Chapter 145: Chapter 145
Es war wieder Donnerstag. Alex saß in seinem Zimmer und starrte auf die Uhr über seinem Schreibtisch. 20:07. Die Zeit kroch, als wäre sie in Sirup getaucht. In sieben Minuten würde er aufstehen, in die Küche gehen, und das Ritual beginnen. Sein Magen zog sich schon jetzt zusammen, ein vorauseilender Protest.
Seit drei Wochen war der Donnerstag jetzt ein fester Termin im Kalender seines Verderbens. Drei Wochen, seit Leon die Regel aufgestellt hatte. Drei Wochen, in denen Alex das Gefühl hatte, seine eigene Haut von außen zu beobachten, wie sie durch diese Abende stolperte. Er griff zur Packung Marlboro Rot, die jetzt immer auf seinem Schreibtisch lag. Er zündete sich eine an, inhalierte den rauen, vertrauten Rauch. Er rauchte wie Leon jetzt, mit der gleichen gierigen Entschlossenheit, als könnte der Rauch die Leere in ihm füllen.
Um 20:10 stand er auf. Seine Beine fühlten sich schwer an. In der Küche stand Leon schon am Kühlschrank, holte zwei Flaschen billiges Korn hervor. Sie sprachen nicht. Sie sahen sich nicht einmal richtig an. Leon stellte zwei klebrige Schnapsgläser auf den Tisch, füllte sie bis zum Rand.
„Auf den Donnerstag“, sagte Leon, sein Stimme flach. Es war kein Toast. Es war eine Diagnose.
Alex nickte, hob das Glas. Der erste Schluss brannte eine Höllenspur von der Zunge bis in den Magen. Er unterdrückte ein Husten. Der zweite ging schon leichter runter. Der dritte machte die Welt weicher an den Kanten. Sie tranken im Stehen, schnell, effizient. Leon füllte die Gläser nach. Die erste Flasche war bald halb leer, bevor sie überhaupt die Wohnung verließen.
Alex spürte den Alkohol wie eine warme, pelzige Decke, die über sein Gehirn gelegt wurde. Der nervöse Klumpen in seiner Magengrube löste sich in einem trüben Summen auf. Mut, dachte er. So fühlt sich das an. Es war kein Mut. Es war Betäubung.
Die Bar war dieselbe. Der Geruch aus Fritteuse, Bier und abgestandenem Parfüm schlug ihnen entgegen. Sie stellten sich an die Theke. Alex bestellte ein Bier, dann ein weiteres Korn dazu. Um ihn herum verschwamm alles zu einem Gemenge aus Farben und Geräuschen. Leon’s Ellbogen berührte seinen. Eine stumme Kommunikation. Suche.
Sie fanden ihn an einem Einzeltisch. Einen Jungen, vielleicht etwas jünger, mit hellblonden, strubbeligen Haaren und einer unsicheren Körperhaltung. Er trank ein helles Bier und sah auf sein Handy.
„Der sieht aus, als ob er es braucht“, murmelte Leon in Alex’ Ohr, sein Atem roch nach Korn und Tabak.
Alex nickte. Seine Zunge fühlte sich dick an. „Ja.“
Leon übernahm. Er schob sich an den Tisch, lächelte dieses schmale, fischige Lächelln, das keine Wärme transportierte. Alex blieb daneben stehen, lehnte sich an die Theke und trank sein Bier aus. Er hörte Fragmente des Gesprächs. Der Junge hieß Finn. Er war neu in der Stadt. Seine Freunde hatten ihn abgesagt.
„Wir können dich unterhalten“, hörte Alex Leon sagen. „Wir wissen, wie das ist. Komm, trink noch was mit uns.“
Es war kein Frage. Es war eine Anweisung, weich verpackt. Finn blickte zwischen Leon und Alex hin und her, seine Augen weit, ein wenig verloren. Dann nickte er. Er ließ sich von Leon ein neues Bier bringen. Alex bestellte weitere Korns. Sie tranken. Finn wurde redseliger, seine Bewegungen unbeholfener. Er lächelte Alex ein paar Mal schüchtern an. Es war ein nettes Lächeln. Alex fühlte nichts dabei. Nur das Brummen des Alkohols und das dumpfe Wissen, was als Nächstes kommen würde.
