Chapter 180: Chapter 180
Der Gestank war nicht mehr etwas, das kam und ging. Er hatte sich in das Holz des Fachwerks, in die lumpigen Polster der Couch, in die Kleidung der drei Männer eingebrannt. Ein permanentes, süßlich-fauliges Fundament, über dem sich die neuen Gerüche jeder Party nur noch temporär legten. Die Kamera, ihr rotes Auge, war zum ständigen Mitbewohner geworden. Sie lehnte in der Ecke, auch wenn sie aus war, ein drohender schwarzer Geist.
Leon’s Befehl war einfach, ein mantraartiges Echo: „Weitermachen. Lauter.“ Die Einladungen gingen per verschlüsselter Chatgruppe raus. Die Botschaft war ein einziges Wort: Entleerung.Sie kamen wieder. Nicht mehr dreißig, aber zwei Dutzend harte Stammgäste, die das Versprechen der letzten Nacht in sich trugen wie eine Krankheit, die nach Wiederholung schrie. Der Annex, der Schweinestall, war ihr Schrein.
Es begann wie immer: das Klirren von Flaschen, das Lachen, das zu laut war. Starkbier, Korn, billiger Wodka. Maik, der mittlerweile einen konstanten, aufgeblähten Look kultiviert hatte, stand schon früh im Mittelpunkt. Er hatte sich zwei der blechernen Kammeröfen nebeneinander gestellt, einen für Bier, einen für Schnaps.
„Wer füllt mich, bis ich überlaufe, ihr Hurensöhne?“ brüllte er, die Hände auf seinen prallen, nackten Bauch gepresst. „Kommt schon! Ich bin ein verdammtes Fass!“
Sie kamen.Sie gossen. Bier aus Krügen, Wodka direkt aus der Flasche. Maik trank in langen, ununterbrochenen Zügen, sein Adamsapfel hüpfte, das Bräunliche und das Klare rannen ihm aus den Mundwinkeln, netzten die dichten Haare auf seiner Brust, spülten über seinen gewölbten Bauch. Sein Gesicht lief rot an, die Adern an seinen Schläfen traten hervor. Irgendwann gluckerte es in ihm, ein tiefes, bedrohliches Rumoren. Er hielt inne, ein groteskes, trunkenes Lächeln auf den Lippen.
„So, jetzt… jetzt kommt der erste Akt,“ krächzte er.
Er wankte zu einem der leeren Kammeröfen, stellte sich breitbeinig darüber. Sein Blick suchte die Kamera, die ihn schon erfasst hatte. Dann, mit einem grunzenden Stöhnen, begann er zu pissen. Es war kein gewöhnlicher Strahl. Es war ein anhaltender, gelber Strom, der mit solcher Wucht und in solcher Menge auf das Blech prasselte, dass der Klang wie ein anhaltendes Trommelfeuer war. Er pinkelte eine Ewigkeit, sein ganzer Körper zitterte vor der Anstrengung der Entleerung, sein Kopf war in den Nacken geworfen, die Augen geschlossen in einer Mischung aus Qual und Ekstase. Das Bier und der Wodka, verwandelt, schäumten gelb im Topf, der Geruch von heißem, konzentriertem Urin stieg dampfend auf und vermischte sich mit dem allgemeinen Dunst.
Ein Jubel ging durch die Betrunkenen. „Sieh dir das an! Ein Wasserfall!“
Alex beobachtete es von der Wand aus, eine halbvolle Flasche Korn in der Hand. Er trank nicht mehr, um Teil zu werden. Er trank, um die Ränder unscharf zu machen. Der Anblick von Maik, wie er sich leerte, löste etwas in seinem eigenen Unterleib aus. Ein drängendes, krampfartiges Gefühl.Nicht Lust. Notwendigkeit.
