Chapter 151: Chapter 151
Neunzehn. Die Zahl hing im Raum wie eine verwelkte Girlande, ein Tag wie jeder andere, nur mit dem faden Beigeschmack von Pflicht. Leon hatte bestanden. „Feiern müssen wir“, hatte er gesagt, und zwei Flaschen Billig-Wodka aus dem Supermarkt gezerrt. „Damit es wie bei normalen Leuten ist.“ Normale Leute. Sie tranken, um das Wort zu ertränken.
Sein Zimmer. Ihr Zimmer. Es roch nach altem Staub, nach den schimmeligen Büchern unter dem Fensterbrett und nach dem metallischen Hauch von Leons Piercing, das jetzt vollständig verheilt war. Eine perfekte, kleine Invasion seines Fleisches. Eine ständige Präsenz.
Sie begannen um acht. Tranken Wodka mit warmem Orangensaft aus den gleichen verbeulten Plastikbechern. Der erste Schliff war Feuer, der zweite Routine, der dritte Beginn einer sanften, wärmenden Betäubung. Sie hatten die zweite Flasche schon geöffnet, als die Möbel zu atmen begannen. Die Tapete pulsierte. Der abgewetzte Teppich fühlte sich an wie Fell.
„Prost auf dich“, grummelte Alex und ließ seinen Becher gegen Leons stoßen. „Mögest du nie erwachsen werden.“
Leon grinste, ein schiefes, trübes Ding. „Zu spät.“ Er leerte sein Getränk mit einem Zug. Seine Augen waren schon glasig. Alex füllte nach. Die erste Flasche war tot. Der zweite Wodka brannte nicht mehr, er schlich sich ein, ein öliger, warmer Freund, der alle scharfen Kanten der Welt polierte.
„Sag mal“, Alex’ Zunge war schwer und gefühllos, „spürst du das Ding überhaupt noch?“
Leon zuckte mit den Schultern, ein langsames, übertriebenes Wackeln. „Immer. Es zieht. Wenn ich laufe. Wenn ich steif werde. Einfach… da.“ Er stand schwankend auf, knöpfte seine Jeans auf, ließ sie zu Boden fallen. Er trug keine Unterhose. Sein Schwanz hing schlaff, aber der vertikale Barbell aus Stahl funkelte im gelben Licht der Nachttischlampe. „Siehst du? Ein eigenes Leben.“
Alex kroch auf allen vieren vom Bett, stützte sich auf Leons Oberschenkel. Sein Atem war heiß und nach Alkohol auf der Haut. „Sieht aus wie ‘ne Türklinke für Zwerge“, lallte er und stupste mit der Nase dagegen. Das Metall war kühl. Es gab ein leises, befriedigendes Klick, als er es mit der Zunge anhob und fallen ließ.
Leon stieß ein kurzes, kehliges Lachen aus. „Du bist so bescheuert besoffen.“ Seine Hand grub sich in Alex’ Haare, nicht sanft, und drückte sein Gesicht näher heran. „Lutsch dran. Dem Piercing. Zeig mir, wie man ‘ne Türklinke leckt.“
Alex gehorchte, seine Zunge umspielte den kühlen Stab, folgte seinem Weg durch das Fleisch, schmeckte das leicht metallische, saubere Gewebe. Leon stöhnte, sein Schwanz zuckte, begann langsam zu wachsen, und mit ihm richtete sich der Barbell auf, ein steifer, kleiner Zeigefinger. Alex nahm mehr von ihm in den Mund, nahm das Glied bis zum Anschlag, wobei der Ring unwillkürlich gegen seine Lippen, seine Zähne stieß. Klick. Klick.
„Genau so“, fauchte Leon. Seine Hüften begannen einen langsamen, trägen Stoßrhythmus. Der Wodka machte alles langsam, dickflüssig, aber bedeutungsvoll. Alex würgte, spürte den Fremdkörper an seinem Gaumen, und das würgende Gefühl, vermischt mit der aufsteigenden Übelkeit des Alkohols, löste eine seltsame, prickelnde Erregung in seinem Unterleib aus.
