Cover of The Deepest Dive

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A story about two chubby boys (otters in gay terms) in their mid twenties (at least 2500 words) about how they meet and them having sex (being as detailed and explicit as possible)

Chapter 171: Chapter 171

Leon rieb sich das Gesicht, als wolle er die Erschöpfung abwischen, aber sie war schon in die Knochen gesickert. Sein Atem stand in weißen Schwaden zwischen den Rhododendronblättern. In der Ferne, vom Hauptgebäude her, drang das gedämpfte Aufheulen von Alarmen durch die kalte Nachtluft.

„Die haben den gebrochenen Luftschacht gefunden,“ knurrte er. Er stakste aus dem Gebüsch, den Ordner unter den Arm geklemmt wie ein Stahlrohr. Seine Blicke suchten die Umgebung ab, nicht nach Verfolgern, sondern nach der nächsten Deckung. „Wir müssen weg von diesem verdammten See. Zurück in den tiefen Wald.“

Alex rappelte sich auf. Jeder Muskel schrie protestierend. Der kurze Rausch der Rettung war verflogen, übrig blieb nur das nackte, zitternde Überleben. Sie stolperten vom Gästehaus weg, zurück in die schützende Finsternis der Kiefern. Es gab keinen Pfad mehr, nur das Unterholz, das sie mit nassen, peitschenden Ästen zurückhielt.

Nach zehn Minuten erreichten sie einen engen, von Wasser ausgewaschenen Graben. Leon stoppte, lauschte. Die Alarme waren verstummt. Das war schlimmer.

„Sie suchen systematisch,“ flüsterte er. Er öffnete den Ordner, blätterte hastig. Im schwachen Mondlicht, das durch die Wolken sickerte, riss er eine handvoll Seiten heraus, die wichtigsten, die mit den blauen Siegeln und Paragraphen. Den Rest – Umweltgutachten, Grundbuchauszüge – knüllte er zusammen und stopfte ihn tief in eine faule Baumhöhle. Die Digitalkamera hing an einem Band um seinen Hals, verschwand unter seiner Jacke. „Ballast,“ erklärte er kurz. „Jetzt geht es nur noch ums Publikum.“

„Welches Publikum?“ keuchte Alex. „Wir sind verdammt nochmal mitten im Nirgendwo.“

„Die Welt ist überall. Man muss nur das richtige Kabel finden.“ Leon blickte sich um, sein Gesicht eine Maske aus blassen Konturen. „Wir brauchen ein Dach. Eine Stromleitung. Ein Telefon. Irgendetwas, das nicht zu Frommhold gehört.“

Sie wanderten weiter, eine bizarre, stolpernde Prozession. Der Wald änderte langsam seinen Charakter. Die gepflegten Kiefernplantagen wichen wilderem Mischwald, dann brachligem Gelände mit verfallenen Zäunen. Sie überquerten eine schmale, asphaltierte Straße und krochen dann durch ein Stück nasse Wiese, an deren Ende sich die Silhouette eines alten Bauernhofs abzeichnete. Nicht die schicke Villa, sondern etwas Verfallenes: ein langgezogener Hof mit schiefen Fachwerkgebäuden, ein umgestürzeter Traktor, das Skelett einer Scheune.

„Das ist gut,“ murmelte Leon. „Vergessen.“

Sie schlichen über den verrottenden Hofbretterboden zum Hauptgebäude. Die Tür hing in den Angeln. Drinnen roch es nach Moder, Mäusekot und altem Heu. In einer Ecke der großen, leeren Stube stand ein klobiger, altmodischer Holzofen. Und an der Wand darüber – ein Telefon. Ein schnurgebundenes, beigefarbenes Wählscheibentelefon, staubig, aber intakt.

