Chapter 173: Chapter 173
Das besondere Telefon summte, nicht vibrierte, auf dem Kunststofftisch. Das bedeutet, es war der „offizielle“ Kanal. Der überwachte. Alex zögerte, bevor er es aufhob. Nach Felix’ Enthüllung war jedes Wort, das über dieses Ding lief, potenziell vergiftet.
Er entsperrte es. Eine WhatsApp-Gruppe. Drei Teilnehmer: er selbst, „L“, und „Op“. Operator. Beobachter.
Eine Nachricht von L. Leon.
L: Leben noch immer langweilig hier. Haben mir ne andere Bude gegeben. Weniger Krankenhaus, mehr Gefängnis. Sieht aus wie deins. Scheint gleicher Einrichter.
Darunter ein Foto. Ein ähnlicher, abgewetzter Sessel. Ein andersfarbiger, aber gleicher billiger Teppich. Ein Fenster mit Jalousien. Es war ein Zwillingsgefängnis.
Op: Bitte halten Sie den Austausch auf das für die Zeugenkoordination relevante Thema beschränkt.
Alex ignorierte die Nachricht des Operators. Er tippte.
Alex: Mein Sessel hat mehr Flecken.
L: Zeig.
Es war eine direkte Aufforderung. Eine Grenzüberschreitung, klar und deutlich. Alex schaute zu der schwarzen Kugel der Überwachungskamera in der oberen Ecke des Raumes. Sie wussten es doch ohnehin alles. Sie hatten die vorherigen Bilder. Was war noch zu verlieren?
Er stand auf, stellte sich vor den Sessel. Sein Herz schlug ihm bis in den Hals, aber es war ein anderer Rhythmus als die panische Angst von vorher. Es war Herausforderung. Er zog sein T-Shirt aus, ließ es auf den Fleck fallen, von dem er gesprochen hatte. Er fotografierte den Sessel, dann, mit einer schnellen Bewegung des Arms, schoss er ein Selfie, das seinen nackten Oberkörper und sein Gesicht, halb im Schatten, zeigte. Die Rippen traten deutlich hervor, die Hohlräume über seinen Schlüsselbeinen waren tief. Er sah aus wie ausgehungert.
Er schickte beide Bilder.
L: Sieht scheiße aus. Du isst nicht.
Alex: Macht keinen Spaß, alleine zu essen.
Op: Herr Weber, dies dient nicht der Koordination.
Wieder ignoriert.
L: Dann lass es. Zeig mehr von dem Fleck.
Alex biss die Zähne zusammen. Er löste den Knopf seiner Jeans, schob sie samt Boxershorts über seine Hüften. Kaltluft strich über sein Geschlecht. Er drehte sich halb um, beugte sich über die Sessellehne, in einer annähernden Wiederholung der Pose aus dem vorherigen, privaten Chat. Sein Arsch war den Stoffflecken nahe. Er schoss das Bild von hinten, sein nacktes Gesäß, der Ansatz seiner Eier, die Kurve seines Rückens. Er schickte es.
Zwei Kilometer entfernt, in einem nahezu identischen Zimmer, starrte Leon auf das Bild. Die bleiche Haut. Die Wirbelsäule, die sich abzeichnete. Ein animalischer Zug machte sich in seinem Bauch breit, scharf und heiß, trotz der immer noch stumpfen Schmerzen in seinem Oberschenkel. Er lag auf seinem schmalen Bett, das Telefon in einer Hand.
In einem dritten Raum, einem schalldichten Dienstzimmer im Landesamt für Verfassungsschutz, lehnte sich Operator Maik (28) vor seinen Monitor. Seine Aufgabe war es, den Chat auf Codewörter, Planungen, Geständnisse zu überwachen. Seine rechte Hand ruhte auf seiner Maus. Seine linke lag auf seinem Oberschenkel. Er beobachtete das Bild von Alex’ nacktem Rücken, das auf seinem großen Hauptmonitor erschien. Er fühlte, wie sich in seiner Jeans eine leichte, unwillkürliche Bewegung regte.
L: Besser. Aber ich seh die Flecken nicht richtig. Näher.
Alex atmete tief durch. Er ging noch einen Schritt weiter. Setzte sich auf die Armlehne des Sessels, spreizte die Beine. Mit einer Hand griff er sich an seinen eigenen Schwanz, der unter der Aufmerksamkeit langsam, aber sicher an Steifheit gewann. Er zog ihn, noch schlaff, in die Länge. Mit der anderen Hand hielt er das Telefon und fotografierte den Blick zwischen seine Beine: seine Hand an seinem eigenen Fleisch, darunter der dunkle, verschwommene Fleck auf dem Sessel. Ein unmissverständliches Bild. Er schickte es.
