Chapter 146: Chapter 146
Der Mittwochabend roch nach Regen und faulenden Blättern. Alex saß an seinem Schreibtisch, die Vorlesungsunterlagen unberührt vor sich. Sein Laptop war aufgeklappt. Das grelle Licht des Bildschirms warf einen bläulichen Schimmer auf sein Gesicht. Er starrte nicht auf Uni-Sachen. Er starrte auf das quadratische, vertraute Gitterprofil von Grindr.
Sein eigener Profilname war einfach: Alex_18. Das Bild zeigte ihn von der Seite, unscharf, in der Halbdunkelheit seines Zimmers aufgenommen. Es war vor drei Wochen entstanden, auf Leons Anweisung hin. „Man muss was bieten. Aber nicht zu viel.“
Leon lag auf Alex’ Bett, die Beine übereinandergeschlagen, und rauchte. Sein Profil war Leo_n. Sein Bild war noch abstrakter, nur der untere Teil seines Gesichts, der Mund, der eine Zigarette hielt. Sie taten es immer zusammen so, eine Art dreistündiges Vorspiel zum Donnerstag. Das Suchen, das Schreiben, das Verhandeln war Teil des Rituals geworden, vielleicht der einzige Teil, in dem Alex noch ein Gefühl von Agency hatte, auch wenn es eine trügerische war.
„Der da sieht vielversprechend aus“, sagte Leon und deutete mit seiner Zigarette auf Alex’ Bildschirm. Ein Profil namens TommyT. Bild: ein Junge in einem engen weißen Tanktop, der seine schmalen, aber definierten Arme zur Schau stellte. 19. 5km entfernt.
Alex klickte das Profil an. Die Beschreibung: Suche spontan Spaß. Keine Komplikationen.
Er atmete tief ein, dann begann er zu tippen.
Alex_18: Hey. Was heißt bei dir spontan?
Die Antwort kam innerhalb von Sekunden.
TommyT: Jetzt. Heute. Du?
Alex_18: Könnte passen. Wo?
TommyT: Bei mir geht nicht. WG. Du hast Ort?
Alex sah zu Leon hoch. Leon zuckte mit den Schultern, nickte dann. „Klassisch. Wir haben Ort.“
Alex_18: Hab Ort. Zu zweit. Cool?
Es dauerte etwas länger. Alex spürte, wie sein Nacken verspannte.
TommyT: Ihr seid zwei? Beide 18?
Alex_18: Ja und ja.
TommyT: Was habt ihr vor?
Alex überlegte. Leon blies Rauchringe. „Schreib: Wir wollen dich ficken. Ganz einfach.“
Alex tippte: Wir wollen dich durchnehmen. Hart. Seine Finger zitterten leicht. Das Sent-Symbol machte ein Whoosh-Geräusch.
Die drei Punkte, die anzeigten, dass TommyT schrieb, tauchten auf, verschwanden, tauchten wieder auf. Eine Ewigkeit.
TommyT: Bin eigentlich eher passiv. Klingt gut. Adresse?
Sie schickten die Adresse der WG. Keine Wohnungsnummer. TommyT sagte, er sei in einer halben Stunde da. Es war erledigt. Ein weiterer Körper für Donnerstag bestellt.
„Noch einen finden“, sagte Leon und stupste seine Zigarette in einem leeren Jogurtbecher auf dem Nachttisch aus. „Zwei sind besser. Fühlt sich mehr nach was an.“
Alex scrollte weiter. Die Gesichter und Körper zogen vorbei, eine endlose Parade von Begierde und Einsamkeit. Ein Profil namens Jannik_19 sprang ihn an. Ein lässiges Bild, in einem Park gemacht. Lächelnd. Das Lächeln sah echt aus. Das war gefährlich.
„Der hier“, sagte Alex, seine Stimme belegter als gewollt.
Leon beugte sich vor. „Der sieht aus, als ob er kuscheln will. Nicht unser Typ.“
„Vielleicht mal was anderes“, murmelte Alex, aber er wusste, dass es Unsinn war. Donnerstag war nicht für ‚was anderes‘. Donnerstag war eine Pflicht.
Er schrieb trotzdem.
Alex_18: Hey. Lust auf Abenteuer zu dritt?