Leon starrte darauf wie auf ein wundertätiges Relikt. Ein fast zärtliches Lächeln griff um seinen zerfurchten Mund. „Ein Festnetzanschluss. Kein Funk. Nicht digital. Eine direkte Leitung zur alten Welt.“ Er ging hinüber, nahm den Hörer ab. Ein summender Wählton ertönte, leise, aber sicher.

Er wählte eine Nummer aus dem Gedächtnis. Es klingelte lange. Alex lehnte sich an die kalte Wand, beobachtete, wie Leons Knöchel weiß um den Hörer herum wurden.

Dann eine Stimme. „Ja?“ Müde, verschlafen.

„Felix. Ich bins. Leon.“

Eine Pause. Ein geräuschvolles Einatmen. „Heilige Scheiße. Leon. Sie suchen überall nach dir. Die Bullen. Andere Leute. Unangenehme Leute.“

„Ich weiß. Hör zu. Ich schicke dir was. Per E-Mail. Von einem anonymen Account. Du öffnest es sofort. Du machst sofort Screenshots. Du verbreitest es. An deine ganzen Kontakte bei den Zeitungen, bei den fucking NGOs. Alles.“

„Leon, was zum Teufel…“

„Es geht um Frommhold. Um den See. Um Katta.“ Leons Stimme brach auf dem Namen. Er holte tief Luft. „Sie hat es gefilmt. Sie haben sie umgebracht. Ich hab den Beweis.“

Eine längere Stille am anderen Ende. Dann, entschlossen: „Okay. Schick es. Ich mach das.“

„Du hast eine Stunde. Dann schalte ich das Telefon ab und schmeiße es weg.“ Leon beendete das Gespräch, ohne sich zu verabschieden. Er suchte in seinen Taschen, fand das kleine, wasserdichte Etui mit dem USB-Stick, den er schon im Wald vorbereitet hatte – eine Kopie der Videodatei, Fotos der wichtigsten Dokumente. Er steckte es in seine Jacke zurück. „Er ist ein guter Hacker. Ein paranoides Arschloch, aber er kriegt das hin.“

Die Erleichterung, die in Alex aufsteigen wollte, wurde sofort von einer neuen, eisigen Welle der Verwundbarkeit erstickt. Sie waren an einem Ort. Einem vorhersehbaren Ort. „Und jetzt? Wir warten hier?“

„Wir warten, bis er bestätigt, dass es raus ist. Dann verlassen wir den Hof.“ Leon glitt von der Wand zu Boden, die Beine vor sich ausgestreckt. Er zitterte nicht mehr. Es war, als ob die getroffene Entscheidung ihn in einen Zustand ruhiger, todesbereiter Erschöpfung versetzt hatte. Sein Blick fiel auf Alex, der noch immer zitternd an der Wand lehnte. „Komm her.“

Es war keine Aufforderung. Es war ein Befehl aus der Tiefe der eigenen Einsamkeit. Alex gehorchte, ließ sich schwer neben ihn auf den schmutzigen Boden sinken. Ihre Kleider waren noch feucht, ihre Körper eine einzige klaffende Wunde aus Kälte und Überreizung.

Leon griff nicht nach ihm. Er starrte nur auf seine eigenen Hände, die schmutzigen, abgebrochenen Nägel. „In einer Stunde,“ sagte er leise, „ist es vorbei. Oder es beginnt erst richtig. In einer Stunde wissen sie, dass die Beweise nicht mehr aufzuhalten sind. Dann haben wir keinen Wert mehr. Nur noch einen Preis für Rache.“

Die Endgültigkeit seiner Worte hing im verfaulten Raum. Alex spürte, wie etwas in ihm brach. Nicht Angst. Nicht Verzweiflung. Etwas Archaischeres. Ein letzter, animalischer Impuls, sich gegen das Verdämmern zu wehren. Er drehte seinen Kopf, sah Leons Profil im Dämmerlicht des hereinbrechenden Morgens – die scharfe Nase, den schmalen Mund, die tiefen Schatten unter den Augen.

