Chapter 147: Chapter 147
Der Regen von Donnerstag hatte sich in ein anhaltendes, graues Niesel verwandelt, das am Freitagmorgen gegen das Fenster der U-Bahn prasselte. Die Fahrt zur Beratungsstelle war still. Leon kaute an seinen Fingernägeln, bis sie bluteten. Alex starrte auf sein Handy, auf die Uhr. 10:17. Die Adresse, die sie online gefunden hatten, klang unschuldig: Gesundheitszentrum Mitte.
Sie saßen in einem Wartezimmer, das nach Desinfektionsmittel und abgestandener Angst roch. Ältere Männer mit ausdruckslosen Gesichtern, eine Frau, die ununterbrochen eine Zeitschrift blätterte. Alex fühlte sich wie ein Betrüger. Was sie taten, hatte nichts mit der schlichten Normalität dieses Raumes zu tun.
Eine Schwester rief ihre Namen. Sie folgten in ein karges Beratungszimmer. Die Beraterin, eine Frau mit freundlichen Augen und einem strengen Dutt, erklärte Prozeduren, Fensterzeiten, die Bedeutung von „PCR“ und „Antikörper“. Die Worte schwebten um Alex herum, bedeutungslose Vokabeln einer fremden Sprache. Sie nahmen die Röhrchen für die Blutabnahme entgegen.
„Und was ist euer Risikoverhalten, wenn ich fragen darf?“, sagte die Frau und blickte über ihren Laptop hinweg. Ihre Stimme war neutral, professionell.
Leon stotterte. „Ähm. Ungeschützter… Analverkehr.“
„Mit wechselnden Partnern?“
„Ja.“
„Mit Männern?“
„Ja.“
Die Frau tippte. Ihre Finger klackerten leise. „Ihr seid sehr jung, um schon so aktiv zu sein. Nutzt bitte in Zukunft Kondome. Eure Ergebnisse bekommt ihr in sieben Werktagen. Hier ist eine Nummer, falls ihr vorher reden wollt.“
Sie reichte ihnen eine Karte. Alex steckte sie ein, ohne darauf zu sehen. Sie gingen zur Blutabnahme. Der Stich in seine Armbeuge war ein sauberer, klinischer Schmerz. Nichts im Vergleich zu dem anderen. Das Röhrchen füllte sich mit dunkelrotem Blut. Sein Blut. Das nun offiziell unter Verdacht stand.
Draußen, im Nieselregen, zündeten sie sofort Zigaretten an. Der Rauch vermischte sich mit dem Nebel.
„Sieben Tage“, sagte Leon. Seine Stimme war flach.
„Wir sollten heute Abend was machen“, sagte Alex. Die Aussage kam aus dem Nichts, selbst für ihn.
Leon sah ihn an, seine Augen waren rot unterlaufen. „Was? Heute ist Freitag.“
„Egal. Ich will nicht denken.“
Leon zuckte mit den Schultern. Ein müdes, nachgebendes Zucken. „Klar. Warum nicht.“
Die WG war verlassen, still. Die Luft roch noch immer schwach nach den Vorgängen der letzten Nacht, ein untergründiger Geruch von Schweiß und etwas Sahnigem, das sie nicht weggewischt hatten. Sie zogen sich in Leons Zimmer zurück. Die vertrauten vier Wände wirkten wie eine Zelle. Alex holte seinen Laptop.
„Nicht Donnerstag“, sagte er, während er das Gerät hochfuhr. „Das heißt, wir müssen nicht nach einem Prince Albert suchen. Einfach nur…“
„…irgendwen“, vollendete Leon. Er klang erleichtert.
Sie öffneten Grindr. Das Gitter war vertraut, ein digitales Labyrinth der Begierde. Ein Profil namens Jannis_20 sprang heraus. Lächelnd, mit Kapuzenpulli. Alex scrollte weiter. Sie suchten nicht nach etwas Bestimmtem. Nur nach Ablenkung.
Der_Marcel19: Hey, was geht?
Alex_18: Nicht viel. Du?
