen, messerscharfen Rhythmus. Jeder Rückzug, jeder erneute, tiefe Eindruck war eine ausgeführte Demonstration. Auf der Lichtung, zehn Meter entfernt, wiederholte das Paar die Bewegung in ihrer eigenen, verzerrten Pantomime. Der Mann hatte seine Frau jetzt nach vorne über den Baumstamm gebeugt, ihre Wanderhose zu den Knien heruntergestreift. Sein eigenen Schwanz, hart und blass im dämmrigen Licht, drückte gegen sie.
Kein Wort wurde gesprochen. Das einzige Geräusch war das gemeinsame, schnelle Keuchen, das Knacken von Laub unter schwankenden Körpern, das feuchte, charakteristische Klatschen von Fleisch auf Fleisch – von beiden Paaren gleichzeitig. Es war ein groteskes, atemberaubendes Synchron-Ballett.
Leon’s Tempo verschärfte sich, wurde unregelmäßig, hektisch. Alex spürte, wie der Orgasmus in seinem Unterleib zusammenzog, unaufhaltsam. Der fremde Mann stieß jetzt heftig, brutal gegen seine Frau, ihr gemeinsames Stöhnen wurde lauter, rauer. Leons Finger gruben sich wie Krallen in Alex’ Hüften. „Komm für sie“, würgte Leon hervor. „Jetzt!“
Die Befreiung war gewaltsam und simultan. Alex’ Körper wand sich, als ein stummer Schrei seine Lippen verließ, während sein Samem in Streifen über seinen eigenen Bauch und das Laub schoss. Im selben Augenblick fühlte er, wie Leon’s Kommen in ihn hinein explodierte, eine flutende, pulsierende Wärme. Gleichzeitig hörte er das gutturale, triumphierende Brüllen des fremden Mannes und den durchdringenden Schrei der Frau, die von ihrem eigenen Höhepunkt durchgeschüttelt wurde.
Dann, Stille. Nur schweres, röchelndes Atmen aus vier Kehlen. Leon brach über Alex zusammen, sein Schweiß vermischte sich mit Alex’. Das andere Paar hing ebenfalls erschöpft und verbunden über dem Baumstrunk. Für einen langen, undefinierbaren Moment lag die intime Ekstase zweier völlig fremder Paare gemeinsam in der feuchten Luft der Lichtung.
Der Fremde war der Erste, der sich bewegte. Er zog sich von seiner Frau zurück, half ihr, sich aufzurichten. Sie zogen wortlos ihre Hosen hoch, richteten ihre Kleidung. Sie warfen keinen letzten Blick herüber. Sie sammelten ihre Wanderstöcke auf und schlugen, Seite an Seite, ohne Eile, einfach einen anderen Pfad in den Wald ein und verschwangen zwischen den Bäumen.
Leon rollte von Alex herunter, lag neben ihm im Laub. Der Himmel über den Wipfeln war jetzt lila. „Das“, sagte er atemlos, „war neu.“
„Ja.“ Alex konnte nicht mehr sagen. Sein ganzes Wesen fühlte sich ausgebrannt und neu kalibriert an. Diese letzte Bestätigung war keine stille Wahrnehmung vom Friedhof und kein mitfühlendes Mitmachen von der Klippe. Es war eine reine, unverhohlene Spiegelung. Ein anderer Bedarf, genährt von ihrem eigenen.
Sie kleideten sich schweigend an. Der Marsch zurück zum Auto fühlte sich an wie das Verlassen einer Bühne nach der ultimativen Vorstellung. Im Auto saß Alex da, sein Körper ein kompliziertes Archiv aller Berührungen des Tages. Leon startete den Motor. Die Scheinwerfer schnitten in die einbrechende Dunkelheit des Forstwegs.
„Bibliothek nächste Woche?“, fragte Alex, seine Stimme war heiser.
Leon schaltete in den ersten Gang. „Denk doch größer. Stadtbad. Sauna. U-Bahn-Schleuse.“ Er warf ihm einen Blick zu, sein Gesicht im grünlichen Licht der Instrumente gespenstisch und absolut entschlossen. „Wir sind eine Tatsache. Und Tatsachen muss man überall hinaustragen.“