L: Jetzt erkenn ichs. Sah lecker aus.
Alex: Dein Ernst? Der is trocken und alt.
L: Red nicht von dem Sessel.
In seinem Dienstzimmer verschränkte Maik die Beine, ein leichtes Druckgefühl in seiner Leistengegend. Er sollte eingreifen. Eine Verwarnung schicken. Aber sein Blick hing an dem neuen Bild auf dem Bildschirm. Die Perspektive. Die Andeutung. Seine Zunge fuhr feucht über die Lippen. Er beugte sich etwas vor, sein Kreuz presste gegen die Stuhllehne. Die Hand auf seinem Oberschenkel bewegte sich einen Zentimeter nach innen, drückte leicht gegen den Stoff seiner Jeans, wo eine beginnende, deutliche Wölbung spürbar wurde.
Leon schickte ein Bild zurück. Er hatte sein Hemd aufgeknöpft, es zur Seite geschoben. Seine Brust, immer noch zu dünn, aber mit der alten, dunklen Behaarung. Und darunter, der Verband war weg, die wulstige, rosa-violette Narbe auf seinem rechten Oberschenkel. Sie sah wild aus, eingefallen an manchen Stellen, ein Relief aus Gewalt und Not-OPs. Daneben, auf der Boxershorts, die er noch trug, war eine deutliche, feuchte Stelle zu sehen, wo die Spitze seines Schwanzes gegen den Stoff drückte.
L: Mein neuer Look. Ist immer noch empfindlich. Heiß.
Alex starrte auf die Narbe. Das war die Realität. Der Schuss. Das fast Sterben. Und doch diese … Feuchtigkeit. Diese Reaktion. Seine eigene Erregung, die ihm seit Wochen wie ein Fremdkörper vorkam, fühlte sich plötzlich verdammt nah, verdammt echt an. Sein Schwanz wurde in seiner Hand langsam hart, füllte sich mit Blut, wurde schwerer.
Alex: Tut das weh, wenn du steif wirst?
L: Ein bisschen. Macht es geiler. Zeig, dass du auch steif wirst. Nur behaupten kann jeder.
Maik, der Operator, schluckte. Auf seinem Bildschirm wechselten die Bilder. Narbe. Nackter Oberkörper. Nun die Aufforderung. Seine rechte Hand verließ die Maus, glitt verstohlen unter den Schreibtisch, zur eigenen Jeans. Er öffnete nicht den Reißverschluss. Das wäre zu weit gegangen, zu deutlich. Stattdessen presste er die flache Hand fest gegen seinen Schritt, über den festen Stoff der Jeans und der darunter liegenden Baumwollunterhose. Er rieb langsam, kaum merklich auf und ab. Der Druck war direkt, stumpf, durch die Lagen Stoff hindurch. Seine Augen waren an den Bildschirm geklammert.
Alex stand auf, trat vor den Sessel. Sein Schwanz stand jetzt steif ab, bog sich leicht nach oben. Er legte das Telefon auf den Sessel, stellte den Selbstauslöser. Er kniete sich davor, die Hände hinter dem Kopf verschränkt, und starrte direkt in die Linse. Sein Gesicht war ernst, verspannter Lust, seine Brust hob und senkte sich. Und dazwischen, klar im Fokus, sein steifer, voller Schwanz, die Adern pulsierend, ein klarer Tropfen an der Spitze. Klick. Er schickte es.
Für einen Moment kam keine Antwort. Dann:
L: Fick. Ja. Genau so.
Ein neues Bild von Leon. Er hatte die Boxershorts über seine Oberschenkel gezogen. Sein Schwanz lag frei auf seinem Bauch, lang, dünner als Alex’, aber stocksteif, mit einer prominenten, dunkelroten Eichel. Seine Hand lag daneben, die Finger gespannt, als ob sie jeden Moment zupacken wollten. Die Narbe glänzte feucht, vielleicht von Schweiß oder einem Desinfektionsmittel.
L: Will deinen Mund. Will dich auf mir knien sehen wie im Wald. Erinnerst du dich?
Alex’ Mund lief trocken. Er erinnerte sich. Der schmutzige Boden. Der Geschmack. Die Demütigung, die sich in Macht verwandelt hatte.
Alex: Erinner mich.