„Dann haben wir eine Stunde,“ sagte Alex, seine Stimme fremd und rauh in seinen eigenen Ohren.

Leon drehte den Kopf. Seine Augen, blank und erschöpft, suchten Alex’ Gesicht. Er verstand sofort. Es war kein Angebot von Trost. Es war eine Herausforderung. Ein Abschiedsritual.

Ein kurzes, hartes Nicken.

Alex bewegte sich zuerst. Er schob sich auf die Knie, kam über Leon, drückte ihn mit dem Gewicht seines eigenen ausgezehrten Körpers gegen die kalte Wand. Es war keine Umarmung. Es war ein Angriff. Sein Mund fand Leons, nicht küssend, sondern beißend, seine Zunge drang ein, kämpfte um Vorherrschaft, schmeckte Schmutz, Blut und den eisernen Nachgeschmack von Angst. Leon erwiderte den Angriff sofort, seine Hände fuhren in Alex’ Haar, zogen, hielten ihn fest, während ihre Zungen sich schlugen.

Es war hässlich. Es war voller Wut. Die Wut auf Frommhold, auf den Tod, auf ihre eigene Hilflosigkeit. Alex’ Hände rissen an Leons Gürtel, an seinem Hosenschlitz, knöpften ihn mit ruckartigen, ungeschickten Bewegungen auf. Leon half ihm, stieß seine eigene Hose nach unten, zusammen mit der Unterwäsche. Sein Schwanz sprang heraus, halb steif, völlig ungeschützt in der kalten Luft.

„So willst du es, ja?“ fauchte Leon, sein Atem ein heißer Gegenstrom zu Alex’ eigenem. „Noch einmal im Dreck?“

„Ja,“ knurrte Alex zurück. Er spuckte in seine eigene Handfläche, ein klägliches, trockenes Geräusch, und rieb dann den Speichel über Leons Länge, die unter seiner Berührung schnell hart und voll wurde. Kein Vorspiel. Keine Zärtlichkeit. Nur die nackte, dringende Mechanik der Verzweiflung.

Er positionierte sich, kniete sich über Leons Hüften. Leon packte ihn an den Oberschenkeln, seine Finger gruben sich ins Fleisch, als wolle er es zerreißen. Mit einer einzigen, nach unten stoßenden Bewegung, einem Akt reiner Willenskraft, ließ Alex sich auf ihn herabfallen.

Der Schmerz war scharf, brennend, ein reißendes Gefühl der Enge. Er war nicht vorbereitet, nicht gelöst, nur voller einer blanken, trotzigen Empfängnis. Er blieb einen Moment so sitzen, keuchend, die Augen geschlossen, während sein Körper sich krampfhaft an den unerwarteten Eindringling klammerte.

„Verdammte Scheiße,“ stieß Leon aus, sein Kopf schlug gegen die Holzwand. Seine Hüften zuckten, ein unwillkürlicher Stoß nach oben, der Alex noch tiefer auf ihn zwang.

Dann begann die Bewegung. Alex hob sich, ein wenig, ließ sich wieder fallen. Ein harter, unpraktischer Rhythmus, der jedes Mal ein knurrendes Stöhnen aus ihm herauspresste. Es fühlte sich an, als würde er sich selbst aufspießen, als würde er seine eigene Verwundbarkeit zertrampeln. Leon stieß von unten zu, seine Bewegungen waren kurze, harte Stöße, die Alex auf seinem Schoß rüttelten. Die Luft füllte sich mit dem Geräusch ihres Atems, des schmatzenden, trockenen Gleitens, des dumpfen Aufschlags von Leons Hüften gegen sein Gesäß.

Leon ließ eine Hand los, grub sie in Alex’ Hemd, riss es auf. Seine kalte, schmutzige Handfläche fuhr über Alex’ Brust, kneifte eine Brustwarze, bis es schmerzte. Alex knurrte, biss in die Luft, sein eigenes Erregung wuchs, ein schmerzhaftes, pochendes Gefühl, das mit jedem brutalen Stoß anschwoll.