Irgendwann zog Leon ihn hoch, küsste ihn mit einem nach Wodka und Schweiß schmeckenden Mund. „Ich will dich ficken“, knurrte er zwischen die Lippen von Alex. „Jetzt. Besoffen. Hart.“
Sie stolperten rückwärts zum Bett, fielen in die kalten Laken. Alex lag auf dem Rücken, seine Beine fielen von selbst auseinander. Sein Kopf drehte sich. Die Decke war ein wirbelndes Grau. Leon fummelte mit dem Gleitgel, verschmierte sich grob seinen steifen, durchbohrten Schwanz, dann kleckerte er einen kalten Klacks zwischen Alex’ Backen.
„Bist du ready?“, fragte Leon, seine Stimme war heiser vor Lust und Alkohol.
„Mach einfach“, keuchte Alex. Er spürte seine eigene Erregung nicht als Erektion, sondern als ein tiefes, fordendes Pochen in seinem Bauch, in seinem Loch. Es war ein leerer, gieriger Raum.
Leon drang ein. Es war kein langsames Vorspiel. Der betrunkene, ungeschmierte Stoß war eine weiße, zerreißende Explosion von Schmerz. Alex schrie auf, seine Nägel gruben sich in Leons nackten Rücken. Der Barbell, dieser harte, fremde Punkt, riss und kratzte seinen Weg in ihn hinein.
„Scheiße, Alex, du bist so eng… so verdammt eng…“, stöhnte Leon und blieb einen Moment tief in ihm stecken, zitternd vor Anstrengung. Dann zog er sich zurück und stieß wieder zu. Jeder Stoß war ein abgehackter, brutaler Akt. Ramm – klick. Ramm – klick. Der Metallring schlug jedes Mal gegen seinen Prostata, ein scharfes, elektrisches Signal, das direkt in sein Gehirn brannte.
Alex’ eigener Schwanz lag schlaff und leblos auf seinem Bauch. Es gab keine Erektion. Nur diesen infernalischen, inneren Rhythmus, diesen sich ausdehnenden Schmerz, der sich mit jedem Stoß in etwas anderes verwandelte, etwas Dringendes und Unausweichliches. Er fing an zu stöhnen, nicht vor Lust, sondern vor einer Art panischer Hingabe. „Mehr… fick mich kaputt… mit dem Scheißteil…“
Leon, angestachelt durch die schmutzigen Worte, erhöhte das Tempo. Das Bett hämmerte gegen die Wand, ein stumpfes, wütendes Schlagen. Seine Hände umklammerten Alex’ Hüften, hoben ihn an, damit er noch tiefer, noch härter stoßen konnte. Schweiß tropfte von Leons Stirn auf Alex’ Brust. Der Raum roch nach Alkoholausdünstung und Sex.
„So gefällts dir, was?“, keuchte Leon, seine Gesichtszüge waren zu einer grimmigen Maske verzerrt. „Du kommst gleich, ich seh’s. Ohne dass deine kleine Pissleine auch nur müde wird. Du kommst einfach so, weil ich es dir mache. Weil ich das Ding in dir hab.“
Es war wahr. Eine krampfhafte Welle baute sich in Alex’ Unterleib auf, ganz ohne die üblichen Signale. Keine blutgefüllte Härte, nur ein tiefes, unaufhaltsames Zittern, das von diesem punktgenauen, metallischen Reiben ausging. Es war, als würde sein ganzes Nervensystem umgeleitet.
„Ich… ich kann nicht…“, japste Alex, aber es war keine Abwehr. Es war eine Kapitulation.
„Doch, du kannst. Komm für mich. Komm von meinem Piercing aus.“ Leon donnerte in ihn hinein, sein eigenes Stöhnen wurde zu einem anhaltenden, tierischen Heulen.
