Cover of The Deepest Dive

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A story about two chubby boys (otters in gay terms) in their mid twenties (at least 2500 words) about how they meet and them having sex (being as detailed and explicit as possible)

Chapter 169: Chapter 169

Sie fanden das Jagdhaus drei Tage später. Eingewachsen und vergessen, am Rand eines stillgelegten Tagebaugebietes, wo die Kiefernwälder Brandenburns sich in eine Kraterlandschaft aus grauem Wasser und totem Gestrüpp verwandelten. Die Holzbretter waren verwittert, das Dach schief, aber es stand. Ein vergessener Ort für vergessene Menschen.

Die Tür war nur mit einem verrosteten Vorhängeschloss gesichert. Leon brach es mit einem Tritt und einem mürrischen Ruck der Schulter auf. Drinnen roch es nach Modder, Tierkot und der trockenen, säuerlichen Note von altem Schimmel. Es gab einen einzigen Raum mit einem zerbrochenen Tisch, zwei zusammengezimmerten Pritschen ohne Matratzen und einem rostigen Ofen. Ein staubiges Fenster ließ fahles Licht herein.

„Das reicht,“ sagte Leon und ließ seine zusammengerollte Decke aus der rußigen Baracke auf den dreckigen Boden fallen. Sie trugen jetzt andere Kleider: abgetragene Arbeitshosen und fleckige Fleecejacken, gestohlen von einer Wäscheleine hinter einem einsamen Bauernhof. Sie saßen ihnen zu groß oder zu klein. Sie sahen aus wie Wanderarbeiter oder Obdachlose. Das waren sie ja auch.

Die erste Nacht verbrachten sie damit, das Äußere des Hauses mit herumliegenden Ästen zu tarnen. Die zweite damit, einen Bach zu finden und ihre Wasserflaschen zu füllen. Sie aßen die letzten trockenen Brötchen, die sie aus einem unbeobachteten Lieferwagen in einem Dorf gestohlen hatten, und eine Dose eingelegte Gurken, die sie mit einem Stein aufgeschlagen hatten.

Die dritte Nacht brachte den Regen. Ein strömender, kalter Landregen, der auf das Wellblechdach trommelte und jeden anderen Laut erstickte. In der Hütte war es stickig und feucht zugleich. Leon hatte ein kleines Feuer im Ofen entfacht, mit nassem Holz, das mehr rauchte als brannte. Der Raum füllte sich mit einem dünnen, beißenden Rauch, der ihre Augen zum Tränen brachte.

Sie lagen auf den Decken, auf dem harten Boden, und starrten in die gewellten Schatten, die das ungleichmäßige Feuer an die Wand warf. Der physische Druck des Marsches, der Diebstähle, des ständigen Lauerns hatte die schlimmsten Gedanken in Schach gehalten. Jetzt, in der erzwungenen Stille, kamen sie zurück. Das Knacken der Flammen konnte leicht zum Geräusch brennender Holzbalken werden. Der Windstoß am Fensterbrett klang wie ein erstickter Schrei.

Alex wusste, dass Leon wach war. Seine Atmung war zu kontrolliert, zu flach. „Denkst du an sie?“ fragte Alex ins Dunkel. Seine Stimme war rau von Rauch und Schweigen.

„An wen?“

„Katta.“

Leon drehte sich auf die Seite, sein Profil ein gespenstischer Schnitt im Feuerlicht. „Nein. Ich denke daran, was sie wusste. Was sie in dieser verdammten Tasche hatte. Die Beweise. Die das Ganze beenden könnten.“ Er spuckte in Richtung des Ofens. „Darum denke ich.“

Es war eine Lüge. Alex hörte es an der zu scharfen Kante in Leons Stimme. Aber es war eine notwendige Lüge, die Kraftpflaster für eine blutende Wunde. Zuzugeben, dass er an sie dachte, an ihr Lachen, an die Art, wie sie in seinem WG-Zimmer gesessen hatte, während er ihr Tee einschenkte… das wäre Gift gewesen.

Stattdessen drehte sich das Denken nach innen, zu der eigentlichen, dumpfen Wunde ihrer Gegenwart. Der Schmerz in Alex’ Leib war verblasst, hatte sich in einen gelegentlichen, tiefen Schmerz verwandelt. Aber das Bedürfnis war noch da. Ein hartes, hungriges Ding, das nicht nach Zärtlichkeit oder Trost verlangte, sondern nach Bestätigung. Nach dem Beweis, dass er hier war. Dass er überlebt hatte. Dass dieses Fleisch noch etwas fühlte.