„Du fucking Arschloch,“ keuchte Leon, sein Blick bohrte sich in Alex. „Du siehst mich an.“

Alex öffnete die Augen. Sah in dieses Gesicht, das von Erschöpfung und Hass und etwas anderem, unbenennbarem gezeichnet war. In diesem Moment war es nicht Liebe. Es war Anerkennung. Die Anerkennung eines gleichwertigen Tieres in derselben Falle.

Leon’s Tempo erhöhte sich, wurde unkontrollierter, rücksichtsloser. Alex spürte, wie die Basis von Leons Schwanz in ihm hämmerte, ein rhythmischer Angriff auf seinen Kern. Der eigene Schmerz vermischte sich mit einer perversen, tief sitzenden Wohltat. Sein eigenes Glied, steif und auslaufend, schlug gegen Leons Bauch bei jeder Bewegung.

„Ich komme,“ knurrte Leon, eine reine Warnung, keine Ankündigung. Seine Hände krallten sich in Alex’ Hüften, hielten ihn fest, als er mit einem letzten, gewaltsamen Stoß nach oben fuhr und in ihm explodierte. Alex spürte die heißen, pulsierenden Stöße tief in seinem Inneren, ein invasives Geschenk, ein Brandmal.

Das zog seinen eigenen Orgasmus wie eine Peitsche aus ihm heraus. Mit einem heiseren Schrei, der in einer Stimmbremse endete, schoss er über Leons Bauch und Brust, weiße Streifen auf der schmutzigen, von Schweiß glänzenden Haut.

Die Bewegung erstarb. Für einen langen Moment blieben sie so verbunden, keuchend, zitternd vor der plötzlichen Leere der Entladung. Der Geruch von Sperma und Schweiß und moderndem Holz war überwältigend.

Dann, sanfter als Alex es für möglich gehalten hätte, löste Leon seinen Griff. Alex schob sich von ihm herunter, ein wunder, blutiger Schmerz begleitete den Rückzug. Er sank neben Leon auf den Boden, ließ den Kopf gegen die Wand fallen. Die Kälte des Raums kroch sofort zurück auf ihre nackte Haut.

Leon zog seine Hose mit steifen Bewegungen hoch. Er sagte nichts. Er zog das alte Telefon wieder zu sich heran, starrte auf das Ziffernblatt. Die Minuten tickten.

Nach fünfundfünfzig Minuten klingelte es.

Leon riss den Hörer an sein Ohr. „Ja?“

Die Stimme von Felix am anderen Ende war aufgeregt, triumphierend. „Es ist raus. An drei Redaktionen. An zwei Staatsanwaltschaften. Die Dateien sind verschlüsselt, aber die Vorschaubilder und der Text reichen. Sie können es

Die Dateien sind verschlüsselt, aber die Vorschaubilder und der Text reichen. Sie können es nicht mehr ignorieren.“ Felix’ Stimme hatte einen scharfen, triumphierenden Unterton. „Ich habe Bestätigungen. Sie sind wach. Es kocht schon über.“

Leon sagte kein Wort. Er legte einfach auf. Das Klicken des Hörers in der stillen, verfallenen Stube war lauter als jeder Schuss. Er ließ den Kopf gegen die Wand sinken, die Augen geschlossen. Die Muskeln in seinem Kiefer bebten. Ein tiefer, zitternder Seufzer entwich ihm, als breche etwas Eisiges in seiner Brust.

„Es ist vorbei,“ flüsterte Alex. Die Worte fühlten sich hohl und fremd auf seiner Zunge an.