Der Orgasmus, als er kam, hatte nichts mit Wollust zu tun. Es war eine Entladung, eine gewaltsame Leerung. Sein schlaffer Schwanz zuckte, ein dünner, klarer Strahl Schuss trat aus, gefolgt von ein paar trüben Tropfen, die über seinen Bauch liefen. Es war ein verkümmertes, erschöpfendes Zucken, das jeden Muskel in seinem Körper durchfuhr. Sein Arschloch krampfte um den eindringenden Fremdkörper, und dieses letzte, krampfhafte Zusammenzischen trieb Leon über die Kante.
Leon brüllte, ein rauer, triumphierender Laut, als er in Alex pulsierte, sein warmes Kommen durch den Tunnel des Piercings spürte. Er brach über Alex zusammen, sein Körper war eine schwere, schweißnasse Last.
Sie lagen still. Nur ihr keuchender Atem und das ferne Summen des Kühlschranks. Der Geruch war überwältigend: saurer Wodka, scharfer Schweiß, Sperma und Schmerz. Alex spürte etwas Warmes die Innenseite seines Oberschenkels hinunterlaufen. Sein ganzes Becken fühlte sich wund, benutzt, erfüllt. Eine leere, friedliche Matte.
Leon rollt mit einem Schmerzenslaut von ihm ab. „Fuck“, krächzte er. „Das war…“
„Ja“, beendete Alex den Satz für ihn. Er hatte keine Worte. Sein Verstand war ein weißes Rauschen. Er wandte den Kopf. Leon lag da und starrte an die Decke, ein leises, zufriedenes Lächeln auf seinen gesenkten Lippen. Der Piercingstachel glitzerte noch immer, feucht von ihren gemeinsamen Säften.
„Geburtstagskind“, krächzte Leon. „Alles Gute.“
Alex begann zu lachen. Ein leises, schnaubendes Geräusch, das aus seiner aufgerissenen Seele zu steigen schien. Leon stimmte ein. Sie lagen nackt, vollgepumpt mit Gift und gegenseitiger Zerstörung, und lachten, bis ihnen die Tränen über die schmutzigen Wangen liefen und sie sich vor Bauchschmerzen krümmten.
Irgendwann verstummte das Lachen. Die Stille danach war weich und tief. Leon streckte eine zitternde Hand aus, fand Alex’ Hand. Ihre Finger verhakten sich, schmutzig und nass.
„Normal“, flüsterte Alex.
„Unser Normal“, korrigierte Leon.
Draußen begann der Morgen zu grauen. Sie bemerkten es nicht. Sie waren neunzehn, sie waren besoffen, sie waren zusammengefickt und zusammengehörig. Irgendetwas in Alex, eine alte, eisige Angst, war mit diesem schmerzhaften, lustlosen Orgasmus aus ihm herausgeschlagen worden. Es war kein guter Gefühl. Aber es war ein wahres Gefühl. Und in dieser Wahrheit, in diesem klebrigen, stinkenden Chaos, fand er einen eigenartigen, verdrehten Frieden. Er drückte Leons Hand. Leon drückte zurück. Die Türklinke für Zwerge war still. Ihre Arbeit war getan.
Ihre Arbeit war getan. Der nächste Morgen brachte einen Kater, der sich anfühlte, als hätte jemand Stahlwolle in ihre Augenhöhlen gerieben und Beton in ihre Schädel gegossen. Sie schafften es kaum zur Klausur, schrieben etwas Unleserliches auf ihre Blätter und stolperten wieder nach Hause. Die nächsten Wochen zogen dahin wie zäher Teer, erfüllt von der stickigen Luft durchgelearnter Nächte und den flehenden Mails an Dozenten.