Der Weg zurück zur WG war ein dunkler Tunnel. Alex stützte Finn ein wenig, der schwankte und lachte. Leon ging voraus, die Hände in den Taschen vergraben. In der Wohnung schaltete Leon das Licht in seinem Zimmer an. Die gleiche Unordnung. Der gleiche muffige Geruch nach altem Sex, Schweiß und Asche.
Finn setzte sich schüchtern auf die Bettkante. „Coole Bude“, sagte er und versuchte, nicht auf die schmutzigen Wäscheberge zu starren.
„Mach’s dir gemütlich“, sagte Leon und schloss die Tür. Das Klicken des Schlosses war laut. Finn zuckte zusammen.
Es ging schnell. Zu schnell für Finn, um zu protestieren, selbst wenn er gewollt hätte. Leon kniete sich vor ihn, öffnete seine Jeans. Finn stieß einen erstickten Laut aus. „Hey, warte…“
„Ist schon okay“, sagte Leon, seine Stimme war ein monotoner Singsang. „Entspann dich einfach.“ Dann nahm er Finn in den Mund.
Alex stand da und beobachtete. Der Alkohol floss heiß in seinen Adern. Er sah zu, wie Finn’s Gesicht sich verwandelte, von Schock zu einem trüben, überwältigten Vergnügen. Finn’s Kopf fiel gegen die Wand, seine Augen schlossen sich. Er stöhnte. Es war kein Stöhnen der Lust, es war das Stöhnen der Hingabe an etwas, das zu groß für ihn war.
Leon zog sich nach einer Weile zurück, sein Mund glänzte feucht. „Jetzt du“, sagte er zu Alex, ohne Finn anzusehen.
Alex trat vor. Finn öffnete die Augen, sah ihn an. Seine Augen waren glasig, flehend und erregt zugleich. Alex kniete sich hin. Der Geruch war intensiv, salzig, männlich. Er tat, was von ihm erwartet wurde. Er nahm Finn in den Mund, bewegte den Kopf auf und ab, konzentrierte sich auf die mechanische Bewegung. Es war eine Aufgabe. Eine Pflichtübung im Rahmen des Termins.
Finn fing an zu stammeln. „Scheiße… das ist… oh Gott…“
Leon zog Alex hoch. „Genug. Jetzt andersrum.“ Er drehte Finn grob um, drückte sein Gesicht in die verschwitzten Kissen. Finn protestierte nicht. Er bot keinen Widerstand. Er war nur noch ein Körper, der benutzt wurde.
Leon schob Finn’s Jeans und Unterhose runter. Er spuckte in seine Hand, rieb es grob über sich selbst und dann über Finn. Es war nicht genug. Finn zuckte zusammen, als Leon eindrang, ein kurzer, gepresster Schrei.
„Halte ihn fest“, knurrte Leon zu Alex.
Alex packte Finn’s Schultern, drückte sie ins Matratze. Er spürte die Anspannung in dem Körper unter sich, das Zittern. Leon stieß zu, ein harter, rücksichtsloser Rhythmus. Das Bett schlug klappernd gegen die Wand. Finn weinte jetzt, leise, seine Tränen versickerten im Kissen.
„Dein Schwanz ist schon wieder schlapp“, sagte Leon zu Alex, während er weiter stieß. „Siehst du das? Die kleine Schlampe heult, und dein Schwanz ist schlapp. Was ist los mit dir?“
Alex blickte an sich hinunter. Es stimmte. Ihn erregte das nicht. Es machte ihn nur leer. „Weiß nicht“, murmelte er.
„Dann fick ihm den Mund. Mach was. Termin, verdammt.“
Alex ging um das Bett herum, packte Finn am Haar und zog seinen Kopf hoch. Finn würgte, seine Augen rot und überflutet. Alex schob seinen halb steifen Schwanz zwischen die weinenden Lippen. „Lutsch“, befahl er, und seine eigene Stimme klang fremd und brutal in seinen Ohren.
Finn gehorchte. Er lutschte mit der verzweifelten Hingabe eines Ertrinkenden. Alex stieß ihm den Schwanz tief in den Rachen, immer wieder, bis sein eigener Brechreiz aufstieg. Aber das hier war einfacher. Das hier war Kontrolle. Er blickte zu Leon hinüber, der in Finn’s engem Arsch hämmerte, sein Gesicht war eine Maske konzentrierter, herzloser Befriedigung.