„Nein.“ Leon öffnete die Augen. Sie waren leer, ausgebrannt. „Jetzt fängt die Hetzjagd erst richtig an. Bevor sie vor Gericht gehen, wollen sie uns. Als Zeugen. Als lebendige Trophäen. Oder als leblose.“ Er schob sich schwerfällig hoch, sein Körper war eine einzige Anklage gegen die Schwerkraft. „Wir müssen weg von diesem Hof. Jetzt.“

Draußen grollte ein Motor auf. Das Geräusch kam nicht von der Zufahrtsstraße, sondern von hinten, von den Feldern her. Scheinwerferlicht zuckte über die verrotteten Scheunenbretter.

„Zu spät,“ murmelte Alex. Die Erschöpfung fiel von ihm ab, ersetzt durch eine klare, kalte Welle von Adrenalin. Er rappelte sich auf, wich zurück von dem staubigen Fenster. Leon war schon in Bewegung, schnappte den leeren Aktenordner und schleuderte ihn in den alten Ofen. Die Kamera zog er von der Schnur um seinen Hals, drückte sie Alex in die Hand.

„Den Rest kennst du. Geh. Zurück in den Wald, zum See. Versteck dich im Schilf, bis es hell wird. Dann such dir Hilfe bei den Cottages auf der anderen Seite.“

„Und du?“

„Ich bin der Köder.“ Leon grinste, ein wildes, hässliches Zähnefletschen. „Ich laufe. Sie laufen hinter mir her. Du schwimmst.“ Seine Hand fuhr blitzschnell in die Jackentasche, kam mit dem kleinen USB-Stick wieder heraus. Er steckte ihn Alex in die Gesäßtasche, klopfte ihm hart darauf. „Das ist die einzige Kopie. Der Stick ist wasserdicht. Vergiss es nicht.“

Schritte knirschten draußen auf dem Kies. Eine Stimme, befohlend und scharf. Nicht der Buchhalter vom Gästehaus. Jemand mit mehr Autorität.

Ohne ein weiteres Wort drehte sich Leon um und stürmte zur hinteren Tür des Gebäudes, einem schmalen Ausgang zur Mistseite. Er riss sie auf, ein Gestank nach verrottendem Stroh und Ammoniak schlug ihnen entgegen. Das Motorengeräusch war jetzt direkt vor dem Hof, blendende Scheinwerfer schnitten durch die Ritzen der Bretterverschalung.

„Jetzt, Alex!“ Leon schrie es, ein heiserer, gebrochener Befehl, und dann rannte er. Nicht in den Schutz des Waldes, sondern quer über den offenen Hof, direkt auf die umzäunten Weiden zu, ein dunkler, sich bewegender Schatten gegen das grelle Licht.

Ein Ruf. Ein Fluch. Die Scheinwerfer zuckten, wandten sich von dem Gebäude ab und fingen Leons fliehende Gestalt ein. Alex sah, wie zwei dunkle Figuren aus einem Geländewagen sprangen und hinterherjagten. Ihr ganzes Augenmerk war auf Leon gerichtet.

Sein Herz hämmerte gegen seine Rippen. Der Instinkt schrie, Leon zu folgen, in den Kampf zu rennen. Aber der kalte, überlebende Teil seines Verstandes, der Teil, den Leon selbst in ihn hineingeschliffen hatte, wusste, dass dies der einzige Plan war. Der beste Plan. Der schmutzige, opferbereite Plan.

Er duckte sich und rannte in die entgegengesetzte Richtung, hinaus aus der Tür, an der scheunenseite entlang und dann los, wie ein gejagtes Tier, Richtung des dunklen Waldes, der hundert Meter entfernt lag. Niemand rief hinter ihm her. Die kalte Nachtluht riss in seinen Lungen. Der Schmerz zwischen seinen Beinen, frisch und brennend von dem brutalen Akt im Hof, trieb ihn mit jeder Bewegung an, eine scharfe Erinnerung an das, was er zurückließ.