L: Du hattest meinen Schwanz im Mund. Tief. Du hast gewürgt. Und du hast die Augen nicht zugemacht. Du hast mich angesehen, während deine Lippen um mich rum waren.
Maik, der Operator, rieb jetzt fester, schneller. Sein Atem ging flacher. Die Hitze unter seiner Handfläche breitete sich aus. Seine Jeans waren eng, der Stoff rieb unangenehm, aber genau das machte es irgendwie besser, schmutziger. Er sah auf den Hauptmonitor, wo die beiden Chatfenster nebeneinander lagen, gefüllt mit Fotos von nackter Haut, steifen Schwänzen und expliziten Erinnerungen. Seine Linke zog am Hemd, löste den obersten Knopf. Er war der unsichtbare Dritte in diesem Akt. Der Voyeur. Der Kontrolleur. Und er war völlig erregt davon.
Alex: Ich will ihn wieder im Mund. Aber du bist nicht hier.
L: Dann stell es dir vor. Leg dich hin. Nimm dein Telefon. Zeig es mir.
Alex gehorchte. Er legte sich auf den fiesen Teppich, den Rücken auf den groben Flor. Er richtete das Telefon über sich, auf sein Gesicht, seinen Körper. Seine freie Hand glitt zu seinem Schwanz, umschloss ihn, zog langsam die Vorhaut über die spitze Eichel, ließ sie wieder frei. Ein leises Stöhnen entwich ihm. Er fing es nicht ein. Er drückte auf Aufnahme, kein Foto, ein zehnsekündiges Video. Es zeigte seinen Blick direkt in die Kamera, dann glitt die Perspektive nach unten, über seinen sich bewegenden Hals, seine Brust, zu seiner Hand, die seinen steifen Schaft umklammerte und langsam, aber bestimmt auf und ab strich. Ein zweiter, klarer Tropfen trat aus und glänzte im Licht. Er schickte das Video.
Die Antwort war ein Video zurück. Leon, im Bett, die Kamera von oben. Seine Hand pumpte seinen Schwanz, ein schneller, erfahrener, rauer Griff. Seine Hüften hoben sich vom Bett, stießen in seine eigene Faust. Sein Gesicht war eine Grimasse aus Konzentration und Schmerz, die Augen auf etwas außerhalb des Bildes gerichtet, auf seinen eigenen Oberschenkel, auf die Narbe vielleicht.
„Für dich,“ knurrte er auf dem Video, seine Stimme rau und heiser. „Komme gleich. Will dein Bild sehen, wenn du spritzt.“
In seinem Dienstzimmer spürte Maik, wie sich die Spannung in seinem Unterleib zusammenballte, unaufhaltsam. Seine Bewegungen unter dem Tisch wurden ruckartig, hektisch. Er biss sich auf die Unterlippe, um kein Geräusch zu machen. Seine Augen waren weit aufgerissen, auf Leons Video fixiert, auf die sich peitschende Hand, dann schnell rüber zu Alex’ letztem Standbild, seinem steifen, anfeuchtenden Schwanz. Der Druck, die Reibung durch den Stoff wurden zu viel, zu genau. Es war eklig. Es war perfekt.
Alex: Ich bin nah.
L: Wichs. Jetzt. Spritz dir auf den Bauch. Zeig es.
Alex’ Hand wurde zu einer rasenden Maschine. Der grobe Teppich brannte auf seinem Rücken. Sein ganzes Wesen konzentrierte sich auf das Bild in seinem Kopf: nicht seine eigene Hand, sondern Leons. Leons Blick. Leons Schwanz in seinem Mund. Der Schmerz. Die Hingabe. Das Einverständnis. „Fick mich,“ stöhnte er leise, seine Hüften bäumten sich auf.
Mit einem erstickten Schrei kam er. Weiße Ströme schossen aus ihm heraus, landeten warm und klebrig auf seinem flachen Bauch, auf seinen Rippen, einige Tropfen spritzten bis zu seiner Brust. Zitternd hielt er das Telefon mit zitternder Hand und schoss ein Bild von dem Ergebnis, seinem bemalten, zuckenden Körper. Er schickte es.
Fast zeitgleich kam ein Bild von Leon. Sein Bauch war mit Streifen von Sperma übersät, dick und perlend. Seine Hand lag schlaff daneben, sein Schwanz pulsierte noch leicht. Kein Gesicht auf dem Bild, nur die Verwüstung.
