Chapter 155: Chapter 155
Der Sommer in NRW war eine feuchte Decke aus Hitze und dem ständigen Geräusch von fernen Autobahnen. Zwei Wochen nach dem Vorfall im Pavillon war die Kommunikation zwischen Alex und Leon zu einem Strom von Prahlereien und schmutzigen Fantasien geworden, die alle in einem Satz gipfelten: „Wenn wir uns endlich wieder sehen.“
Das „Endlich“ kam an einem Dienstag. Leon hatte seinen alten Golf bis an die Grenzen des Erträglichen über die A40 gejagt und stand nun pünktlich um elf vor Alex’ WG. Die Luft flimmerte über dem Asphalt.
„Du siehst aus wie ein Strandurlaub, nur ohne Strand“, grinste Leon, als Alex einstieg. Er trug abgewetzte Shorts und ein schwarzes T-Shirt, das unter den Armen schon dunkle Schweißflecken hatte.
„Und du riechst nach Autoabgasen und schlechten Entscheidungen“, konterte Alex, aber sein Grinsen verriet ihn. Die Spannung war sofort da, prickelnd und vertraut. Sie war anders als davor – weniger verzweifelt, mehr gierig.
„Hab was vorbereitet“, sagte Leon und legte einen grob gezeichneten Zettel auf Alex’ Knie. „Tagesausflug. Halbtagsbesteigung des Baldeney-Sees, kulturelle Zwischenstation, und dann…“ Er tippte auf einen umkreisten Bereich im Wald nördlich des Sees. „Ab in die Botanik.“
„Hast du den ganzen Tag durch geplant wie eine Militäroperation?“
„Nein. Nur die Fickorte.“
Sie lachten, ein raues, ehrliches Lachen, und dann fuhren sie los. Die Fahrt war laut, Fenster runter, Radio auf ein alternatives Düsseldorfer Sender gedreht, der nur schlechten Electro spielte. Sie redeten über nichts und alles. Die peinlichen Details der letzten zwei Wochen. Das Grinsen des Typen im Pavillon. Die Tatsache, dass Alex’ Mitbewohner ihn fragend angeschaut hatte, als er eine Decke und Feuchttücher in seinen Rucksack stopfte.
„Für Picknick“, hatte Alex gemurmelt.
„Mit wem?“, hatte der Mitbewohner gefragt.
„Mit der Natur.“
Der Baldeney-See glitzerte unter der gleißenden Mittagssonne. Sie mieden die vollen Strandbäder, schlugen sich stattdessen durch ein schmales Dickicht am Ostufer entlang, bis sie eine kleine, abgelegene Bucht fanden. Das Ufer war steinig, aber ein paar Meter weiter standen hohe Schilfrohre, die eine Art natürlichen Schirm bildeten. Das Wasser war trüb und warm.
„Kulturelle Zwischenstation meiner Arsch“, keuchte Alex und ließ sich auf die ausgebreitete Decke fallen. „Es sind 35 Grad. Ich schmelze.“
Leon ließ sich neben ihm nieder, kramte Wasserflaschen aus dem Rucksack. Sie tranken schweigend, beobachteten, wie ein Tretboot langsam vorbeitrieb. Die Luft war schwer vom Summen der Insekten und dem modrigen Geruch des Wassers.
„Weißt du noch, wie das war? Im Wald?“ Leon sprach mit geschlossenen Augen, sein Gesicht der Sonne zugewandt. „Diese totale… Ruhe. Danach.“
„Ich erinnere mich mehr an den Teil davor“, sagte Alex. „Der war lauter.“
Leon drehte den Kopf, öffnete ein Auge. „Lass uns das hier laut machen.“
Seine Hand landete auf Alex’ Oberschenkel, wanderte langsam nach innen. Die Berührung durch den dünnen Stoff der Shorts war elektrisierend. Alex stieß die Luft aus. Ringsum das Rascheln des Schilfs, das Plätschern des Sees, das ferne Lachen von Menschen. Irgendwo ein Motorboot.
