Cover of The Deepest Dive

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A story about two chubby boys (otters in gay terms) in their mid twenties (at least 2500 words) about how they meet and them having sex (being as detailed and explicit as possible)

Chapter 167: Chapter 167

Der Schlamm war eiskalt. Er drang durch die dünnen Stoffe ihrer Hosen, saugte sich an Haut und Haar fest, eine klammende, lebendige Hülle. Alex lag auf dem Rücken, den Blick durch das Gerank kahler Äste auf den fahlen Himmel gerichtet. Neben ihm, so nah, dass er den schnellen, flachen Rhythmus seines Atems hören konnte, lag Leon reglos. Das ferne, gierige Knacken des brennenden Sprinters war das einzige Geräusch. Der beißende Geruch von verbranntem Plastik und Benzin hing schwer in der feuchten Luft.

„Sie werden das Feuer sehen,“ flüsterte Alex. Seine Lippen fühlten sich gefroren an.

„Das ist der Punkt,“ antwortete Leon, seine Stimme eine raue, emotionlose Monotonie. „Sie sollen es finden. Und sie sollen denken, wir sind darin gewesen.“

Sie lagen vielleicht eine Stunde so, bis das Knacken in ein leises Prasseln überging und schließlich verstummte. Die Kälte aus dem Boden kroch in Alex‘ Knochen, ließ seinen gesamten Körper unkontrollierbar zittern. Seine Verwundung pochte in einem dumpfen, gleichmäßigen Rhythmus.

Irgendwann, als die Mittagssonne als blasser Fleck hinter den Wolken stand, hörten sie Autos. Nicht die hektischen Sirenen der Feuerwehr, sondern das gedämpfte, professionelle Rollen mehrerer Fahrzeuge. Türen gingen zu. Leise, abgehackte Befehle waren zu hören. Männerstimmen.

Alex schloss die Augen. Er konzentrierte sich auf die Geräusche. Das vorsichtige Klirren von Metall, vermutlich Werkzeuge, mit denen sie die Überreste durchsuchten. Eine längere Stille. Dann die gedämpften Töne eines Funkgeräts.

„Zwei Leichen. Vollständig karbonisiert. In der Lage zum Fahrzeug. Wir benötigen die KTW.“

Alex atmete langsam aus. Sie hatten den Köder gefressen. Die Lehren verkohlter Stoffreste, der Gestank verbrannten Fleisches – es musste etwas Tierisches gewesen sein, Aas vom Rand der Böschung, das mitverbrannt war – hatten ihre Arbeit getan.

Die Männer blieben nicht lange. Das Procedur war effizient, klinisch. Der Abtransport der „Überreste“ dauerte keine zwanzig Minuten. Dann die Motorengeräusche, die sich entfernten. Eine weitere, längere Stille setzte ein.

„Jetzt,“ sagte Leon.

Sie krochen aus dem Graben, ihre Körper steif und mit einer Kruste aus getrockneter Schlamm bedeckt. Die Ruine des Sprinters war eine geschwärzte, rauchende Hülle. Leon spähte vorsichtig über den Parkplatzrand. „Weg ist frei.“

Sie bewegten sich wie Geister, weg von der Kreuzung, hinein in ein angrenzendes Gewerbegebiet mit verwaisten Lagerhallen. Ihre Kleider waren durchnässt und stanken nach Sumpf und Rauch. Sie hatten nichts mehr. Kein Geld, keine Papiere, keine Waffen. Nur die nassen, stinkenden Kleider auf dem Leib.

„Wir brauchen ein Loch. Irgendwo, wo wir trocken werden können. Wo wir denken können,“ sagte Alex, seine Zähne schlugen unkontrolliert aufeinander.

Leon nickte. Sein Blick glitt über die anonymen Fassaden. „Dort.“

Es war eine halb verfallene Lagerhalle am Ende einer Sackgasse. Eine der Rolltoren hing schief in der Schiene, dahinter gab es einen Spalt, gerade breit genug, um hindurchzuschlüpfen. Drinnen war es dunkel, staubig und kalt, aber trocken. Das Dach war an einigen Stellen undicht, Licht fiel in schmalen Strahlen herein und beleuchtete tanzende Staubpartikel. In einer Ecke lagen zerfetzte Styroporplatten und einige schimmelige Decken, Überreste obdachloser Lagerbewohner.