Der_Marcel19: Gelangweilt. Zeigst du was?
Alex sah zu Leon. Leon nickte. Alex zog sein Shirt hoch, hielt das Handy auf Brusthöhe, drückte ab. Das Foto zeigte seinen nackten Oberkörper, die flache Bauchdecke, den Ansatz seiner Jeans. Er schickte es.
Der_Marcel19: Geil. Magst mehr sehen?
Alex_18: Immer.
Ein Foto traf ein. Ein durchschnittlicher Schwanz, halb steif, auf einem Handtuch liegend. Kein Piercing. Nichts Besonderes.
Leon seufzte. „Langweilig.“
Alex_18: Sieht gut aus. Bist du aktiv oder passiv?
Der_Marcel19: Beides. Du?
Alex_18: Beides. Zu zweit unterwegs. Mein Kumpel ist auch hier.
Eine Pause. Dann: Zeig deinen Freund.
Alex drehte den Laptop zu Leon. Leon zögerte, dann zog er sein T-Shirt aus. Sein Oberkörper war schmal, die Rippen zeichneten sich ab. Er machte ein ähnliches Foto, schickte es.
Der_Marcel19: Cool. Und sein Schwanz?
Leon rollte mit den Augen, stand aber auf, knöpfte seine Jeans auf. Er machte ein schnelles, unscharfes Bild von seinem steifen Glied, schickte es. Die Transaktion war kühl, effizient.
Der_Marcel19: Kommt vorbei? Meine Eltern sind weg.
Alex und Leon sahen sich an. Es war zu einfach. Zu billig. Genau das, was sie wollten.
Sie nahmen die U-Bahn in einen anderen Stadtteil, eine Plattenbausiedlung am Rand. Marcels Zimmer roch nach Deo und ungelüfteter Luft. Er war größer als auf dem Bild, mit einem unsicheren Grinsen. Sie tranken ein Bier aus der Flasche, das er aus der Küche holte. Das Gespräch war gezwungen, plump.
„Also… wie macht ihr das?“, fragte Marcel und ließ sich auf sein Bett fallen.
„Wie es kommt“, sagte Leon. Seine Stimme klang müde.
Es passierte schnell. Marcel war gierig, ungeschickt. Er lutschte zuerst Alex, dann Leon, mit der unbeholfenen Eifer eines Jungen, der Pornos nachahmt. Seine Zähne kratzten. Alex starrte an die Decke, auf einen Poster eines Motorrads. Er spürte kaum etwas. Sein Körper war taub.
Dann drehte Marcel Leon um, versuchte ihn zu ficken. Er hatte kein Gleitmittel. „Spucken geht auch“, keuchte er. Es war trocken, schmerzhaft für Leon, der sein Gesicht in die Kissen drückte. Alex musste ihm helfen, musste Leon mit Spucke nass machen, damit es halbwegs ging. Marcel stieß heftig, kam nach zwei Minuten mit einem gequälten Stöhnen.
Danach lag Leon regungslos da. Marcel wandte sich Alex zu. „Jetzt du.“
Alex legte sich auf den Rücken. Marcel kroch zwischen seine Beine. Sein Atem roch nach Bier und salzigen Chips. Als er eindrang, war es nur ein dumpfes Eindringen, ein ferner Druck. Alex spürte den brennenden Nachschmerz von Marc’s Attacke, einen scharfen Kontrapunkt zu Marcels langweiligen Stößen. Er schloss die Augen. In seinem Kopf war es still. Kein Grindr-Geräusch, kein Whoosh, kein Countdown. Nur eine weiße, pulsierende Leere.
Marcel kam in ihm. Alex spürte die feuchte Wärme, aber es war bedeutungslos. Er stand auf, zog seine Jeans an, ohne sich abzuwischen. Das Gefühl von Marcels Samen in ihm war weniger eindringlich als der feuchte Sitz der U-Bahn auf der Heimfahrt.
Sie verließen die Wohnung wortlos. Auf der Straße zündeten sie wieder Zigaretten an. Der Regen hatte aufgehört, aber die Luft war kalt und beißend.