„Jemand könnte uns sehen“, flüsterte Alex, aber er spreizte bereits die Beine einen Zentimeter.
„Aus dem Schilf? Unmöglich.“ Leons Finger knöpften die kurze Hose auf, schoben den Stoff beiseite. Alex trug keine Unterhose. Die heiße Luft traf direkt auf seine Haut, ließ ihn zusammenzucken. Leon umschloss ihn sofort mit der ganzen Hand, fest und fordernd. „Aber sie könnten uns hören. Also sei leise.“
Doch Leon gab sich keine Mühe, leise zu sein. Sein eigenes Atem ging schon keuchend, als er sich über Alex beugte und ihn mit einem tiefen, gierigen Kuss verschlang. Seine Hand bewegte sich langsam, dann schneller, der Daumen strich immer wieder über die feuchte Spitze von Alex’ Schwanz, der unter der Berührung sofort hart und dick wurde.
„Komm schon“, stöhnte Leon gegen seinen Mund. „Zeig mir, wie sehr du das willst.“
Alex vergrub sein Gesicht in Leons nackter Schulter, biss in das salzige Fleisch, um seinen eigenen Laut zu ersticken. Die Hand war meisterhaft, kannte jeden Zentimeter, jeden empfindlichen Punkt. Es war zu viel und nicht genug. Der Kontrast zwischen der öffentlichen Lage und der intensiven Privatheit der Berührung trieb ihn rasend. Er kam schnell, mit einem unterdrückten, heulenden Stöhnen, sein Samen spritzte über Leons Hand und seinen eigenen Bauch.
Leon ließ ihn nicht verschnaufen. Er klebte seine schmierige Hand auf Alex’ Mund. „Leck ab. Deine eigene Sauerei.“
Alex gehorchte, seine Zunge fuhr über die schlüpfrigen Finger, schmeckte sich selbst, salzig und scharf. Dabei sah er Leon direkt in die Augen. Die Dunkelheit darin war absolut.
Dann schob Leon ihn herum, auf die Seite, zog ihm die Shorts komplett von den Beinen. „Mein turn“, knurrte er. Er stand auf, trat aus seinen eigenen Klamotten, sein Schwanz stand steif und vor Wucht. Er spuckte in seine Hand, rieb es grob über sich, dann kniete er sich zwischen Alex’ Beine. „Zieh die Knie an. Zur Brust. Ich will alles sehen.“
Alex krümmte sich, präsentierte sich ihm. Die Scham brannte, doch die Gier brannte heißer. Das erste, brutale Eindringen ließ ihn wieder aufschreien, das Geräusch erstickte im Schilf. Leon nahm ihn doggystyle, aber mit einer Verdrehung – er zog Alex gleichzeitig an den Hüften hoch, so dass sie fast aufrecht knieten, Alex’ Rücken an Leons verschwitzter Brust gepresst. So konnte Alex über das Schilf hinwegsehen, konnte die Segelboote auf dem See sehen, die ahnungslosen Spaziergänger in der Ferne.
„Siehst du sie?“, keuchte Leon und hämmerte in ihn hinein. Jeder Stoß schob Alex nach vorne. „Sie sehen uns nicht. Sie haben keine Ahnung, dass ich hier dein Arschloch aufreiße.“ Seine Hand grub sich in Alex’ Haar, zog seinen Kopf nach hinten. „Aber du siehst sie. Du siehst ihre normale Welt. Und du spürst mich. Nichts davon ist normal.“
Es war wahr. Die Diskrepanz war überwältigend, ekstatisch. Alex fühlte sich wie ein Geheimnis, lebendig und pulsierend mitten in der Öffentlichkeit. Der Orgasmus überkam ihn überraschend, ein zweiter, trockenerer, der ihn nur schaudern ließ. Leon folgte kurz darauf, sein Samen floss heiß in Alex’ schon wunden Innenraum.