Er erreichte die Baumlinie und stürzte sich hinein, ohne sich umzusehen. Seine Füße sanken in weiches Moos. Erst nach fünf Minuten, als die Stiche in seiner Seite unerträglich wurden, blieb er stehen, lehnte sich keuchend an eine Kiefer. Von weit her hörte er einen einzigen, scharfen Knall. Kein Gewehr. Kürzer. Präziser.

Pistole.

Ein Vogel schrie auf und verstummte. Dann war es still.

Alex rutschte den Baumstamm hinab auf den Boden. Er zog die Kamera aus seiner Jacke, hielt sie in der zitternden Hand. Das kleine, schwarze Plastikteil fühlte sich plötzlich so schwer an wie ein Grabstein. Er drückte sie gegen seine Brust, dann steckte er sie wieder weg, sicher eingeschlossen neben dem USB-Stick. Sein Atem beruhigte sich langsam. Die Dunkelheit um ihn herum war nun keine Bedrohung mehr, sondern eine Decke. Er war allein.

Völlig allein.

Die ersten grauen Streifen der Morgendämmerung kündigten sich über dem See an. Er stand auf, seine Gelenke schmerzten. Er orientierte sich am leisen Rauschen des Wassers und begann, sich vorsichtig, von Baum zu Baum, in Richtung Ufer zu bewegen. Der Plan war einfach. Überleben. Bis es hell war. Dann das Ufer absuchen, eines der Ferienhäuser finden, an eine Tür klopfen. Die Geschichte erzählen. Die Beweise vorlegen.

Er dachte an Leons Gesicht im Schein des Telefons. An das Gefühl von ihm, brutal und fordernd in seinem Inneren. Es war keine Liebe gewesen. Es war eine Art blutiger Pakt, besiegelt in Schmutz und Samen. Ein letzter Beweis, dass sie lebten, bevor einer von ihnen starb.

Alex’ Finger tasteten an den USB-Stick in seiner Tasche. Der Beweis. Kattas Vermächtnis. Leons Rache. Sein Grund, weiterzugehen.

Er erreichte das Schilf und ließ sich auf die Knie sinken. Das Wasser war eisig, als es in seine Schuhe sickerte. Er wartete. Das Licht wurde stärker, tauchte den See in milchiges Grau. In der Ferne, auf der anderen Seite des Gewässers, wurden die Umrisse von Dächern sichtbar. Normale Häuser. Eine andere Welt.

Mit einem tiefen Atemzug stand er auf und watete hinaus in das kalte, seichte Wasser, um zu schwimmen. Der Stick und die Kamera waren sicher wasserdicht. Seine Kleider zogen ihn nach unten. Er schob sich weiter, bis der Grund unter seinen Füßen verschwand, und begann mit schweren, bestimmten Stößen, sich durch das dunkle Wasser zu ziehen. Richtung der anderen Seite. Richtung dem, was kommen würde.

Richtung dem, was kommen würde.

Das Wasser war ein Schock, der bis in die Knochen zog. Jeder klaubenende Zug brachte ihn weiter weg vom Wald, vom Hof, von der vereisten Leere, die sich in seiner Brust ausgebreitet hatte seit dem Pistolenschuss. Sein Kopf war eine stumpfe, dröhnende Glocke, in der nur ein Satz schwang: Schwimm. Gib das Zeug weiter.

Er erreichte das felsige Ufer der gegenüberliegenden Seite, klammerte sich an nassen Wurzeln, zog sich an Land. Er kauerte hinter einem umgestürzten Baum, die Zähne klappernd, während sein Blick über das trübe Wasser schweifte. Keine Boote. Keine Verfolger. Nur das graue, leergefegte Panorama des Sees, unter einem sich aufhellenden Himmel.

Die Cottages lagen zurückversetzt, versteckt hinter Kiefern. Er wählte das mittlere, ein schlichtes Holzgebäude mit verblassten Vorhängen. Sein Klopfen an der Tür war schwach, ein verzweifeltes Trommeln mit tauben Fingern.