„Das war scheiße“, sagte Leon und blies den Rauch in die Dunkelheit.
„Ja“, sagte Alex.
Samstag und Sonntag vergingen in einer Art Winterschlaf. Sie gingen zu Vorlesungen, saßen wie entleert da, schrieben nichts mit. Sie aßen Fertignudeln aus dem Topf. Sie schliefen viel. Der Schock vom Donnerstag und die banalere Ernüchterung vom Freitag hatten sie in einen Zustand der Gefühllosigkeit versetzt. Selbst das Rauchen schmeckte nach Asche.
Montagabend. Leon lag auf dem Bett und drehte sein Handy in der Hand. „Noch vier Tage bis zum Ergebnis.“
Alex saß am Schreibtisch. „Wir sollten den Donnerstag planen. Nicht dass wir spontan was Dummes machen.“
Es war ein seltsamer, perverser Trost: zur Normalität, zum Ritual zurückzukehren. Der Countdown zum Ergebnis wurde überlagert vom Countdown zum nächsten Donnerstag. Es gab eine Logik darin.
Sie schalteten den Laptop ein. Grindr lud. Die Profile waren die gleichen, nur die Namen anders.
„Wir müssen vorsichtiger fragen“, sagte Leon. „Nach dem Prince Albert. Ohne direkt zu fragen.“
Alex nickte. Er klickte auf ein Profil: Tim_19. Bild: verschwommen in einem Club.
Alex_18: Hey. Was suchst du so?
Tim_19: Spaß. Bisschen Action. Du?
Alex_18: Auch. Mag es intensiv. Du?
Tim_19: Klar. Zeigst du was von dir?
Alex machte ein Foto seines nackten Bauches, der Linie Haare, die in die Jeans führte. Er schickte es. Die Tauschbörse begann.
Tim_19: Netter Body. Hier.
Ein Bild von Tims Schwanz. Groß, gerade, unbeschnitten. Kein Piercing.
Alex_18: Geil. Noch mehr? Mag Details.
Tim_19: Details? Was meinst du?
Leon flüsterte: „Frag nach einem anderen Bild. Aus anderem Winkel.“
Alex_18: Aus der Seite vielleicht. Sieht man mehr.
Ein zweites Bild kam. Gleicher Schwanz, anderer Winkel. Nichts.
Alex_18: Danke. Ich meld mich.
Er blockierte das Profil. Sie machten weiter. Nächster: Pauli_21. Das Gespräch verlief ähnlich. Nachfrage nach Details, nach einem „freizügigeren“ Bild. Pauli schickte ein Bild, auf dem er seinen Schwanz hochklappte, den Hodensack zeigte. Kein Metall.
„Verdammt“, murrte Leon. „Das ist wie Suche nach der Nadel im Heuhaufen.“
„Es ist die Suche nach der Nadel im Heuhaufen“, sagte Alex trocken. Eine mürrische Genugtuung stieg in ihm auf. Die Jagd gab der Zeit Struktur. Die Enttäuschungen waren vorhersehbar, also schmerzlos.
Dann, gegen 23 Uhr, stießen sie auf Kilian_22. Das Profilbild war dunkel, nur eine Silhouette. Die Beschreibung: Kein Smalltalk. Zeig was oder verpiss dich.
Alex_18: Hier.
Er schickte ein direktes Bild seines steifen Schwanzes, aufgenommen vom Laptop aus, schamlos. Es dauerte nur Sekunden.
Kilian_22: Akzeptabel. Dein Freund?
Leon schickte sein eigenes Bild.
Kilian_22: Was wollt ihr?
Alex_18: Wir suchen jemanden der weiß was er tut. Der uns zeigen kann wie es richtig geht. Hart.
Eine lange Pause. Die drei Punkte blieben lange stehen. Dann ein Foto.
Es war ein Close-Up. Die Eichel war breit, der Schwanschaft stark geädert. Und da, genau durch die Harnröhrenöffnung gestochen, der glänzende, silberne Ring eines Prince Albert Piercings. Darum herum, als Verzierung, zwei kleinere Ringe, die den Vorhautbändchen durchstachen. Ein Dreifach-Piercing.