Er drehte sich um, suchte einen freien Topf. Sie waren bereits alle besetzt. „Eisenbauch“ hockte über einem, das Gesicht verzerrt, während ein stetiger, dünner Schiss aus ihm herausquoll. Sein Atzen ging stoßweise, und bei jedem Stoß entwich ein weiteres Stück brauner, weicher Masse, die mit einem feuchten Platschen auf den wachsenden Haufen traf. „Ach, Gott… ja… raus mit dem Scheiß,“ stöhnte er vor sich hin.
Neben ihm würgte sich „Bärenkönig“, die Hände auf den Knien, in einen anderen Topf. Es war kein gewöhnliches Erbrechen mehr. Es war ein galliger, durchsichtiger Schleim, gemischt mit winzigen, unverdauten Alkoholperlen, die in der fahlen Beleuchtung wie kleine Juwelen glitzerten. Er spuckte und spuckte, lange nachdem nichts mehr kam, nur noch trockene, krampfende Würgebewegungen.
Die Luft im Annex war jetzt eine physische Barriere. Ein dickes, wabbeliges Gemisch aus Bierdunst, Schweiß, dem beißenden Ammoniakgestank von Urin, der fauligen Süße von Exkrementen und der säuerlichen Schärfe von Erbrochenem. Man konnte sie fast schmecken, sie klebte auf der Zunge, brannte in den Nasenlöchern.
„Komm her, du kleine Fotze.“
Eine Hand packte Alex am Arm. Es war „Der Brauer“, sein Gesicht schweißnass, seine Augen blutunterlaufen. Er zog Alex zu sich, in eine freiere Ecke, nicht weit von der pinkelnden, koternden, kotzenden Reihe entfernt. Der Geruch hier war konzentriert, überwältigend.
„Ich hab’ noch was für dich,“ grunzte der Brauer und drehte Alex grob um, drückte ihn gegen die kühle Holzwand. Seine Hosen waren schon heruntergerissen, sein Schwanz, halb schlaff von der Trunkenheit, drückte gegen Alex’ Gesäß. Es war nicht sanft. Es war ein Eindringen, ein gewaltsames Aufschieben einer schlaffen, aber hartnäckigen Masse. Alex stieß einen keuchenden Laut aus, als er ihn aufnahm. Es tat weh, ein dumpfer, brennender Schmerz.
„So ist’s recht,“ knurrte der Brauer, packte Alex’ Hüften und begann einen trägen, schwerfälligen Rhythmus. Jeder Stoß schob Alex gegen die Wand. Sein Blick war auf die Szenerie vor ihm gerichtet. Direkt in seiner Sichtlinie, vielleicht drei Meter entfernt, kniete Leon.Leon. Nicht am Steuer. Nicht hinter der Kamera. Mitten drin.
Sein Gesicht war aschfahl, sein sonst so kontrollierter Ausdruck war einer reinen, animalischen Anstrengung gewichen. Er hockte über einem der Töpfe, die Hosen um die Knöchel, sein gesamter Körper war angespannt. Ein heiseres, gepresstes Stöhnen kam über seine Lippen. Dann, mit einem lang gezogenen, surrenden Geräusch, entleerte sich sein Darm. Es war kein Stückchen. Es war eine explosionsartige, breiige Flut, die aus ihm herausströmte und schlagend in das Blech traf, Spritzer bis auf seine eigenen Waden hochwarfen. Sein Körper wurde von den Nachbeben erschüttert, sein Kopf hing schlaff zwischen den Schultern. Er sah aus, als würde er seine eigene Seele ausscheiden.
Alex starrte, während der Brauer ihn weiter von hinten nahm. Der rhythmische Schmerz in seinem eigenen Körper verschmolz mit dem Bild von Leon, der sich, seiner ganzen Autorität entkleidet, in primitiver Entblößung über den stinkenden Topf beugte. Ein Lachen, sprudelig und hysterisch, stieg in Alex’ Kehle auf. Er erstickte es, verwandelte es in ein Würgen.