Sie wuschen sich notdürftig im See, das trübe Wasser umspülte ihre Beine. „Eine davon“, sagte Leon und grinste.
„Wie viele hast du geplant?“
„So viele, bis es dunkel ist.“
Die nächste „Station“ war ein altes, verlassenes Bootshaus, einen Kilometer um den See herum. Das Holz war morsch, die Tür hing schief in den Angeln. Drinnen roch es nach Moder, Taubendreck und altem Motoröl. Ein zerbrochenes Kanu lag in einer Ecke.
„Kulturelle Zwischenstation“, verkündete Leon und schob Alex gegen die holprige Wand. Seine Küsse waren jetzt von der Sonne und dem ersten Akt aufgeladen, ungeduldig. Er drehte Alex um, beugte ihn über das Kanu. „Hier. Jetzt. Von hinten. Ich will dich in diesem dreckigen Loch.“
Es war dunkler, enger, die Luft kaum atembar. Alex krallte sich an den Kanten des Kanus fest, als Leon wieder in ihn eindrang. Ohne Vorbereitung, nur mit dem Rest ihrer eigenen Feuchtigkeit. Es war ein rauer, schneller Fick, ganz auf Leons Befriedigung ausgerichtet. Seine Hiebe waren kurz und hart, das Klatschen ihrer Haut hallte im leeren Bootshaus wider. Er kam mit einem brutalen Stöhnen, ließ sich auf Alex’ Rücken sinken.
„Zwei“, keuchte er, als sie sich wieder aufrichteten.
Mittags aßen sie Döner aus der Pappe, auf einer Parkbank am Rande eines Fahrradwegs. Sie waren klebrig, verdreckt, und rochen nach Sex und Schweiß. Es war das beste Essen, das Alex je gehabt hatte.
„Ich fühl mich wie ausgeweidet“, sagte Alex und ließ einen Klecks Joghurtsoße auf sein Shirt tropfen.
„Gut so. Ist noch Platz für mehr.“
Am späten Nachmittag wanderten sie den Waldweg hinauf, der Leon auf seiner groben Karte markiert hatte. Es war kühler hier, das Licht fiel grün und gesprenkelt durch das dichte Blätterdach. Sie fanden die Stelle: eine kleine Lichtung, durchzogen von umgestürzten Baumstämmen. Und dahinter, fast unsichtbar, der Eingang zu einem alten Stollen. Nur ein metertiefes Loch in den Hügel, gesichert durch ein rostiges Gitter, das sich an einem Scharnier lösen ließ.
„Heilige Scheiße. Ein Bergwerk?“, fragte Alex.
„Kein richtiges mehr. Nur ein Anfang. Aber tief genug.“ Leon schob das Gitter beiseite. Die Öffnung war schwarz, ein Hauch von kellerkalter, erdiger Luft strömte heraus. „Dritte Runde. Hier drin.“
„Du bist verrückt.“
„Das wissen wir beide.“
Die Höhle war vielleicht drei Meter tief, der Boden aus weichem Lehm. Sobald sie drinnen waren und das Gitter hinter sich angelehnt hatten, war es fast vollständig dunkel. Nur ein schwacher Lichtschimmer fiel durch die Gitterstäbe. Sie waren in einer anderen Welt. Die Geräusche des Waldes waren plötzlich gedämpft, das Keuchen ihres Atems wurde verstärkt.
Leon schubste Alex sanft gegen die kühle Erdwand. „Gegen die Wand. Hände hoch.“
Alex legte die Handflächen gegen den Lehm. Er hörte, wie Leon die Hose öffnete, hörte das spuckende Geräusch. Dann spürte er die kalte, glatte Spitze von Leons Schwanz an seinem Eingang. „Mach mich dreckig“, forderte Leon. „Hier, in der Dunkelheit.“
Diesmal war es Alex, der die Kontrolle übernahm. Er drängte sich zurück, nahm Leon komplett in sich auf in einem langsamen, stetigen Sturz. Die Dunkelheit war total. Es gab keinen Gesichtsausdruck, keine Landschaft, keine Voyeure. Nur Geräusche. Das knappe, feuchte Geräusch ihrer Vereinigung. Ihr schweres Atmen. Ein Fluch, der von der Wand widerhallte.