Die Luft im Zimmer wurde dick. Alex spürte, wie sein Herz einen dumpfen Schlag tat. Nicht vor Erregung. Vor etwas anderem. Vor Anerkennung.
Leon pfiff leise durch die Zähne. „Der ist ja krass ausgestattet.“
Alex_18: Beeindruckend. Tut das nicht weh?
Kilian_22: Nur am Anfang. Jetzt macht es nur noch Spaß. Besonders für die anderen. Ihr wollt hart? Ich geb euch hart.
Alex_18: Wir sind zwei. Passiv.
Kilian_22: Passt. Donnerstag?
Alex sah Leon an. Ein fast unmerkliches Nicken.
Alex_18: Donnerstag. 21 Uhr. Wir schicken Adresse.
Kilian_22: Keine Spielchen. Ich komm pünktlich. Ihr seid bereit.
Das Gespräch endete. Die Sache war geregelt. Der nächste Donnerstag hatte ein Ziel. Kilian. Mit seinem Metall-Dreifachschlag.
Leon stand auf, holte die Kornflasche aus dem Gefrierfach. Er schenkte zwei Gläser ein. Sie stießen nicht an. Sie tranken. Der Alkohol brannte einen Pfad der lähmenden Wärme in Alex’ Brust.
„Diesmal“, sagte Leon, und seine Augen glitzerten im Licht des Monitors, „diesmal wird es definitiv was Besonderes.“
Sie plünderten die Wohnung nach Seilen. Alex fand einen alten, dünnen Kletterseilrest in einer Abstellkammer. Leon holte aus seinem Schrank zwei breite Stoffgürtel. Sie lagen auf dem Boden von Leons Zimmer und probierten Kombinationen aus. Wie man Handgelenke an die Bettpfosten binden konnte. Wie man einen Gürtel um die Oberschenkel legte, um die Beine gespreizt zu halten.
„Wir müssen uns völlig ausliefern“, sagte Leon, während er Alex’ Handgelenk mit dem Seil umschlang. Der Stoff war rau. „Kein Zurück. Er soll machen, was er will.“
Alex ließ es geschehen. Das Gefühl der Fesseln war seltsam beruhigend. Es nahm die Entscheidung weg. Es war die logische Konsequenz von allem. Er war nur noch ein Objekt zur Benutzung. Das Seil bestätigte es.
Sie rauchten eine letzte Zigarette vor dem Schlafengehen, aus dem Fenster gelehnt, über den dunklen Innenhof. Der Wind trug den Klang einer ferneren S-Bahn heran.
„Hast du Angst vor dem Ergebnis?“, fragte Alex.
Leon zuckte mit den Schultern. „Ich habe Angst davor, dass es negativ ist. Dann war alles für nichts.“
Alex verstand. Ein positives Ergebnis wäre eine Art Rechtfertigung. Eine Bestätigung, dass ihr Abstieg einen Grund hatte, eine äußere, unvermeidbare Ursache. Ein negatives Ergebnis hingegen würde bedeuten, dass sie sich freiwillig in diese Hölle gestürzt hatten. Ohne Grund
Die Zigarette schmeckte nach Asche und Endlichkeit. Alex drückte den Stummel auf der steinernen Fensterbank aus, beobachtete, wie der letzte Rauchfaden im kalten Luftzug zerriss. Diese neue Angst, die Leon ausgesprochen hatte, war gefährlicher als die alte. Sie fraß sich jetzt still in ihm fest, während sie die Tage bis Donnerstag absaßen.
Dienstag verging in einer Trance aus Vorlesungen und Grindr-Suchen. Die Methode war nun systematisch. Sie öffneten die App immer zusammen, wie Schichtarbeiter am Fließband. „Den hier“, sagte Alex und zeigte auf ein Profil namens Lukas_23. Das Bild war von hinten aufgenommen, in einem dunklen Flur.
Sie begannen den Tausch. Alex_18: Hey. Zeigst was? Der übliche Vorschlag.