„Du magst das, was?“ keuchte der Brauer, sein stinkender Atem war heiß an Alex’ Ohr. „Siehst du deinen Chef da, wie er sein Innerstes nach außen kehrt? So geht’s allen. Am Ende sind wir alle nur Säcke voller Scheiße.“
Der Sex war mechanisch, schmutzig, ohne jedes Vergnügen. Eine weitere Entleerung in einer Nacht der Entleerungen. Der Brauer stieß ein paar letzte, schnaubende Stöße, bevor er, mit einem Grunzen, in Alex’ bereits wundes Loch spritzte. Ein heißer, dünner Schauer, der sich sofort widerlich anfühlte. Dann ließ er ihn einfach los, zog seinen schlaffen Schwanz heraus und taumelte weg, um sich weiter zu betrinken.
Alex rutschte die Wand hinunter auf den schmierigen Boden. Die Mischung aus kaltem Sperma, Schweiß und dem allgemeinen Dreck der Diele fühlte sich ekelhaft auf seiner Haut an. Sein eigenes Bedürfnis war jetzt übermächtig, ein krampfender Druck in Blase und Darm.
Er kroch zu einem Topf, der gerade von einem vorübergleitenden, pieselnden Gast freigegeben wurde. Der Rand war warm und feucht von Überschwemmungen. Alex positionierte sich darüber, die Knie auf dem nassen, klebrigen Holz.
Sein eigenes Wasser ließ nicht auf sich warten. Es schoss aus ihm heraus, ein klarer, heißer Bogen, der kraftvoll in den Topf mit den Resten anderer traf. Der Geruch seines eigenen Urins, konzentriert und scharf, stieg ihm in die Nase. Es war eine seltsame Erleichterung. Dann der Rest. Er presste, die Zähne zusammengebissen. Es kam nicht leicht. Ein harter, knotiger Klumpen, der brennend heraustrat und mit einem plumpen Platsch in die braune Brühe fiel. Ein zweiter, weicherer, folgte. Die Scham war weg. Es war nur noch ein Prozess. Entleeren.Leer werden.
Er blieb noch eine Minute hocken, zitternd, leer. Sein Blick schweifte durch den Raum. Es war eine Hieronymus Bosch-Vision der Hölle. Überall hockten, knieten, standen nackte, verzerrte Gestalten und entäußerten sich. Das Prasseln von Urin, das glucksende Gurgeln von Erbrochenem, das weiche Platschen von Exkrementen bildeten ein widerliches sinfonisches Geräusch. Die Luft war so dick, dass man sie sehen konnte, ein gelblicher Dunst, der das Licht der einzigen, nackten Glühbirne verschleierte.
Maik war jetzt auf allen vieren, würgte trocken über einem schon vollen Topf, während gleichzeitig sein Darm noch einmal arbeitete und weitere dünne, wässrige Stühle aus ihm herausdrückten. „Alles raus… alles muss raus…“ brüllte er zwischen den Würgeanfällen, sein Gesicht war tränenüberströmt, rot und verschmiert.
An der gegenüberliegenden Wand hatte „Schwelgbauch“ zwei der blechernen Töpfe vor sich aufgestellt. In einen erbrach er sich rhythmisch, eine grünliche Galle, während er gleichzeitig mit konzentrierter Miene in den anderen urinierte, sein Penis wie ein Wasserhahn in seiner fetten Faust. Seine Augen waren glasig, auf nichts gerichtet.
Die Kamera schwenkte langsam, automatisch aufgezeichnet von einem Stativ. Sie nahm es alles auf. Die Entblößung. Die Erniedrigung. Die völlige, schamlose Aufgabe jeder menschlichen Zurückhaltung. Es gab keine Lust mehr in diesen Akten. Nur das rohe, biologische Ereignis. Das berauschte Tier, das sein Innerstes entleerte.
Irgendwann, als der Vorrat an Alkohol und Körperflüssigkeiten erschöpft war, legte sich eine träge, toxische Stille über den Annex. Nur unterbrochen von röchelndem Schnarchen und gelegentlichem, schmerzhaftem Husten. Der Boden war ein Sumpf aus verschiedenen Flüssigkeiten, in dem Körper wie gestrandete Wale lagen.