„Hast du den Plan? Für Wandlitz?“ fragte Alex, drehte den Kopf zu Leon.

Leon schloss die Augen. „Haus steht allein, umgeben von Wald. Keine direkten Nachbarn. Alarmanlage privat, nicht vernetzt. Aber die Zufahrt wird Kameras haben. Bewegungsmelder im Garten. Das Schwimmbad-Gästehaus hinten am See… das könnte ein Weg sein.“

„Wie kommst du da ran?“

„Nicht durch den Wald. Zu viele Fallen, zu viele Sensoren. Vom Wasser aus. Mit einem Boot.“ Leon öffnete die Augen. Sie glitzerten im Feuerschein, kalkulierend, tot. „Es gibt einen kleinen Bootsverleih am gegenüberliegenden Ufer. Fünf Kilometer entfernt.“

Alex blieb stumm. Fünf Kilometer über offenes Wasser, im Dunkeln. Mit einem gestohlenen Boot. Es war Wahnsinn. Es war der einzige Weg.

Der Regen ließ etwas nach, wurde zu einem gleichmäßigen Prasseln. Das Feuer fraß sich durch das feuchte Holz, entwickelte eine kleine, heiße Glut. Die Wärme breitete sich langsam im Raum aus, traf auf die Kälte, die von den Wänden ausging.

Alex spürte, wie Leons Blick auf ihm lastete. Er drehte den Kopf. Leon beobachtete ihn mit dieser unverhohlenen, animalischen Intensität, die keine Geheimnisse kannte. Er sah die Erschöpfung in Alex’ Gesicht, den Schmutz unter seinen Fingernägeln, das Zucken in seinem Kiefer. Und er sah etwas anderes. Das Gleiche, was in ihm selbst brodelte.

„Komm her,“ sagte Leon. Keine Aufforderung. Eine Feststellung.

Alex zögerte einen Herzschlag lang. Dann schob er sich über den groben Boden, seine Decke hinter sich herziehend, bis er neben Leon lag. Die Hitze des Ofens war hier intensiver. Der Rauch kratzte in seiner Kehle.

Leon berührte ihn nicht sofort. Seine Hand lag zwischen ihnen auf dem schmutzigen Stoff seiner Decke. Dann, langsam, als teste er die Temperatur eines Metalls, legte er sie auf Alex’ Oberschenkel, ganz oben, wo der Stoff dünn war. Die Wärme drang durch. Alex’ Atem stockte.

„Du starrst die ganze Zeit aufs Feuer,“ murmelte Leon. Seine Finger bewegten sich, gruben sich leicht in den Muskel von Alex’ Bein. „Als ob du dort etwas sehen würdest.“

„Ich sehe nichts.“

„Doch.“ Leons Hand glitt nach innen, über den Schritt von Alex’ gestohlener Arbeitshose. Der Stoff war schon hart, ein offenes Geheimnis. „Du siehst, wie alles verbrennt. Wie wir verbrennen. Ich kann es riechen.“ Er beugte sich vor, seine Lippen berührten Alex’ Schläfe, kein Kuss, eine Berührung wie von glühender Kohle. „Scheiß drauf. Lass es brennen.“

Seine andere Hand kam hoch, packte Alex’ Kinn, drehte seinen Kopf grob zur Seite. Der Kuss, der folgte, war kein Kuss. Es war ein Angriff. Eine Enteignung von Luft und Raum. Leons Zunge drang gewaltsam ein, schmeckte nach Rauch und dem bitteren Nachgeschmack der rostigen Gurken. Alex wehrte sich nicht. Er öffnete sich, gab nach, sog die brutale Invasion ein, als wäre es Sauerstoff.

Leon brach den Kontakt ab, ließ sich zurück auf seine Decke fallen. Sein Blick war glasig vor Entschlossenheit und etwas anderem – einer zerschundenen, hoffnungslosen Wut. „Ausziehen,“ befahl er, seine Stimme war ein heiseres Geräusch. „Alles.“

Alex gehorchte mit zitternden Händen. Die Fleecejacke, das fleckige T-Shirt darunter. Die groben Arbeitshosen, die Unterhose. Die kühle, rauchige Luft der Hütte traf auf seine nackte Haut, ließ sie zu Gänsehaut erstarren. Er lag da, ausgeliefert auf der schmutzigen Decke, das Feuer malte tanzende Muster auf seine Rippen, seinen flachen Bauch, den steifen, aufreizenden Bogen seines Schwanzes.