Sie sagten nichts. Sie ließen sich einfach auf die Decken fallen, den Rücken gegen die kalte Betonwand gelehnt. Die Stille zwischen ihnen war dick, geladen mit allem, was nicht gesagt worden war, mit dem, was sie getan hatten, mit dem, was sie verloren hatten. Kattas Gesicht im letzten Frame des Streams. Der Schlag. Das schwarze Bild.

„Sie hat es gewusst,“ brach Alex das Schweigen. Seine Stimme riss. „Sie wusste, dass sie sterben würde.“

„Ja,“ sagte Leon. Es war keine Bestätigung, nur eine Tatsachenfeststellung.

Die ungeheure Last dieser Tatsache senkte sich über sie. Sie hatten einen Menschen in den Tod geschickt. Zur eigenen Rettung. Alex spürte, wie etwas in ihm aufstieg, ein wildes, zitterndes Beben, das tief aus dem Bauch kam. Es war keine Trauer. Es war blankes, tierisches Entsetzen. Ein Geräusch entrang sich seiner Kehle, halb Schluchzer, halb Lachen.

Leon bewegte sich plötzlich. Er schob sich herum, kniete sich vor Alex. Seine Hände packten Alex‘ Gesicht, nicht sanft, sondern mit einem brutalen, fokussierten Druck, sodass Alex ihn ansehen musste.

„Hör auf,“ knurrte Leon. Seine Augen brannten im Dämmerlicht. „Hör jetzt auf damit. Das ist der Preis. Das ist es, was es kostet. Du darfst jetzt nicht in diese Scheiße hereinkippen. Noch nicht.“

„Was kostet es noch?“, keuchte Alex. „Wer ist noch dran? Du? Ich?“

„Vielleicht. Wahrscheinlich.“ Leons Hände zitterten leicht, aber sein Griff blieb fest. „Aber nicht heute. Heute sind wir tot. Und Tote müssen nicht weinen.“

Die Nähe war überwältigend. Der Gestank ihres gemeinsamen Überlebens vermischte sich: Rauch, Schweiß, Schlamm, Blut. Alex konnte die feinen Risse in Leons Lippen sehen, den staubigen Bartschatten auf seinen Wangen. In diesen eisblauen Augen spiegelte sich kein Mitleid, nur eine ebenso tiefe, verzweifelte Anerkennung. Sie waren gleich. Bis auf den Grund verdorben und verbraucht von dieser Sache. Geteilt.

Etwas brach. Ein Damm aus Anstand, aus Scham, aus Fassade, der schon seit Wochen, seit ihrer erzwungenen Koexistenz in der Wohnung, unter dem konstanten Druck von Angst und Gewalt Risse bekommen hatte. Es war kein Zärtliches, kein Verlangen im herkömmlichen Sinn. Es war die rohe, physische Notwendigkeit, zu fühlen, dass man noch lebendig war, ein animalischer Gegenbeweis zum Tod, den sie gerade inszeniert hatten.

Alex stieß sich nach vorne. Sein Mund prallte auf Leons, mehr eine Kollision als ein Kuss. Zähne schlugen aufeinander. Es war brutal, direkt. Leon antwortete sofort, mit der gleichen hungrigen, verzweifelten Wut. Seine Hände fuhren aus Alex‘ Haar, gruben sich in seine Schultern, zerrten ihn näher.

Sie fielen von den Decken auf den staubigen Betonboden. Ein Wirrwarr aus Schlamm, schmerzenden Gliedmaßen und fahrigem Griffen. Kleidung war ein Hindernis. Leon riss Alex‘ nasses Hemd nach oben, knöpfte es nicht auf, sondern zog einfach, bis Stoffe rissen. Die kalte Luft traf Alex‘ nackte Brust, gefolgt von der heißen, nassen Berührung von Leons Mund. Er biss zu, nicht spielerisch, sondern mit einem dunklen, besitzergreifenden Schmerz, der jäh und klar durch Alex fuhr.