Alex bewegte sich auf ihm, ein langsames, tiefes Reiten. Sie küssten sich in der Schwärze, ihre Zungen trafen sich unsicher, gierig. Es war unheimlich intim. Der Akt wurde zu einer endlosen, tranceartigen Schleife von Bewegung und Gefühl. Sie wechselten die Positionen, Leon hob ihn gegen die Wand, Alex umschlang ihn mit den Beinen. Sie fanden ein rhythmisches Heben und Senken, eine primitive Maschine im Bauch der Erde.
Sie kamen fast gleichzeitig, ihre Schreie verschluckt von den erdigen Wänden. Diesmal war es kein Höhepunkt der Spannung, sondern einer der Erschöpfung und totalen Hingabe. Sie rutschten den lehmigen Boden hinab, ineinander verschlungen.
„Drei“, murmelte Leon, sein Gesicht in Alex’ Hals vergraben.
Es war dunkel, als sie aus dem Stollen krochen, vollkommen mit Lehm verschmiert und lächerlich glücklich. Sie wuschen sich an einer versteckten Quelle, zogen sich um. Die Sonne ging gerade unter, als sie zum Auto zurückkehrten, das friedlich auf dem Wanderparkplatz stand.
„Sieht aus, als wären wir im Schlamm gerangelt“, bemerkte Alex und betrachtete seine Flecken.
„Sind wir ja auch.“
Sie hatten das Gitter wieder verschlossen und waren gerade dabei, die restlichen Sachen in den Kofferraum zu laden, als die Lichter aufflammten. Zwei weiße Scheinwerfer, die den Parkplatz in gleißendes Licht tauchten. Ein Auto. Ein dunkler BMW. Er hielt neben Leons Golf.
Zwei Männer stiegen aus. Einer Mitte dreißig, im Poloshirt. Der andere jünger, muskulös. Sie wirkten nicht bedrohlich, eher neugierig. Und leicht angetrunken.
„Alles klar bei euch?“, rief der Ältere. „Habt ihr hier campiert?“
„Nur gewandert“, antwortete Leon, seine Stimme war neutral, aber Alex spürte die leichte Anspannung in seinem Arm.
Die Männer kamen näher. Der Jüngere musterte sie. Sein Blick blieb an ihren Hosen hängen, die noch deutlich lehmige Knie aufwiesen. An Alex’ zerzausten Haaren. An der allgemeinen Verwahrlosung ihrer Erscheinung. Ein langsames, wissendes Lächeln breitete sich auf seinem Gesicht aus.
„Sieht nach mehr als nur wandern aus“, sagte der Jüngere. Seine Stimme war tief und unglaublich selbstsicher.
„Was heißt das?“, fragte Leon scharf.
Der Ältere grinste jetzt auch. „Kommt schon, Jungs. Das ist der Nacktwanderer-Parkplatz, aber nur am ersten Sonntag im Monat.“ Er machte eine suggestive Handbewegung. „Was habt ihr denn wirklich gemacht? Da hinten im Wald?“
Alex’ Blut gefror. Doch dann sah er, dass das Grinsen der Männer nicht gehässig war. Es war… amüsiert. Anerkennend sogar.
Der Jüngere trat einen Schritt näher. „Wir waren auch mal jung“, sagte er. Sein Blick wanderung unverhohlen zwischen ihnen hin und her. „Und mutig. Wie war’s? Gut?“
Leon schien die Absurdität der Situation zu begreifen. Ein Funkeln trat in seine Augen. „Sehr gut“, sagte er
Ein Funkeln trat in seine Augen. „Sehr gut“, sagte er, und diese beiden Worte hingen schwer und eindeutig in der abendlichen Luft.