Die Tür öffnete sich einen Spalt. Ein älterer Mann, die Stirn zerfurcht von Schlaf, blickte heraus. Sein Blick fiel auf Alex' triefende Kleidung, sein kalkweißes Gesicht, die blutunterlaufenen Augen.

„Was zum...?“

„Bitte,“ brachte Alex hervor. Seine Stimme war ein zerkratztes Geräusch. „Telefon. Polizei. Bitte.“

Eine Stunde später. Das Cottage war voll mit gedämpften Stimmen und dem künstlichen Licht von Bildschirmen. Zwei uniformierte Polizisten aus dem Dorf, unsicher und überfordert, standen im Wohnzimmer. Ihre Ankunft war rasch gewesen, aber ihre Blicke waren misstrauisch, auf Alex gerichtet, der auf der Couch hockte, eingewickelt in eine grobe Wolldecke. Er hatte die Kamera und den Stick ausgehändigt. Einer der Polizisten, ein blonder Junge mit Akne, hantierte nun mit einem Laptop, versuchte, die Dateien zu öffnen.

„Da ist eine Passwortabfrage,“ sagte der junge Polizist. Seine Stimme klang enttäuscht.

„Felix,“ sagte Alex. Die Einzelheiten aus Leons Telefonat sickerten zurück. „Der Kontakt heißt Felix. Er hat es weitergeleitet. Sie müssen ihn finden. Er kann die Dateien öffnen.“

Der ältere Polizist, ein Mann mit schnauzbart und schweren Augenlidern, seufzte. Er sah nicht wie ein Mann aus, der einen korrupten Immobilienmogul stürzen wollte. Er sah aus wie ein Mann, der um seine Frühstückspause gebracht worden war.

„Und dieser... Leon?“ fragte er und blätterte in einem Notizblock. „Letzter bekannter Aufenthaltsort?“

„Der verfallene Hof. Am Ostufer. Dort... dort haben sie ihn verfolgt.“ Alex schluckte. Er sah die blinkenden Scheinwerfer vor seinem inneren Auge, hörte den kurzen, trockenen Knall.

Der Polizist nickte langsam, machte eine notiz. „Wir schicken eine Streife hin.“

Die Gleichgültigkeit in seiner Stimme war wie ein Schlag ins Gesicht. Das war nicht die Auflösung. Das war Bürokratie. Das war das langsame Zermahlen der Wahrheit zu Formularen. Alex sah den USB-Stick auf dem Couchtisch liegen, ein winziges schwarzes Stück Plastik, das eine ganze Welt in sich trug. Und daneben Kattas Kamera. Seine Hand zuckte unter der Decke.

Die Tür des Cottages ging wieder auf. Kein Polizist. Ein Mann in ziviler Kleidung, einen Regenmantel über dem Arm. Er war Mitte Vierzig, hatte ein schmales, intensives Gesicht und Augen, die sofort den Raum scannten, jede Person, jedes Detail erfassten. Ein zweiter Mann, breiter gebaut, blieb im Türrahmen stehen, blockierte den Ausgang.

„Staatsanwaltschaft Dresden,“ sagte der erste Mann und zeigte einen Ausweis, den er sofort wieder einsteckte. Seine Stimme war ruhig, präzis, metallisch. Er ignorierte die uniformierten Polizisten vollständig. Sein Blick landete auf Alex. „Sie sind der Zeuge.“

Es war keine Frage. Alex nickte, die Kehle trocken. Die Sache bewegte sich jetzt in einer anderen Geschwindigkeit.

„Sie haben dem hiesigen Dienst Material übergeben?“ Der Mann trat näher, sein Blick glitt über den Laptop, den Stick, die Kamera.

Der junge Polizist wollte etwas sagen, aber der Mann hob nur eine Hand, eine kleine, definitive Geste, die ihn verstummen ließ. „Das übernehmen wir nun. Danke für Ihre Mithilfe.“ Es war eine Entlassung. Die Dorfpolizisten wechselten einen Blick, zuckten dann mit den Schultern und gingen, wortlos, aus dem Cottage hinaus. Die Tür schloss sich hinter ihnen.