„Scheiße,“ fauchte Alex, sein Rücken bog sich durch.

Leon schob ihn auf den Rücken, kniete sich zwischen seine Beine. Seine eigenen Hosen wurden notdürftig geöffnet, heruntergestreift, soweit es ging. Es gab kein Vorspiel, keine erkundende Sanftheit. Nur das drängende, panische Bedürfnis nach Bestätigung.

Spucke war das einzige Gleitmittel. Leon spuckte grob in seine eigene Hand, schmierte sich seinen schon harten, aufragenden Schwanz damit ein, ein schneller, praktischer Strich. Dann packte er Alex bei den Hüften, seinen Griff so fest, dass er später blaue Flecken hinterlassen würde, und richtete sich aus.

„Du willst das,“ knurrte Leon. Es war keine Frage. Seine Augen, in den Lichstreifen silbern glänzend, suchten Alex‘ Blick und hielten ihn fest.

„Ja, du Arschloch. Mach schon,“ antwortete Alex, seine Stimme war heiser vor etwas, das jenseits von Lust oder Zuneigung lag. Es war Herausforderung. Kapitulation. Eine Verdammung.

Leon stieß zu. Ein einziger, harter, unnachgiebiger Stoß, der Alex den Atem raubte. Der Schmerz war scharf, ein brennendes Reißen, das sofort in sein Bewusstsein einschnitt. Alex schrie auf, ein kurzes, gestoßenes Geräusch, das im leeren Raum der Halle verhallte. Leon blieb einen Moment tief in ihm, bewegungslos, sein ganzer Körper war eine gespannte Sehne. Sein Gesicht war eine Maske reiner, ungefilterter Intensität.

Dann zog er sich zurück und stieß wieder zu. Und wieder. Es war kein Rhythmus zum Vergnügen. Es war ein Stampfen, ein Hämmern, eine physische Durchsetzung ihrer gemeinsamen Existenz. Jeder Stoß schob Alex über den groben Beton, der Staub wirbelte auf. Der Schmerz vermischte sich, verwandelte sich in eine Art von wogender, elektrischer Präsenz, die alles andere auslöschte—die Kälte, die Angst, die Schuld.

Leon beugte sich vor, sein Körper presste auf Alex, sein Mund fand wieder Alex‘ Mund in einem beißenden, ungeschickten Kuss. Sein Atem war heiß und schnell. Alex umklammerte ihn, seine Nägel gruben sich in die verschwitzte Haut von Leons Rücken, zogen Striemen. Er hob seine Beine, winkelte sie an, um den Winkel zu vertiefen, um ihn noch weiter in sich aufzunehmen, und ein gutturales Stöhnen entwich Leon.

„So fick mich doch,“ sagte Alex gegen seinen Mund. „Beweis es. Beweis, dass hier noch was ist.“

Leon’s Bewegungen wurden noch heftiger, unkontrollierter. Das Schmatzen ihrer Körper, das gedämpfte Aufschlaggeräusch von Haut auf Haut, erfüllte den leeren Raum. Es war primitiv, hässlich und von einer geradezu erschreckenden Aufrichtigkeit. Sie starrten sich dabei an, suchten in den Zügen des anderen nach Gotteskenntnis welchem Zeichen – der Gewissheit, nicht allein verdammt zu sein, vielleicht.

Spannung kochte in Alex auf, ein intensiver Druck, der nichts mit Zärtlichkeit zu tun hatte. Seine eigene Hand griff nach seinem Schwanz, der zwischen ihren Bäuchen eingeklemmt war, und er begann, sich grob und schnell zu wichsen, im Takt von Leons wuchtigen Stößen. Die Empfindung war überwältigend, ein synthetischer, greller Blitz, der den dumpfen Schmerz überlagerte.

Leon stieß ein letztes Mal tief, verloren jeglichen Rhythmus. Sein ganzer Körper verkrampfte sich, ein langes, kehliges Stöhnen wurde ihm herausgerissen, als er heiß und zuckend in ihn kam. Das Gefühl von Wärme und Nachgeben löste in Alex etwas aus. Seine eigenen Hüften zuckten krampfhaft, und er kam mit schmerzhafter Heftigkeit, sein Sperma spritzte zwischen ihren Körpern und seine Stimme zerbrach in einem erstickten, heiseren Schrei.