Lukas_23: Erst du.
Alex schickte das mittlerweile routinierte Foto seines Bauches, des Ansatzes seiner Jeans.
Lukas_23: Ok. Hier.
Ein Bild traf ein: ein Schwanz aus der Vogelperspektive, auf einer Toilettenbrille.Nichts. Kein Glanz von Metall.
Leon seufzte. „Weiter.“
Nächster: Benni_24. Das Gespräch verlief schneller. Benni wollte direkt Sex, fragte nach ihrer Adresse. Alex verlangte ein Bild. Benni schickte eines, unscharf, in einer Hand haltend. Es war unmöglich, Details zu erkennen.
Alex_18: Kann man nix erkennen. Anderer Winkel?
Benni_24: Was bist du, ein Gutachter? Komm vorbei und sieh ihn live.
Sie blockierten ihn. Die Frustration war ein kleines, lebendiges Tier in Alex’ Brust. Die Suche nach dem perfekten Werkzeug, diesem spezifischen Instrument ihrer Zerstörung, war zur einzigen Beschäftigung geworden, die sein Gehirn von der Wartezeit auf den Anruf der Klinik ablenkte.
Mittwochabend. Sie saßen auf dem Bett, das geknotete Seil zwischen ihnen wie eine schlaffe Schlange. Der Laptop summte leise.
„Ein letzter Versuch für morgen“, murmelte Leon. „Falls Kilian nicht kommt.“
Sie fanden Nico_25. Das Profilbild zeigte nur einen verschwommenen Torso, trainiert. Die Nachricht war direkt: Suche jungen passiven Typ zum Durchnehmen.
Alex_18: Wir sind zwei. Wie sieht dein Equipment aus?
Nico_25: Groß. Hart. Meld dich wieder, wenn du reif bist, Kleiner.
Alex_18: Zeig was, dann wissen wir, ob wir reif sind.
Eine Minute verging. Dann ein Foto. Es zeigte einen massiven, völlig nackten Schaft, keine Vorhaut, mit einem breiten, glänzenden Ring, der tief durch die Eichel gestochen war. Ein Prince Albert, aber dicker, bedrohlicher als der von Marc. Der Metallreif war fast so breit wie ein kleiner Fingerring.
Leon atmete scharf ein. „Der sieht… professionell aus.“
Alex_18: Gefällt uns. Kannst du morgen?
Nico_25: Ficken kann ich immer. Adresse.
Sie schickten sie. Ein Backup war gefunden. Zwei Männer mit Metall in ihrem Fleisch für einen Abend. Es fühlte sich logisch an, übervoll, wie eine Vorratshaltung für den Untergang.
Donnerstag.20 Uhr. Die Vorbereitungen waren ritualisiert, aber heute hatten sie ein neues Element: die Fesseln. Alex zog sich nur seine Boxershorts an. Leon war schon nackt. Sein Körper wirkte im gelben Licht der Schreibtischlampe zerbrechlich, eine Ansammlung von Knochen und blasser Haut.
Das Seil lag auf dem Bett. Leon nahm Alex’ Handgelenk, begann es mit den rauen Strängen zu umwickeln. Der Knoten war fest, einschneidend. „Zu fest?“
„Es ist gut“, sagte Alex. Die Einschnürung war ein klares, physisches Versprechen. Du entkommst nicht. Das Pulsieren in seinen Handgelenken vermischte sich mit dem Pulsieren in seinen Schläfen.
Sie hörten die schweren Schritte auf der Treppe fast gleichzeitig. Nicht einer. Zwei verschiedene Tritte. Ein schnelles, festes Klacken und ein langsameres, schwerfälligeres Stampfen.
Es klopfte nicht. Die Tür öffnete sich direkt.
Kilian betrat den Raum zuerst. Er war kleiner, als sie erwartet hatten, kompakt wie ein Boxer, mit kurz rasierten Haaren und einer stumpfen Nase. Seine Augen scannten den Raum, blieben an den Fesseln hängen, an ihren nackten Körpern. Ein kurzes, humorloses Grinsen.