Der Geräusche vermischten sich: das feuchte Schluckzen, das knallende Fleisch auf Fleisch, das ächzende Bettgestell, Leon’s keuchendes Atmen. Die Luft war zum Schneiden dick mit dem Gestank von Körpern unter Stress.
Leon’s Bewegungen wurden ruckartig, er verkrampfte sich, sein ganzer Körper spannte sich an wie ein Bogen. Mit einem tierischen, gutturalen Schrei kam er, drückte sich tief in Finn hinein und blieb dann zitternd liegen.
Kurz darauf, getrieben von der Roheit der Szene und der mechanischen Reizung, spürte Alex, wie sich eine flache, wässrige Orgasmus in ihm zusammenbraute. Er zog seinen Schwanz aus Finn’s Mund und spritzte ihm über das fleckige, verheulte Gesicht und die Haare. Es war keine Lust. Es war eine Entsorgung.
Dann war es still. Nur schweres Atmen. Leon zog sich aus Finn heraus, fiel zur Seite. Alex ließ Finn’s Kopf los, der schlaff auf die Matratze zurückfiel. Finn lag da wie ein zerbrochenes Spielzeug, sein Körper bebte in leichten Schauern, sein Gesicht und sein Hinterlaufen waren mit ihren Säften verschmiert.
Keiner sprach. Finn weinte leise weiter, aber jetzt klang es müde, erschöpft. Nach vielleicht fünf Minuten setzte er sich auf. Er sagte kein Wort. Zog mit zitternden Händen seine Klamotten an, kämpfte mit dem Reißverschluss seiner Jeans. Er vermied es, sie anzusehen. Als er angezogen war, stand er einfach da, ein verlorener Junge in einem fremden, dreckigen Zimmer.
Leon, der bereits wieder eine Zigarette rauchte, nickte ihm knapp zu. „Tschüss.“
Finn ging. Die Tür fiel leise ins Schloss. Das Klicken war wie das Fallen eines Guillotinenmessers.
Und dann, sofort, brach die Welle über Alex herein. Der ganze Alkohol, der ihn getragen und betäubt hatte, schien sich auf einmal in seinem Magen zu einem giftigen, brodelnden Klumpen zu vereinen. Der süßliche Geruch von Sperma und Schweiß mischte sich mit dem Zigarettenrauch und wurde unerträglich.
Sein Mund lief voll mit Speichel. Ein krampfartiges Würgen schüttelte ihn.
„Ich... ich muss kotzen“, stieß er hervor, die Hand vor den Mund gepresst.
Er stolperte aus Leons Zimmer, den Flur entlang, ins Badezimmer. Er fiel vor die Toilette, und sein Körper erbrach sich mit solcher Gewalt, dass ihm die Tränen aus den Augen schossen. Bier, Korn, bittere Galle. Es schoss aus ihm heraus, ein ekelerregender Strom, der nach Branntwein und Scham schmeckte. Er würgte und spuckte, bis nur noch trockene, schmerzhafte Kontraktionen übrig blieben.
Auf allen Vieren kauerte er, den Kopf an der kalten Porzellanschale, und atmete keuchend. In der Stille hörte er, wie die Klospülung in einer anderen Wohnung rauschte. Er hörte das leise Knacken der Wohnungstür – Finn, der endgültig verschwand. Er hörte sein eigenes Herz, das wie ein gefangener Vogel gegen seine Rippen schlug.
Sieben Wochen hatte Leon gesagt. Es waren jetzt vier vergangen. Drei Donnerstage blieben in der Schwebe. Drei Termine. Und danach? Was kam nach dem Countdown, wenn die Angst vor der Krankheit vielleicht weg war, aber diese andere, tiefere Krankheit in ihm nur noch weiter fortgeschritten sein würde?
Er spülte nicht. Er stand auf, wischte sich mit dem Handrücken über den Mund und sah in den Spiegel. Das Gesicht, das ihn ansah, war das eines Fremden. Blass. Hohläugig. Die Lippen wund. Er roch nach Kotze und Verfall.
Er ging zurück in Leons Zimmer. Leon lag auf dem Rücken, rauchte, und starrte an die Decke. Die Asche seiner Zigarette war lang und drohte abzufallen. Alex nahm die Marlboro-Packung vom Boden, zündete sich eine weitere an. Sie rauchten schweigend, während der Gestank ihrer Tat in der stickigen Luft hing, und warteten darauf, dass die Nacht sie endgültig verschlang.