Sie blieben so liegen, zusammengeklammert, atemlos und triefend. Das Pochen von Leons Herz schlug gegen Alex‘ Brust, ein wilder, lebendiger Trommelschlag. Langsam sackte Leon auf ihn, sein Gewicht eine fremde aber vertraute Last.

Die Zeit verging. Minuten. Ihre Atmung beruhigte sich. Die körperliche Realität kehrte zurück: der kalte Beton, der beißende Geruch von Schweiß und Sperma und Staub, der scharfe, brennende Schmerz in Alex‘ Unterleib. Leon rollt assaysich von ihm, ließ sich neben ihn auf den Boden fallen.

Kein Wort wurde gesprochen. Draußen begann es zu dämmern. Das fahle Licht wurde zu einem tieferen Grau.

Erst als ihre Körper anfingen zu frieren, bewegte Leon sich. Er zog seine Hosen hoch, stand schwerfällig auf. Er ging zu einer der undichten Stellen, wo Regenwasser in einer grünlichen Pfütze stand. Er zog sein zerrissenes Hemd aus, tauchte es ein, wusch sich mechanisch das Gesicht, den Hals, den Unterleib. Er trug es schwer nass über zu Alex.

„Hier. Reinige dich grob. Eine Infektion hier draußen ist der Tod.“

Alex nahm das eiskalte, nasse Tuch und tat, wie geheißen. Das Wasser brannte auf den kleinen Rissen und Abschürfungen. Sie säubert sich mit den zerrissenen Resten ihrer Kleidung, zogen sie wieder an, feucht und jetzt noch unangenehmer.

„Was jetzt? Wir können nicht hierbleiben,“ sagte Alex. Seine Stimme klang leblos.

Leon, jetzt am verrosteten Rolltor stehend und durch den Spalt spähend, antwortete ohne sich umzudrehen. „Wir warten bis zur kompletten Dunkelheit. Dann laufen wir. Es gibt einen Ort. Ein altes WG-Zimmer von vor einem Leben. In Kreuzberg. Der Schließstein später aufk Zarinaet. Es ist ein Loch. Aber es ist trocken und niemand kennt es.“

„Und dann?“

Leon drehte den Kopf. Sein Profil war ein Eisschnitt gegen das letzte Licht. „Dann sehen wir die Nachrichten. Und wir finden heraus, was Frommhold tut, jetzt, wo er denkt, wir sind tot. Wo er denken muss, sein größtes Problem sei gelöst. Wo er unvorsichtig wird.“

Ein Auto fuhr langsam die Sackgasse herunter. Sie erstarrten. Scheinwerferlicht strich über die verbogene Metallfassade der Halle, glitt über ihr Versteck und verschwand wieder. Das Geräusch des Motors verklang.

In der hereinbrechenden Dunkelheit war nur noch ihr gemeinsames Atmen zu hören. Zwei tote Männer, die auf die Nacht warteten, um wieder auferstehen zu können.

Zwei tote Männer, die auf die Nacht warteten, um wieder auferstehen zu können.

Die Dunkelheit, als sie endlich kam, war vollständig und gnadenlos. Kein Sternlicht drang durch die Wolken oder den Smog. Sie schälten sich aus ihrem Versteck, Glieder steif wie rostiges Scharnier. Jede Bewegung rief ein neues Echo von Schmerz hervor—Alex’ Seite, sein aufgerissener Unterleib, die blauen Flecken von Leons Griffen. Sie stanken nach Sex, Rauch und Schmerz.

„Kompass,“ murmelte Leon und spähte die leere Straße hinauf. Sein Atem bildete kleine Wolken in der Kälte. „Die Schienen. Wir folgen den S-Bahn-Schienen nach Westen. Irgendwann kreuzen wir die Görlitzer Bahnlinie. Dann sind wir in Kreuzberg.“

Sie bewegten sich durch eine Geisterlandschaft aus Industrieruinen. Das einzige Licht kam von fernen Straßenlaternen, die verschwommen durch den Nieselregen schimmerten. Ihre Schuhe klatschten in Pfützen. Alex konzentrierte sich nur auf den nächsten Schritt, dann auf den nächsten. Er war eine Maschine, die sich selbst vorantrieb, durch reine Willenskraft betrieben.