Der Mann setzte sich auf einen Stuhl gegenüber von Alex. Sein Kollege blieb an der Tür. Die Luft war plötzlich stickig.

„Mein Name ist Vogel,“ sagte der Mann. „Ich leite eine Sonderermittlung zu Umweltstraftaten und Korruption in der kommunalen Bauverwaltung. Der Name Frommhold ist uns bekannt. Die Beweise, die Sie beschreiben...“ Er ließ den Satz in der Luft hängen, seine Augen fixierten Alex. „Wir brauchen Ihre komplette Aussage. Von Anfang an. Jedes Detail.“

Sie arbeiteten den ganzen Tag. Vogel stellte Fragen, ruhig, unerbittlich, bohrte in jede Lücke, jedes Zeitintervall. Der andere Mann, Rossner, nahm alles auf einem digitalen Rekorder auf. Alex sprach. Er sprach von Katta, von ihrer Begeisterung, von ihrer Angst. Er sprach von der Flucht, von dem toten Jäger im Wald, von der blutigen Nacht in der Hütte. Sein Bericht über Leons Gefangennahme klang in seinen eigenen Ohren hohl, mechanisch. Vogel hörte zu, ohne mit der Wimper zu zucken, als Alex von dem verfallenen Hof berichtete, von dem Telefonat, von der Verfolgung.

„Leon Deutscher ist ein bekannter Sachse,“ sagte Vogel irgendwann, während er sich eine Notiz machte. „Ermittlungen wegen schweren Diebstahls, Einbruchs. Ein Einzelgänger. Keine politischen Verbindungen.“

„Er hat versucht, es richtig zu machen,“ sagte Alex, ohne Überzeugung.

„Das ist irrelevant für die Verfahren. Er ist ein Werkzeug. Ein Mittel zum Zweck.“ Vogel klappte seinen Notizblock zu. „Für Sie, Herr Weber, gilt anderes. Sie sind der Kronzeuge. Ohne Ihre Aussage ist das Videomaterial kompromittiert. Herkunft unklar. Sie müssen absolut wasserdicht sein. Das heißt, Sie kommen mit uns. Jetzt.“

„Und Leon?“

Vogels Blick war eisklar. „Wird gesucht. Dafür sind andere zuständig. Ihre Sicherheit hat Priorität.“ Er stand auf. Rossner trat vom Türrahmen weg, öffnete die Tür. Draußen stand jetzt ein dunkler Geländewagen mit getönten Scheiben, Motor laufend.

Die Abreise war klinisch. Kein Abschied vom Besitzer des Cottages. Vogel führte Alex am Arm hinaus und in den Wagen. Rossner fuhr. Sie fuhren nicht zum nächsten Polizeirevier. Sie fuhren auf die Autobahn, Richtung Dresden.

Sie brachten ihn in eine sichere Wohnung, eine schmucklose Zwei-Zimmer-Etage am Stadtrand. Die Möbel waren zweckmäßig, der Kühlschrank halb gefüllt mit abgepackten Lebensmitteln. Vogel gab ihm einen neuen, einfachen Handy. „Nur eine Nummer programmiert.Meine. Verlassen Sie die Wohnung nicht. Sprechen Sie mit niemandem.“

Die Tage verschwammen zu einem Muster aus Vernehmungen, erneuten Vernehmungen, und wartenden Stunden in der Stille. Vogel kam und ging. Ein Techniker kam, kopierte die Dateien vom Stick unter höchsten Sicherheitsvorkehrungen. Die Welt draußen schien stillzustehen. Alex schaltete nie den Fernseher an. Er aß wenig. Er schlief auf dem harten Bett und träumte von nassem Moos und dem Geruch von Sperma in einer verfaulten Stube.

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