Sie rauchten schweigend, während der Gestank ihrer Tat in der stickigen Luft hing, und warteten darauf, dass die Nacht sie endgültig verschlang. Die Asche fiel von Leons Zigarette auf seine bloße Brust, und er bürstete sie gleichgültig weg. Alex spürte, wie die Kälte des Bodens durch seine Jeans kroch, aber er rührte sich nicht.
„Noch drei“, sagte Leon plötzlich, seine Stimme war vom Rauch geschliffen. Er meinte die Donnerstage. Die verbleibenden Termine ihres Warteprozesses.
„Ja“, hauchte Alex. Die Zahl hing im Raum wie eine Bedrohung. Drei Donnerstage bis zur potenziellen Gewissheit, die ihn mehr fürchtete als die Ungewissheit selbst. Was kam danach? Diese Frage war ein schwarzes Loch.
Die nächste Woche war ein einziges Verschwimmen. Alex ging zu seinen Vorlesungen, aber die Worte der Dozenten prallten an ihm ab wie Regen an einer Scheibe. Er aß kaum. Die Zigaretten wurden seine eigentliche Nahrung. Manchmal, spätnachts, stand er mit Leon auf dem kalten Balkon, und sie rauchten eine halbe Schachtel, ohne zu sprechen. Die gemeinsame Stille war das Einzige, was noch Trost vorgab.
Donnerstag. Das Ritual war mittlerweile so eingeübt, dass es etwas Musikalisches, etwas Grausames hatte. In der Küche, Punkt 20:10. Die erste Flasche Korn. Alex trank schneller als Leon, gierig, als wolle er sich ertränken. Der Brand im Hals war ein vertrauter Schmerz, ein willkommener Schmerz.
„Heute nehm ich die Führung“, sagte Alex, als die zweite Flasche geöffnet wurde. Seine Zunge war schon schwer.
Leon musterte ihn mit diesen flachen, glasigen Augen. Ein kleines, schiefes Grinsen erschien auf seinen Lippen. „Bist du mutig geworden?“
„Ich bin einfach nur besoffen“, korrigierte Alex ihn und kippte das nächste Glas. Der Mut war, genau wie letzte Woche, nur eine Illusion der Betäubung. Doch etwas in ihm, etwas Verzweifeltes, wollte heute die Kontrolle. Oder zumindest das Theater der Kontrolle.
In der Bar war es voller als sonst. Ein lärmender Pulk von Kommilitonen feierte irgendeinen Geburtstag. Alex schob sich durch die Menge, sein Blick suchte nicht mehr schüchterne Jungen an Einzeltischen. Er suchte etwas Bestimmtes. Einen bestimmten Typ. Seine Augen blieben an einem Mann hängen, der an der Theke lehnte. Älter, vielleicht Mitte zwanzig, mit breiten Schultern und einem abgesessenen Lederjacke. Sein Blick war abwesend, fast gelangweilt.
„Den“, sagte Alex zu Leon und nickte hinüber.
Leon folgte seinem Blick. Pfiff leise durch die Zähne. „Der frisst dich lebendig.“
„Eben drum.“
Alex trat direkt auf den Mann zu, das Korn gab seinem Schritt einen schwankenden Schwung. „Haste Feuer?“, fragte er, eine ungedrehte Zigarette zwischen den Lippen.
Der Mann drehte sich langsam um. Seine Augen, grau und ohne jeden erkennbaren Gefühlsausdruck, musterten Alex von Kopf bis Fuß. „Kommst du klar, Kleiner? Du wackelst ja schon.“
„Komm klar genug“, entgegnete Alex. Er verschluckte sich fast an seiner eigenen Dreistigkeit. „Kauf dir auch ein Bier.“
Ein leichtes, humorloses Lächeln. „Nils.“
„Alex.“
Nils bestellte zwei Bier. Sie tranken. Sein Blick wanderte zu Leon, der wie ein Schatten ein paar Meter entfernt stand. „Und dein Freund?“
„Der kommt mit.“
Nils zuckte mit den Schultern, als wäre alles bereits entschieden. Die Verhandlung dauerte keine fünf Minuten. Nils folgte ihnen, und seine Anwesenheit füllte den engen Flur der WG mit einer bedrohlichen, animalischen Energie. Er war hier, um zu nehmen, nicht um sich führen zu lassen.
In Leons Zimmer angelangt, lehnte Nils an der geschlossenen Tür und musterte die Verwahrlosung. „Ihr lebt ja wie die Schweine.“
„Störts dich?“, fragte Leon herausfordernd.