Das Semesterende roch nach feuchter Pappe von Umzugskartons und dem bittersüßen Geruch von ausgestandenen Pflichten. „Morgen gehen wir“, sagte Leon und lehnte sich in seinem Drehstuhl zurück, die Füße auf dem vollgeräumten Schreibtisch. Seine Stimme klang flach. „Für drei Monate.“
Alex stand am Fenster und blickte auf den Hof hinaus, wo andere Studenten ihre Kisten in Autos luden. „Drei Monate sind nichts.“
„Sind sie doch.“ Leon ließ den Stuhl nach vorn kippen. Das Holz knarrte. „Bei mir zu Hause gibt es keine schmutzigen Handtücher unter dem Bett. Bei mir zu Hause fragt meine Mutter, warum ich so oft in meinem Zimmer bin.“
Sie verstanden es ohne weitere Worte. Die dicken Wände ihrer WG, ihre eigenwillige Normalität, sie blieben hier zurück. Ein Gefühl der Panik, alt und bekannt, kroch in Alex’ Magen. Es war das Gefühl von Donnerstagen, von braunen Umschlägen. Es war das Gefühl von Leere, die nach Lärm verlangte.
Es war das Gefühl von Leere, die nach Lärm verlangte. „Gehen wir weg“, sagte Alex, ohne sich vom Fenster abzuwenden. „Heute. Richtig weg. So betrunken, dass wir morgen nicht mal mehr unseren eigenen Namen wissen.“
Leon schaute auf sein Handy. Die Abfahrtszeiten der Züge standen dort. „Meiner geht um zehn.“ Sein Finger tippte auf den Bildschirm. „Deiner um halb elf. Das gibt uns...“ Er rechnete mit langsamer, betrunkener Zunge. „...achtzehn Stunden.“
„Genug.“ Alex drehte sich um. Sein Gesicht war entschlossen, ein stupider, trotziger Ausdruck, den Leon wiedererkannte. Es war das Gesicht, das sie beide kannten, bevor alles aus dem Ruder lief. „Ein letztes Mal. Ein Fest. Für uns.“
Sie fingen am frühen Nachmittag an, mit Bier in der Sonne vor dem Späti. Das erste schmeckte nach Abschied. Das dritte schmeckte nach gar nichts mehr. Um fünf wechselten sie zu härterem Zeug, Jägermeister aus klebrigen Shotgläsern in einer verdunkelten Kneipe um die Ecke. Der Kreis ihrer Kommilitonen war größer, laut lachende Gesichter, die sie kaum kannten. Die Gespräche waren ein surrendes Rauschen, ein Brei aus Prüfungsbeschwerden und Sommerplänen, durch den sie hindurchtauchten wie durch dickes Wasser.
Um acht waren sie in einem Irish Pub, der nach verschüttetem Guinness und altem Holz roch. Leon hatte seinen Arm um Alex’ Schultern geworfen, eine schwerfällige, besitzergreifende Geste. „Der hier geht mir nicht weg!“, brüllte er in das allgemeine Gebrüll, und seine Hand taste an Alex’ Hals hinunter, unter den Kragen des Shirts. Die Berührung war öffentlich, assertiv. Alex trank seinen Whiskey-Cola und ließ es geschehen. Der Lärm war ein willkommener, betäubender Wall.
Gegen zehn, in einem überfüllten Studentenkeller mit klebrigem Fußboden, verlor Alex die Fähigkeit, klar zu sehen. Die Gesichter verschmolzen zu Fleischwolken, die Lichter zu langgezogenen Sternschnuppen. Jemand drückte ihm ein weiteres Bier in die Hand. Er verschüttete die Hälfte auf sein Hemd. Es war kühl und nass auf seiner Brust. Leon lachte, ein offener, hässlicher Mund voller schiefer Zähne. „Du siehst aus wie ein BABY!“, grölte er. „Ein besoffenes, sabberndes BABY!“ Er leckte Alex die Bierspur vom Hals. Die Zunge war heiß und sandpapierig. Ein paar Leute johlten.