Eine Stunde verging. Eine andere. Der Rhythmus des Gehens wurde zu einer Art Trance. Die Stadt veränderte sich allmählich, Backstein wich verputzten Fassaden, gewerblichem Grau wichen bescheidenere Wohnblöcke. Sie überquerten eine breite, nasse Straße voller sporadischem Verkehr, tauchten in das Labyrinth der Kreuzberger Hinterhöfe ein.

Leon führte sie ohne zu zögern. Er bog in einen Hof ein, der mit alten Fahrrädern und kaputten Möbeln vollgestellt war. Eine zweite, innere Feuertreppe, deren Eisenstufen durchgerostet waren, führte hinauf zu einer Tür im dritten Stock. Das Schloss war alt, ein Doppelzylinder. Leon bückte sich, hob einen welken Blumentopf neben der Tür auf. Ein Schlüssel lag darunter, bedeckt von Schmutz und toten Insekten.

„Fünf Jahre,“ sagte er, als das Schloss mit einem schweren, öligen Klicken aufsprang.

Die Wohnung dahinter war eine einzige, große, eiskalte Dunkelheit. Der Luft stand still und roch nach Staub, alter Farbe und dem süßlichen Geruch von Schimmel. Leon tastete an der Wand nach einem Schalter. Eine einzelne Glühbirne an der Decke flackerte und erwachte, warf karges Licht auf das Chaos.

Es war Alex’ altes WG-Zimmer, oder das, was davon übrig war. Der abgewetzte Couch stand noch an derselben Wand, aber er war jetzt mit einer schmutzigen Plastikplane bedeckt. Der schmale Schreibtisch war umgekippt, seine Schubladen herausgerissen und leer auf den Dielenboden ausgestreut. Bücher und Papiere wurden zu einer nassen, verklumpten Masse in einer Ecke, wo das undichte Dach über Jahre hineingetropft hatte. Das Zimmer war ein Svengat, eine einbalsamierte Version eines Lebens, das gestorben war.

„Sie haben es durchsucht,“ sagte Alex. Seine Stimme war ein heiseres Krächzen.

„Vor langer Zeit,“ bestätigte Leon. Er schob die Wohnungstür hinter ihnen ins Schloss, verriegelte sie, stellte einen wackligen Stuhl unter die Klinke. „Als sie dich das erste Mal vernahmen. Sie fanden nichts. Niemand kam je wieder.“ Er ging zum Fenster, zog die zerrissenen Jalousien vorsichtig zu einem Spalt zusammen und spähte hinunter auf den Hof.

Alex ließ sich auf die Plane über dem Couch fallen. Das Plastik raschelte laut unter seinem Gewicht. Er zitterte. Die Anstrengung des Marsches hatte die letzte Wärme aus ihm gesaugt. Leon bewegte sich durch den Raum, so vertraut, als wäre er nie weggewesen. In einer Nische hinter der umgekippten Küchenzeile fand er einen zerbeulten Campingkocher und eine halbvolle Gaspatrone. Ein verrosteter Topf. Er füllte ihn mit Wasser aus dem eiskalten Wasserhahn in der winzigen Nasszelle, deren Tür von den Angeln hing.

Bald füllte das leise Singen des kochenden Wassers den Raum. Leon braute irgendein aufgefundenes, staubiges Instantgetränk auf, einen Kakao oder eine suppige Brühe, es war egal. Er reichte Alex eine emaillebecher. Die Hitze durchdrang das Metall und brannte in Alex’ Handflächen. Er trank, und die warme Flüssigkeit war ein fremder, fast schmerzhafter Luxus in seiner Kehle.

Leon trank stehend, den Blick immer noch am Fensterspalt. Sein Profil war im schwachen Licht hart geschnitten. Die Ereignisse des Tages—der Kampf, der Stream, das Feuer, der grobe, verzweifelte Fick im Staub—standen unsichtbar zwischen ihnen. Sie hatten keine Worte dafür. Vielleicht brauchten sie keine.