Leon stand auf, zog seine eigenen Kleider ab mit der pragmatischen Effizienz eines Soldaten. Sein Körper war eine Karte aus alten Narben und neueren Verletzungen – blassen Schnitten, violetten Flecken von ihren Fluchten. Er war dünner geworden, die Muskeln straff und sehnig unter der Haut. Er kniete sich zwischen Alex’ gespreizte Beine, seine Augen nahmen jedes Detail auf, ohne ein Blinzeln.

Diesmal gab es keine Gespräche. Keine herabsetzenden Kommentare. Die Zeit, die sie in diesem Versteck verbracht hatten, hatte jede Verzierung weggebrannt. Leon spuckte in seine Hand, schmierte sich grob damit ein. Er nahm Alex’ Schwanz nicht in den Mund, er berührte seine Brust nicht mit Zärtlichkeit. Das war ein anderer Akt. Nicht die Bezwingung des Feindes, sondern eine traurige, wütende Bestätigung des Bündnisses zwischen zwei Verdammten.

Er drang mit einem einzigen, entschlossenen Stoß ein. Es war eng, trotz der Vorbereitung, ein brennendes Dehnen, das einen erstickten Schrei aus Alex’ Kehle riss. Leon erstarrte, bis tief in ihm vergraben, seine Hände umklammerten Alex’ Hüften mit einer Kraft, die blaue Flecken hinterlassen würde. Sein Kopf hing nach vorn, sein Atem war heiß und schnell gegen Alex’ Brust.

Dann begann er zu treiben. Kein wildes Hämmern, sondern tiefe, eindringliche Stöße, die den gesamten Körper erschütterten. Jeder Stoß schob Alex über den rauen Stoff der Decke, jedes Mal dröhnte der hohle Klang seines Rückens gegen den Holzboden. Es war ein Rhythmus der Zerstörung und des Überlebens, getrieben von einem stummen, geteilten Wissen: Draußen suchte die Welt nach ihnen. Hier drin konnte nur dies sie daran erinnern, dass ihre Nerven noch lebten.

Alex grub seine Fingernägel in Leons Unterarme, während dieser ihn fickte. Die Empfindung war eine Mischung aus scharfem, schmerzhaftem Brennen und einem tieferen, dunkleren Strudel von Erregung, der aus der absoluten Unterwerfung und dem kruden Miteinander hervorging. Er hob seine Hüften, um jedem Stoß entgegenzukommen, sein eigener Schwanz schlug gegen seinen Bauch, hart und tropfend vor Vernachlässigung. Die Luft war erfüllt von den Geräuschen ihres Zusammstoßes – dem feuchten Klatschen von Haut auf Haut, den keuchenden Atemzügen, dem gelegentlichen, stumpfen Stoß von Alex’ Kopf gegen den Boden.

Leon beugte sich vor, seine Lippen an Alex’ Ohr. „Alles, was wir sind… ist hier,“ zischte er, seine Stimme von der Anstrengung zerrissen. „In diesem dreckigen Arsch. In diesem verfickten Raum. Mehr ist nicht übrig.“

Die Worte trafen wie körperliche Schläge, und sie trieben Alex schneller auf den Abgrund zu. Seine eigene Hand schoss herab, umfasst seinen Schwanz mit einem krampfhaften Griff. Ein paar raue, schnelle Züge genügten. Sein Orgasmus kam mit der Gewalt einer Verletzung – eine explosionsartige, schmerzhafte Entladung, die seinen Körper steif machte und ein heiseres, knurrendes Geräusch aus seiner Kehle drückte. Samen schoss in hohen Streifen auf seine Brust und seinen Hals, heiß und beschämend.

Das Zucken von Alex’ inneren Muskeln jagte Leon über den Rand. Er stieß ein letztes Mal tief zu, sein ganzer Körper verkrampfte sich in einer stummen, angespannten Haltung, bevor er mit einem dumpfen Stöhnen kollabierte, sein Gewicht ließ Alex unter sich zusammensacken und spritzte seine eigene Erfüllung tief in ihn hinein. Sie lagen reglos da, eine verschwitzte, klebrige Masse aus Gliedmaßen auf dem schmutzigen Boden, nur von dem flackernden, sterbenden Feuer beleuchtet.