„Mich stört gar nichts.“ Dann richtete sich sein Blick auf Alex. „Du wolltest was. Zeig’s mir.“
Alex fror einen Moment. Die Alkoholfassade bekam Risse. Doch Nils‘ passiver, dominanter Erwartungsdruck trieb ihn an. Alex trat vor und küsste ihn. Der Kuss wurde sofort aggressiv, Nils’ Zunge drang in seinen Mund, sein Griff um Alex’ Nacken war eisern. Alex spürte, wie seine Beine nachgaben.
Leon beobachtete, seine Hand bewegte sich an seiner eigenen Jeans. Nils brach den Kuss ab, schob Alex mit einem Ruck von sich, dass er gegen die Bettkante stolperte.
„So.“ Nils zog seine Lederjacke aus, dann sein Shirt. Sein Oberkörper war muskulös, mit einer groben Tätowierung über der Brust. „Jetzt beide. Auf die Knie.“
Es war ein Befehl. Alex und Leon sahen sich einen Sekundenbruchteil an, dann gehorchten sie gleichzeitig. Sie knieten vor Nils, der mit verschränkten Armen dastand. Alex spürte den billigen Teppichfasern unter seinen Kniescheiben.
„Macht mich fertig“, sagte Nils, und es klang völlig emotionslos. „Ich will sehen, was ihr drauf habt, ihr kleinen WG-Schlampen.“
Leon war zuerst da, öffnete Nils’ Gürtel, die Hose. Alex folgte, seine Hände zitterten leicht als er den Reißverschluss hinunterzog. Der Geruch von Schweiß und Leder stieg ihm in die Nase. Nils war schon halb steif. Leon nahm ihn zuerst in den Mund, mit einer erfahrenen, aber mechanischen Hingabe.
„Wechsel“, befahl Nils nach einer Minute, und sie tauschten die Plätze wie Soldaten auf dem Exerzierplatz.
Alex’ Mund füllte sich mit der salzigen, lebendigen Wärme von Nils. Er versuchte, den Brechreiz niederzukämpfen, der sofort aufstieg. Nils’ Hand legte sich auf seinen Hinterkopf, nicht drückend, aber bereit. „Tiefer“, murmelte er.
Alex gehorchte, würgte, fühlte, wie Nils in seiner Kehle anschwoll. Es war würgend, demütigend. Er hörte, wie Leon neben sich seine eigene Hose öffnete, hörte das feuchte Geräusch von Leon’s Hand, die über seinen eigenen Schwanz fuhr.
„Genug“, sagte Nils abrupt und zog Alex hoch. Seine Augen waren nun dunstig vor beginnender Lust. „Du. Dreh dich um. Beug dich über das Bett.“
Alex wusste, was kam. Ein scharfes Ziehen von Angst durchschnitt die Alkoholbetäubung. Aber er beugte sich vor, legte seinen Oberkörper auf die schmutzige Matratze. Seine Jeans und Unterhose wurden ihm mit einem groben Ruck heruntergezogen. Kalte Luft traf seine nackte Haut.
Er hörte, wie Nils spuckte, hörte das feuchte Klatschen, als er sich damit einrieb. Es war kaum etwas. Die Vorbereitung war nichts als eine Formalität.
Dann die stumpfe, unnachgiebige Spitze von Nils’ Schwanz an seinem Eingang. Alex krallte sich in das Laken, sein Atem stockte.
„Locker lassen“, brummte Nils, und dann drang er mit einem einzigen, gewaltsamen Stoß ein.
Der Schmerz war weiß und brennend. Alex schrie auf, ein kurzer, gepresster Laut, der im Stoff des Bettes erstickte. Es fühlte sich an, als würde er auseinandergerissen. Nils blieb einen Moment tief in ihm stecken, ließ ihn an die unerträgliche Fülle gewöhnen, die keine Gewöhnung zuließ. Dann begann er zu stoßen.
Jeder Stoß war eine Offenbarung aus purem, rohem Druck. Kein Rhythmus, nur ein tiefer, rücksichtsloser Treiber. Alex’ Körper wurde vor- und zurückgeworfen, sein Gesicht rieb am Stoff. Die Geräusche waren entsetzlich: das keuchende Schnauben von Nils, das klatschende Fleisch, Alex’ eigenes unterdrücktes Wimmern.