Hinter ihm füllte Nico den Türrahmen aus. Er war riesig, breitschultrig, mit einem simplen schwarzen T-Shirt, das über seiner Brust spannte. Sein Blick war träge, interessiert.
„Zwei Vögelchen im Nest“, sagte Kilian. Seine Stimme war überraschend hoch. „Und schon angebunden.“
Nico sagte nichts. Er schloss die Tür, drehte den Schlüssel im Schloss um. Das Klick-Geräusch war endgültig.
„Welches ist meins?“, fragte Kilian.
„Wir dachten…“, begann Leon, aber Kilian schnitt ihm mit einer Handbewegung das Wort ab.
„Ich nehm den Schlanken“, sagte er und deutete auf Leon. „Sieht eng aus. Das mag ich.“ Er wandte sich an Nico. „Du nimmst den anderen. Der hat mehr Fleisch zum Quetschen.“
Nico nickte nur. Er zog sein T-Shirt über den Kopf. Sein Oberkörper war eine Landschaft aus Muskeln und dunklen Tätowierungen. Er öffnete seine Jeans, ließ sie zu Boden fallen. Sein Schwanz hing schwer zwischen seinen Beinen, halb erigiert, der dicke Metallring schimmerte feucht.
Kilian entkleidete sich effizient, fast militärisch. Sein Körper war haarig, sein Dreifach-Piercing glänzte kalt im Lampenlicht. Er trat vor Leon, packte ihn am Kinn. „Auf den Bauch. Beine spreizen.“
Leon gehorchte, kroch auf das Bett, seine Handgelenke noch frei. Kilian nahm einen der breiten Gürtel, legte ihn Leon um die Oberschenkel, zog ihn so fest, dass das Fleisch darüber quoll. Dann packte er Leons Arme, zog sie nach hinten zum Bettpfosten, band sie mit dem Seilrest fest. Leon lag nun ausgeliefert da, sein Gesicht zur Seite gedreht, sein Atem ging schon schnell.
Alex beobachtete alles, von seinem Platz am Boden aus. Nico kam auf ihn zu, kniete sich schwerfällig hin. Sein Geruch war nach Schweiß und billigem Waschmittel.
„Hände hoch“, knurrte Nico.
Alex hob seine bereits gefesselten Handgelenke. Nico untersuchte den Knoten, nickte zufrieden. Dann packte er Alex an den Schultern, drehte ihn grob um, schob ihn auf das Bett neben Leon, in die entgegengesetzte Richtung. Alex’ Gesicht war jetzt in Leons eingeklemmten Oberschenkeln, er roch dessen Angstschweiß. Nico band auch Alex’ Handgelenke am Bettpfosten fest, dann nahm er den zweiten Gürtel und schnürte Alex’ Beine auf, bis auch seine Arschbacken sich teilten und alles offen lag.
Sie lagen jetzt Kopf an Fuß, angebunden und gespreizt, zwei Opfer auf einem Altar.
Kilian spuckte in seine Hand, rieb den Speichel grob über Leons kleines, enges Loch. Es gab kein Gleitmittel, nur diese primitive Feuchtigkeit. „So eng“, murmelte er anerkennend. Dann positionierte er sich, die drei Metallringe an seiner Spitze glitzerten.
„Bitte…“, flüsterte Leon.
Kilian drückte zu. Nicht mit einem Stoß, sondern mit einem langsamen, unaufhaltsamen Druck. Die Metallringe, kalt und hart, drangen voran, dehnten den rissigen Muskel auf eine unmögliche Breite. Leons ganzer Körper spannte sich an, ein ersticktes Keuchen entwich ihm.
Gleichzeitig fühlte Alex Nicos massive Hände an seinen Pobacken, die sie auseinanderzogen. Dann die plumpe, heiße Spitze von Nicos gepierctem Schwanz, die gegen seinen noch wunden, von Marc verheerten Eingang drückte. Alex biss die Zähne zusammen.
„Los, du Sau“, grunzte Nico und rammte sich hinein.