Leon wankte aufrecht, sein Gesicht eine leere Maske. Er trat über einen schlafenden Gast, trat beiläufig in eine Lache kalten Urins. Sein Blick traf Alex’. In seinen Augen lag kein Triumph, keine Berechnung. Nur eine tiefe, abgrundtiefe Müdigkeit. Eine Leere, die noch schlimmer war als der Gestank.
Er ging zur Kamera, drückte den roten Knopf. Das kleine Licht erlosch.
„Gut,“ sagte er, seine Stimme war ein heiseres Krächzen. „Das war gut.“
Er verließ den Annex, taumelte in den etwas weniger verpesteten Hauptraum. Alex beobachtete ihn gehen. Sein eigener Körper fühlte sich an wie ausgelutscht, hohl und ausgebrannt. Er roch sich selbst – Urin, Schweiß, eine fremde Scheiße an seinen Oberschenkeln. Der Gestank war in ihm.Auf ihm. Teil von ihm.
Das rote Licht war aus. Aber das Gefühl, beobachtet zu werden, blieb. Es pulsierte in der stinkenden Dunkelheit, lauter als jedes Trommelfeuer aus Erbrochenem, lauter als das letzte, verzweifelte Klatschen von Exkrementen auf Blech. Es saß in den verdreckten Balken, in den überfüllten Töpfen, in der klebrigen, abgestandenen Luft. Es wartete.
Es wartete. Und drei Tage später ließen sie es wieder herein.
Die Vorbereitung war mechanisch geworden, ein stumpfes Ritual: Bierkisten vor die verrottende Scheunentür gekippt, die blechernen Kammeröfe in einer perfekten, demütigenden Reihe im Annex aufgstellt, die Kamera aufgeladen. Leon hatte eine neue Spielart angekündigt. „Doppelbelastung,“ sagte er, während er eine Spritze mit einer klaren, öligen Flüssigkeit aufzog. „Testosteron-Enantat. Für mehr Aggression. Für mehr Volumen.“ Maik hatte sich freiwillig gemeldet. Jetzt, wo die Party sich entfaltete, lief das Öl heiß in seinen Adern.
Der Raum war überfüllt, ein brodelnder Kessel aus nackter, schwitzender Haut unter dem grellen Licht der neuen Bauarbeiterscheinwerfer. Maik, bereits massiv aufgepumpt von dem Hormoncocktail, stand wie ein Festungsturm in der Mitte. Sein Bauch, eine pralle, haarige Kugel, war das Ziel. „Füllt mich, ihr Arschgeigen!“ heulte er, seine Stimme überschlug sich vor roher, chemischer Energie. Sie warfen sich auf ihn. Nicht einer. Nicht zwei. Vier Männer gleichzeitig, ihre Schwänze steif von Viagra und Voyeurismus, drängten sich an ihn.
Einer rammte ihm seinen fetten, ungefetteten Schwanz in den Arsch, ein brutaler, trockener Stoß, der Maiks Mund zu einem stummen ‚O‘ verzog. Ein zweiter kletterte vorn auf ihn, schob seinen eigenen Kolben in Maiks sperrangelweit aufgerissenen Mund und würgte ihn bis zum Anschlag in die Kehle. Die anderen zwei nahmen sich seine verschwitzten Hände, führten sie sich gegenseitig in ihre eigenen Löcher, ein verrücktes, verkettetes Fleischrad. Maik war nur noch eine lebendige, stöhnende Steckdose, sein Körper zuckte unter der synchronen, hämmernden Penetration von zwei Seiten. „Ja! Macht mich kaputt!“ gurgelte er um den Penis in seinem Mund, während ihm Tränen der Überwältigung über die Schläfen liefen.