Für einen Moment war der Chat still. Nur die zwei letzten, expliziten Fotos standen nebeneinander auf den Bildschirmen.
In seinem Dienstzimmer durchfuhr ein heftiger Schauder Maiks Körper. Sein Rücken krümmte sich, er presste seine Hand mit aller Kraft gegen sich. Ein heißer, feuchter Schwall breitete sich in seiner Unterhose aus, gedämpft durch den Stoff, aber intensiv spürbar. Ein langes, zitterndes Ausatmen. Dann Stille. Er saß da, die Hand noch an sich gepresst, beschämt, klebrig, und starrte auf den gefrorenen Chat auf seinem Bildschirm. Die Beweise. Sein Job war es, dies zu protokollieren. Sein Körper hatte anders entschieden.
Op: Diese Form der Kommunikation ist nicht zulässig. Der Kanal wird für heute geschlossen.
Die Standardmeldung. Automatisch vielleicht. Oder von einer zitternden Hand getippt.
Die Gruppe wurde deaktiviert. Der Bildschirm wurde schwarz.
Alex lag noch immer auf dem Teppich, sein eigenes Sperma kühlte auf seiner Haut ab. Die Leere danach war diesmal nicht von Scham erfüllt, sondern von einer seltsamen, tristen Verbundenheit. Irgendwo, in einem Zwilling dieses Zimmers, hatte Leon genau das Gleiche getan. Unter den gleichen wachsamen Augen.
Und irgendwo anders hatte ein dritter Mann seine eigene, stille, schmutzige Befriedigung gefunden. Er wischte sich mit einem Papiertuch den Bauch ab, stand auf, seine Knie gaben leicht nach. Er ging zum Waschbecken, spülte kaltes Wasser über sein Gesicht.
Das Klingeln seines anderen Telefons, des alten, von Felix, ließ ihn zusammenzucken. Er
Das Klingeln seines anderen Telefons, des alten, von Felix, ließ ihn zusammenzucken. Er griff danach, die Finger noch feucht vom Waschbeckenwasser. „Ja?“
„Die Tür zu deinem Zimmer,“ sagte Felix’ stimme, flach und digital. „Ist sie verriegelt oder nur abgeschlossen?“
Alex blickte zur Tür. „Abgeschlossen. Der Schlüssel steckt innen. Warum?“
„Weil der Operator, der eure kleine Schäferstündchen gelesen hat, sich nicht nur einen runtergeholt hat.“ Ein Tippen von Tasten klang durch die Leitung. „Er hat einen kompletten Ordner angelegt. Mit allem. Den hochaufgelösten Fotos. Den Videos. Zeitstempeln.“
Alex’ Mund wurde knochentrocken. Die klebrige Kühle auf seinem Bauch fühlte sich plötzlich wie etwas Angeklebtes, etwas Beweisbares an. „Maik. Sein Name stand als Op im Chat.“
„Maik Gärtner. 28. Angestellt beim LfV. Unterdurchschnittliche Bewertungen, aber ein Talent für systematische Archivierung.“ Felix machte eine kurze Pause. „Sein privater Cloud-Speicher ist gut versteckt. Aber nicht gut genug. Er nennt den Ordner nicht ‚Protokoll‘. Er nennt ihn ‚Meine Zeugen‘.“
„Was will er damit machen?“ Alex’ Stimme brach.
„Das ist die falsche Frage. Die richtige Frage ist: Was wird Vogel damit machen, wenn er davon erfährt? Und der wird davon erfahren. Ich werde es ihm zuspielen.“
„Was? Warum? Das zerstört uns!“ Alex preßte die Faust gegen seine Stirn.