Die Antwort ließ auf sich warten. Alex öffnete eine neue Flasche Bier, die auf dem Fußboden stand. Er trank sie in langen Zügen halb leer. Das kalte Bier spülte die Trockenheit aus seinem Mund, die der Grindr-Stress verursacht hatte.
Jannik_19: Zu dritt? Klingt intensiv. Ihr sucht einen dritten?
Alex_18: Ja. Jetzt. Bei uns.
Jannik_19: Und macht ihr was Bestimmtes? Bin zwar neugierig, aber kein Fan von Grobheiten.
Leon, der über Alex’ Schulter mitgelesen hatte, schnaubte verächtlich. „Lass den. Der will ne Beziehung. Wir wollen ein Arschloch.“
Alex ignorierte ihn.
Alex_18: Nichts grob. Einfach Spaß.
Die drei Punkte tauchten auf. Dann: Sorry. Nicht mein Ding. Viel Glück.
„Hab ich dir gesagt“, sagte Leon und klopfte Alex auf die Schulter, ein klammes, patronisierendes Klopfen. „Such dir einen, der schon versteht, was abgeht.“
Sie fanden schließlich einen zweiten. Kevin_mit_K. 20. Sein Bild war nur eine Nahaufnahme eines Piercings in seinem Nippel. Seine Nachrichten waren direkt, ohne Punkt und Komma. Bock auf ficken bin ganz in der Nähe kann sofort kommen.
Die Sache war in zwei Minuten geregelt. Zwei Jungs. In vierzig Minuten. Das Protokoll war etabliert.
Als der Bildschirm wieder schwarz war, zündeten sie sich gleichzeitig neue Zigaretten an. Der Rauch vermischte sich unter der Deckenlampe. „Noch zwei Donnerstage“, sagte Leon. „Dann wissen wir’s.“
Alex nickte. Er spürte die Erwartungsangst schon wie einen dumpfen Schmerz in der Magengrube. Er stand auf und ging in die Küche. Punkt 20:10. Er holte zwei Flaschen Korn aus dem Gefrierfach, wo Leon sie für den perfekten, öligen Geschmack kühlte. Er stellte die Gläser auf den Tisch. Seine Hände waren ruhig. Das war das Schlimmste, fand er. Dass seine Hände nicht mehr zitterten.
Leon kam dazu. Sie stießen nicht an. Sie tranken. Der erste Korn war wie flüssiges Feuer, der zweite wie ein stumpfer Schlag. Alex trank sein Glas schneller leer als Leon, füllte es sofort wieder. „Heute machst du’s aber eilig“, grinste Leon.
„Will’s hinter mich bringen“, sagte Alex und spürte, wie die Hitze in seinem Kopf zu summen begann. Der Lärm in seinem Schädel übertönte langsam die leisen Zweifel.
Es klingelte kurz nacheinander. Zuerst TommyT, pünktlich, nervös lächelnd an der Haustür, ein Duft von billigem Duschgel um ihn herum. Minuten später Kevin, der eher hereinplatzte als eintrat, mit kahl rasierten Seiten und einem Blick, der schon umherschweifte, als suche er eine Schwachstelle.
Leon’s Zimmer schien bei der Ankunft des zweiten Gastes noch kleiner, noch stickiger zu werden. Die Luft war sofort gesättigt mit der Anspannung von vier jungen Männern, die wussten, warum sie hier waren, aber nicht, wie es genau ablaufen würde.
Kevin grinste breit, als er sich umsah. „Coiler Raum für ne Party.“
TommyT sagte nichts. Er setzte sich auf die Bettkante, genau wie Finn es vor zwei Wochen getan hatte. Alex beobachtete ihn und sah die gleiche Mischung aus Angst und Erregung. Das Muster war vorhersehbar geworden. Langweilig fast.
Leon verteilte Bier. Sie tranken stehend, ein verlegenes Klirren von Flaschen. Die trübe, alkoholische Vertrautheit begann ihre Arbeit zu tun. Kevin fing an, laut über eine Vorlesung zu lästern. TommyT lächelte schüchtern. Alex trank sein Bier und dann noch einen Korn aus der Flasche, die er aus der Küche mitgebracht hatte. Das Summen wurde zu einem Brausen. Die Kanten der Realität verschwammen.