Alex beobachtete es, an die Wand gedrückt von „Kesselflicker“. Der Mann roch nach Schweiß und altem Eisen. Seine Hose war schon unten, sein Schwanz, kurz und dick, drückte gegen Alex‘ Wange. „Lutsch, du verdammter Abschaum,“ knurrte er, keine Bitte, eine Feststellung. Alex öffnete den Mund. Der Geschmack war salzig, vorfettig. Er nahm ihn tief, ließ den Würgereflex zu, spürte, wie der Kopf an seiner Rachenwand kratzte. Sein Blick blieb an Leon haften, der nicht in der Menge stand.
Leon saß auf einem der Kammeröfe am Rand, ein krönender König auf einem schäbigen Thron. In der Hand hielt er eine Flasche klaren, böhmischen Vodka. Er trank in langen, gleichmäßigen Zügen, sein Adamsapfel hüpfte mechanisch. Sein Blick war glasig, auf die Szene mit Maik gerichtet, aber er sah nicht hin. Er sah durch sie hindurch. Dann, ohne seine starre Haltung zu verändern, rülpste er laut, würdigte und lehnte sich etwas zurück. Ein dunkler, nasser Fleck breitete sich auf der Stoffbahn zwischen seinen Beinen aus. Er hatte sich in den Topf, auf dem er saß, entleert. Sein Gesicht zeigte keine Regung, nur die leere Befriedigung eines grundlegenden Bedürfnisses.
Das Beispiel war ansteckend. Das Kotzen und Pissen und Scheißen begann nicht allmählich. Es brach aus, wie ein Dammbruch. Vielleicht war es das Testosteron, das die Leber zerschlug. Vielleicht war es die reine, kumulierte Vergiftung der letzten Monate.
„Ich kann nicht… mein Bauch…“ keuchte einer der Männer, der gerade aus Maiks Arsch gezogen war. Er taumelte weg, die Hände auf seinen kugelrunden, grunzenden Unterleib gepresst. Er erreichte einen Topf, brach darüber zusammen und erbrach einen schäumenden, gelben Geysir aus Bier und halbverdauten Würstchen. Es schoss metergenau in das Blech, Spritzer peitschten zurück an seine Brust.
Gleichzeitig, nur zwei Meter entfernt, fing „Eisenbauch“ an zu pissen. Sein Strahl war hoch und kraftvoll, ein goldener Bogen, der melodisch in den bereits teilweise gefüllten Behälter klang. Er lachte dabei, ein blödes, glucksendes Geräusch. „Pissoir der Götter!“
Der Geruch wurde katastrophal. Eine einzige, undifferenzierbare Wolke aus Magensäure, Urin und dem fauligen Dunst, der nun aus Leons Thron unter ihm aufstieg. Es trieb den Akt voran, machte ihn animalischer. Maik, jetzt aus seiner doppelten Penetration entlassen, wankte zu einem freien Topf. Sein Gesicht war grünlich. Er kniete sich nicht hin. Er stand einfach da, beugte sich vor, und mit einem gewaltigen, röchelnden Würgen entleerte sich sein Magen in einer ununterbrochenen, klatschenden Kaskade. Es war kein gewöhnliches Erbrechen. Es war die gesamte letzte Mahlzeit, unverändert, ein zähflüssiger Brei aus Fleisch, Kartoffeln und Bier, der mit solcher Wucht herausgeschleudert wurde, dass es gegen die gegenüberliegende Wand spritzte.
„Geil… so geil…“ murmelte er, spuckte Reste aus, während sein Körper noch zuckte.
Alex spürte, wie sich sein eigener Magen umdrehte. Der Penis in seinem Mund, der stinkende Atem von Kesselflicker, der Anblick, der Gestank – es war zu viel. Er zog sich ruckartig zurück, ließ den schlaffen, nassen Schwanz aus seinem Mund gleiten. „Ich muss…“, stammelte er und stolperte rückwärts.
„Wo willst du hin, du Schwuchtel?“ fauchte Kesselflicker, sein Gesicht verzerrt von enttäuschter Wut.