Der jüngere Mann nickte langsam, als würde er einen Geschmack testen. „Das glaub ich sofort.“ Er lehnte sich gegen die Motorhaube des BMW, sein Blick war nicht mehr nur neugierig, sondern analytisch, fast neidisch. „Wir sind nur hier, um ’ne Flasche Wein zu trinken. Der Blick von der Klippe da drüben ist bei Sonnenuntergang geil.“
„Wir stören nicht“, sagte Alex, seine Stimme klang belegt. Seine Hände waren voller getrockneter Schlammkrusten.
„Das wäre auch schade“, sagte der Ältere, dessen Name Tom war, wie sich herausstellte. Sein Kumpel hieße Ben. Tom zuckte mit den Schultern, ein entspanntes, kumpelhaftes Grinsen auf den Lippen. „Wenn ihr euer Ding durchgezogen habt, dann habt ihr euch den Platz verdient. So ist das.“
Eine unnatürliche Stille breitete sich aus, nur durch das Zirpen der ersten Grillen unterbrochen. Die vier Männer standen sich auf dem Schotterplatz gegenüber, zwei Paare, durch einen Abgrund von Erfahrung getrennt, der in diesem Moment jedoch schmaler schien als je zuvor. Ben starrte Leon direkt an, als würde er eine Formel lösen.
„Wo genau?“, fragte Ben plötzlich. Seine Frage war nicht anzüglich, sondern ernsthaft interessiert.
Leon hielt seinem Blick stand. „Alter Stollen. Da hinten.“
Ben pfiff leise durch die Zähne. „Dunkel. Eng. Geil.“
Tom lachte, ein warmes, körperliches Lachen. „Hör auf, Ben. Du machst dir schon wieder Gedanken.“ Er nahm die Weinflasche vom Beifahrersitz, zeigte sie vor. „Wir gehen zu unserem Aussichtspunkt. Ihr habt eure Höhle. Alles gut.“
Sie verabschiedeten sich mit einem kurzen Nicken, ein seltsam respektvoller Abschied. Der BMW rollte langsam den schmalen Waldweg hinauf und verschwand hinter einer Kurve. Alex ließ die Luft aus, die er nicht gewusst hatte, dass er sie anhielt.
„Was zum Teufel war das?“, flüsterte er.
„Das“, sagte Leon und sein Funkeln war jetzt ein komplettes Feuer, „war Absolution.“ Er packte Alex am Handgelenk, zog ihn vom Parkplatz weg, nicht zum Auto, sondern zurück in den dunkler werdenden Wald, aber auf einen anderen Pfad. „Komm mit.“
„Wohin? Wir sind schmutzig, müde…“
„Eben noch nicht müde genug. Und die haben mich auf eine Idee gebracht.“
Der Pfad führte steil nach oben zu einer felsigen Klippe, die Tom erwähnt hatte. Es war keine große Klippe, nur ein Vorsprung aus grauem Schiefer, der aus dem Waldboden brach und einen fast ungehinderten Blick über die sich im Abendrot färbenden Wipfel des Sauerlands bot. Und da, etwa zehn Meter entfernt, an einem flacheren Stück Felsen mit Aussicht nach Westen, saßen Tom und Ben. Sie hatten eine Decke ausgebreitet, die Weinflasche stand zwischen ihnen. Sie unterhielten sich leise, zeigten auf die untergehende Sonne.
Leon zog Alex hinter einen dichten Vorletzt aus junge Buchen, genau in der Grenzzone zwischen Sichtbarkeit und Versteck. Sie konnten die beiden Männer klar sehen, jedes Detail. Tom legte Ben einen Arm um die Schultern.