„Also, wie läuft das jetzt?“, fragte Kevin direkt und stellte seine leere Flasche mit einem Knall auf den Schreibtisch. „Ich bin nicht der Geduldigste.“
Leon trat vor. Seine Bewegungen waren sicher, geübt. Er stand vor TommyT, legte ihm eine Hand auf den Oberschenkel. „Du fängst an“, sagte er zu Alex, mit einem Blick zu TommyT.
Alex hörte sich selbst reden, als gehöre die Stimme jemand anderem. „Komm. Zieh dich aus.“
TommyT gehorchte, seine Finger zitterten an den Knöpfen seines Hemdes. Seine Brust war glatt und blass. Kevin lachte auf. „Der ist ja fast noch jungfräulich.“ Dann begann er sich selbst auszuziehen, viel lässiger, seine Jeans landeten in einer Ecke.
Alex zog auch sein Shirt aus. Der Vergleich war ihm egal. Er war nicht hier, um zu gefallen. Er war hier, um zu funktionieren. Er ging auf die Knie, als TommyT endlich nackt vor ihm stand. Der Schwanz des Jungen war halb steif. Alex nahm ihn ohne Zögern in den Mund. Es war eine mechanische Tätigkeit. Schmecken tat er fast nichts mehr. Es war einfach ein Stück Fleisch.
TommyT stöhnte sofort auf, ein überraschter, hoher Laut. Seine Hand landete unsicher auf Alex’ Kopf, dann wurde sie kühner, drückte ihn tiefer. Alex ließ es geschehen.
Er sah aus den Augenwinkeln, wie Leon zu Kevin ging. Sie küssten sich hart, beißend, mehr ein Kampf als eine Zärtlichkeit. Leon knöpfte Kevin’s Hose auf, griff hinein.
„Wir wechseln“, sagte Kevin nach einer Weile und schob Leon weg. Er kam auf Alex zu. Sein Schwanz war dick, unrasiert. Er schob Alex grob von TommyT weg. „Du machst mich jetzt schön feucht, Kleiner.“
Alex wechselte den Mund, würgte fast an der plötzlichen Größe. Kevin fasste ihn an den Haaren und fing an, seinen Hintern in Alex’ Gesicht zu stoßen. Jeder Stoß schob den Schwanz tiefer in seine Kehle. Er rang nach Luft, Tränen schossen ihm in die Augen.
Hinter ihm hörte er Bewegungen, ein Stöhnen von TommyT, dann ein unterdrücktes „Scheiße!“. Er konnte nicht hinsehen. Kevin hielt seinen Kopf fest. „Lutsch weiter, du Hurensohn.“
Dann war Leon hinter ihm. Alex spürte, wie Leon seine eigenen Jeans und Boxershorts herunterzog. Kalte Luft auf seinem nackten Arsch. Er spürte Leons Finger, der nicht sanft und nicht wirklich bereitend war. Nur kurz, dann die flache Spitze von Leons Schwanz.
Leon drang in ihn ein. Es war kein brennender Riss wie bei Nils. Es war ein drückendes, stumpfes Eindringen, ein gefühlloses Füllen. Leon stieß zu, ein gleichmäßiger, schneller Rhythmus. Der Schmerz war da, aber er war vertraut. Er gehörte dazu. Alex versuchte, sich auf das zu konzentrieren, was vorne geschah, auf den Penis in seinem Mund, aber die Stöße von hinten rissen ihn immer wieder aus der Konzentration.
„Jetzt den anderen Arsch“, keuchte Kevin. Er zog seinen Schwanz aus Alex’ Mund. Alex wandte den Kopf, sah, dass TommyT auf allen vieren auf dem Bett lag, sein Gesicht in den Kissen vergraben. Kevin trat hinter ihn.
Was dann geschah, war eine Kakophonie aus Geräuschen und Bewegungen. Leon fickte Alex doggystyle, seine schmalen Hüften klatschten gegen Alex’ Hinterbacken. Kevin nahm TommyT, der bei jedem Stoß einen gepressten, schmerzhaften Laut ausstieß. Der Raum roch nach Schweiß, Bier und dem süßlichen Geruch von billigem Gleitmittel, das Leon irgendwann aus der Schublade gezerrt hatte.