Der Schmerz war so unmittelbar und gewaltig, dass Alex das Sehen vergaß. Es war ein weißer Blitz, der sein Rückgrat entlang schoss. Der dicke Ring von Nico riss an der empfindlichen, kaum verheilten Haut, schürfte ihn innerlich auf. Er schrie, ein gellender Laut, der in Leons Beinen erstickte.
Hinter ihm hörte er, wie Kilian zu arbeiten begann. Ein schneller, brutaler Rhythmus. Das charakteristische, nasse Klatschen von Haut auf Haut, unterlegt mit einem leisen, aber deutlichen Scheuern von Metall auf Gewebe. Leons Stöhnen war hoch und kontinuierlich, ein Geräusch reiner, passiver Ertragung.
Nico hämmerte in Alex hinein. Jeder Stoß war ein dumpfer Schlag, der ihn vorwärts in die Matratze trieb. Der dicke Ring schien jedes Mal zu kratzen, zu reißen. Alex spürte etwas Warmes, Dünnes an seinen Oberschenkeln herunterlaufen. Blut. Sein eigenes Blut.
„Ja, blut du, du Fotze“, keuchte Nico und griff nach vorne, packte Alex an den Haaren, zog seinen Kopf zurück. „Das gehört so. Damit weißt du, wer der Herr ist.“
Die Dualität der Qual war überwältigend. Der scharfe, schneidende Schmerz von Nicos Piercing in seinem zerrissenen Inneren. Der dumpfe, auszehrende Schock von Kilian, der Leon unerbittlich nahm, dessen Stöße das ganze Bett erzittern ließen. Der Raum war erfüllt von den Geräuschen: von Keuchen, von Schimpfwörtern, vom Scheuern von Metall, vom Knarren des Bettgestells.
Kilian veränderte den Winkel. Mit einem brutalen Ruck zog er Leon hoch, an seinen gefesselten Handgelenken, sodass der Junge fast auf den Knien lag, während Kilian ihn weiter von hinten nahm. „Sieh dir deinen Freund an, du Hurensohn!“, schrie Kilian zu Alex hinüber. „Sieh dir an, wie ich ihn auseinandernehme!“
Alex zwang die Augen auf. Durch einen Schleier aus Tränen sah er, wie Leon’s Körper vor- und zurückgeworfen wurde, sein Gesicht eine Grimasse aus Schmerz und Ekstase. Kilian’s behaarter Unterleib klatschte gegen Leon’s blasse Pobacken, die bereits rot angeschlagen waren.
Diese Sicht, kombiniert mit dem brutalen Ficken, das er selbst empfing, trieb Alex über eine Klippe. Seine Hände krallten sich in die Seile, sein eigenes Fleisch schmerzte, und doch begann sein Schwanz, unbeachtet und unbehelligt, steif gegen die raue Bettdecke zu drücken. Ein widerlicher, unwillkürlicher Orgasmus baute sich in ihm auf, geboren aus Schmerz, Erniedrigung und dieser perversen Kameradschaft im Leiden.
Nico spürte die unwillkürlichen Kontraktionen in Alex’ Körper. „Du kommst, du schmutzige Hure? Komm schon, spritz dir selber voll, während ich dich blutig ficke!“
Die Worte waren der Auslöser. Alex’ Körper krampfte zusammen, ein schmerzhafter, trockener Orgasmus schüttelte ihn, als er heiße Fontänen über die schmutzige Bettdecke spritzte. Sein Schrei war diesens Mal ein heiseres, gebrochenes Brüllen.
Das schien auch Nico zu seinem Höhepunkt zu treiben. Mit einem letzten, tiefen Stoß, bei dem er seinen gesamten Gewicht in Alex hineinwarf, blieb er stocksteif stehen. Alex spürte die pulsierende Wärme in seinem Inneren, vermischt mit dem stechenden Schmerz des Metalls.