Stattdessen sprach Leon von praktischen Dingen. „Es gibt einen Kanalanschluss. Alte Hausverkabelung. Niemand hat ihn je gekappt.“ Er ging zum Schreibtisch, schob ihn mit einem Fuß beiseite, kniete sich hin. Eine losen Dielenbrett ließ sich anheben. Darunter, in der Dunkelheit zwischen den Balken, lag ein schmutziges Bündel, in eine ölige Plane gewickelt. Er zog es hervor.

Ein Laptop. Ein altes Modell, dick und schwer wie ein Ziegelstein. Ein Netzteil. Ein kleines Bündel Kabel. „Die Batterie wird kaum noch halten. Aber wir haben vielleicht eine Stunde.“

Er richtete den Laptop auf dem Boden ein, verband ihn mit dem Strom. Das Startgeräusch war ein lautes, mechanisches Rattern. Das Betriebssystem, veraltet und langsam, rappelte sich hoch. Leon verband ein Kabel mit einer alten Telefondose an der Wand, führte eine Serie arcane Befehle aus. „Ich hatte hier einmal einen Router versteckt. Im Lüftungsschacht. Die SSID war unsichtbar. Sie wird wohl Staub gefressen haben.“ Er drückte die Eingabetaste. Das Fenster blinkte. ‚Verbindung wird hergestellt…‘

Dann: ‚Verbunden.‘

Sie starrten auf den Bildschirm. Das blasse Licht spiegelte sich in ihren Augen. Leon öffnete einen Browser, tippte die Adresse einer großen deutschen Nachrichtenseite ein. Die Seite lud qualvoll langsam. Text tauchte zuerst auf.

SCHLAGZEILE: SPEKTAKULÄRE ENTHÜLLUNGEN UND BLUTIGES ENDE EINES JUSTIZSKANDALS?

Darunter: Die als ,zwoFREI-Stream‘ bekannte Enthüllung über Richter Frommhold endete heute früh gewaltsam. Kurz nach der Live-Schaltung wurde das Atelier der Journalistin Katta Meinhof gestürmt. Die Behörden bestätigen ihren Tod. Zwei weitere Personen, mutmaßlich die im Stream identifizierten Zeugen Alex B. und Leon G., kamen bei einem Fahrzeugbrand in Lichtenberg ums Leben. Richter Frommhold war für eine Pressekonferenz um 10 Uhr angekündigt, erschien jedoch nicht und ist derzeit für niemanden erreichbar.

Alex’ Atem stockte. Da war es. Ihre eigene Todesmeldung. Kattas offizieller Tod. Und Frommholds Verschwinden.

„Klick auf den Artikel,“ befahl Alex.

Leon tat es. Der Text rollte weiter. Ein Polizeisprecher wurde zitiert: „Wir gehen von einem tragischen Zusammenhang aus. Die Beweislage vor Ort in Lichtenberg deutet auf einen Unfall hin, möglicherweise im Zusammenhang mit der panischen Flucht der Verdächtigen nach dem Überfall auf das Atelier.“ Ein Foto: Ihre verkohlten Jackenreste, auf einer Forensik-Folie ausgebreitet. Es sah überzeugend aus.

Weiter unten: „Aus dem Umfeld der Staatsanwaltschaft heißt es, man verfolge mehrere Spuren. Der Fokus liege nun auf den Hintermännern, die die mutmaßlichen falschen Zeugen unter Druck gesetzt haben könnten. Richter Frommhold stehe unter dem Schock der Ereignisse und halte sich an einem nicht öffentlichen Ort auf. Seine geplante Pressekonferenz sei aus Sicherheitsgründen abgesagt worden.“

„Schweinekram,“ flüsterte Leon. Seine Finger trommelten auf dem Gehäuse des Laptops. „Sie haben die Geschichte gedreht. Jetzt sind wir die erpressenden Hintermänner. Frommhold ist das schockierte Opfer. Katta ist die bedauerliche Kollateralschädigung.“