Die Positionen wechselten. Alex landete auf dem Rücken auf dem Boden, der schmutzige Teppich strubbelte an seiner Haut. Kevin kniete sich über sein Gesicht, schob ihm seinen Hoden in den Mund. „Leck mich, du Fotze.“ Gleichzeitig hob Leon Alex’ Beine hoch und drang wieder von vorne in ihn ein. Der doppelte Angriff auf seine Löcher ließ ihn kurzzeitig schwindlig werden. Er sah TommyT in der Ecke hocken, seinen eigenen Schwanz wichsen, mit tränenverschmiertem Gesicht, ein Bild des ekstatischen Elends.
Es ging immer weiter. Ein endloser Zyklus von Ficken und Blasen, Positionen wurden gewechselt wie Tanzpartner in einem brutalen, schweißtreibenden Reigen. Alex war nur noch ein Körper, ein Rohr, das benutzt wurde. Sein eigener Schwanz war hart, stand steif gegen seinen Bauch, unbeteiligt, ein reiner Reflex auf die mechanische Stimulation.
Irgendwann kam Kevin. Mit einem lauten Fluch spritzte er über Alex’ Bauch und Brust. Warme, klebrige Fontänen. Minuten später stieß Leon tief in Alex hinein und blieb stocksteif liegen, sein Samen pulsiert heiß in Alex’ Inneres.
Als Leon sich zurückzog, herrschte eine leere, keuchende Stille. Nur das Atmen von vieren. TommyT war auch gekommen, sein Sperma klebte ihm auf den Oberschenkeln.
Kevin stand als Erster auf. Er wischte sich mit einem der schmutzigen T-Shirts vom Boden grob ab. „Gut genutzt“, grunzte er anerkennend, als ob er von einem Gebrauchsgegenstand spräche. Er zog sich an und verließ wortlos das Zimmer.
TommyT brauchte länger. Er wirkte benommen, fast schockiert. Er zog seine Klamotten mit zitternden Fingern an, vermied jeden Blickkontakt. Als er fertig war, murmelte er ein fast unhörbares „Danke“ und verschwand.
Die Tür fiel ins Schloss. Alex blieb auf dem feuchten, klebrigen Boden liegen, umgeben von den Flecken ihrer Tat. Der Gestank war überwältigend. Dann, wie ein Uhrwerk, begann sein Magen sich zu drehen. Das ganze Bier, der Korn, das Adrenalin, der Ekel – es brach aus ihm heraus.
„Ich... ich muss kotzen“, würgte er und krabbelte auf Hände und Knie.
Er schaffte es nicht bis zum Bad. Er würgte über sich selbst, eine schaumige, gelbe Flut aus Bier und Magensaft schoss aus ihm und verteilte sich auf dem bereits besudelten Teppich. Er kotzte, bis sein Rachen brannte und sein Bauch krampfte. Salzwasser lief aus seinen Augen und vermischte sich mit der Kotze.
Leon stand an der Wand und sah zu. Er zündete zwei Zigaretten an, kn
reichte eine zu Alex hinunter. „Hier. Du bist ja völlig zugeschissen.“
Alex nahme die Zigarette mit schmutzigen Fingern. Der erste Zug brannte in seiner ausgetrockneten Kehle. Er rauchte, während sein nackter, besudelter Körper auf dem kotzverschmierten Teppich zitterte. Der Nikotinstich war der einzige Anker in einer Welt aus widerlichen Sensationen. „Noch ein Donnerstag“, krächzte er.
„Noch einer“, bestätigte Leon. Er klang nicht triumphierend. Nur feststellend.
Der darauffolgende Mittwochabend war von einer anderen, gezielteren Unruhe geprägt. Der Countdown stand im Raum, ein einzelner, pulsierender Tag. Alex saß wieder vor dem Laptop, aber statt ziellos zu scrollen, tippte er eine Nachricht, die er und Leon vorformuliert hatten.
Suche was Intensives für Donnerstag. Zeig mal, was du hast.
Es war eine Einladung zur Bewertung, eine Aufforderung zum Handel. Die Antworten kamen, pixelige Beweise männlicher Anatomie. Schwänze in Badspiegeln, auf unmöglichem Boxershorts, gegen Couchkissen gedrückt. Alex und Leon beugten ihre Köpfe über den Bildschirm, ihre Schultern berührten sich, zwei Chirurgen bei der Auswahl eines Instruments.