Kilian, der Leon unvermindert durchnahm, sah das Ende des anderen Paares. Es schien ihn anzuspornen. Er griff nach vorne, umfasste Leons schlaffen Schwanz, begann ihn grob zu wichsen. „Jetzt du, du enges Loch! Komm für mich!“
Leon, überreizt, erschöpft, von Schmerz und der grotesken Stimulation überwältigt, gab nach. Ein dünner Schuss von Sperma spritzte aus ihm heraus, auf die Bettdecke. Erst dann, als Leon schlaff in seinen Fesseln hing, holte Kilian zu ein paar letzten, brutal schnellen Stößen aus und entlud sich in ihm mit einem kehligen, tierischen Grunzen.
Die Stille danach war nur relativ. Erfüllt vom schweren Atmen der vier Männer, vom leisen Tropfen von Flüssigkeiten, vom Ächzen der Seile. Der Gestank war komplex: Schweiß, Sperma, Blut, ein metallischer Unterton.
Nico zog sich aus Alex heraus. Ein schmerzhaftes, saugendes Geräusch. Alex spürte sofort die kühle Luft auf seinem verletzten, offenen Loch. Kilian löste sich von Leon, ließ ihn auf das Bett fallen wie einen Sack.
Sie zogen sich wortlos an. Ihre Bewegungen waren sachlich, müde. Killer blickte auf seine blutbeschmierte Eichel, wischte sie mit einem schmutzigen Tuch vom Boden ab. Nico schnallte seinen Gürtel zu.
„Danke fürs Ficken“, sagte Kilian, schon an der Tür. Es klang beiläufig, wie ein „Danke für das Bier“.
Dann waren sie weg. Das Schlüsselgeräusch im Schloss, ihre Schritte auf der Treppe, die verstummten.
Alex lag gefesselt da, konnte sich nicht bewegen. Das warme Blut auf seinen Oberschenkeln kühlte langsam ab und wurde klebrig. Leon bewegte sich neben ihm, ein schwaches Zucken.
„Leon“, krächzte Alex. Seine Stimme war zerbrochen.
„Ja.“
„Kommst du klar?“
Ein lange Pause. Dann ein leises, von Schluchzen unterbrochenes Geräusch. „Ich glaube… ich glaube etwas ist gerissen.“
Alex drehte den Kopf so weit er konnte. In der schummerigen Beleuchtung sah er, wie zwischen Leon’s gespreizten Beinen eine dunklere, fast schwarze Flüssigkeit in das Gewebe der Bettdecke sickerte. Mehr als nur Blut. Es roch scharf, fremd.
Panik, schärfer als jeder Schmerz, durchschnitt Alex’ Betäubung. „Leon. Wir müssen die Fesseln lösen.“
Sie rangen mit den Knoten, mit steifen, schmerzenden Fingern. Alex’ Hände waren taub, die Durchblutung abgeschnitten. Er kämpfte gegen den rauen Knoten an seinem eigenen Bettpfosten, rieb sich die Haut an den Handgelenken wund.
Nach endlosen Minuten gab es ein surrendes Geräusch, dann einen dumpfen Schlag, als Leon’s Handgelenke frei wurden und er auf das Bett fiel. Er stöhnte auf. Sofort kroch er zu Alex, seine Bewegungen steif, angespannt. Seine Finger waren blau angelaufen, aber er kratzte an Alex’ Knoten.
Als die letzte Schlinge fiel, fühlte sich Alex’ Befreiung wie ein weiterer Schmerz an. Das Blut rauschte zurück in seine Hände, ein brennendes, nadels stechendes Gefühl. Er rappelte sich auf, ignorierte den stechenden Schmerz in seinem eigenen Unterleib.
„Wo?“, fragte er.
Leon drehte sich vorsichtig auf den Rücken, zog seine Beine an. Die Situation war deutlich. Es blutete nicht stark, aber die Flüssigkeit war dunkel, und um das zerstörte Loch herum zeichnete sich bereits eine unnatürliche Schwellung ab, eine violette Verfärbung.
„Das ist nicht gut“, sagte Alex. Seine Gedanken rasten.Klinik. Das Wort schlug wie eine Glocke. Sie konnten nicht in die Klinik. Nicht mit diesen Verletzungen. Nicht mit der Geschichte