„Es zerstört eure Glaubwürdigkeit als Zeugen, ja. Absolut. Es verwandelt euch endgültig in die lüsternen, unkontrollierbaren Komplizen, die er braucht, um seine Version zu untermauern.“ Felix’ Ton wurde schneller, schärfer. „Aber es zerstört auch Maik Gärtner. Vogel kann so einen offensichtlichen, dummen Verstoß gegen jede Protokollregel nicht dulden. Der Mann ist erledigt. Und ein wütender, erledigter Mann mit einem Kopie eines solchen Ordners auf einem privaten Stick ist ein unberechenbarer Mann.“
Alex verstand. Es war ein Schachzug. Ein brutaler. „Du willin, dass er das Material an die Presse oder an Frommhold durchsticht.“
„Ich will, dass er eine Option hat, die nicht Vogel heißt. Wenn er klug ist, kommt er zu mir. Mit seinen Daten. Und mit seinem Zugang.“ Felix hielt inne. „Deine Aufgabe ist es, weiterhin das lockere, vertrauensselige Opfer zu spielen. Im offiziellen Chat. Du weißt von nichts. Dein einziger Kummer ist die Langeweile und die Sehnsucht nach deinem Leon.“
„Und wenn Maik nicht klug ist? Wenn er einfach zu Vogel läuft und alles übergibt?“
„Dann seid ihr verbrannte Erde. Und ich muss einen anderen Weg finden.“ Die Kälte in Felix’ Aussage ließ Alex schaudern. „Aber er wird klug sein. Der Typ, der sich in der Dienststelle in die Hose spritzt, während er Beweismaterial sichtet, hat eine Schwäche. Die werde ich ansprechen. Ab jetzt, keine weiteren Kontakte zu mir, es sei denn, ich melde mich. Nimm den nächsten offiziellen Chat an, wenn er kommt. Und sei... anregend.“
Die Leitung war tot.
Alex ließ das Telefon sinken. Der Raum roch nach seinem eigenen Sperma und der abgestandenen Angst. Er ging zum Sessel, zu dem Fleck, den er fotografiert hatte. Er drückte seine Handfläche darauf. Noch leicht feucht. Ein Beweis für etwas, das jetzt in der Cloud eines fremden Mannes lebte.
Zwei Tage vergingen in einer stickigen, paranoide Gelähmtheit. Dann summte das offizielle Handy.
Neue WhatsApp-Gruppe. Alex, L, Op.
Op: Herr Weber, Herr Deutscher. Zur Fortsetzung der Befragungskoordination. Bitte führen Sie den Dialog in angemessener Form.
L: Hab mich schon koordiniert. Mit der Wand. War lame. Was macht ihr?
Alex’ Finger schwebten über dem Display. Er musste natürlich wirken. Verletzlich. Horny.
Alex: Tag war scheiße. Wieder Kartoffelpüree aus der Tüte. Du?
L: Hackfleischsoße. Sah aus wie das, was letztens auf deinem Bauch war. Nur weniger appetitlich.
In seinem Dienstzimmer, mit blassen Ringe unter den Augen, starrte Maik auf die Nachricht. Sein Magen krampfte sich zusammen. Seit er den Ordner „Meine Zeugen“ geöffnet hatte, schlief er nicht mehr. Er wartete auf die Entdeckung. Jedes Geräusch im Flur ließ ihn hochschrecken. Und doch, als die Gruppe aktiviert wurde, konnte er nicht anders. Seine Hand glitt sofort unter den Tisch, presste gegen den noch immer empfindlichen Stoff seiner Jeans. Die Scham war da, würgend. Aber die Erregung war stärker. Sie war jetzt mit Macht verknüpft. Mit Besitz.
Alex: War lecker. Komm her und probier.
L: Wünschte ich könnte. Könntest du was gebrauchen?
Alex: Was denn?
L: Ein bisschen Ablenkung. Mir ist auch langweilig. Zeig, was du heute anhast.
Alex stand auf. Er zog das graue T-Shirt aus, warf es zur Seite. Er fotografierte seinen Oberkörper, dann, mit einem Ruck, schob er die Jogginghose und Boxershorts hinunter bis zu den Knöcheln. Er trat aus dem Kleiderhaufen heraus. Sein Schwanz hing schlaff. Das Licht fiel darauf. Er schickte das Bild.
L: Sieht einsam aus da unten.
Alex: Ist er. Kalt hier.
L: Wärm ihn auf. Ein bisschen. Nur so halb. Zeig.
Alex’ Atem ging bereits schneller. Das Spiel war vertraut, aber die Gefahr dahinter machte jede Berührung elektrisch. Er legte eine Hand an seinen Sack, rollte die Eier sanft. Mit der anderen fingert er die Spitze seines Schwanzes. Langsam füllte er sich, wurde schwerer, richtete sich auf. Ein dunkelrotes Pochen setzte ein. Er fotografierte den halb steifen Zustand, die Adern, die sich abzeichneten.
Maik beugte sich vor, sein Stuhl knarrte. Sein ganzes Wesen konzentrierte sich auf den Bildschirm. Sein Zeigefinger rieb sich durch den Stoff gegen die Spitze seines eigenen Schwanzes, der sofort hart wurde. Der Druck war eng, unbefriedigend und perfekt. Er schluckte trocken.
L: Besser. Jetzt ganz. Und nass. Mach ihn schön nass für mich.