„Der da. Der hat was“, sagte Leon plötzlich und zeigte auf ein Bild, das ein Mitglied namens Marc_22 geschickt hatte. Es war eine Nahaufnahme, hart und aufrecht. Und da, durch die Eichel gestochen, der glänzende Metallring eines Prince Albert Piercings.
Alex fühlte einen seltsamen Stich, eine Mischung aus Ekel und fiebriger Neugier. Das war es. Das gesuchte Zeichen. Das objekthafte Detail, das den Akt von einer bloßen Entsorgung in etwas mit Bedeutung verwandeln sollte, auch wenn diese Bedeutung nur in ihrer eigenen kranken Logik bestand.
„Frag ihn, ob er heute kann“, sagte Leon, seine Stimme war leise und gespannt.
Alex_18: Gefällt uns. Bist du morgen abend frei?
Marc_22: Kann passen. Was habt ihr vor? Bin ziemlich dominant.
Alex sah Leon an. Leon nickte, seine Augen glitzerten im blauen Licht.
Alex_18: Wir sind zwei. Passiv. Zeig mehr.
Ein neues Bild traf ein. Marc, auf einem Bett liegend, den durchstochenen Schwanz in seiner vollen Länge in der Hand. Der Körper darunter war muskulös, behaart. Nicht mehr ein Junge. Ein Mann.
Marc_22: Das kriegt ihr. Adresse?
Sie schickten sie. Der Deal war gemacht. Diesmal gab es keine zweite Bestellung, keinen Kevin oder TommyT zur Ablenkung. Diesmal war es gezielt. Ein Ziel, eine Waffe, eine Handlung.
Donnerstag. 20:10 in der Küche. Der Korn schmeckte nach Reinigungsmittel und Verfall. Alex trank, bis die Gesichter an den Wänden zu wackeln begannen. Das vertraute, betäubende Brausen setzte ein. Leon war still, sein Blick auf die Küchenuhr gerichtet, als erwarte er einen Angriff.
Das Klingeln war anders. Bestimmt. Nicht zweimal, sondern ein langes, durchdringendes Drücken. Leon öffnete. Marc füllte den Türrahmen aus. Er trug eine schwarze Lederjacke und roch nach kaltem Rauch und einem teuren Deodorant. Sein Blick ging sofort über Leon hinweg, taxierte Alex, der im Fluerschatten stand.
„Ihr seid die Jungs“, sagte er. Eine Feststellung, keine Frage.
„Komm rein“, sagte Leon, und seine Stimme hatte einen Unterton, den Alex noch nie gehört hatte: Respekt, vermischt mit Angst.
In Leons Zimmer schien Marc die Luft zum Verschwinden zu bringen. Er zog die Jacke aus, warf sie über den Schreibtischstuhl. Sein Blick wanderte über die Unordnung, die schmutzigen Tücher, den alten Kotzfleck im Teppich, den niemand gereinigt hatte. Seine Nasenflügel bebten leicht.
„Ihr lebt ja wie die letzten Schweine“, stellte er fest, genauso sachlich wie Nils es getan hatte. Aber bei Marc klang es nach einem Urteil, das Konsequenzen haben würde.
„Stört dich das?“, fragte Alex. Der Korn gab ihm eine Härte, die er nicht fühlte.
Marc drehte sich langsam zu ihm um. Ein langsames, kaltes Lächeln spielte um seine Lippen. „Mich stört gar nichts. Mich interessiert nur, ob ihr haltet, was ihr versprecht. Ihr wollt gefickt werden. Richtig gefickt.“
„Ja“, sagte Leon. Die Stimme kam aus seiner Kehle gepresst.
„Dann zeigt mir, was ich benutzen darf. Zieht euch aus. Jetzt.“
Es war kein Spiel, kein Vorspiel. Es war eine militärische Anweisung. Alex fummelte an seinem Hemdknopf, seine Finger waren steif und ungeschickt. Leon war schneller, stand bald zitternd und blass in der Mitte des Zimmers. Marc musterte sie, als wären sie Fleischstücke auf einem Schlachtband. Sein Blick blieb an Leons schmalen Hüften hängen, an Alex’ breiterer Brust.