Lange Minuten vergingen, in denen nichts zu hören war außer ihrem keuchenden Atem und dem leisen Prasseln des Regens auf dem Dach. Die Wärme ihres Aktes verflog schnell und ließ die Kälte der Hütte eiskalt auf ihre nackte Haut einsickern.

Schließlich zog Leon sich aus ihm heraus, ein leises, nasses Geräusch, das im Raum viel zu laut klang. Er rollte zur Seite, griff nach seiner Unterhose und wischte sich grob ab. Wortlos warf er Alex das verdrehte, schmutzige Kleidungsstück zu.

„Wir gehen bei Tagesanbruch,“ sagte Leon, während er seine eigenen Kleider anzog, seine Stimme war jetzt völlig emotionslos, geschäftsmäßig. „Der Bootsverleih. Wir brauchen Werkzeug. Eine Zange. Etwas, um ein Schloss zu knacken.“

Alex blieb liegen, das Gesicht zur schwarzen Decke gewandt, spürte das langsam erkaltende Durcheinander auf seinem Bauch. Er fühlte sich hohl. Ausgeweidet. Und doch, seltsam klar. Die Sorge, die in ihm saß, hatte sich aufgelöst. Sie war zu etwas Greifbarem geworden, zu diesem schmerzenden Pochen zwischen seinen Beinen, zu diesem Gestank auf seiner Haut.

„Und wenn wir kein Boot finden?“ fragte er, seine eigene Stimme klang ihm fern und fremd.

Leon stand bereits, schnürte seine klobigen, gestohlenen Stiefel. Das Feuer war jetzt nur noch Glut, sein Gesicht war in Schatten getaucht. „Dann schwimmen wir,“ sagte er einfach. „Aber wir kommen rüber. Und dann finden wir Frommhold. Und dann ist es vorbei.“

Draußen hatte der Regen nachgelassen. Durch das dreckige Fenster konnte Alex das erste matte Grau der Morgendämmerung erkennen, einen bleichen Streifen am Himmel, der keine Wärme versprach. Nur Licht. Genug Licht, um weiterzugehen. Er setzte sich mit einem Stöhnen auf, wischte sich mit Leons schmutziger Unterhose ab, zog seine eigenen rauen, stinkenden Kleider an. Jede Bewegung schmerzte. Jede war eine Erinnerung.

Sie packten wortlos ihre paar Habseligkeiten zusammen – die leeren Wasserflaschen, den verbliebenen Dosenöffner, die gefaltete, rußverschmierte Karte, auf der Leon ihre Route mit einem Stück Kohle eingezeichnet hatte. Das Haus nahmen sie nichts als einen widerlichen Geruch und die Erinnerung an ihre Erniedrigung.

Als sie die Tür hinter sich ins Schloss fallen ließen (mit einem neuen, gebrochenen Vorhängeschloss, das sie im Schuppen gefunden hatten), stand die Welt in einem nassen, kalten Dämmerlicht da. Die Kiefern tropften. Irgendwo rief ein Vogel.

Sie wanderten ostwärts, Richtung des Sees, zwei gespenstische Gestalten, die durch den grauen Morgen schlichen. Die Stille zwischen ihnen war jetzt etwas anderes. Nicht leer. Gefüllt mit dem, was sie getan hatten

Nicht leer. Gefüllt mit dem, was sie getan hatten. Ihr Schweigen war eine dickflüssige Substanz zwischen ihnen, die jedem Schritt Gewicht verlieh.

Der Pfad wurde zu einem zwei Meter breiten Feldweg, der sich zwischen hochgewachsenen Schilfwänden hindurchschlängelte. Das bleiche Licht der Morgendämmerung fiel flach ein, ließ jeden Grashalm schwer von Tautropfen schimmern. Ihre Füße, nass bis zu den Knöcheln, machten ein säuselndes Geräusch im Gras. Alex rieb sich mechanisch die Brust, wo der getrocknete Schweiß und das Sperma ein krustiges Gefühl auf seiner Haut hinterlassen hatten.

„Hier,“ knurrte Leon und blieb stehen.