„Und er ist im Wind,“ sagte Alex. Eine neue, eiskalte Wut erhob sich in ihm, kroch die Wirbelsäule hinauf. „Sie haben ihm ein Alibi gegeben. Er wartet jetzt irgendwo in einem sicheren Haus, bis die Wogen geglättet sind. Dann kommt er zurück, als der arme, bedrohte Richter.“

„Oder er verschwindet für immer mit einem neuen Pass und einem Koffer voller Geld, den ihm seine alten Freunde zukommen lassen, um ihn ruhig zu stellen.“ Leon schloss den Browser. Das Licht des Bildschirms war das Einzige, was ihre Gesichter beleuchtete. „Wir sind für sie erledigt. Das gibt uns Luft.“

„Es gibt uns nichts,“ sagte Alex. Er stand auf, wobei der Becher in seiner Hand zitterte. Der Schmerz in seiner Seite war ein konstantes, nagendes Feuer. „Es gibt uns ein Loch in einer fauligen Wohnung. Es gibt uns keinen Namen, kein Gesicht, keinen Weg, an ihn heranzukommen.“

Dann sah er Leon an. In diesem bleichen, bläulichen Licht sah er etwas in Leons Augen, das er zuvor nicht bemerkt hatte. Nicht Verzweiflung. Berechnung. „Du hast einen Plan,“ stellte Alex fest.

„Ich habe eine Erinnerung,“ korrigierte Leon. Er lehnte sich zurück gegen die kalte Wand, verschränkte die Arme. „Frommhold hat einen Sohn. Aus erster Ehe. Einen gewissen Lukas. Der Kontakt brach ab, als der Junge zwanzig war. Vor… muss zwölf Jahren sein. Er wollte nichts mit dem Alten zu tun haben. Zog nach Hamburg. Arbeitet irgendwo in der Musikbranche, für ein Kleinstlabel.“

Alex verstand sofort. „Du denkst, er wird zu ihm gehen?“

„Nein. Frommhold wird seinen Sohn nicht in Gefahr bringen. Aber er wird ihn im Blick behalten.“ Leons Stimme war ruhig, analytisch. „Als ich für ihn gearbeitet habe – bevor du ins Spiel kamst – habe ich einmal eine Akte gesehen. Überwacht, aber nicht bedroht. Regelmäßige, diskrete Updates. Ein Gefallen von einem Freund beim Verfassungsschutz. Der Sohn war sein einziger sentimentaller Punkt.“

„Wir können ihn nicht als Köder benutzen.“

„Wir müssen es nicht.“ Leon beugte sich wieder zum Laptop, tippte etwas. „Wir müssen nur herausfinden, ob die Überwachung immer noch aktiv ist. Wenn ja, wissen wir, wohin Frommhold die Updates schicken lässt. Das ist unser Faden.“ Er sah auf. „Aber dafür brauchen wir Zugang. Wir brauchen etwas, das wir eintauschen können.“

„Wir haben nichts.“

„Doch.“ Leons Blick wanderte durch den Raum, bis er auf dem umgekippten Schreibtisch mit den leeren Schubladen landete. „Wir haben die Wohnung des Richters. Und wir wissen, dass er nicht da ist.“

Die Logik war gewunden, kalt und gefährlich. Alex sah sie vor sich. Wenn Frommhold untergetaucht war, war seine Dienstwohnung oder sein privates Haus leer, möglicherweise bewacht. Aber nicht bewacht wie eine Festung. Bewacht wie ein Vermögenswert. Vielleicht von einem einzelnen Mann.

Ein Tausch: Ihr Eindringen, ihre mögliche Erbeutung von etwas Persönlichem, für Leons ehemalige Zugangscodes oder Kontakte in der schmutzigen Welt der privatisierten Überwachung.

„Das ist Wahnsinn,“ sagte Alex. Aber selbst als er es sagte, spürte er den Adrenalinstoß, das Gegenteil der lähmenden Leere von vorhin. Es war ein Ziel. Eine Bewegung.