Alex antwortete nicht. Er drehte sich um, sein Darm krampfte wild. Er sah einen halbleeren Topf, von dem gerade ein anderer Gast aufstand. Alex fiel davor auf die Knie. Sein Körper entschied. Zuerst kam der Urin, ein heißer, erleichternder Strom, der das bereits vorhandene, trübe Gemisch aufspritzte. Dann der Krampf, tiefer, unaufhaltsam. Er stemmte sich nach vorn, stützte sich auf den schmutzigen Rand. Ein ersticktes Stöhnen entwich ihm, als sich sein Schließmuskel öffnete. Es war kein fester Stuhl. Es war eine explosive, wässrige Diarrhö, die aus ihm herausspritzte und mit einem sickernden, platschen Geräusch in die Brühe fiel. Die Scham war eine ferne Erinnerung. Es war nur noch eine physische Tatsache, laut und übelriechend.
Von der Seite beobachtete Leon sie. Er trank weiter, sah Alex sich entleeren, sah Maik, der jetzt, immer noch kotzend, gleichzeitig eine neue Flasche Korn ansetzte. Ein läppisches, müdes Lächeln zuckte um Leons Mundwinkel. Er stellte die Vodkaflasche ab. Sein eigener Magen rebellierte. Er beugte sich seitlich von seinem Thron, den Kopf über den Boden gesenkt. Sein Erbrechen war still, effizient. Ein klarer, saurer Saft aus purem Alkohol, der in einer dünnen Rinnsal auf das verdreckte Holz traf. Er würgte nicht, er gab nur nach.
Die Party zerfiel in ein hundertfaches Echo dieses Moments. Ein Chor von Würgen, Rülpsen, Prasseln und Stöhnen. Die sexuellen Akte gingen weiter, aber jetzt als Nebenhandlung, als mechanische Begleitung zur Hauptsymphonie der Entleerung. Ein Mann fickte einen anderen doggy-style über einem vollen Topf, sein Schwanz klatschte bei jedem Stoß gegen das Gesäß, während der Untere gleichzeitig urinierte, der Strahl zitterte mit dem Rhythmus der Stöße.
Das Licht der Scheinwerfer goss sich über diese Hölle aus fließendem Fleisch und verflüssigtem Innern. Die Kamera, von einem Stative aus, nahm alles mit schweigender, digitaler Gier auf.
Irgendwann, Stunden später, war nur noch das Schluchzen der Erschöpfung zu hören. Alex lag auf der Seite, gekrümmt um den Topf, den er beschmutzt hatte. Sein Gesicht war naß von Tränen und Erbrochenem, das er nicht einmal bemerkte. Maik schnarchte laut, bewusstlos in einer Lache aus seinem eigenen Versagen, eine halbvolle Flasche wie ein Säuglingsfläschchen in seiner schlaffen Hand. Leon saß immer noch auf seinem Thron, regungslos, ein leerer Wächter über einem Reich aus Dreck.
Von draußen, durch das offene Scheunentor, drang das erste graue Licht des anbrechenden Tages. Es beleuchtete nicht. Es enthüllte nur. Die schiere Menge des Austritts. Die Leere in den Augen derer, die noch wach waren.
Das rote Auge der Kamera erlosch. Die Aufnahme war voll.
In der darauffolgenden Stille, bevor die Vögel begannen, war ein anderes Geräusch. Ein leises, kaum hörbares Klicken. Wie das Öffnen eines Briefschlitzes. Oder das Sichern eines Feuerzeugs. Es kam von den Bäumen am Rand der Lichtung.
Niemand außer Leon hörte es. Seine glasigen Augen bewegten sich langsam, mühevoll, vom Inneren der Scheune zur schwarzen Öffnung des Tores. Zu der undifferenzierbaren Dunkelheit der Tannen.
Sein Atem stockte für eine Sekunde. Dann, sehr langsam, hob er die leere Vodkaflasche in einer Art grüßender Geste. Gegen die Dunkelheit. Gegen das Klicken.
Er trank von der leeren Flasche. Sie gab nichts mehr her.