„Siehst du?“, hauchte Leon, seine Lippen berührten Alex’ Ohr. „Ein normales Paar. Ein ganz normales Paar. Und wir?“
Er drehte Alex zu sich, küsste ihn mit einer plötzlichen, unbändigen Wucht, die nach der seltsamen Begegnung auf dem Parkplatz alle Schleusen öffnete. Es war ein Kuss, der Besitz forderte, der Existenz forderte. Seine Hände fuhren Alex’ Hemd hoch, kratzten über seinen Bauch. Alex ergab sich sofort, sein eigener Durst war gleich tief, genährt von der voyeuristischen Energie, die von der Klippe herüberströmte.
Leon knöpfte Alex’ Hose auf, schob sie mit den Boxershorts hinunter, ließ sie um seine Knöchel baumeln. Die kühle Abendluft traf auf seine nackte Haut, ließ ihn erschauern. Dann ging Leon in die Hocke, ohne ein Wort, und nahm Alex’ halbsteifen Schwanz vollständig in seinen Mund.
Der Schock der Wärme, der feuchten, saugenden Weichheit war so intensiv, dass Alex ein lautes Stöhnen ausstieß. Er biss sich sofort auf die Lippe, seine Augen rissen sich von Leon los und flogen zu den beiden Männern auf der Klippe. Hatten sie es gehört? Tom und Ben sahen noch immer in die untergehende Sonne, aber Ben drehte leicht den Kopf, als hätte er eine Regung im Wald wahrgenommen.
Leon blies ihn mit einer hingebungsvollen, schamlosen Inbrunst, die Alex’ Knie weich werden ließ. Seine Zunge wühlte sich unter der Vorhaut, saugte an der Eichel, dann nahm er ihn tief, bis Alex das Widerstreben in seiner Kehle spürte. Alex grub seine Hände in Leons Haare, nicht um zu führen, sondern um Halt zu finden, während er diese unmögliche, doppelte Realität beobachtete: den romantischen Sonnenuntergang dort, und diesen oralen Raub hier im Gebüsch.
„Sie… sie könnten jeden Moment hierher schauen“, keuchte Alex.
Leon ließ ihn mit einem nassen, ploppenden Geräusch los. Sein Kinn glänzte feucht. „Lass sie doch gucken“, sagte er, seine Stimme war heiser von der Anstrengung. „Lass diesen Ben zuschauen, wie du in meinem Mund kommst.“ Er leckte noch einmal die Länge von Alex’ Schaft, von den Eiern bis zur Spitze. „Zeig ihm, was wir sind.“
Die Aussicht war unsittlich, unwiderstehlich. Alex fixierte die Silhouette der beiden Männer, während Leon wieder ansetzte, schneller und fordernder jetzt. Die pornografische Klarheit der Situation trieb ihn rasend an den Rand. Sein Atem ging in heißen, gepressten Stößen. Er sah, wie Ben sich zu Tom umdrehte, wie sie sich küssten. Ein sanfter, zärtlicher Kuss.
Gleichzeitig schob Leon zwei Finger neben seinem Schwanz in Alex’ Mund, ließ ihn daran saugen, bevor er sie, schlüpfrig von Speichel, nach hinten führte und ohne Vorwarnung in Alex’ enges Loch drückte. Die doppelte Penetration – der warme, seidige Mund um seinen Schwanz und die groben, eindringenden Finger in seinem Arsch – ließ Alex laut aufstöhnen. Diesmal unterdrückte er es nicht.
Ben auf der Klippe drehte seinen Kopf deutlich in ihre Richtung. Tom folgte seinem Blick. Sie konnten Leon in der Hocke vor Alex sicher nicht sehen, aber sie sahen die Bewegung im Gebüsch. Sie hörten die Geräusche.
Leon zog seine nassen Finger heraus. „Jetzt bin ich dran“, knurrte er. Er stand auf, drehte Alex grob herum, beugte ihn über den niedrigen, gegabelten Stamm einer jungen Buche. Alex’ Hose behinderte seine Beine, er war gefangen, ausgestellt. Leon spuckte in seine Hand, rieb es über seinen prallen, steifen Schwanz, der in der dämmerigen Luft dunkel und bedrohlich wirkte. Mit einer Hand spreizte er Alex’ Backen, mit der anderen führte er sich an den wartenden Ringmuskel.