Ein verwittertes Holzschild, mit der handgemalten Aufschrift „Bootsverleih“ und einem Pfeil, zeigte auf einen schmalen Trampelpfad, der rechts vom Hauptweg abzweigte und ins Schilf hineinführte. Sie tauschten einen Blick aus, der keine Worte benötigte. Leon nickte einmal. Alex zog die stumpfe, gestohlene Küchenzange aus der Tasche seiner Arbeitshose.

Der Pfad endete an einem verwitterten Steg, der etwa fünfzehn Meter in den See hinausreichte. Das Wasser war eine graue, unbewegte Platte, eingefasst von gespenstischem Nebel. Am Ende des Steges schwankten drei alte Aluminiumkanus leise in der leichten Dünung, ihre Schnüre klirrten leise gegen die Pfosten. Rechts stand eine kleine, verschlossene Bretterbude – die Abgabe.

Es gab keine Bewegung. Kein Licht. Nur das ferne, einsame Rufen einer Rohrdommel.

Leon bewegte sich lautlos vorwärts, seine Stiefel klangen hohl auf den morschen Bohlen. Alex folgte, sein Herz hämmerte plötzlich gegen seine Rippen. Die Zange in seiner Hand fühlte sich kalt und nutzlos an. Am Schuppen angekommen, untersuchte Leon das Vorhängeschloss. Es war neu, robust.

„Scheiße,“ murmelte er.

Er versuchte es trotzdem. Das Metall der Zange schnitt in das weichere Metall des Bügels, hinterließ aber nur oberflächliche Kratzer. Er fluchte leise, ununterbrochen, ein monotoner Strom aus Frustration, während er versuchte, mit Gewalt und Hebelkraft den Bügel zu verbiegen. Das Schloss widerstand.

Von der Richtung des Hauptweges her kam ein Geräusch. Das leise Quietschen einer Fahrradkette. Dann ein Pfeifen.

Leon erstarrte. Alex duckte sich instinktiv, machte sich klein neben der Hütte. Das Pfeifen kam näher, war fröhlich und falsch in der düsteren Stille. Ein Mann, vielleicht der Verleiher oder ein früher Angestellter, der zur Arbeit kam.

Leon’s Blick jagte vom Schloss zum Steg, zu den Kanus. Seine Augen blitzten auf. Ohne ein Wort schob er die Zange in seine Tasche, winkte Alex und rannte leise den Steg entlang. Seine Bewegungen waren schnell und präzise, aber das Aluminium des ersten Kanus knallte trotzdem mit einem hohlen, schockierend lauten Knall gegen den Steg, als er die Leine losmachte.

Das Pfeifen brach ab.

„Hallo?“ rief eine verwirrte Stimme vom Weg.

„Jetzt!“ zischte Leon und stieg in das wackelige Boot.

Alex stolperte hinterher, fast gleitend, als das Kanu unter seinem Gewicht heftig zur Seite kippte. Er fiel mehr hinein als dass er einstieg, sein Schienbein schlug hart gegen die harte Metalldelle. Ein Schmerz schoss ihm das Bein hoch. Leon stieß sie schon mit einem kräftigen Stoß des Paddels vom Steg ab, packte dann ein zweites Paddel und warf es Alex zu.

„Paddel, verdammt noch mal!“

Ein Schatten erschien am Anfang des Steges. Ein Mann in einer dicken Jacke, das Gesicht vor Überraschung und dann Entrüstung verzerrt. „Hey! Was zum Teufel macht ihr da?“

Alex stocherte mit dem Paddel ins Wasser, ungeschickt, trieb sie nur im Kreis. Leon ruderte mit brutaler Effizienz auf einer Seite, drehte den Bug weg vom Steg, Richtung des offenen, nebelverhangenen Sees. Das Kanu schoss vorwärts.

Der Mann rannte den Steg hinunter. „Bleibt stehen! Das ist Diebstahl!“

Ein schlurfendes Geräusch, dann ein heller, metallischer Klick. Eine Waffe? Eine Flinte? Alex riskierte einen Blick über die Schulter. Der Mann stand da, seine Hände waren leer, aber er zückte jetzt ein Handy, leuchtete mit dem Bildschirm in ihre Richtung.

„Polizei! Ich ruf die Polizei!“

Das war alles, was sie brauchten.