„Du“, er zeigte auf Leon. „Auf alle Viere. Du“, sein Finger wanderte zu Alex, „bleibst stehen. Du schaust zu.“
Leon gehorchte. Er ging auf den schmutzigen Teppich, beugte sich vor. Seine Wirbelsäule zeichnete sich wie eine Perlenkette unter der blassen Haut ab. Alex blieb wie angewurzelt stehen. Seine Trunkenheit schien zu verebben, weggespült von einer klaren, eiskalten Welle von Angst.
Marc öffnete seine Jeans. Sein Schwanz war schon steif, der Metallring glänzte feucht im schwachen Licht. Er trat hinter Leon. Es gab kein Spucken, kein Gleitmittel. Nur die rohe, unnachgiebige Spitze.
„Wartet…“, keuchte Leon, als er den Druck spürte.
„Halts Maul“, zischte Marc. Und dann drang er mit einem einzigen, gewaltsamen Ruck ein.
Leons Schrei war hoch und animalisch. Sein ganzer Körper verkrampfte sich, die Hände krallten sich in den Teppich. Marc stieß nicht sofort weiter. Er ließ ihn den Schmerz fühlen, ließ ihn die ungeheure, aufreißende Fülle des durchstochenen Schwanzes spüren. Der Ring rieb an dem empfindlichen inneren Gewebe.
Dann begann er zu ficken. Es war kein Rhythmus, es war eine Strafaktion. Jeder Stoß war tief, hart und mit einer drehenden Bewegung versehen, die das Metall gegen die empfindlichen Wände von Leons Innereien scheuern ließ. Das Geräusch war nass, fleischig, und unterlegt mit einem leisen, metallischen Scheuern.
Alex konnte nicht wegsehen. Leon heulte, sein Gesicht war in den Stoff gedrückt, seine Laute waren erstickt, gequält. Marc stieß und stieß, sein Gesicht eine Maske konzentrierter, grausamer Anstrengung. Seine Hände packten Leons Hüften, die Finger gruben sich in das Fleisch, bis weißliche Abdrücke zurückblieben.
„Siehst du das?“, keuchte Marc zu Alex hinüber, ohne den Takt zu unterbrechen. „Siehst du, wie dein Freund sein Arschloch für mein Piercing aufreißen lässt? Das willst du auch, oder? Du stehst darauf, du kleine schmutzige Fotze.“
Alex antwortete nicht. Sein eigener Atem kam in kurzen Stößen. Sein Schwanz war steinhart, ein verräterischer Verrat des eigenen Körpers. Der Anblick war abscheulich. Und unerträglich erregend.
Marc zog sich mit einem schmatzenden Geräusch aus Leon, der wimmernd auf dem Boden zusammenbrach. Marc’s Schwanz glänzte feucht, gemischt mit Blut und Schmiere. Der Ring war mit winzigen roten Fäden verziert.
„Jetzt du.“
Alex bewegte sich wie im Schlaf. Er legte sich auf den Rücken, neben Leon, der sich fetal zusammengerollt hatte. Marc kniete sich zwischen seine Beine, packte sie grob und warf sie Alex über die Schultern. Die kalte Luft traf sein nacktes, ausgeliefertes Loch.
„Bitte…“, flüsterte Alex. Er wusste nicht, worum er bat.
Marc spuckte. Ein dicker, warmer Klacks traf Alex’ Eingang. Es war keine Vorbereitung. Es war eine Demütigung. Dann drückte die mit Metall bewehrte Spitze gegen ihn.
Der Schmerz, als es eindrang, war anders. Schärfer. Ein brennendes, schneidendes Gefühl, als würde das Metall ihn von innen aufschlitzen. Alex schrie. Lauter als Leon. Marc drang weiter ein, Millimeter um Millimeter, und mit jedem Zentimeter rieb der glatte, harte Ring an der zarten Schleimhaut, kratzte und dehnte ihn auf unnatürliche Weise.
Als Marc vollständig in ihm steckte, blieb er wieder stehen. Alex fühlte ihn pulsieren, fühlte den fremden Metallkörper in seinem Inneren. Die Tränen liefen ihm unkontrolliert über die Schläfen, mischten sich mit dem Schweiß auf dem Teppich.
„Eng“, grunzte Marc anerkennend. Dann begann er.