Alex spuckte in seine Hand. Ein dicker, weißer Tropfen. Er rieb ihn gründlich über seine ganze Länge, ließ den Speichel glänzen. Dann packte er zu, umschloss seinen jetzt völlig steifen, feuchten Schwanz mit einer festen Faust. Er drückte ab. Das Bild war raw, glitschig, erniedrigend schön.
L: Fick ja. Genau so. Will ihn im Maul haben. Will dich würgen hören.
Alex schloss die Augen. Die Worte trafen ihn physisch. Er konnte den Geschmack von damals heraufbeschwören, den würgenden Druck in seiner Kehle, den brutalen Triumph in Leons Augen. Seine Hand begann zu arbeiten, einen langsamen, tiefen Strich. Er schickte eine Sprachnachricht, nur Atmen, dann ein leises, kehliges Stöhnen.
Die Antwort war ein Video. Leon, auf dem Bett, die Kamera von der Seite. Sein Schwanz stand steif ab. Seine Hand fegte darauf zu, ein schneller, frenetischer Rhythmus. „Hier,“ keuchte Leon auf dem Video, seine Stimme war zerrissen. „Hier ist der Scheißdreck, der dich fast umgebracht hat. Willst du ihn? Willst du diesen kaputten Schwanz?“
„Ja,“ flüsterte Alex ins Telefon, seine Hand beschleunigte sich. „Ja, du Arschloch. Gib ihn mir.“
Maiks andere Hand griff nun auch unter den Tisch. Er presste beide Hände flach gegen seinen Schritt, rieb seinen harten, gefangenen Schwanz durch mehrere Lagen Stoff wild hin und her. Sein Gesicht war schweißbedeckt, sein Mund stand offen, stumm. Die Videos, die Fotos, die verzweifelte, wütende Lust der beiden Männer – es gehörte ihm. Alles davon. Sein Atem raste.
L: Dann komm. Mach’s fertig. Jetzt. Ich will dich kommen sehen. Zeig es mir.
Alex warf den Kopf zurück. Seine Hüften stießen in seine Faust. Die Bilder überfluteten ihn: die Hofstube, der schmutzige Boden, dieser Chat, die Kamera oben in der Ecke, Felix’ Warnung, Maiks unsichtbare Augen. Es war zu viel. Eine ekstatische, schwarze Welle brach aus ihm heraus.
Mit einem heiseren Schrei kam er. Schüsse von weißem Sperma spritzten über seine Hand, landeten zuckend auf seinem Bauch, auf dem Teppich. Zitternd richtete er die Kamera auf das Chaos auf seinem Körper, das warme, klebrige Ergebnis. Er drückte ab. Schickte es.
Gleichzeitig kam das letzte Bild von Leon. Sein Bauch war mit dicken, perlenden Streifen überzogen. Seine Hand, schlaff und bedeckt, lag daneben.
Dann, nichts.
Maik rückte noch enger an den Schreibtisch, sein ganzer Körper spannte sich an. Die Bilder der besudelten Körper, der endgültige Beweis ihrer Hingabe – es schob ihn über die Kante. Ein stummes, krampfhaftes Zucken durchfuhr ihn, gefolgt von der plötzlichen, heißen Feuchtigkeit, die sich in seiner Unterhose ausbreitete, dick und klebrig. Er erstarrte, die Hände noch fest gegen sich gepresst, und starrte auf den Bildschirm, während die Welle der Befriedigung von einer eiskalten, klaren Angst abgelöst wurde.
Op: Die Session wird beendet. Die Koordination ist für heute abgeschlossen.
Die Gruppe wurde gelöscht.
Alex sank auf den Boden, sein Körper ein einziges Bündel erschöpfter Nerven. In der Stille danach summte das alte Telefon einmal kurz. Eine Nachricht von einer komplett unbekannten Nummer. Kein Text. Nur eine Bilddatei.
Er öffnete sie zaghaft.
Es war ein Foto eines Computerbildschirms. Darauf zu sehen war ein Ordner mit dem Namen „Meine Zeugen“. Geöffnet. Dutzende Thumbnails, winzige Bilder von seinem und Leons nackten Körper. In der Ecke des Fotos, unscharf reflektiert im Glas des Monitors, war der schattenhafte, angespannte Umriss eines Mannes zu erkennen, der vor dem Bildschirm saß.
Darunter, als zweite Nachricht, ein einziger Satz von Felix: Der Köder ist ausgelegt. Warte auf den Anruf.