Leon paddelte wie besessen. Die kalte Luft zerfetzte ihre Gesichter, riss den Atem aus ihren Lungen. Das flache, graue Wasser spritzte über den Bug, durchnässte ihre Hosen noch mehr. Hinter ihnen verlor der Steg und die schreiende Silhouette rasch an Details, verschwand dann vollständig im aufsteigenden Morgennebel.

Sie paddelten, bis ihre Schultern brannten und ihre Lungen wie Feuer schnitten. Erst als das Ufer völlig aus dem Blick verschwunden war und sie sich in einer weiß-grauen, endlosen Nichtswelt aus Wasser und Nebel befanden, ließ Leon das Paddel sinken. Er keuchte, sein Atem bildete kleine Dampfwolken vor seinem geröteten Gesicht.

„Nicht dein Talent, oder?“ krächzte Alex zwischen zwei Hustenanfällen.

„Halts Maul und schau nach vorne.“

Sie saßen sich im ruhig treibenden Kanu gegenüber, die Beine ineinander verschränkt. Das Adrenalin, das sie vorgetrieben hatte, floss langsam ab und hinterließ ein zittern-des, hohles Gefühl. Der Nebel verschluckte alle Geräusche. Sie waren völlig allein.

Leon fischte die gestohlene Wasserflasche aus seinem Rucksack, nahm einen langen Zug, reichte sie dann wortlos Alex. Das Wasser war eiskalt und schmeckte nach Plastik. Es war das Beste, was Alex seit Tagen getrunken hatte. Sie aßen den letzten zerdrückten Müsliriegel in Stücken, ihre Bewegungen waren langsam und steif vor Kälte.

Die Stille wurde zu einer dritten Person im Boot. Die Erinnerung an die Nacht, an die Hitze des Feuers und die rohe Gewalt ihrer Vereinigung, stand zwischen ihnen wie ein Gespenst. Sie hatte nichts gelöst. Sie hatte nur eine andere Art von Spannung geschaffen, eine magnetische, unbequeme Anziehungskraft, die in der weißen Leere des Sees noch lauter schrie.

Leon blickte über den Bootsrand in das trübe Wasser. Seine Finger trommelten eine nervöse, leise Melodie auf das Aluminium. „Wandlitz ist am anderen Ende. Nordöstliches Ufer. Wir müssen im Nebel bleiben. Paddeln, bis wir die Seerosen sehen. Die wachsen nur im flachen Wasser, nah am Ufer.“

„Und dann?“ Alex’ Stimme klang heiser.

„Dann sehen wir.“

Der Nebel hüllte sie weiter ein. Zeit verlor ihre Bedeutung. Sie paddelten in kurzen, koordinierten Stößen, schweigend, ihre Bewegungen wurden allmählich synchron. Die Kälte kroch durch ihre nassen Kleider, bis ihre Knochen schmerzten. Ab und zu, durch ein gelegentliches Fenster im Nebel, konnten sie die silberne Scheibe der aufgehenden Sonne sehen, ein gespenstisches, entfernteres Licht.

Nach einer Stunde, vielleicht zwei, änderte sich das Wasser. Flache, breite Blätter tauchten unter der Oberfläche auf, die sich dann zu großen, schlaffen Seerosenblättern verdichteten. Das Wasser wurde flacher, ruhiger.

„Hier,“ sagte Leon leise.

Sie manövrierten das Kanu zwischen den Seerosen hindurch, bis das Aluminium auf weichen Schlick knirschte. Vor ihnen tauchten verschwommene Umrisse von Bäumen aus dem Weiß auf. Ein Wald aus hohen Kiefern, die wie gespenstische Wächter am Ufer standen. Sie stiegen aus, zerrten das Boot in das dichte Schilf, versteckten es so gut es ging.

Das Ufer war ein matschiger Streifen faulender Blätter und aufgeweichter Erde. Sie kletterten den sanften Hang hinauf, fanden sich auf einem moosbedeckten Waldboden wieder. Der Nebel war hier zwischen den Bäumen dünner, aber immer noch genug, um die Sicht auf dreißig Meter zu begrenzen. Die Stille war absolut, abgesehen vom gelegentlichen Tropfen von Tau von den Zweigen.

Leon zog die zerknitterte, rußgeschwärzte Karte hervor und studierte sie mit zusammengekniffenen Augen. „Der See macht hier eine Bucht. Die Villa sollte… da sein.“ Er deutete mit dem Kinn weiter den Hügel hinauf. „Weniger als einen Kilometer.

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