Die Clubs am Hafenufer waren der logische, furchtbare nächste Schritt. Die Musik war kein Beat mehr, sondern ein physikalischer Druck, der ihre Schädel rhythmisch eindrückte. Alex klammerte sich an Leon, während sie sich durch das Gewühl stahlen, ein einziges, viereiniges, schwankendes Monster. Sie tranken Wodka Energy aus Plastikflaschen, die nach Waschbenzin schmeckten. Alex’ Magen krampfte sich zusammen, ein Warnsignal, das er ignorierte. Er sah, wie Leon mit einer fremden Frau tanzte, seine Hüften schlugen einen stumpfen, obszönen Rhythmus, der Piercing eine harte Linie gegen den Stoff seiner Jeans. Ein blinder Zorn durchfuhr Alex. Er stolperte durch die Menge, griff nach Leons Arm, zerrte ihn zu sich.
„Meiner“, brüllte er gegen Leons Ohr. Der Geruch von Schweiss und süßem Parfüm war überwältigend.
Leon’s Augen waren zwei schwarze, leere Löcher. Er grinste. „Deiner. Komm.“
Die Toilette war eine Höhle aus Graffiti, üblem Geruch und flackerndem Neonlicht. Sie fielen in eine Kabine, verrammelten die Tür mit einem schwachen Riegel, der schon gebrochen aussah. Keine Worte mehr. Alex drehte Leon herum, drückte sein Gesicht gegen die kalten, bekritzelten Plastikwände. Seine Hände fummelten an Leons Gürtel, an seinem Hosenknopf. Seine Finger waren taub, ungeschickte Klumpen.
„Lass mich. Ich mach das“, knurrte Leon und schob Alex’ Hände weg. Er beugte sich vor, zog seine Jeans und Boxershorts bis zu den Knien herunter. Seine Arschbacken waren weiß im harten Licht. „Fick mich. Hier. Jetzt.“
Alex brauchte einen Moment, um seine eigene Hose aufzukriegen. Sein Schwanz war halb schlaff, ein betrunkenes, missmutiges Ding. Er spuckte in seine Hand, rieb den Speichel grob über sich selbst, dann über Leons Eingang. Es war nicht annähernd genug. Es war roh und absichtlich so.
Er stieß zu. Ein trockenes, reibendes Eindringen, das auf beiden Seiten einen erstickten Schmerzensschrei auslöste. Leon schlug mit der Faust gegen die Kabinenwand. Boom. Alex packte ihn an den Hüften, zog ihn zurück auf sich. Jeder Stoß war eine mühsame, knirschende Anstrengung. Der Alkohol hatte ihn stumpf gemacht, er spürte kaum die enge Hitze, nur einen dumpfen, widerständigen Druck. Sein Blick fixierte den vertikalen Metallstab, der an Leons schlaff hängendem Schwanz baumelte und im Neonlicht zitterte.
„Hart!“, keuchte Leon, seine Stimme war zum Schreien heiser. „Wie beim Geburtstag! Vergiss deinen Namen!“
Alex erhöhte die Kraft, nicht das Tempo. Seine Stöße hatten die brutale Plumpheit eines Rammbocks. Er hämmerte in Leon hinein, trieb ihn jedes Mal gegen die Wand. Der Piercing schwang wild hin und her. Klack-klack-klack gegen das Plastik. Alex konzentrierte sich auf dieses Geräusch, den taktlosen, metallischen Aufschlag. Es war das Einzige, das durch den Nebel aus Wodka und Bass drang.
Irgendwann spürte er ein leichtes Pulsieren in seiner Leistengegend. Keine echte Lust, nur eine automatische, biomechanische Reaktion auf Reibung. Es reichte. Sein Organ kompellte ihn in einem trockenen, schmerzhaften Ruck mehrmals hintereinander. Es fühlte sich an wie ein Muskelkrampf im Unterleib. Kein Sperma, nur leere, wütende Zuckungen. Er blieb in Leon stecken, keuchend, sein Gewicht lastete auf dem anderen.
Leon hatte sich selbst einen runtergeholt, eine schnelle, aggressive Bewegung. Sein Kommen spritzte gegen die beschmierten Wände. Schweiss lief ihnen in Strömen den Rücken hinunter.
Dann war es vorbei. Schweigend zogen sie ihre Kleider hoch. Die Kabine war jetzt erfüllt von einem neuen, beißenden Geruch. Sie verliessen die Toilette unter den leeren Blicken anderer Männer, die sich an den Urinalen festhielten.