„Sie schauen jetzt“, zischte Leon. „Ich weiß, dass sie schauen.“
Und dann stieß er zu. Ein einziger, brutaler Stoß, der Alex vollständig ausfüllte, ihn gegen den Baumstamm trieb. Alex schrie auf, ein Schrei aus reiner, animalischer Erregung, der durch die stille Abendluft schnitt.
Auf der Klippe erstarrten die Bewegungen der beiden Männer. Sie sahen nicht weg. Tom sagte etwas zu Ben, der langsam, fast tranceartig, den Reißverschluss seiner eigenen Hose öffnete.
Leon begann zu ficken. Keine zögerlichen Stöße, sondern lange, ausfahrende Bewegungen, die Alex jedes Mal nach vorne warfen. Das Klatschen ihrer Haut war ein schneller, nasser Trommelwirbel gegen das sanfte Sausen des Windes. Alex krallte sich in die Rinde, sein Blick war auf die Klippe gerichtet. Er sah, wie Ben seinen eigenen harten Schwanz herausholte. Er sah, wie Tom neben ihm kniete und ihn in den Mund nahm.
„Sie machen es auch“, japste Alex, überwältigt von der Symmetrie. „Oh Gott, Leon, sie machen es jetzt auch.“
„Ich weiß“, keuchte Leon, seine Hände umklammerten Alex’ Hüften wie Schraubzwingen. „Wir haben sie angesteckt. Siehst du? Wir sind ansteckend.“ Jeder Stoß war eine Behauptung, ein Funke, der übersprang. Alex war das Medium, der leitende Draht zwischen diesen beiden getrennten Welten, die für diesen einen, verdrehten Moment parallel existierten.
Der Anblick dort und das Gefühl hier verschmolzen zu einem einzigen elektrischen Stromkreis. Alex kam mit einem abgerissenen Schrei, sein Samen schoss in heißen Streifen gegen den Baumstamm und den Waldboden. Die krampfenden Zuckungen in seinem Inneren trieben Leon über den Rand, der sich mit einem brutalen, triumphierenden Grunzen in ihn ergoss, seine Zähne in Alex’ Schultermuskeln vergruben.
Sie blieben so, keuchend, verbunden, während ihre Blicke an der Szene auf der Klippe hingen. Ben war dabei zu kommen, sein Kopf war zurückgeworfen, Toms Hände hielten seine Hüften fest. Es war still, nur ihr eigenes keuchendes Atmen und das ferne, unverkennbare Stöhnen des anderen Mannes.
Langsam löste Leon sich von Alex. Sie richteten sich auf, zogen sich notdürftig hoch. Auf der Klippe zogen Tom und Ben sich ebenfalls an. Kein Wort wurde gerufen. Stattdessen hob Tom seine Hand, eine knappe, anerkennende Geste. Ben nickte einmal, ein Lächeln auf den Lippen.
Leon hob seine Hand zurück. Dann nahm er Alex bei der Hand, zog ihn aus dem Gebüsch, den Pfad hinunter, zurück zum Auto. Sie gingen schweigend, aber die Stille war anders als vorher. Sie war gesättigt, voll.
„Das“, sagte Leon, als sie den Golf erreichten, seine Stimme war rau, „war kein Versehen. Das war ein Geschenk.“
Alex lehnte sich gegen die kalte Autotür, sein Körper war eine einzige lebendige Erinnerung. „Was fängt man mit so einem Geschenk an?“
Leon öffnete die Fahrertür. Der Innenraum roch nach ihrem ganzen Tag: nach Schweiß, Wald, Sex und jetzt auch nach dieser fremden, geteilten Erkenntnis. „Man bewahrt es auf“, sagte er, ließ den Motor an. „Und dann fährt man nach Hause.“