Leon war plötzlich vor ihm, hielt ihm seinen harten Schwanz vor den Mund. „Lutsch, du Schlampe. Mach deinen Job.“
Mit tränenverschwommenen Augen nahm Alex Leon in den Mund. Es war eine Erleichterung, ein anderer, beherrschbarerer Schmerz. Er konzentrierte sich auf das Auf und Ab, versuchte, das gewaltsame Hämmern in seinem eigenen Körper zu ignorieren, das immer schneller, immer brutaler wurde.
Nils verlor jede Kontrolle. Seine Stöße wurden zu wütenden, unkoordinierten Hieben. Er fluchte zusammenhanglos. „Enge kleine Fickfotze... ja... zerdrück dich...“
Die Mischung aus extremem Schmerz, Demütigung und dem erstickenden Gefühl, völlig benutzt zu werden, erzeugte in Alex eine perverse, schwindelerregende Erregung. Sein eigener Schwanz, eingequetscht zwischen seinem Bauch und der Matratze, war steif geworden. Er stieß sich instinktiv gegen das Bett, suchte Reibung, während Nils ihn zerstörte.
Leon kam zuerst, mit einem heiseren Stöhnen spritzte er in Alex’ Mund. Alex schluckte automatisch, der salzige Geschmack vermischte sich mit seinen eigenen Tränen.
Sekunden später verkrampfte sich Nils. Ein tierisches Grunzen entrang sich seiner Brust, er rammte sich so tief es ging in Alex fest und blieb zitternd stehen. Alex spürte die warme, pulsierende Flut in sich, die sich tief in seinem Inneren ergoss. Dieser intimste Verrat löste seinen eigenen, verkrampften Orgasmus aus. Er kam stumm, sein Körper zuckte im Takt von Nils’ letzten Stößen, sein Sperma lief heiß und schmierig unter seinem eigenen Bauch zusammen.
Dann war es vorbei. Nils zog sich mit einem nassen, widerlichen Geräusch aus ihm heraus. Alex sank in eine Pfuhl aus Schmerzen, Schweiß und Körperflüssigkeiten. Er blieb liegen, unfähig, sich zu bewegen.
Er hörte, wie Nils sich anzog, den Reißverschluss schloss. Kein Wort. Die Tür öffnete und schloss sich. Nils war fort, so schnell und emotionslos, wie er gekommen war.
Der Schmerz setzte sich tief in Alex’ Knochen fest. Ein pochendes, schmerzendes Feuer. Er rollte sich mühsam auf die Seite. Sein Blick traf auf Leon, der sich bereits wieder eine Zigarette anzündete. Sein Gesicht war leer.
Und dann, genau wie die Woche zuvor, schlug die chemische Rechnung zu. Der ganze Korn, das Bier, die Anstrengung, der Schock – sein Magen kräuselte sich in einer Revolte. Ein saurer Strom schoss ihm in die Speiseröhre.
„Ich... ich muss kotzen“, würgte er, schaffte es aber nicht, vom Bett aufzustehen.
Er drehte den Kopf zur Seite und erbrach sich auf den Teppich neben Leons Bett. Ein schwall von halb verdautem Alkohol, Bier und bitterer Galle spritzte auf die bereits fleckigen Fasern. Er würgte und spuckte, bis nur noch trockene, schmerzhafte Krämpfe übrig blieben. Der saure, widerliche Geruch mischte sich mit allen anderen Gerüchen im Zimmer.
Leon rauchte einfach weiter. „Da fehlt noch ein Stück Sisal“, sagte er sachlich, als betrachte er ein praktisches Problem.
Alex wischte sich mit dem Handrücken über den Mund. Sein Körper zitterte am ganzen Leib. Der Schmerz in seinem Hinteren war ein konstantes, pulsierendes Echo jedes Stoßes. Er starrte auf das Kotze auf dem Teppich, neben dem verkrusteten, größeren Flecken, den seine eigene Zigarette vor Wochen hinterlassen hatte. Ein neues Memento.
Noch zwei Donnerstage. Der Countdown war nicht länger ein Warten auf ein medizinisches Ergebnis. Es war ein Warten darauf, wer oder was von Alex nach diesen zwei Terminen noch übrig bleiben würde. Er zog seine Hose hoch über die wunde, klebrige Stelle, der Stoff reizte die zerschundene Haut. Das war die einzige Gewissheit, die er jetzt hatte.