„Es ist der nächste Schritt,“ sagte Leon einfach. Er schaltete den Laptop aus, und die Dunkelheit stürzte zurück in den Raum, schwerer als zuvor. Die Glühbirne warf nur noch einen kleinen Kreis fahlen Lichts. „Zuerst müssen wir schlafen. Wir müssen ein paar Stunden vergessen, dass wir tot sind.“

Sie richteten notdürftig die Couch her, schoben die nasse, schimmelige Matratze zur Seite, benutzten nur die federlose Unterlage und die Plastikplane. Es gab nur eine Decke, eine steife, militärische Wolldecke, die in derselben Ölplane eingewickelt gewesen war. Sie krochen darunter, beide angezogen, ihre Körper zwangsläufig nahe, um Wärme zu teilen.

Die Kälte war knochendeutlich. Alex lag auf dem Rücken und starrte in die Dunkelheit der Deckenunterseite. Neben ihm atmete Leon langsam und tief, aber Alex wusste, dass er nicht schlief. Der Geruch ihres früheren Aktes war noch immer an ihren Haut, vermischt mit dem Rauch und dem Schweiß. Er spürte die Wärme von Leons Körper entlang seines Armes, seiner Hüfte.

Dann eine Bewegung. Leons Hand, nicht sanft, nicht zärtlich, fand im Dunkeln Alex’ Gesicht. Seine Finger strichen über Alex’ Lippen, rau und fordernd. Alex erstarrte einen Moment, dann wandte er den Kopf und biss leicht in die Fingerkuppen. Ein grunzendes Geräusch kam aus Leons Kehle.

Es war nicht Lust. Es war etwas Düstereres: die Bestätigung, dass der andere noch da war, dass der andere noch das gleiche wusste, den gleichen Schmerz und die gleiche Wut in sich trug. Leon schob sich halb über ihn, sein Gewicht vertraut und eindringlich. Sein Knie schob sich zwischen Alex’ Beine, drückte gegen seinen Schritt durch die nasse, schmutzige Jeans. Ein sofortiger, unwillkommener Druck antwortete in Alex, ein rein physisches Echo.

„Du willst schon wieder,“ murmelte Leon gegen seine Schläfe, seine Stimme ein basslastiges Vibrier. „Du kotzt dich aus über die Scheiße, aber dein Körper weiß, worum es wirklich geht.“

„Fick dich,“ keuchte Alex, aber er hob seine Hüften, rieb sich gegen Leons Bein. Die Reibung war hart, rau durch den Denimstoff, und sie sandte eine Welle schmutziger, unmittelbarer Empfindung durch ihn. Es war eine Demütigung und eine Befreiung zugleich.

Leon fummelte mit Alex’ Hose auf, knöpfte sie nicht einmal ganz, sondern zog einfach den Reißverschluss herunter und griff hinein. Seine Hand war heiß und trocken, sie umschloss Alex’ bereits harten Schwanz mit einem Besitzergreifenden Griff, der keine Diskussionen zuließ. Er begann ihn zu wichsen, nicht langsam, nicht aufbauend, sondern mit einem schnellen, rhythmischen Druck, als würde er eine Waffe laden.

Alex stöhnte, ein kurzes, ersticktes Geräusch. Sein Kopf fiel zurück. Jeder Nerv war auf diese Berührung konzentriert, auf den alkoholischen Kontrast zwischen der groben Hand und den scharfen Empfindungen, die sie hervorrief. Leon beugte sich herab, sein Mund fand Alex’ Ohr. „Du hast mich in dich reingelassen, heute Mittag,“ zischte er. „Hast die Schmerzen gespürt. War das Sünde? War das Buße? Oder war das nur, um zu wissen, dass du noch bluten kannst?“

„Halt’s Maul,“ stieß Alex hervor, aber seine Hüften bewegten sich, stießen in den Ring aus Leons Finger und Daumen. Die Welt schrumpfte auf diese Dunkelheit, auf diesen Gestank, auf diese Hand.

„Ich werd’s nicht,“ sagte Leon. Mit seiner freien Hand öffnete er seinen eigenen Hosenbund. Er richtete sich auf, kniete sich zwischen Alex’ Beine und zog sie auseinder. Es gab keine Vorbereitung, keinen Gedanken an Schm

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