Draussen war die Musik nur noch ein ohrenbetäubender Schmerz. Alex spürte, wie sich alles in ihm drehte. Die Lichter waren Messer. Er taumelte zum Ausgang, Leon hinterher. Die frische Nachtluft traf ihn wie ein Schlag. Er machte drei Schritte, dann beugte er sich vor und erbrach sich explosiv auf den asphaltierten Bürgersteig. Bier, Whiskey, Wodka, halbverdaute Pommes – ein grauer, säuerlicher Strom.
Leon stand daneben, hielt sich an einem Laternenpfahl fest. „Alles gut raus“, murmelte er, bevor er sich ebenfalls übergab. Sie kauerten dort wie verwundete Tiere, ihre Körper entleerten sich im Einklang.
Ein Türsteher schrie sie an, zu verschwinden. Sie wankten die Strassen entlang, bar aller Würde, zwei besudelte Gestalten in einer Stadt, die inzwischen gleichgültig schlief. Sie fanden keinen Taxi. Sie fanden eine Bushaltestelle. Sie fielen auf die harte Bank, lehnten aneinander.
„Ich kann nicht fahren“, schlurrte Alex. „Ich seh‘ drei Busse.“
„Ich auch nicht.“ Leon’s Kopf sank auf Alex’ Schulter. „Bleiben wir hier. Schlafen hier.“
„Das ist unser letzter Tag.“
„Weiß ich.“
Eine Stunde später, oder vielleicht waren es nur Minuten, weckte sie der erste Regen. Ein feiner, kalter Nieselregen, der ihre durchgeschwitzten Shirts noch kälter auf der Haut kleben ließ. Sie standen auf, ein fast unmöglicher Akt der Coordination, und stolperten weiter, orientierungslos. Irgendwann erkannte Alex eine Gasse. Dann eine Tür. Ihre Haustür. Er wusste nicht, wie sie hierher gekommen waren.
In der Wohnung stolperte Leon direkt aufs Badezimmer zu und übergab sich wieder, diesmal nur noch bittere Galle, die in die schmutzige Toilette spritzte. Alex fiel auf das knisternde Leder des Wohnzimmersofas. Die Welt drehte sich immer noch, aber langsamer jetzt, eine träge Karussellfahrt zur Hölle. Er hörte Leon stöhnen, dann das Geräusch der Dusche.
Leon kam zurück, nass, nackt, bleich wie Kreide. Er fiel neben Alex auf den Sofa. Sie lagen da, zwei leblose Körper auf dem abgewetzten Leder, während der graue Morgen durch die Jalousien kroch. Ihre Atemzüge rochen nach Tod und Desinfektion.
„Ich werde dich vermissen“, sagte Leon. Seine Stimme war ein zerkratztes Flüstern.
„Wir schreiben.“
„Das ist Scheisse. Und du weisst es.“
Alex wollte widersprechen, aber sein Mund war voll mit dem Geschmack von Erbrochenem und Reue. Stattdessen streckte er eine Hand aus, fand Leons Hand. Sie waren kalt und feucht. Drei Monate. Die dicken Wände der WG waren plötzlich durchsichtig, und dahinter sah er nur die erdrückende Normalität von Elternhäusern, von stummer Toleranz, von Leere, die nicht einmal nach Lärm verlangen durfte. Der würgende Lärm dieser Nacht lag wie eine giftige Decke auf ihnen. Er hatte nichts vertrieben. Alles war schlimmer.
Sein Zug fuhr in sechs Stunden. Leons Zug in sieben. Sie lagen noch eine Weile so, bis die Sonne aufging und ihre Augen brannten. Irgendwann stand Leon auf, um zu packen. Alex blieb liegen, starrte auf einen Riss in der Decke, und wusste, dass der Sommer eine Ewigkeit der Stille werden würde, aus der es kein Betrinken und kein brutales, kabinen-gestütztes Ficken gab, das ihn retten konnte.