Es war die reinste, konzentrierteste Qual, die Alex je erlebt hatte. Jeder Stoß war Feuer und Glas. Das Metall schürfte, kratzte, brannte. Alex brüllte, sein Körper bäumte sich auf, aber Marc hielt ihn mit eisernem Griff fest und hämmerte ihn unerbittlich in den schmierigen Teppich. Die Welt schrumpfte auf diesen einen, schrecklichen Punkt in seinem Körper zusammen.
Marc’s Atem ging keuchend, sein Gesicht war verzerrt vor animalischer Befriedigung. „Ja! Nimm ihn! Nimm das Piercing, du blutende Schlampe!“
Hinter seinem eigenen Gebrüll hörte Alex, wie Leon zu wichsen begann, ein schnelles, verzweifeltes Geräusch. Leon starrte auf sie, auf den blutigen Schwanz, der Alex brutal auseinanderriss, und seine Hand bewegte sich wie wild.
Die Kombination aus extremer Qual, der totalen Demütigung und dem Wissen, dass Leon zusah und sich daran aufgeilte, trieb Alex über eine Schwelle. Eine wilde, zerstörerische Woge brach in seinem Unterleib zusammen. Sein Schwanz zuckte, und er spritzte ohne Berührung, ein krampfhafter, schmerzhafter Orgasmus, der über seinen Bauch schoss.
Das löste etwas in Marc aus. Mit einem letzten, brutalen Stoß, bei dem er seinen gesamten Körpergewicht einsetzte, rammte er sich fest und kam. Alex spürte die heißen, pulsierenden Stöße tief in seinem zerrissenen Inneren, vermischt mit dem scheuernden Metall.
Dann war es still. Nur keuchendes Atmen. Marc zog sich heraus. Ein letzter, scharfer Schmerz. Alex sah, wie sein Schwanz herausrutschte, blutverschmiert, der Ring dunkel gefärbt. Marc richtete sich auf, zog seine Jeans hoch, als hätte er gerade Müll rausgebracht. Er sah auf die beiden am Boden, auf das Blut und die anderen Flüssigkeiten.
„Danke fürs Benutzen“, sagte er sarkastisch. Er nahm seine Jacke und ging. Die Tür fiel ins Schloss.
Leon bewegte sich zuerst. Er kroch zu Alex, seine Augen waren weit und leer. „Blutest du?“, flüsterte er.
Alex konnte nicht antworten. Ein tiefer, körperlicher Schock hielt ihn fest. Der Schmerz in seinem Hinteren war ein konstantes, pochendes Signal. Er roch sein eigenes Blut, ein süßlicher, eiserner Geruch, der sich über alle anderen Gestänge legte.
Dann, wie ein Gesetz der Natur, drehte sich sein Magen. Aber diesmal kam nichts. Nur trockene, würgende Krämpfe, die jeden Muskel in seinem Bauch anzogen und den brennenden Schmerz in seinem Arsch vervielfachten. Er würgte leer, speichelte auf den Teppich.
Leon zündete zwei Zigaretten an. Seine Hand zitterte heftig. Er schob eine zwischen Alex’ blutlose Lippen. „Noch null Donnerstage“, sagte er.
Alex zog am Nikotin. Der Rauch traf auf seine übersensible Kehle und er löste einen Hustenanfall aus, der ihm die Tränen zurück in die Augen trieb. Doch er rauchte weiter. Durch den Schleier des Schmerzes und der Übelkeit formte sich ein einziger, kalter Gedanke. Es war vorbei. Der Countdown. Die Wartezeit.
Morgen würden sie in die Klinik fahren. Morgen würden sie es wissen. Und während er da lag, zerschunden und blutend, erkannte Alex die wahre Wahrheit: Es spielte keine Rolle, was das Ergebnis sein würde. Die Krankheit, vor der sie sich gefürchtet hatten, war bereits in ihnen. Sie hatte sich tief in ihr Fleisch und ihre Knochen gefressen, lange bevor Marc durch die Tür gekommen war. Sie hatten sie sich selbst verabreicht, Donnerstag für Donnerstag. Und dafür gab es keinen Test. Nur dieses endlose, kotzverseuchte Warten auf etwas, das wie Erlösung aussah, aber nur die nächste Stufe der Verwesung sein würde.